Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 22 (30.5.1913)
- Date
- 1913-05-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022058--22172-3047304- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
R-. 32 Dr. Bkochs Wochenschrift. Dokumente und privater Gutachten^) eine wahrhaft verblüffende Auskunft^ c. V..;! j . : .; Der^ Knabe Justschrnski wurde am 12. März-1911 in Kiew ermordet gefunden. Der «der-die Mörder find bis jetzt noch unermittelt. Bei uns würde man wohl zunächst an einen Lustmord gedacht haben, wofür auch manche Einzelheiten des Obduktionsbefundes ufw.- zu sprechen scheinen. Unter den dortigen Verhältnissen aber fahndeten einfluhreiche .-Politiker und Ethiker der Straße" (wie Nathan sich ausdrückt) sogleich auf einen jüdischen Ritualmvrd und demgemäß wurde das ganze Verfahren einzig in dieser Richtung - von vornherein orientiert. Ein jüdischer Mann namens Beilis würde als vermeintlicher Täter oder Mittäter gefangen gesetzt und befindet sich noch heute, nach mehr als zwei Jahren, in Untersuchungshaft, ohne daß es gelungen wäre, inzwischen auch nur das Geringste über oder vielmehr gegen ihn zu ermitteln. - Der merkwürdige Untersuchungsrichter des Kiewer Bezirksgerichts, „für wichtige Angelegenheiten", ein Herr Fenenko, ist offenbar von der fixen Idee des Ritualmordes ganz und gar beherrscht. Er befragte denn auch zuerst darüber einen hochstehenden Geistlichen der orthodoxen Kirche, den 65jährigen Archimandriten Ambrosius. Dieser erklärte zwarselbst keine Studien über die rituellen Ermordungen von Christen durch Juden angestellt, aber darüber allerlei Gravierendes von zwei jüdischen Renegaten (!) vernommen zu haben, was er blindgläubig oder richtiger blind abergläubig nachplappert. Dieser Würdenträger der orthodoxen Kirche ist aus religionsgeschichtlichem Gebiete so unwissend, daß ihm nicht einmal Name und Begriff der „Chasidim" bekannt ist -- unter Welcher Bezeichnung sich bekanntlich schon seit den Makkabäerkriegen die wahrhaft religiös gestimmten Gemüter unter den Juden zusammenfanden' (ungefähr unseren christlichen Pietisten entsprechend) — im Gegensatz zu den nur um ihre eigene Reinheit ängstlich besorgten, selbstgerechten Peruschim (den neutestamentlichen Pharisäern).. Für Ambrosius und seine. Gewährsmänner sind die Chasidim eine Horde blutdürstiger Ungeheuer, bei denen „der Brauch besteht",, sich durch Tötung unschuldiger Christenknaben Blut zu verschaffen, um jhre Osterkuchen (Mazzoth) damit zu bereiten! Diesem Anfang entspricht der weitere Fortgang. Als Sachverständiger wird der emeritierte 68jährige Professor Sikorski berufen. An diesen, seinem Fache nach Psychiater, richtet der Untersuchungsrichter eine Reihe im höchsten Maße tendenziös abgefaßter und zugespitzter Fragest die denn auch eine dementsprechende Beantwortung erfahren: ob der Mord des Justschinski nicht von einem Geisteskranken ausgeführt worden sei — ob das Bild der Obduktion UrW-irgendwelche Momente enthalte, die-auf die Zwecke und Absichten, vonsl^BehW'^derlvvsr die 'Mörder ^geleitet wurden, Hinweisen"-— vb ' im "Tatbestand des Falles nicht irgendwelche Hinweise inbetreff der Zugehörigkeit der Mörder zu einem bestimmten Volke, Gewerbe usw. zu finden seien. Und dieser Sachverständige erklärt Geisteskrankheit für ausgeschlossen, weil die Tat nach seiner Meinung von mehreren Personen verübt sein müsse, eine Vereinbarung von Geisteskranken für einen gemeinsamen Zweck „in Anbetracht ' der Verschiedenheit des Wahnes und des Gemütszustandes jedes Einzelnen" aber unmöglich sei! Von psychischen Epidemien, von seelischer Infektion oder Induktion und dergleichen scheint dieser kostbare Sachverständige also keine Ahnung zu haben. Und all sein weiteres, sehr langatmiges Gerede über den „typischen Charakter" des Mordes wird am einfachsten durch den Schluß gekennzeichnet: „Aus historischen Beispielen ist zu ersehen, daß in den Fällen, in denen die Urheber der Tötung Juden waren, nach ihrer Rassenabstammung, die sich zur jüdischen Religion bekannten, sich diese hierbei ein religiöses Gewand anlegten (Saratower Mord vom Jahre 1352)." Das soll sich nämlich darauf beziehen, daß man das Opfer mit einer Mütze, deren Schirm nach hinten gekehrt, bedeckt fand, was ja „die Operation der Peinigung und der Blutentleerung" — durch die beigebrachten Kopfwunden — nur erschweren konnte, also notwendig eine religiöse Bedeutung haben mußte! — Gegen dieses unerhörte Gutachten hat sich zuerst der inzwischen verstorbene, angesehene Psychiater Schönseldt in Riga protestierend erhoben, und hat auch Meinungsäußerungen einer großen Zahl der bedeutendsten ausländischen Psychiater (Haberda, Zieinke, Larassagne und Thoinot, Mercier, Pepper und Wilcöx, Bleuler, Bovhösfer. Bödeker- Forel, E. Meyer, Wagner v. Jauregg und Obersteiner) eingezogen, die alle ausnahmslos und in völliger Uebereinstimmuntz das eingehaltene Verfahren schonungslos beleuchteten und insbesondere das Sikorskische Gutachten in geradezu vernichtender Weise -behandelten („es scheint uns nach der -Lektüre des Gutachtens überhaupt zweifelhaft, ob dieses Gutachten einen Psychiater zum Verfasser haben kann," schließen die Wiener psychiatrischen Kliniker Wagner und Ohersteiner — während die drei Engländer am Ende ihres ausführlichen Berichtes erklären:' »ive äre^entirely and empbatically opposed to the opinion df Professor Sikorski, that Ihe crime was in äny way a ritual mtirdet«). - ' - , " - - ' :■ - ///Mqs/ soffen,- und können wir nun aus dieser traurigen Geseichte /und.(Ihren' von Nathan/mit. Fleiß und E»ingebung zu- Ms FMMsMnsff. Wizieffe Hokümeßte'• Eut- Seite 396 sammengebrachten Dokumenten Nutzbringendes lernen? Erstens, daß sich tzin Untersuchungsrichter. blamieren, kann, igdem er,, yoi^ v.o-m^ herein, voreingenommen verfährt/ auf falHer' Fährte mn.esttiv^r wÄe'r gehtj sich seinem Borurteik angepaßtesachverstäWiK'lÜähiö und. 'diese noch. dazu , mit allerlei' ganz - außerhalb!: ihrer- Lwmpetdnzi liegenden, zu törichten Antworten geradezu cherausfl^deruden Frgge-j st'ellungen heimsucht.. Zweitens/daß. sich'.ein Arzt uM> ^uWchiater^ nicht 'minder blamieren känn^ Mdem er stuf'' oiesetz' GlÄkeis-'^D' und die-an ihn getichtMnunverständigem-Anfvagewneböttst! unverständiger, zum Teil Spott und Entrüstung erregenden nJß# beantwortet. Und. drittens^ daß' sich,-ein, üetagtsr, .hych^chrdiger,^ der orthodoxen Kirche Angehöriger fast/kn noch/höheren/Gravr blamieren kann, indem er von den Dingest/ nach denen ev^gefrststk wird,-zwar nichts zu wissen erklärt,' aber die>bMärchen/ Utei'MoW ihm darüber erzählt und-seiner LeichtgläubMeit ausgebundeUhM völlig bedenkenlos hinnimmt. Diese Blamage., v^teift. sich glsv aus nicht weniger als drei Fakultäten Und'jede/einzetste von ihnen mag, soweit sie sich überhaupt davon 'berührt fühlen kstnnj in diesem Umstande Zeinen Trost oderwenigstens üins Milderung erblicken. — Des Weiteren äber^ erkenn^: ß«t, chaß.-AberglqWtz Dummheit und. konfessioneller Fanatismus Dinge/sistd^ die,, alstr, hochgepriesenen „Zivilisation",, aller noch so. vörgeschrittenen /'Auf-. klärung" spotten unddie auch in unserem Zeitalter des /Monismus". des religiösen Jndifferentismus und ^wisienjchasttichen^AgnoM zismus, kaum minder eine Macht bilden, , alsin den, vergangeystz Jahrhunderten der Ketzerverbrennüngen und" der Hetenprozesiei Und daß also dieser „Macht der Finsternis" gegenüber 'ein" 'eich schlosienes Zurwehrsetzen aller Lichtsreunde und aller wahren ligionssreunde immer noch nottut. ' u:; Me Wächter am Utzei« - ( l . Stets war .es das tragische Los, d.er Iudrg,. gegG die bornierte Wut aufgehetzter Waffen zu kämpfen^Merl sinnlose Pauschalverdächtigungen und/-KpM /zu' MM,Hy ziehen, gegen den Pöbel der Gaffe und gegem dechPybel der Universitäten. Und in den Mten . TMstn wieder heftige Stürme .abgespielt».' der anmaßendsten PauschalcalumM/ bem shgenywtey Waidhof euer B eschluß wonach Juden, kefne SdtiMkUpn gewährt. wird, weil. ihnen die /Ehre/uhgehrröcheu. wuM^ ^ndZiltig aufräumen wollen,. ‘ / \ / ... Für das Gros der IrMn». lichen Leben steht, an der. Erhaltung unhdem^ForWrM der Wissenschaft, Kultur,. Industrie, ünl>. des / hervorragend betätigt ist,. - mag Äiessf BeWuß,.. von, e;nPj Versammlung unreifer, national verryWr -Wildlinge Mfatzt, höchstens eine Lächerlichkeit hedeuten, übsf<Äe May mit einem Achselzucken hinweggeht. Die.MdMlMiKd mer des Herrn Schönerer , finden sich fa doch .in; .hen meisten Fällen, nach einigen Jahren-. wenn. 7daSl.Wch sie in Arbeit genommen, hat, antichamhrierMd Bureaus, Redaktionen und. Comptoirs.-der Iüdtzn, .-deAen sie während ihrer akademischen^/Sturm-, und..^Draug- Periode so tapfer. die Ehste abspracheh, ünh; s(e,. zichM tief den Hut vor dem - Brotgeber, .Wax/Hr^'FewgeM.tzi noch so ein lautes Hepp. hrpp^ 7. -..HtzshezMrch,j fsM« .jq die Herren Teutonen überhaupt , von..pDef. MWykchHwerten Unbekümmertheit. Stiftungen. Stipeü^ie^ Institutionen. bei denen jüdisches Geld einen nicht geringen Anteil hat, werden skrupellos ausgebeutet/'. Voh... b$c Mensa academica weg, wo er sich soeben sattgegeffsn hat, zieht der schwarz-rot-goldne Jüngling gegen-«die Iudenschaft zu Felde, ohne die Merlich. der MiMgMch des Studierenden bedeutend. schmaler Ausfällen/ wffrozr. Ein echter deutscher Mann mag keinen Juden-leiden, doch feine Taler hat er gern. Man weiß, daß diese Kampfhähne der Ünwerfität, in. der/sich' .aW "NiMÄl!ch Instinkte der Deutschnationalen austoben. in eiuem Epilog des glattgewordenen, katzbuckelnden Stellungssuchenden enden, her überall in den Vorzimmern' anzutreffeu ist. Der IBürger .fMn/.rvdM ''rnU ve^achMchch Lncheln auf diesen Beschluß herabschen/ ah.er hre .jubWe Studentenschaft, unmittelbar davon getroffen. Äug' m Aug' Mit einer derart schurkifchen HjerqhkvÄrdiguckg kämpfend und, wehrlos giegstt. ''.eine'', WWekt/'' .HAe