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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-30 · 22 (30.5.1913) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
22 (30.5.1913)
Date
1913-05-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Zentralorgan kür die gesamten Interessen des Zudentums. I«hrg»ng rxx Nr. 22 o d .7 - > - ===D ö'? V/li. PloflsparKsffervunr . S.leartng-Ver ft ebr «r. sro.976: RedaMon und Administration. Wir» U/i, Praterstraße 9 i Telefon 14847 <1 QP . ■ ■ -^ -OO Wien, 30. Mai 1 SIL i Lrscvetnr jeden ^reLtag.1 .Brief-Adresse: Wie«, II/i, Praterftraße 9 Telegramm-Adresse: Blocht Wochenschrift, Wien. 0(7" ~ -oo "P 9tptgapret* für Vrstrrrrich: *7 Halbjährist 8 Kronen; Gin-elexemplare SO Heller. Für'» A«sl«nd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 2v Kronen. Anzeigen: Die »algespal» tene Petilzeile 4& Heller. C nP- —- ■—Oo Inhaltr Leitartikel: Spartanische Erziehung. — Der Riesenbrand in Preßburg. — Das Preßburger Ghetto. — Das Ritualmord- Märchen. — Die Eidesformel, welche die Täuflinge vor dem Geistlichen zu leisten haben. — Der Fall Justschinski. — Die Wächter am Rhein. Die Czernowitzer Kulturgemeinde von der amtlichen Auflösung bedroht. — Korrespondenzen: Generalversammlung des Vereines „Frauenhort". Ein aktueller Gerichtsfall. Siebzigster Geburtstag des Präsidenten David Lieben der Prager Chewra- Kadischa. Eine jüdische Karawane. Auszeichnung eines jüdischen Uuiverfitätsprofeffors in Liffabon. Die Abstammung des ermordeten mexikanischen Präsidenten. Das Präsidium des italienischen GemeindebundeS beim König. Ernesto Nathan in Rom. Ernesto Nathan bleibt Bürgermeister von Rom. Auszeichnung eines amerikanischen Juden durch den König von Bulgarien. Eine „Erklärung^ zur jüngsten Amnestie in Rußland. Der persische Schah und die Chewra-Kadischa. Automobilausstelluvg in Petersburg. Ein jüdischer Gegenboykott in Russisch-Polen. Die finnische Judenfrage auf einer Friedenskonferenz. Die Emigrationskonferenz. Von der jüdischen Emigräntenbank. Ein Zug von 5O.OOO jüdischen Arbeitern. Die jüdische Auswanderung im Monate März. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Entdecker des Petroleums. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Die Redaktion u. Administration der ^Oesterreichischen Wochenschrift" befindet sich von nun an Wien, II|i, Praterstrasse Nr. 9 Telephon 14.847. Spartanische Erziehung. Nach einer Woche der heftigsten Kämpfe, welche in die Lulturgesch-ichte Oestjerreichs gehören, ist an der Universität Ruhe eingetrjeten. Die Jüdischnationalen, welche sich vollständig im Rechte befanden, sind wieder einmal von den Deutschnationalen wie von Wegelagerern angefallen worden. Sie haben sich ehrenvoll und überaus mutig gewehrt und sind zum Schlüsse trotz deren riesiger Ueberzahl nicht rhrlen feigen Gegnern, sonder'a dier Polizei und einer mehrfachen behördlichen Weisheit unterlegen, wlelche die gesunde Parole befolgt, datz Macht vor Recht gehe. Es gibt leider unter den Kritikern dieser Vorgänge manche, welche auf dem längst überlebten Ghetto standpunkt stehen, der mit einem typischen Ausdruck verlangt, daß Juden an der Universität nicht provozieren sondern studieren sollen. Diesen Vertretern der 'Feigheit sei aber von Kennevn der Verhältnisse gesagt, daß sich die jüdischen Studenten an der Universität aus Gründen der einfachsten Notwehr zusammenscharen und jeder Beleidigung energisch antworten mußten. Denn unter der Herrschaft der Deutsche nationalen, die am Franzensring bis zum Dekanat und manchmal bis zum Rektorat hinaufreicht, herrscht ein übermütiges Faustrecht. Würden sich die Juden nicht selbst gehörig schützen, so hätten sie zu gewärtigen, datz die meisten von ihnen auf akademischem Böden ähnlich behandelt würden, wie etwa ein Jude mit dem gelben Fleck in den mittelalterlichen Gassen von Frankfurt. Die jüdischen Studenten an der Wiener Universität müssen sich zur Wehre setzen, ob sie wollen oder nicht, und kommen mit den Waffen des Geistes allein nicht aus. Das mag eine traurige Tatsache sein, aber sie besteht einmal und enthält eine m>ehr als dringende Aufforderung an die gesamte jüdische Bürgerschaft, ihre Söhne auf akademischem Boden nicht knechten zu lasten, sondern ohne Rücksicht auf politische Zugehörigkeit mit Macht zu unterstützen. Augenblicklich mutz, man sich fragen, was aus den letzten erbitterten Kämpfen herauskommen kann. Der Grund war der gleiche wie hei unzähligen Fällen dieser Art. Ein feiger Bube beleidigt einen jüdischen Studenten auf das tiefste und verweigert ihm, als einem ehrlosen Juden, die Genugtuung. Bekommt er dann die wohlverdiente Ohrfeige, so geht der stramme Teutsche zur Polizei. Hier können nun beide Parteien bestraft werden. Unerträglich aber wird seit neuester) Zeit der Gebrauch, daß sich der Senat der Universität einmischt und den — Juden wegen Tätlichkeiten gegen einen Kommilitionen relegiert. Das geschieht jetzt auch dann, wenn sich der Vorfall gar nicht auf akademischem Boden zugetragen hat, eine Praxis, dje seit Jahrzehnten nicht mehr geübt wurde. Man mutz nun bedenken, was ein solcher akademischer Justizskandal Kr einen Studenten bedeutet, der seine Eltern in Wien hat oder sich nur hier durch Lektionen fortbringen kann. Gegen diese Uebung sogenannter Gerechtigkeit haben die jüdischen Studenten mit Recht protestiert und sind bei dieser Gelegenheit nochmals überfallen worden. Es ist nun-kaum anzunehmen, datz sich die Zustände bald und wesentlich ändern werden. Man mutz nur wissen, datz sich im akademischen Senat sehr viele Alte Herren der deutschnationalen Verbindungen befinden und man kann sich ihre Justiz vorstellen. Möglich, datz es zu theoretischen Drohungen und vorübergehenden Matzregeln kommen wird. Sonst aber ist nur zu erwarten, datz die akademische Freiheit bedeuten wird, datz die Juden vogelfrei sind. Eine Hilfe haben sie nur von sich, selbst zu erhoffen und 'Mar dadurch, datz sie es ihren Feinden möglichst unangenehm machen, mit dem einzelnen oder

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