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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-23 · 21 (23.5.1913) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
21 (23.5.1913)
Date
1913-05-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 21 Dr Blochs Wochenschrift. Seite 38k ser, eine sehr schöne Synä>go>g e, ein rituelles Badehaus und ein Haus — „die Kantorei" genannt — be s a he n: (heutiger Judenplatz bis am Hof, Wrpplingerstratze, Salvatorgasse bis zum Tiefen Graben). nach den Untern Weed (die heutige Leopoldstadt) überfiedeln mutzten. wo ihr zweites Ghetto errichtet ward. Als Rabbiner funktionierte damals Rabbi Jontob Lippman Heller, den wir nach seinem Werke Tossafot Iontob nennen. Der Rabbiner soll nicht allein ein grotzer Talmudist, sondern' auch ein a l l!g e m e i n g e b i l d e t e r Mann gewesen sein, Der Tempel wurde in der heutigen Psarrgasse erbaut. Im Jahre 1652 kam das erste Dekret für die Ausweisung der Juden, auch aus diesem zweiten Ghetto; sie verstanden es, dasselbe illusorisch zu halten, bis im! Jahre 1670 der Mutz zur grotzen A>usziehzeit kam^' Was sind unsere Glaubensgenossen seit Egypten nun ausgezogen!! .... Kaiser Leopold I. Gemahlin war eine Spanierin, da nützte kein Bitten, Flehen und Weinen mehr. Der Tempel wurde in eine Kirche St. Leopold umgew a ndelt: der Werd erhielt zum Andenken der Austreibung der Juden den Namen Leopoldstadt. Greife, Kranke, Sterbende mutzten fort. Wie verschwindet da die Bedeutung des Namen Große Schiffgasse gegen den Namen Leopoldstadt, der da in Verbindung mit unmenschlichen G efützlen solenn proklamiert wurde. Der Bischof von Wiener-Neustadl, Gras Kollonitsch, hielt die Weiherede des in eine Kirche verwandelten Tempels: er sprach : „Schicke weg diese Magd mit ihrem) Kinde, sie soll nicht erben mit meinem Sohne." Dieselben Worte, die die Erzmutter Sara wegen der Hagar zum Patriarchen Abraham sprach: er verteidigte die Vertreibung der Juden, die er als minderwertig gezeichnete. Dieselben Juden zogen aber nach! Preußen und bildeten den Grundstock zur grotzen wirtschaftlichen Entfaltung dieses Landes. Ich betrat die Leopoldskirche beim Leichenbegängnisse des hochwürdigen kath. Priesters weil. Herrn Lang in, an dessen Seite ich 2 0 Jahre lang als isr. Religionslehrer an einer höheren öffentlichen Schule wirkte und dem ich das Wort gab, ihm einst die letzte Ehre zu erweisen. Als ich in die Kirche eintrat, orientierte ich« mich, wo Misrach sei, wo die heilige Bundeslade einst dort stand. Das Nachspiel zu der Kolmer Ritualmordasfäre. Samstag, den 11. d. fand — wie „Pravo Lidu" meldet — eine Sitzung des Bezirksschulrates von Kolin statt, in der. fast ausschließlich die Affäre des Pater Hrachovsky diskutiert wurde. Vor der Sitzung war eine umfassende Untersuchung des 'Falles durch die exekutiven Organe des Bezirksschulrates durchgeführt worden, und auf Grund der Ergebnisse dieser Untersuchung wurde in der Sitzung eine Reihe von Fragen betreffend die Schuld des Pater Hrachovsky zur Diskussion gestellt, und zwar ob dieser ein Liebesverhältnis mit der Lehrerin K. unterhalten, ob er die Pavlik zu sich geladen, ihr einen Drohbrief gesandt, ob er gegen die Juden und Protestanten gehetzt, ob er die Bevölkerung Kolms der Unsrttlichkeit beschuldigt, ob er das Ritualmordmärchen verbreitet und zu diesem Behufs eine vertrauliche Versammlung ohne Legitimation einberusen hatte. Alle diese Fragen wurden mit allen Stimmen, bejaht. Auch der Dechant Sirta beantwortete sie bejahend, wobei er hinzufügte, Hrachovsky sei eine Schmach für die Geistlichkeit. Hierauf wurde über die Strafe entschieden. Es wurde beschlossen, zu fordern, daß Pater Hrachovsky entweder sogleich strafweise suspendiert oder vom Juli ab versetzt werde. Diese zwei Eventualitäten werden dem Landesschulrate zur Genehmigung vorgelegt werden. Die Lehrerin K. wird einen strengen Verweis erhalten und strafweise versetzt werden. Präs. (Ein hochherziges Testament.) Gustav Löwe hat in der von ihm getroffenen letztwilligen Verfügung eine großherzige- Stiftung errichtet. Im Einverständnis mit seiner Gattin fällt nämlich nach deren Ableben das gesamte Vermögen des Künstlers der Prager israelitischen Kultusgemeinde zur Errichtung einer „Schauspieler Gustav Löwe-Stiftung" zu. und zwar sollen die Zinsen aus dem' gesamten Vermögen zur Unterstützung für arme israelitische Waisenknaben in erster Reihe aus Prag und dann aus Böhmen stammend bis zum erreichten 14. Lebensjahre dienen. Außerdem hat Gustav Löwe eine Reihe von Legaten ausgesetzt, und zwar für den Spitalbauverein 5000 Kronen, für den Kreuzer-Verein zur Unterstützung armer Waifenmadchen in Böhmen 2000 Kronen, dem Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten 2000 Kronen, der Genossenschaft deutscher BÄhnenangehöriger in Berlin 2000 M.. dem Oesterreichischen Bühnenverein in Wien 2000 Kr., dem Verein Chanuka 2000 Kr. u. v. a. Das Vermögen besteht in der Hauptsache aus drei grotzen Zinshäusern in Stadt Weinberge und wird auf 800.000 Kroneit beziffert. Aus vor „Agudas-Jisroel"-BswLgung. Halber st ad t. Die Einrichtung der „Agudas Jisroel"-Marken hat hier in den Kreisen der „Agudoh" grotzen Beifall gefunden. Die Nachfrage ist sehr rege, so daß der Organisation dadurch eine wertvolle Einnahmequelle geschaffen wurde. Viele Mitglieder verwenden die Marken auf allen ihren Korrespondenzen mit Freunden und Verwandten, sie bilden gewissermaßen em äußeres Kennzeichen für die Zugehörigkeit zum großen Bunde der Treugebliebenen in Israel. Unsere Ortsgruppe hat hier fünf Verkaufsstellen eingerichtet, wo Marken jederzeit zu haben sind. Wir empfehlen die Einrichtung solcher Verkaufsstellen allen gesinnungsverwandten Ortsgruppen. B o st o n. Auf Initiative des Herrn Rabbiners S. I. Frrederman und Herrn B. I. Reinherz hat hier die Propaganda für die Gründung einer Ortsgruppe der Agudas Iisroel begonnen. Roch ist die genaue Kenntnis des Programmes nicht in 'die Masse gedrungen. Wo man aber Kunde erhält von dem schönen Plan, wird er mit Begeisterung ausgenommen und überall finden wir die guten Jdudim bereit, sich der Bewegung anzuschlietzen. Es wird freilich noch grotzer Anstrengungen bedürfen, um die nach Tausenden zählende Menge der hier ansässigen, aus Rußland eingewanderten orthodoxen Juden mit den Ausgaben der Organisation vertraut zu machen. Trotzdem sind wir des Erfolges sicher. Sollten sich leitende Persönlichkeiten aus Deutschland und Rußland dazu entschließen, nach Amerika zu kommen und selber die Grundlagen für die zukünftige Landesorganisation ins Leben zu rufen, so werden sie auch in Boston gleichgesinnte Mitarbeiter finden. Agudas Iisroel irr Paris. Ein Offizier als Redner für die Agudas Iisroel. Paris. Am Sonntag, 4. Mai. fand hier eine Versammlung der Agudah statt. Nach Begrüßungsreden der Herren Rabbiner Weitzkopf und Simon Altmann sprach der erste Referent Dr. Weill aus Buchsiweiker, Mit grotzer Spannung sah man dem zweiten Redner des Abends entgegen, welcher über die ..Agudah in Frankreich" sprechen sollte. Es war der französische Offizier, Kommandant Lipmann aus Versailles. Herr Kommandant Lipmann ist streng,religiös, dem 'Thorajuden-

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