Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 22 (30.5.1913)
- Date
- 1913-05-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Nr. 22 EM 4op Dr. Blochs Wochenschrift Llöge der humane jüdisch-fromme Geist, der den Jubilar auLzeichnet', auch fü5!-späte Leiten clor gute Hort sein, der - die Institutionen d§r Prager isr. Beerdigungsbrüderschaft in allen Teilen leitet I Dem in der Stille” seines Heimes in 'Gotteswort forschenden und dieses in werktätige Handlung umsetzenden und darum jugendfrischen Jubilar sei - aber .aus dem Herzen Tausender Verehrer zugerufen: Ad meio' schonoh! W. K. Eine judffche Karawane. Aus Jaroslau in Galizien wird berichtet - Eine herzzerreißende Szene spielte sich dieser Tag'e in unserer Stadt ab. Auf vier Wagen, wie Zigeuner zusamMengepfercht, passierten unsere Stadt vierzig Personen, Juden, die auf Grund der letzten unmenschlichen Maßnahmen aus Kiew in Rußland vertrieben wurden. Diese Karawane jüdischen Elends befindel sich schon seit zwei Monaten auf der Wanderung. Ueber die Pessachfeiertage weilten sie in Czernowitz, wo zu ihren Gunsten mehrere Wohltätigkeits-Veranstaltungen stattfanden, aus deren Ergebnissen für die armen Vertriebenen Wagen und Pferde gekauft wurden, um auf diese Weise ihre Reise bis Wien fortsetzen zu können, von wo ein Teil nach Kanada und ein Teil nach Palästina befördert. werden wird. Diese arme Karawane ist aller Mittel bar und gezwungen, sich von Stadt zu Stadt durchzubetteln. Wie sie versichern, haben sie seit Jahrzehnten in Kiew gewohnt. die meisten von ihnen wurden auch dort geboren und der Ausweisungsbefehl traf sie um so harter, als er unvorbereitet kam und sie daher nicht in der Lage waren, ihre Habe in Ruhe entsprechend zu verwerten. Ciue jüdische Deputation bei Bischof PLrvy., Aus Kesmürk schreibt man uns unter dem 20. d. M.: Unter den zahlreichen Deputationen, welche dem Szepeser röm.- lath. Bischof Alexander Pürvy anläßlich seiner dieswöchentlichen Firmungsreise begrüßten, erschien auch die der Kösmärker Israel. Kultnsgemeinde unter Führung ihres Sekretärs Moriz Herz, der den Kirchenfürsten mit einer schwungvollen Ansprache willkommen hieß. Der Bischof.dankte tiefgerührt für die herzliche Begrüßung welcher auch Präses Bernhard Graus in deutscher Sprache mit beredten Worten Ausdruck verlieh. Der Bischof sagte u. A., seine Mission wäre eine verfehlte, stünde sie nicht im Dienste des konfessionellen Friedens und der Liebe zu allen Mitmenschen. Beim Bankett brachte Sekretär Herz, von einem Psalmvers ausgehend. auf die im Geiste der Nächstenliebe und der Gottesfurcht konfirmierte Jugend einen Toast aus, für den der Bischof in hebräischer Sprache dankte. Auszeichnung eims jüdffchen Amvrrsitätsprofessors in LUabon. Der ordentliche Professor für Bakteriologie an det medizinischen, Fakultät *in Lissabon Dr. Emilio Enrico Franco wurde über Vorschlag des italienischen Botschafters in Lissabon vom König von Italien zum ^Kavalier des italienischen Kronenordens ernannt. Professor. Franco entstammt einer uralten venetianischen jüdischen Familie, ist heute erst 30 Jahre alt und hat sich als Bakteriologe einen so großen Ruf erworben, daß die Lissaboner Universität ihn für den freigewordenen Lehrstuhl für Bakteriologie unioo loco kandidierte und schließlich auch wählte. Die WWimüiwns des ermordeten^erikanWen PMidenten. Im „Volksadvokat" von Newyork macht ein gewisser David Bliß, ein angesehener jüdischer Kaufmann aus Meriko, interessante Mitteilungen über die Abstammung des jüngst ermordeten Präsidenten der meXikanischen Republik. Madero. Hiernach soll Madero von einer portugiesischen Marannenfämilie abstammen. Herr/ David Bliß will dies aus einem Gespräche, das er mit Madero persönlich hatte, erfahren haben. Madero soll wiederholt erklärt haben, daß er stolz sei auf seine Abstammung von jenem. Volke, das schon so Großes heroorgebrächt hat und noch zu großen Taten berufen ist. Das Präsidium des italienischen Gemeindebundes beim König. Wie aus Rom berichtet wird, wurde das Präsidium des jüdischen Gemeindebundes von Italien dieser Tage vom König in besonderer Audienz empfangen. Der König unterhielt sich Mit den bei ihM erschienenen^ Vertretern der italienischen Judenschaft über alle die Juden dermalen berührenden aktuellen Fragen und zeigte sich über dieselben auch vom Standpunkte des Judentums außerordentlich gut informiert. Seine Majestät sprach den Erschienenen ihr uneingeschränktes Lob über die Haltung der Juden während der letzten zwei kritischen Jahve aus, besprach huch die Haltung der italienischen Juden und insbesondere des großen Staatsmannes Luigi Luzatti in der rumänischen Judensrage, für welche sie ein außerordentlich feines Verständnis bekundete. In der Audienz wurde auch die Frage der Juden in Saloniki berührt, und es liegt in der Natur der Sache, daß der König insbesondere über die Entwicklung der jüdischen Gemeinden in Tripolis authentische Informationen haben wollte. Die Mitglieder der Deputation waren in der Lage, dem König zu melden, daß die,Juden in Tripolis in voller Erkenntnis des segensreichen Wandels lid) in jeder Beziehung . patriotisch zeigen. Wie ..Settimana Jsraelitica" zu berichten in der Lage ist, ist diese Audienz, welche Vr Stunden währte, für die weitere Entwicklung der Fragen, welche dabei, berührt wurden,, von außerordentlicher Bedeutung. Ernesto Nathan in Rom. Die ,.V. Z. am Mittag" schreibt: Ein Telegramm aus -Rom meldet, daß der erste Bürgermeister Ernesto Nathan die Absicht geäußert hat, sein Amt niederzulegen. Nach dem ..Giornale d'Ztalia" gibt er als Grund für seinen Entschluß Gesundheitsrücksichten an. Seine Gegner jedoch bebanvten. er wolle für das Abgeordnetenhaus kandidieren. Der Rücktritt Nathans wird in der Stadtverwaltung eine große Krise Hervorrufen, da niemals ein Bürgermeister von Rom in dem Mare wie er persönliche Initiative entwickelt und für das Gemeinwohl sich eingesetzt hat. Zum Amt kam er als Vertrauensmann der konstitutionellen Linken und der Radikalen. Der Zorn der klerikalen Gegner über die Wahl des Znden Nathan war umio größer, als er lange Jahre Großmeister der italienischen Freimaurer gewesen war. Die Reformen, die er durchgeseht hat, steuerten der Wohnungsnot, dem Monopolwucher und der Nahrungsmittelfälschung. Ernesto Nathan, der bis 1887 englischer Untertan war, steht jetzt im 65. Lebensjahre. Ernesto Nathan bleibt BürgörrnMer von Rom. Aus Rom wirb uns telegraphiert: Infolge lebhaften Drängens und der Snmvathiebeweise der Mehrheit des Gemeinderates hat sich Bürgermeister Ernesto Nathan - entschlossen, auf seinen Posten als römisches Stadtoberhaupt zu bleiben. ' Auszeichnung eines amerikanischen Juden durch den König von Bulgarien. Der König von Bulgarien hat. wie das Amtsblatt in Sofia meldet. Herrn Mar-Pam in Chiacgo für seine anläßlich des Balkankrieges den Bulgaren geleisteten außerordentlichen Dienste das Ritterkreuz des Ordens vom Heiligen Cyrillus und Methodius verlieben. Wie die jüdischen Blätter in Amerika berichten, ist Herr Mar Pam ein hochgeachteter Jude in Chicago. Eine „Erklärung" zur jüngsten Amnestie in Rußland. In Rußland ist man schon gewöhnt, daß selbst das liberalste Gesetz hinsichtlich, seiner Anwendung auf die Juden imMer. erst einer Erklärung bedarf und daß