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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-06-06 · 23 (6.6.1913) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
23 (6.6.1913)
Date
1913-06-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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31:. 23 Dr. Bwchs Wochenschrift. «eite 413 lich, stündlich. Wenn jemand in seinem Beruf, in seiner wissenschaftlichen Forschung, an körperlicher Arbeit sich mehr zumutet als er wirklich geistig und physisch zu leisten imstande ist, so ist das seine Sache und er hat dies mit sich auszumachen. Wenn es sich aber um das Gemeinwohl handelt, um a-a-> v-s da ist die Sache anders. Wer dem öffentlichen Wöhle dient, wer des Nächsten Zeit verwaltet, wer Interessen Anderer zu wahren hat, darf nicht überbürdet werden, dem müssen wir die Worte Vorhalten: ncan *6 nivo r:s-' Wenn du zu vieles angreifst. wirst nichts zustande bringen oder überall nur halb dabei sein. Unsere Institutionen leiden vielfach darunter, daß die an deren Spitze stehlenden Männer und Frauen zu sehr überbürdet sind, daß sie sich der Sache, welche sie vertreten, nicht mit jener Hingebung widmen, die im Interesse der ihnen anvertrauten Aemter wünschenswert erscheint. So kommt es, Bast ein grober Teil unserer Wohltätigkeitsinstitute ihrer Aufgabe nicht gerecht werden. Ihre Leitung liegt in Händen von müden Führern. Sie haben keine Zdit, sich den Agenden voll und ganz zu widmen. Warum? Weil sie durch ihren Beruf verhindert sind oder zu viele Aemter in ihrer Person vereinigen. Die Mithilfe wäre ganz einfach.. Hast du keine Zeit, nimm nichts an, was dir noch Zeit raubt. Hast du aber übrige Zeit, dann beschränke dich auf ein Amt, setze deine ganze Kraft, dein ganzes Können für eine Sache ein und du kannst sie zur Blüte bringen, auf ihrer Höhe erhalten — zersplittere deine Kraft nicht — weiht du, was es heißt: roiasa -ras ■'man c'poipn Wie sieht es aber bei unseren Vereinen, Waise..Häusern usw., ja selbst teilweise im Vorstand der Gemeinde in Wirklichkeit aus? Wir finden in vielen Vorständen immer wieder dieselben Namen. An der Spitze von Vereinen, die den ganzen Mann brauchen, sehen wir Männer, denen ihr Beruf nur wenig Muhe bietet, um sich den Aufgaben der ihnen anvertrauten Funktionen zu widmen. Ein großer Verein, dessen Wirksamkeit sich über die ganze Monarchie erstreckt, hat einen Mann an der Spitze den sein eigener privater Beruf ganz absorbiert, der einen Mann braucht, her frei ist und seine ganze Zeit in den Dienst der heiligen Sache stellen sollte. Aber nicht genug an dem, wir finden denselben Mann in verschiedenen anderen Körperschaften an leitender Stelle. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, daß es in Wien Herren und Damen gibt, welche zehn Ehrenämter oder noch mehr in einer Person vereinigen. Ein Vorstandsmitglied eines großen Wiener Vereines, dem ich Aemterkumulierung vorwarf, meinte, er werde nicht bezahlt, er verwalte ein Ehrenamt. Ist Ihnen die Ehre weniger als Geld? gab ich zur Antwort. So wird von vielen das Ehrenamt aufgefaßt. Ich könnte so manchen Wiener Vereinsmeier zeichnen — aber ich zeichne streng nach der Natur und fürchte das Erkennen. Ich habe ja nicht die Absicht, persönlich zu werden, Präsidenten, Vizepräsidenten und Schriftführer zu beleidigen, es ist mir rein seelisch um die Sache zu tun. Ich will auch nicht meine Pfeile aus dem sicheren Hinterhalt der Anonymität abschießen. Die löbliche Redaktion der Wochenschrift gibt jeden meinen Namen und meine Adresse bekannt und ich stehe gerne mit Daten zur Verfügung. Natürlich gibt es Ausnahmen. Ich nenne blos „Ferienheim". Was hat die rührige Präsidentin aus kleinen Anfängen geschaffen! Das Ferienheim war und ist ihr Beruf. Ich bin Mitglied eines Vorstandes, der doch allmonatlich eine Sitzung halten sollte, in welcher wichtige Fragen gründlich und sachlich, erörtert werden sollten. Es ist nicht möglich die Herren zusammen zu bring'en. „Keine Zeit" — „Ueberbürdung". Daher kommt es. daß in den meisten Vereinen die Arbeit bezahlten Beamten überlassen bleibt, die ja gewiß in den meisten Fällen ihre Pflicht erfüllen, und der Vorstand führt ein „papiernes" Dasein. Kann man da sagen? c-srp crs nraxs -a Und noch eines. Haben wir auch die richtigen Führer bezüglich ihrer Qualifikation? Vereine mit streng religiöser Tendenz haben Männer an der Spitze, die nur lose mit dem Judentum Zusammenhängen. Ein Naturforscher, ein tüchtiger Jurist, ein Kaufmann hat noch nicht die Eignung zur Leitung eines pädagogischen Vereines. Institute, welche die Aufgabe haben, Mädchen für das praktische Leben zu erziehen, haben ein Damenkomitee, deren Mitglieder das praktische Leben nicht kennen. Große Kinderjausen, die Damen in rauschenden Seidentoiletten — Chanukafeier mit Gedichte — Vorträgen und Absingen der Volkshymne, das sind Dekorationsstücke. In den Ausgab en-Etats wäre so manches zu streichen, das für die Erziehung besser verwertet werden könnte. Qualität, Erüst, Zeit, sind die ersten Faktoren eines Vorstehers. Wo sind die Gegner einer Wiederaufnahme des Prozesses Hilsner. Aus Prag, 2. d., wird telegraphiert: Wie das erzbischöfliche Organ, der „Cech", aus Wien meldet, wurde das Gesuch um Wiederaufnahme des Hilsner-Prozefses von der Generalprokuratur auf Grund der gepflogenen Erhebungen abgetehnt. Die Verschiebungen in der Staatszugehörigksit der Juden auf dem Balkan. Die in Sofia erscheinende spaniolische Zeitschrift „La Luz" veröffentlicht in ihrer Nummer vom 3. Mai einen Aufsehen erregenden Artikel über die Frage, welche Verschiebungen das Ergebnis des Balkankrieges Hinsichtlich der Staatszugehörigkeit der Juden in den okkupierten Gebieten haben. Dieser alarmierende Artikel verdient die volle Aufmerksamkeit der weitesten Kreise, weshalb er hier in Uebersetzung wiedergegeben werden soll: „Eine Gefahr, deren schwerwiegende Bedeutung im ersten Moment nicht offenbar wurde, droht dem größten Teile der jüdischen Gemeinden in den von den Verbündeten okkupierten Gebieten. Dfese Gefahr sollte von allen, die an der Spitze dieser Gemeinden stehen, in ernste Erwägung gezogen werden, um für die Zukunft vor bitteren Ueberraschungen verschont zu bleiben. Juden, die die Türkei wegen des Kriegszustandes verlassen hatten, kehren in ihre Geburtsstadt mit fremdstaatlichen Pässen versehen zurück. Diese plötzliche Aenderung ihrer Staatszugehörigkeil hat eigentlich für dieselbe nur problematischen Wert. Diejenigen, die sich mit solchen Pässen versehen halten, konnten aus ihnen nur in einem Lande Nutzen ziehen, in welchem die Kapitulationen in Kraft sind. Diese Kapitulationen eristieren aber in den Staaten der Verbündeten äo kaeto nicht und die fremdländischen Pässe bieten daher den Besitzern jetzt nicht mehr jene Vorteile, mit denen sie vor dem Kriege noch verbunden waren. Der Artikel erinnert daran, daß die Juden auf dem Balkan, sowohl als auch die Juden der ganzen Welt, überhaupt stets großes Gewicht darauf gelegt haben, zu den allgemeinen Bürgerrechten auch das Recht und die Pflicht der Blutsteuer für ihr Vaterland zu erlangen. Es sei daher durchaus kein Vorteil, durch die Aenderung der Staatszugehörigkeit von dem Militärdienste befreit zu fein. Hingegen — so heißt es in dem Artikel weiten — hat dieser abnormale Zustand eine ganze Reihe von schwerwiegenden, verhängnisvollen Nachteiles im Gefolge. Versuchen wir sie aufzuzählen: - „Ein fremder Untertan hat hierzulande weder das aktive, noch das passive Wahlrecht. Er kann an den öffentlichen Lieferungen und Arbeiten des Staates nicht teilnehmen. Er kann weder Arzt noch Advokat sein.

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