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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-30 · 22 (30.5.1913) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
22 (30.5.1913)
Date
1913-05-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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.Nr. 22 Dr. Mochs Wochenschrift. Sette 401 diese Erklärung dann schließlich sich gegen die Inden richtet. So ist es auch mit dem Amnestieerlaß! des Zaren, anläßlich der Romanow-Iubiläumsfeier. Allgemein Herrschte damals die Auffassung, daß die Amnestie sich auch auf diejenigen Juden erstrecke, die wegen der Nichtstellung irgend eines 'Familienmitgliedes zur Assentierung zur Zahlung der berüchtigten 300 Rubelstrafe verurteilt wurden. Als nun einige jüdische 'Familien von diesem Amnestieerlaß Gebrauch machen wollten, erklärte der Senat, daß jdie 'Frage nicht 'ganz klar sei und alte diesfälligen Angelegenheiten insolange in 8usi>6nso zu bleiben haben, bis der Minister des Innern eine „Erklärung" zu diesem Amnestieerlaß herausgegeben haben wird. Diese Erklärung ist nun erflossen und sie richtet sich, wie vorauszusehen war, gegen die Iuden. Nach dieser Erklärung hat sich die Amnestie auf die 300 Rübelstrafe nicht bezogen. Dler Persische Schmäh und die Chewra Kadischa. Aus Odessa wird uns geschrieben: Dieser Tage starb hier infolge eines Zweiradunfalles der Schwager des gewesenen Schah von Persien, Abdul Mirza. Der Leichnam des Verstorbenen wurde nach Persien überführt. Um nun den Körper zur Bahn zu befördern, wandte sich der Er-Schah an die hiesige Chewra Kadischa mit der Bitte, ihm zu diesem Zwecke den Leichenwagen dieses Brudervereines zu überlassen, da die 'Familie Gewicht darauf legt, mangels einer ähnlichen mohammedanischen Körperschaft in Odessa keine andere Gesellschaft als die jüdische, beziehungsweise deren Leichenwagen, zu benützen. Es ist nun interessant, daß das Rabbinat. welches über Befragen der Leitung der Chewra Kadischa die Angelegenheit in einer eigenen Sitzung behandelte, die Bewilligung zur Beistellung des jüdischen Leichenwagens für den Leichnam des Abdul Mirza erteilte. Automodilausstellung in Petersburg. In der nächsten Zeit findet in Petersburg eine internationale Automobil-Ausstellung statt. Die russische Regierung hat die Arrangeure der Ausstellung verständigt, daß sie nicht in der Lage setz den ausländschen jüdischen Ausstellern eine persönliche Teilnahme an der Ausstellung zu gestatten. Daraus geht nun hervor, daß die Leitung der Ausstellung sich wegen Zulassung von Iuden an die Regierung gewendet hat und das Gesuch abschlägig erledigt wurde. Ein jüdischer Gegenboykott m Russisch-Polen. Aus Warschau wird uns berichtet: Endlich haben sich die Iuden Russisch-Polens dazu aufgerafft, anstatt über den Boykott der polnischen 'Feudalen gegen die Iuden zu wehklagen, denselben dort, wo es möglich ist, mit einem Gegenboykott zu beantworten. Die jüdischen Hausfrauen von Warschau und Radom haben beschlossen, den Karpfenmarkt in diesen Städten insolange zu boykottieren, als die Polen den Boykott gegen die Iuden aufrechterhalten. Es ist auch dafür gesorgt, daß dieses Beispiel in allen großen Städten Nachahmung findet. Die Bedeutung eines solchen Schrittes wird klar, wenn man erfährt, daß,das Fischereirecht in Polen ausschließklich im Besitze des polnischen Adels ist, der von der Fischzucht und dem Fischverkauf immense Summen einnimmt. Es ist bekannt, daß die Iuden in Polen die bedeutendsten 'Fischkonsumenten sind. Wird dieser Boykottbeschluß auf der ganzen Linie eingehalten werden, so wird der polnische Adel, von dem der Boykott gegeu die Iuden ausging und noch heute begünstigt wird, vielleicht einsehen, daß der Boykott im allgemeinen ein zweischneidiges Schwert ist. Die finnische Iudenfrage auf einer Friedenskonferenz. Anläßlich des 'Friedenslages hielt der bekannte finnländische Politiker Leo Mehlin, der viele Iahre hindurch an der Spitze der finnländischen Regierung stand, über Einladung der Moskauer 'Friedensgesellschaft daselbst einen Vortrag über den Weltfrieden. Am Schlüsse des Referates veranstalteten die Moskauer politischen Persönlichkeiten" mit dem Fürsten Dolgorukow an der Spitze zu Ehren Mehlin's ein Bankett. Unter anderem hielt auch der bekannte jüdische Politiker Dr. Tschlenow eine Rede, in welcher er mit Entrüstung auf die Tatsache hinwies, daß der finnländische Landtag in seiner letzten Session abermals den Gesetzentwurf, betreffend die Gleichberechtigung der Iuden in Finnland, verwarf, und in das Gesetz über die Gleichberechtigung der Russen in Finnland, die beschämende Bestimmung aufnahm, daß hinsichtlich der Iuden und Zigeuner die alten Rechtsbegrenzungen in Kraft bleiben. In seiner Antwort wies Mehlin darauf hin, daß diese Rechtsbegrenzungen einen Teil der Grundgesetze des Landes bilden und ihre Aufhebung daher nicht vom Landtage allein beschlossen werden könne. Seit dem Iahre 1872 habe der Landtag wiederholt Petitionen wegen Eliminierung in der Bestimmung aus. den Grundgesetzen beschlossen, ohne daß dieselben auch jemals nur den geringsten Erfolg gehabt hätten. Er habe jedoch die feste Zuversicht, daß sobald das finnländische Parlament, welches bekanntlich selbst um seine Existenz zu kämpfen hat, wieder in das normale Geleise geraten wird, es als feine Ehrenpflicht ansehen werde, die Iudenfrage im Sinne der Gerechtigkeit und der Gleichheit zu lösen. Die Emigrationskoirferenz. Gestern abend wurde die Emigrationskonferenz der Ica im Handelsklub eröffnet. Es find vertreten die Emigrationsbureaus in Petersburg. Libaü. Warschau, Odessa, Kiew, Minsk, Kowno, Lodz, Bialystock, Grajewo, ferner Delegierte vieler Ito-Vereine. sowie andere bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen jüdischen Lebens in Rußland. Im Aufträge des Ministeriums wohnt Dr. Kreps aus Petersburg den Verhandlungen bei. Die Konferenz wurde mit einer Begrüßungsrede des Vorsitzenden des Zentralkomitees, Herrn Warschafski aus Petersburg, eingeleitet, worauf man zu den Wahlen des Präsidiums schritt. Wie aus dem Bericht des Zentralkomitees hervorgeht, werden zur Zeit an mehr als 440 Plätzen in Rußland Emigrationsbureaus erhalten. Die Zahl der Emigranten, die 1911 die Hilfe dieser Vermittlungsstellen in Anspruch nahmen, betrug 44.051, zu denen die nach vielen Tausenden zählenden Auswanderer kommen. die sich auf schriftlichem Wege von den Bureaus Rat geholt haben. Besonderes Augenmerk richteten die Bureaus auf den Gesundheitszustand der Auswanderer und standen in enger Verbindung mit den Augenärzten der betreffenden Städte. Die Emigranten wurden von diesen im Aufträge der Ickl daraufhin untersucht, ob der Zustand ihrer Augen den amerikanischen Einwanderungsgesetzen entspricht und, wo nötig und zweckmäßig, von ihnen unentgeltlich in Heilung genommen. In vielen Fällen konnte von den Icabureaus eine Ermäßigung der Seefahrt erzielt werden. Die größte Sorge bereitete die Beschaffung von Auslandspässen für die Auswanderer, und diese Frage wird in den Beratungen einen hervorragenden Platz einnehmen. Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzungen stehen Berichte der einzelnen Emigrationsbureaus im Rayone wie an den Grenzstationen, ferner die Frage der Erlangung von Auslandspässen für die Auswanderer.

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