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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-30 · 22 (30.5.1913) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
22 (30.5.1913)
Date
1913-05-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 396 Dr. Bkochs Wochenschrift. Nr. 22 Revanche gibt, sondern nur tückisch angreift und beschimpft, die jüdische Studentenschaft muh mit allen Mitteln und Maßregeln gegen eine in aller Welt unerhörte! Verunglimpfung ihres Ehrbewußtseins zu' 'Felde ziehen. ~ Was bleibt einem jüdischen Studenten, der von ein paar 'Feiglingen beschimpft und dem dann jede Genugtuung verweigerj^wird, eigentlich übrig? Eine Gerichtsverhandlung der letzten Tage, die ein charakteristisches Bild der Prairiezustände unter Hochschülern entr-ollt, gibt eine Antwort, die zwar befriedigt, aber die Frage nicht löst. Der jüdische Student, der in Gegenwart einer Dame attackiert wurde, gab. nach verweigerter Satisfaktion, dem Angreifer ein paar Ohrfeigen. Der! Waidhofener Beschluß verbietet aber seinen Helden nicht, zum Kadi zu laufen, und so endete der Prozeß mit einer, wenn auch gelinden Verurteilung des jüdischen Studenten. Welche Rolle bei all' diesen Vorkommnissen, der akademische Senat spielt, das haben die Vorgänge, der letzten Tage an der Universität deutlich gezeigt, und die Parteilichkeit, mit Her das Rektorat in vielen Fällen entschied, wird die maßlose Frechheit der deutschnationalen Studenten erklärlich machen. So steht der jüdische Student da, von keiner Seite geschützt und einer Parole preisgegeben, die so ziemlich das Niedrigste ist. das auf akademischem Boden jemals ersonnen wurde, die ein Deckmantel geworden ist für Feigheit, Verleumdung und hinterlistigen Angriff. Dieser Waidhofener Beschluß, so wenig ernst er in bürgerlichen Kreisen genommen wird, ist eine Kulturschande für Oesterreich und es ist schmachvoll genug, daß seine Durchführung an einer Bildungsstätte möglich ist. der die erlesensten jüdischen Geister und Wissenschaftler Ansehen gegeben haben, daß er . in das Mark einer Stadt einzudringen vermochte, in der jüdische Wohltäter Großes geleistet haben, in der sie krasses Elend mildern, die Hungrigen speisen, die Frierenden kleiden, in der sie den Waisen Heime, den Kranken Spitäler geben. In die Eigenart dieser Stadt haben die Juden ihre schönsten und besten 'Züge eingegraben. Halbwüchsige, unreife, durch gewissenlose nationale Propaganda verhetzte Burschen, die Taschen ihrer Vätzer oder wohltätiger Institutionen leerend, jämmerliche Rowdys, die in Graz Fessgäste tückisch überfallen, Damen beschimpft, mißhandelt und mit Straßenkot beworfen haben, die bei den Kämpfen aus der Universität ängstlich auf Zuwachs gewartet haben, um dann endlich mit achtfacher Ueb'ermacht die Iüdischnationalen anzufallen, wagen es nun, einem ganzen Volke die Ehre abzufprechen. Das ist die Intelligenz- und Kerntruppe der Deutschen, ihre Kulturträger, ihre Repräsentation. Einst kämpften ihre Väter Schulter an Schulter mit Robert Blum, mit Fischhof. mit Kurandä, mit Ludwig August Frankl auf den Barrikaden für die große Idee der Freiheit — die Enkel beschimpfen! und.attackieren, in dem sie sich hinter der Schutzvorrichtung^ des Waidhofener Beschlusses verkriechen, mißhandeln! Damen und beschütten sie mit Straßenjauche und stürzen sich mutig auf Verwundete, die ihnen in die Hände fallen. Jünglinge, deren Begeisterung nur einem immensen Konsum an Alkohol entspringt, wagen es über ein altes, in Leiden erstarktes Kulturvolk, dessen geringsten Handeljude hoch über dem ethischen Niveau eines Schönerer, eines K. H. Wolf steht, das Verdikt der Ehrlosigkeit auszusprechen. '! '■ ' ' ■ Wahrhaftig, man müßte lachen, wäre diese von Haß, Borniertheit und Roheit diktierte Schmähung nicht ein Hauch der ganzen Atmosphäre, die in Oesterreich weht. Hier bei uns ist das Dorado nationaler Willkür und Anmaßung, und Parlament und Universität sind die Asyle, wo die häßlichsten Instinkte der entfesselten Massen eine sichere Freistatt haben. Von diesen Tribünen, die in anderen Staaten ein Forum des Staatswohles und der Wissenschaft geworden'sind, ergießt sich die Jauche einer trüben Gesinnung ins Volk. Besonders die Universität Wiens muß der ganzen' gebildeten Welt Europas wie eine nationale Schenke erscheinen, aus der wildes Gebrüll einem ständig in die Ohren gellt. Fast hat sie ja den Charakter einer Stätte der Wissenschaft durch alle diese rohen Umtriebe verlorsen. Die Kämpfe mit den. Iüdischnationalen, der Boykott jüdischer Dozenten, nimmt alle Kräfte in Anspruch und alle diese teils radikalen, teils schlauen.Aktionen gipfeln in dem gemeinsamen Bestreben, die jüdische Intelligenz" an den Hochschulen, die allzukräftig hervorgetreten ist, zu beseitigen oder mindestens in ihrer Ausbreitung zu hindern. Nicht nur nationaler Haß, nicht nur Brutalität find die Ursachen, ein Agens der ganzen häßlichen Campagne ist Neid, gewöhnlicher, gemeiner Neid gegen die ganze Rasse, deren Intellekt unzweifelhaft hervortritt. Mit dem Faustrecht. das das Vorrecht der. Bildungsstätte zu fein scheint, sollen die unbequemen Gegner erledigt.werden und mit dieser barbarischen Methode des Mittelalters wird die Stätte der Wissenschaft, die Universität, zu einer Stätte der Roheit, zu einem Schlachthaus der Anständigkeit erniedrigt. Aber die Deutjchnationalen haben mit der Energie und dem Mütze der Iüdischnationalen, der seit den Tagen des Kampfes uin die Bank bei der Rampe unaufhörlich hervortrat, nicht gerechnet. Nun schützt , sie der Waidhofener Beschluß vyr jeder ehüenmäßigen Satisfaktion. Sie können ihre Bübereien straflos begehen und in den Kreisen der Bürgerlichen werden sie gewiß noch Unterstützung und Aufmunterung finden. Wir Juden wissen von der gerühmten deutschen Biederkeit und Treue' ein Lied zu singen.- Für den Geschichtsschreiber aber mag es ein unvergeßlicher Anblick sein, wenn er auf der Universität die Blüte der deutschen Nation, die Elite ihrer Jugend, an der Arbeit gesehen hat, wie sie die Kultur des deutschen Volkes in die Massen trägt. ' DH!. Blech-Merwin. Die Czernomitzer KnUnsgemrindr von der amtliche« Anflösnng dedroht. Vor etwa Jahresfrist überreichten.mehr.als dreihundert jüdische Bürger von Czernowjtz eine Beschwerde an die Landesregierung wegen gesetzes- und statutenwidriger Vorkommnisse in der Verwaltung der Kultusgemeinde. Zur Prüfung. der Stichhältigkeit dieser Beschwerde ließ die Landesregierung die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde, einschließlich der Kassa- und Eeschaftsgebahrung, durch hiezu' delegierte Funktionäre der Landesregierung einer, eingehenden Revision Wunterziehen. Die Revision wies, wie die Zuschrift Dder Landesregierung an den Präses der Kultusgemeinde, ADr. Benno Straucher, konstatiert, „vielfache, zum. Teil sehr krasse Angehörigkeiten auf, die durchs die Rechtfertigung des Kultuspräses nicht widerlegt würden". Die 25 Ausstellungen der Landesregierung seien hier in aller Kürze mitgeteilt. 1. Das zur Evidenzhaltung der Gemeindemitglieder vor vielen I ah r e n angelegte' Verzeichnis ist niemals ergänzt worden. . 2. Es gibt für die Beamten und Diener der. Gemeinde weder eine Dienstpragmatik, noch ein Pensionsnormale, so daß die Beamten, beziehungsweise deren Witwen und Waisen"hinsichtlich ihrer Rühebeziehungsweise Versorgungsgenüsse von dem Gutdünken des.Kultusvorstandes abhängig sind. — 3. Weder existiert eine Geschäftsordnung für den Kultusvorstand, noch eine Amtsinstruktion für die Beamten und Diener der Kultusgemeinde.'' - - -

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