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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-23 · 21 (23.5.1913) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
21 (23.5.1913)
Date
1913-05-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 3£o Dr. BLochs Wochenschrift. Sir. 21 nähme der Aerzte könnten ohne Zweifel manche Ersparungen erzielt werden. Das Vereinsmitglied Rudolf Fuchs wünscht eine Aeuderuug des § 42 der Statuten, wonach jetzt zur Vornahme der Wahlen die Anwesenheit von 100 Vereiusmitglicdern notwendig sei, anderenfalls die Wahl, unterbleibt und die Berufung durch den Vorstand erfolgt, so daß die Vereinsmitglieder ihres Wahlrechtes verlustig werden. Der Präsident Salo Cohn weist in seinem Schlußworte auf die aufopferungsvolle Tätigkeit hin, welche die mit der Prüfung und Erledigung der einlaufenden Unterstützungsansuchen betrauten Herren des Vorstandes die Herren B r e i t n e r, Goldmann, Kann, Klein, Lemberger, Otto, Simon und Steiner in hingebungsvoller Weise unter den schwierigen Verhältnissen leisten und spricht diesen Herren für ihre Tätigkeit den wärmsten Dank aus. Der Vorstand werde jedoch nicht ermangeln, die wertvollen Anregungen und Anträge, die in der heutigen Versammlung gestellt wurden, einer gründlichen Beratung zu unterziehen uud richtet au die Anwesenden einen warmen Appell, nach Kräften dazu beizutragen, der Chewra-Kadischa neue Gönner und Förderer zuzuführen, damit diese älteste jüdische Vereinigung Wiens ihrer hohen Aufgabe nach wie vor in vollem Maße gerecht werden könne. Der Revisor, Herr Heinrich Neurath, erstattet im eigenen Namen, sowie im Namen des II. Revisors, Herrn David H o r o w i tz, den Bericht über die vorgenommenen Revisionen der Buch- und Kassaführung und spricht dem Bureau für die klare und vollkommen ordnungsgemäße Führ»! g der Bücher und Kassa die vollste Anerkennung aus. lieber seinen Antrag wird dem Vorstande einhellig das Absolutorium erteilt. Bei der hieraus vorgenommenen Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern werden die statutengemäß aus dem Vorstande ausscheidenden Herren Moriz ,B r e i t.n e r, Jqkob .,K a irn, Jgn. Klein, Leopold Otto und Samuel Steiner wiedergewählt; ebenso werden die bisherigen Revisoren, die Herren David Horowitz und Heinrich Neurath wiedergewählt. Mit Dankesworten an die Erschienenen schließt hierauf der Vorsitzende Salo Cohn die Versammlung. Zum RechWMgsMschjkutzl der ffr. Kultusgemeirrde. Wir erhalten folgende Zuschrift: In Ihrer Mch. Zeitschrift vom 2.!Mai 1913 bringen Sie in dem Berichte anläßlich, der letzten Plenarsitzung; des israelitsschen Kultusvorstandes über den Rechnungsabschluß für das Jahr 1912 unter anderem die auffallende Bemerkung des Herrn Referenten bei der Post Fleisch regle, daß die Ausgaben immer wachsen, während die Einnahmen stand N zurückgehen. Der Herr Referent glaubt „nach; seiner unmaßgebenden Meinung", „ob nicht in der Kontrolle etwas nicht stimme, die bedeutenden Rückgänge der Einnahmen können nicht allein auf den Umstand der Fleischteuerung zurückzusühren sein!" Demgegenüber erlaube ich mir, als Kenner dieser Frage, darauf aufmerffam zu machen, daß in diesem Jahre ein Minus von über 15.000 Kronen gegenüber dem. Präliminare, hauptsächlich, auf das ganz bedeutend reduzierte, auf das minimalste beschränkte Schächten von Ochsen, in erster Linie Egen der abnoMalen) Viehteuerung und nicht zuletzt wegen des in letzter Zeit starken Konsumrückganges von Koscherfleisch zurückzusuhren ist. Einen weiteren bedeutenden Ausfall von zirka 8000 Kronen jährlich an Schachtgebühren hatte im Vorjahre eine Verfügung des Rabbinats bezüglich der Selchereien zur Folge, da die Selcher, seitdem sie i.geaßert" wurden, nichts schachten lassen. Gewiß lassen sich in dieser Frage für die Gemeinde sowohl, als auch für die beteiligten Kreise Verbesserungen erzielen, an Vorschlägen von Fachmännern soll esl nicht fehlen. Schon vor Jahren hgbe ich, dieses Gespenst vorausgesehen, bei verschiedenen Gelegenheiten das löbliche Präsidium daraus aufmerksam gemacht; es muß, bei dieser Frage stets der Standpunkt festgehalten werden, dies Defizit nicht auf das konsumierende Koscherfleisch-Publikum zu übertragen. Hoffentlichwird die Anregung des Herrn Referenten dazu beitragen, diese Angelegenheit zum Wöhle der Gemeinde und der beteiligten Kreise in die richtigen Wege zu lenken. S iegmund Kornmeh l, Obmann des Vereines der israel. Fleischhauer Wiens u. Vorstandsmitglied d!er Wr. Fleischhauergenossenschaft. Hilsner ’m der Strafanstalt Stein. In der Wiener „Sonn- und Montagszeitung" schildert ein Mitarbeiter einen Besuch in der Strafanstalt Stein, wo er auch mit Hilsner sprach. Er schreibt: „Ich hatte Gelegenheit, vor einigen Tagen mich, in dieser Am stalt auszuhalten. Ein endloser, düsterer, langer Gang führt uns in die Papiersäckelkleberei: hier sind in einem großen Saal säst 100 Mann beschäftigt, rknd der Kleistergestank, der saure Geruchs wirkt fürchterlich,. In der Mitte im Saale steht, wachsgelb und mager wie eine Leiche, Hilsner Leopold. Dieser Mann erweckte mein Interesse. . „Wie geht es Ihnen, Hilsner?" fragte ich den Armen, dessen Aussehen Mein Mitleid-erweckte. „Nicht am besten. Seit einiger Zeit leide ich, an der Lunge und schlafe fast gar nicht, dann bin ich. sehr auf Kriegsfuß! mit meinen Schicksalsgenossen." — „Ja, warum denn?" fragte ich ihn, und weinend sagte er: „Sie alle müssen ihr Schicksal mit Gdduld ertragen, weil sie wissen, warum sie hier sind, doch ichi kann mich nicht in die Lage denken, sterben zu müssen als Verbrecher, und nur deshalb, weil es mir so bestimmt wurde! Obendrein ist meine Mutter gestorben, ich, konnte ihr Grab nicht sehen, und mir schreibt man die Schuld an ihrem Tode zu." Ich tröstete den Armen so gut es ging und sagte ihm, es werde auch für ihn die Stunde der Erlösung kommen. Seine Antwort war: „Die Außenwelt arbeitet für mich schon dreizehn Jahre, mir sagen es die Sträflinge, die neu eingeliefert werden, doch ich werde hier sterben müssen; meine Kraft und mein Willen zum Leben gehen zu Ende!" Während meiner Unterredung kam ein Aufseher und brachte den jüdischen Gefangenen Kaffee und Osterbrot, das sie von der Kultusgemeinde Krems alljährlich gratis erhalten. Ich, fragte dann einen höheren Beamten der Anstalt, wie es mit Hilsner stehe, und dieser bedeutete mir, schlimm, sehr schlimm, er kann sich in seine Lage nicht finden, ist nervös und sehr leicht erregbar, streitet Mit seinen Genossen und geht ruhelos! Tag und Nacht in seiner Zelle aus und nieder, die er mit fünfzehn anderen Gefangenen teilt; durch, dieses sein Vorgehen wird er oft von der Direktion mit Fasten und hartem Lager bestraft und, wenn dies nicht hilft, in eine dunkle Zelle gesperrt." DD Große Sch iffgasse. Von Emil Frankel, Religionsprofessor. Anschließend an den interessanten historischen Artikel der NumMer 20 vom 16. Mai bemerke ich,, daß! die Juden aus der Inneren Stadt Wien, wo sie da- Mals wohnten, unter Ferdinand II. (1625) 6 5 Hau-

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