Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 22 (30.5.1913)
- Date
- 1913-05-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 390 Dr. Blochs ^MKnfchrtst .^^SKEBAK^U^ -.mW* mit einer Gruppe von ihnen anzubinW. WHudeFseiÄ/Hk'Hhre bar. Haben Sie, die Sie alle das «r »r 5? /S HJ: «t. 22 ’ 'M Schlagroort von einer frühzeitig d u r ch g r e i f e n - den und ausdauernden Körpererziehung der Juden ausgegeben und du'rchgefuhrt werden. Wir Volk der Bücher haben diche Erziehung, die^ von - allen L-chrern der GMnWeit kalegotsich verlangt wir^, währhaftig doppelt nötig. Wenn Seume gesagi hat, daß alles besser gehen würde. Wenn man mehr ginge, so gilt für uns die Variante, daß wir eine stärkere politische Position hatten,. wenn wir eine gröbere körperstarke besähen. Jede politische Erhebung wurde auf den Turnplätzen eingeleitet, siehe Deutschland und die Sokoln. Man kann aber als erwachsener Mann schwer mit dem Anfang beginnen. Dieser mühte schon in der Volts¬ und Mittelschule energisch einsetzen und forciert werden. Wenn sich jüdische Intelligenz mit körperlicher Kraft und Gesundheit verbindet, dann ■ erst sind wir richtig gewappnet. Pfadfinder und Knabenhorte, Turnriegen, Jungschützen-, Sportvereine — alles in Massen, mit Ehrgefühl und groben Mitteln betrieben, das ist die einzige richtige 'Forderung für unsere Jugend, damit sie im Mannesalterdavon einen Gewinn habe. Weg mit der Politik, die sich jeder selbst wählen kann. Erst muh die jüdische Politik her, die Männlichtsiit, welche wir für das militärische, akademische und allgemeine Leben brauchen. Die Spartaner waren einer der kleinsten, aber der erfolgreichsten Volksstämme in Griechenland. Ehrgefühl an die erste Stelle der Empfindungen setzen, eine Ahnung pavon, wie sehr eine solche Beschuldigung einen gebildeten Mann, der sich Nieeines Vergessens seines -Ehrgefühls schuldig gemücht hah trifft?> Wiffen Sie nichts -aß dies > jedem — wenigstens innerlich — blutige Dränen küsten muß? Der ZMiz- Minister hat bisher, noch nicht mit dem Finger gewinkt, üw in dieser Sache Remedur zü schaffen. Die Klage wegen Aufreizung zu Haß und Verachtung ist leider in Oesterreich keine Popularklage,. die jeder aus der Gemeinschaft der Betroffenen anstellen kann, die Ehre ist einzig und allein dem Exoffoschutz der Regierung überantwortet. Daher muß ich dem Justizminister gegenüber feierlich Protest gegen die Lässigkeit seiner Behörden erheben, wenn er uns Juden schutzlos jedem empörenden, er» Niedrigenden Angriff preisgibt*). (Bravo!) Der Wesenbrand in Nreßtmrg, dem am 17. Mai d. I. fast der ganze Schloßgrund (Ghettoviertel) zum Opfer fiel, lockt noch immer täglich viele Hunderte von Fremden in die herrlich gelegene altehrwürdige ungarische Krönungsstadl. Das Elend und die Not ergreifen jedes'jüdische Herz. Jeder Menschenfreund sollte nach Möglichkeit trachten, das Hilfswerk zu unterstützen. Die abgebrannten und eingestürzten Straßenzüge und Höfe bieten vom Schlohplateau aus einen in Jahrhunderten nie wiederkehrenden traurig-interessanten Anblick. Unter den zerstörten Bauwerken befinden sich: die Sch iur stub e (großer Lehrsaal und In der Dienstagsitzung des Abgeordnetenhauses sprach Abg. Hofrat K u r a n d a auch über die Univer!- sitätsskandale. Abg. Kur and a erklärt zu Beginn seiner Rede, er müßte als Verräter an seinen Glaubens- und Stammesgenoffen erscheinen und würde jede Verpflichtung ihnen gegenüber außer acht lassen, wenn er über das Gefühl der mangelnden Rechtssicherheit und der Empfindungen der tiefsten Ehrverletzung seiner Glaubens- und Stammesgenöffen in der letzten Zeit hinweggehen würde. Er wolle nicht über die Univerfitätsfrage sprechen, weil die Skandale an der Universität an sich objektiv ohne Unterschied der Parteien die Entrüstung jedes gebildeten Menschen erwecken müssen, der an die Zwecke zurückdenkt, die er beim Universitätsbetrieb verfolgt hat, und weil die Maffe der erwachsenen Denkenden nicht hinter jenen Jünglingen stehen kann, welche das Univerfitätsstudium lediglich in Aeußerlichkeiten erblicken. Die Parteien an der Universität, die heute aufeinander losschlagen, nützen keiner der hinter ihnen stehenden Parteien. Redner kenne das bodenständige Wiener Bürgertum viel zu gut, als daß er annehmen könnte, daß das Gefühl des Deutschtums durch die Art und Weise der nationalen Studenten gefördert werden könnte; er kenne aber auch das Gefühl der Judenschast zu gut. als daß er nicht wüßte, wie sie es empfindet, daß durch das Gebaren der jüdischen Studenten der Antisemitismus nur gefördert und weiter erregt wird. Er wolle heute die Aufmerksamkeit des Unterrichtsministers darauf lenken, daß dem Vernehmen nach jüdischen Studenten wegen gewisser Vorfälle außerhalb des akademischen Bodens, die sich unter mildernden Umständen, die nach seiner subjektiven Ansicht sogar hart an Strafausschließungsgründen grenzen, zugetragen haben, von Bezirksgerichten und Polizeibehörden niedrigere Strafen diktiert wurden und daß diesen Studenten vom akademischen Senat in Wahrung seiner kompetenten Disziplinarhoheit ein Strafkorrelat auferlegt wurde, welches mitunter der Existenzvernichtung gleichkommt, die Strafe der Relegierung. Deshalb ersuche er den Unterrichtsminister, die ihm zustehende Remedur zu schaffen, falls sich diese Fälle ereignet haben sollten. Viel tiefer empfinde er jedoch jene Vorfälle, welche das Gebiets der Justizverwaltung betreffen. Man möge die Judenschast als religiöse pder nationale Gemeinschaft auffaffen, klar ist für jeden der beiden Alteryativfälle, daß ihnen der volle Schutz des Gesetzes gegen Aufreizung zu Haß und Verachtung zuteil werden muß. Es find in der letzten Zeit sogar Fälle vorgekommen, daß in Flugschriften und Versammlungen, letzteres in Gegenwart eines landesfürstlichen Organs, die Behauptung aufgestellt wurde, Tempel) der Rabbinatsschule im Simon Berger'schen Stiftungs- Hause, die altberühmte Lwu w - (Lemb er ge r) Synagoge im Sonnenfeld^schen (ehem. Lemberger'schen) Hause, die auch dem Talmudverein (Sch a s z ch e w r a h) als Lokalität diente und in welcher die aus mehreren Tausend wertvollen alten Werken bestehende Bibliothek dieses Vereines total vernichtet wurde, der sogen. Schulhof mit den Lehrsälen der Jeszode Hatorah-Schule. Den schwersten Schaden erlitt aber die jüdische Bevölkerung selbst; die in den Häusern und Höfen der von der Katastrophe betroffenen vier ausgedehnten Straßen wohnhaftwar und größtenteils aus armen und ärmsten Kleinkrämern, Handwerkern, Hausierern, Trödlern, Lamdonim (Talmudgelehrten), Bachurim besteht. Der einzige Trost für die Bedauernswerten, welche in den meisten Fällen ihre gesamte Hauseinrichtung, Möbel, Wäsche, Kleider, Bargeld, Seforim (Bücher) verloren haben, ist das Vertrauen auf Gott und auf das Mitgefühl und die werktätige Hilfeleistung ihrer christlichen und insbesondere jüdischen Mitmenschen aus nah und fern. Von den jüdischen Hilfsaftionen, die sofort nach der Brandkatastrophe seitens der orth.-isr. Gemeindeleitung, der isr. Volksküche und anderer ist. Wohltätigkeitsanstalten mit lobenswertem Eifer einsetzten, verdient besonders die wirklich großzügige Sammel- und Verteilungstätigkeit des vereinigten Hilfskomitees der beiden Frauenoereine der orth.-isr. Kultusgemeinde und der ist. Religionsgemeinde rühmend hervorgehoben zu werden. Diese „jüdische Wohlsahrts-Permanenz-Kommission der Frauenvereine", welche seit dem aus den traurigen Sabbat folgenden Sonntqg in den Lokalitäten der orth.-isr. Bürgerschule (Turnergasse 16) unausgesetzt den ganzen Tag über in angestrengtester Arbeit um die zielbewußte Linderung der Notlage bemüht ist, hat sich im Beisein des Kultusvorstehers, Präses Lazar Gestetner, und der Frauenvereinspräsidentinnen A. Stein und B. Wellisch, sowie der Frau Oberrabbiner A. Schreiber folgendermaßen organisiert: Zentralleitung und Oberaufsicht der gesamten Hilfsaktion: Frauen Selma Steiner, Paula Gestetner, Fanny Weis; und Rosa- Schick. Oberleitung für Wäsche- und Kleiderverteilung: Frau Dr. Wilhelm Lövinger; Uebernahms- und Kassakontrollorin: Frau Berta Tritsch; Kassierin: .Frau Katharina Adl<r und M. Reumann; Wäsche: a) Besorgung: die Damen Frau Dr, Leopold Guttmann und Sigmund Fischer; b) Sortierung: Frau Sidi Stein und Frau Anna Neumayer; c) Verteilung: Frauen Maloine Gestetner, Abeles, Dr. König, N. Herzog; Kleider: a) Besorgung: *) Hofrat Kuranda berührte auch die rumänische Judcnfrage und werden wir auf seine diesbezüglichen Ausführungen in der nächsten Nummer unseres Blattes zurückkommen.