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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-30 · 22 (30.5.1913) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
22 (30.5.1913)
Date
1913-05-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Sette 399 Nr. 22 Dr. Blochs Wochenschrift der Frau Olga von Doctor zur 1., Regine Bettel!fjieim zur 2. VizepräMentin, der Damen kais. Rat Anna Hirsch uitd Minna Brukner zu Kassiererinnen, der 'Frau Martha Stiaßny zur Kontrollorin, sowie der Damen Stein und L u k a c % zü Vorsteherinnen (die übrigen Stellen verbleiben in denselben Händen) schloß Frau Regine Köpfte in die Versammlung. Ein aktueller Gerichtsfall. Am 16. März wurde in der Hauptallee in Wien der Student O. Schwarz, der sich in Gesellschaft einer Dame befand, von einem ihm 'gänzlich unbekannten deutschnationalen jüdischen Studenten Richard Roellner mit den Worten „jüdischer Lausbub" beschimpft. Der Beschimpfte verlangte von ihm die Karte, worauf Roellner antwortete: „Juden gebe ich keine Satisfaktion." Schwarz versetzte ihm nun mit der Faust einen Schlag ins Gesicht, durch den Roellner eine Verletzung erlitfs. .Auf Grund einer Anzeige hatte sich gestern Schwarz vor dem Bezirksgericht Leopoldstadt zu verantworten. Der Angeklagte gab den. Vorfall irrt wesentlichen vollkommen zu und bemerkte, daß er über den ihm von einem Fremden in Gegenwart einer Dame ohne jeden Grund zugefügten Schimpf und Ne Verweigerung jeder Satisfaktion, sowie der Nennung des Namens derart empört war, daß er instinktiv Herrn Roellner ins Gesicht geschlagen habe. — Der Zeuge Roellner stellte den Vorfall so dar, als hätte er sich mit Begleitern ganz harmlos über die in der Hauptallee befindlichen vielen Juden unterhalten, worauf er von dem Angeklagten, der die Aeußerungen auf sich bezogen habe, beleidigt worden sei. Er habe allerdings „Iudenbub" gesagt und seine Karte habe er dem Angeklagten nicht gegeben, weil er 'prinzipiell., Juden, keine Satisfaktion gebe. — Verteidiger Dr. Schoebach: Wenn Sie das aus prinzipiellen Gründen getan haben, so erkläre ich Ihnen hier, daß es ein feiges Prinzip ist, zu beleidigen und kefne Genugtuung zu geben, nicht einmal feinen Namen zu nennen, sich umzuwenden und so zu' kneifen. Ihre Handlungsweise ist nichts anderes! — Der Zeuge Sinnreich gab an, daß. Herr Roellner dem an ihm vorbeigehenden Angeklagten ohne jede Ursache „jüdischer Lausbub" zurief, worauf dieser von ihm die Karte verlangte. Ms er sie verweigerte. habe der Angeklagte ihm einen Faustschlag ins Gesicht versetzt. Bezirksrichter Dr. Wladarz vei> urteilte den Angeklagten zu zwanzig Kronen Geldstrafe, wobei er die Aufregung infolge des Verhallens des Beschädigten und das Geständnis als mildernd annahm. Nach der Urteilsfällung fragte der Zeuge Roellner. was mit seinem Schmerzensgeld von 1400 Kronen sei, worauf der Richter bemerkte, daß er dasselbe im Zivilgerichtswege geltend machen könne. Preßburg. (Besuch des Bürgermeisters beim vereinigten Hilfskomitee der jüdisch e n F r a u e n v e r e i n e.) Dienstag den 27.. vormittags. erschien Herr königl. Rat Bürgermeister Theodor Brolly, begleitet vom Mitgllede des Munizipalausschusses Edm. M e r 6 n y i, beim vereinigten Hilfskomitee der jüdischen Frauenvereine in der israelitischen Bürgerschule, zur Besichtigung der von diesem Komitee geleiteten Hilfsaktion. Frau Betty Wellisch begrüßte namens des Präsidiums beider Vereine den Bürgermeister und dankte ihm dafür, daß er trotz seiner großen Inanspruchnahme sich Zeit genommen habe, das Hilfswerk der jüdischen Frauenvereine zugunsten der Brandbeschädigten persönlich in Augenschein zu nehmen; zugleich überreichte Frau Wellisch als Beilragsleistung beides Frauenvereine zum städtischen Hilfsfond 1000 Kronen, . welcher Spende sich die beiden Präsidentinnen der Frauenvereme, Frau Wellisch und Frau A. St eiin, mit je 50 Kronen und Frau Selma Steiner mit 50 Kr. anschlossen. Namens der Zentralleitung des Komitees gaben Frau Selma Steiner und Revisor Herrs Mar Stein Aufklärungen über die Geschäftsführung, Organisation und Leistungen des Hilfskomitees, auch würden sämtliche Damen des Komitees dem Herrn Bürgermeister vorgestellt. Der Bürgermeister dankte den Damen des Komitees für ihre eifrige und zielbewußte Mühewaltung im Dienste der öffentlichen Wohlfahrt" und äußerte über das Gesehene und Gehörte die vollste Anerkennung. Siebzigster Geburtstag des Präsidenten David Lieben der Prager Chewra-Kadischa. Am Samstag, den 31. d. M., begeht der Obmann der Prager Chewra-Kadischa, Herr David 8. Lieben, seinen siebzigsten Geburtstag. Allen Ehrungen und Anerkennungen für seine im.Dienste der Allgemeinheit geleistete segensreiche Arbeit, die er in seiner Bescheidenheit nur als Pflich'erfiillung auffaßt, abhold. wird von einem offiziellen Feste seitens der Prager Brüderschaft Abstand genommen werden. Aber Männer, die, wie der Jubilar, im Vordergründe des öffentlichen Wirkens stehen, haben ja eigentlich das Anrecht auf freie Selbstbestimmung eingebüßt und müssen sich der öffentlichen Meinung fügen, die ihnen an einem so markanten Tage Dank und Anerkennung einerseits und Glückwünsche anderseits im Namen Tausender auszusprechen verpflichtet ist. : Das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts hat die uralte una ob ihrer segensreichen Tätigkeit vorbildlich gewordene Prager Beerdigungsbrüderschaft Chewra-Kadischa gemilus chasodim vor schwere, durch die Assanierung bedingte Aufgaben gestellt, die an der Wende des Jahrhunderts teils gelöst, teils in das erste Dezennium des neuen Jahrhunderts übergingen und in ihren Folgen noch heute die berufenen Körperschaften beschäftigen. Es war demnach eine glückliche Fügung des Geschickes, daß an der Spitze des mehrere Tausend Mitglieder umfassenden Vereines auch der richtige Mann stand, dessen weitschauender, praktischer Blick, gepaart mit Arbeitsfreudigkeit und Energie, trotz großer Schwierigkeiten, die zu bewältigen waren, die großen Aufgaben zur glücklichen Lösung brachte. Am 20. Mai 1888 — also vor 25 Jahren — haben die Sekenim der Brüderschaft Herrn David 8. Lieben zum Vorsteher gewählt, einige Monate darauf übernahm er nach dem sei. Ohm. Hermann Inwald die Leitung des Vereines. Die traditionelle, rühmlich bekannte Frömmigkeit des von gelehrten Vorfahren abstammenden Hauses Lieben, die ihre mächtigsten Stützen im talmudischen Wissen und stillem Wohltun besitzt, kam dem Verein als spezifisch jüdischorthodoxen sehr zustatten, so daß er als wahrer Träger frommer Gesinnung seinen Namen mit vollem Recht und in Ehren trägt. Große Aufgaben pochten an die Pforten des ärmlichen Vereinshauses in der alten Hampaßgasse. Der Wolschaner Friedhof stand vor der behördlichen Schließung und es galt rasch Ersatz zu schaffen. Nach komplizierten Verhandlungen, die der Jubilar leitete, konnte schon am 4. Juli 1890 der neue Friedhof in Straschnitz eröffnet werden. Als durch die Assanierung der Alt- und Josefstadt dem Ghettofriedhof Verderben drohte, da war es wieder der Obmann Herr D. Lieben, der, unterstützt von opfer- Und arbeitswilligen Vorstandsmitgliedern, die Gefahr bannte und den archäologisch wie kulturhistorisch Interessanten „guten Ort“ in seinem wesentlichen, wichtigen Teile erhalten konnte. Nicht ohne dankenswerte Rührung verzeichnet Schreiber dieser Zeilen die den Frommen auszeich'nende Pietät, mit welcher Obmann D. Lieben und der sei. Vorsteher Großlicht die morschen Gebeine aus dem zur Erweiterung der Salnitergasse bestimmten Friedhöfskomplex auf dem Nefelberg bestatteten. Eine aus der Feder des Jubilars stammende hebräische Inschrift auf dem1 Nefelberg des Friedhofes gibt Nachricht von den Ereignissen jener Zeit. Kaum war diese Arbeit beendet, wurde der alte Badhöf expropriiert und die Sorge der Errichtung eines neuen sowie einer Brüderschaftskanzlei mit Naturalwohnungen für die Angestellten wurde akut. Die glückliche Durchführung der neuen, allen hygienischen Anforderungen entsprechenden Leichenhalle und die Fertigstellung des Bruderschaftshauses in der Josefstädtergasse als» Hüter, des Friedhofes sind in diesem Blatte seinerzeit vermerkt und die ungeheure Leistung des Vorstandes, mit D. Lieben ah der Spitze, insoweit es im Rahmen einer Zeitung möglich ist, nach Gebühr gewürdigt worden. Eine Unsumme von Arbeit liegt in den durchgefübrten Werken, die nur der richtig abschätzen kann, der Zeuge der Sitzungen, Kommissionen usw. war.

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