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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-23 · 21 (23.5.1913) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
21 (23.5.1913)
Date
1913-05-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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R'. 21 Dr. Vkochs Wochenschrift. Sette 379 pital des elfteren Fondes nunmehr Kr. 56.000.—, jenes des zweiten Kr. 16.000.—. Der Vorstand hegt zwar im Interesse seiner Mitglieder den herzlichsten Wunsch, daß er nur in den allerseltensten Fällen genötigt sein möge, von diesen Fonds Gebrauch zu machen, daß aber, wenn dies doch der Fall sein muß, namentlich aus dem Ilnterstützungssonds er solche Beträge gewähren kann, die eines Mitgliedes der Chewra Kadischa würdig und seiner Bedürftigkeit angemessen sind. Von diesem Gesichtspunkte geleitet, wird der Vorstand auch weiterhin einer Kräftigung dieser Fände sein Augenmerk zuwenden. Noch ein dritter Fond ist seither gegründet worden. In einer freundschaftlichen Zusammenkunft der Delegierten mit dem Vorstande wurde von den ersteren, welche aus eigener Anschauung das Glend kennen lernen, in das zahlreiche Familien durch das Hinscheiden ihres Ernährers versetzt werden, die Anregung gegeben, einen Fonds zu gründen, aus welchem an arme Leidtragende solche Beträge gegeben werden können, die sie wenigstens in der ersten Zeit während der Cchiwah vor den ärgsten Entbehrungen schützen können. Diese Anregung ist aus' fruchtbaren Boden gefallen. Noch in derselben Besprechung hat der anwesende Präsident, Herr Calo Cohn, in seiner gewohnt hochherzigen Weise durch Widmung eines Betrages von Kr. 10.000.— einen ansehnlichen Grundstock geschaffen, welcher seither durch weitere Zuwendungen, von denen insbesondere die des Herrn Jakob Kann mit Kr. 500.—, des Herrn Carl Lemberger und Jakob Weichselbaum mit je Kr. 300.— hervorgehoben sein mögen, ferner durch Zuwendungen aus den laufenden Einnahmen des Vereines auf Kr. 15.100.— angewachsen ist. Den Gründern und Förderern dieses Fondes, insbesondere dem hochverehrten Herrn Präsidenten, sei auch an dieser Stelle der wärmste Dank votiert. Hiemit wäre der finanzielle Teil des Berichtes in großen Zügen erledigt. Dieser Bericht kann aber nicht geschlossen werden, ohne daß eines wohl nicht in die Berichtsperiode fallenden Ereignisses gedacht wird, das von den Vorstandsmitgliedern festlich begangen wurde. Am 19. Dezember 1912 vollendete unser hochverehrter Präsident, Herr Salo Cohn, sein siebzigstes Lebensjahr. Schon früher hat der Vorstand die großen Verdienste des Präsidenten um die Chewra Kadischa durch Verleihung der Ehrenmitgliedschaft gewürdigt, einer seltenen Auszeichnung, welcher dermalen außer dem Präsidenten der ehrwürdige Oberrabbiner in unserer Gemeinde, Herr Dr. Güdemann, der Senior der Wiener Rabbiner, Herr Dr. Adolf Schmiedl, und der verdienstvolle Vizepräsident der Chewra Kadischa, Herr Dr. Markus Spitzer, teilhaftig sind. Die Vorstandsmitglieder der Chewra Kadischa waren glücklich, einen Anlaß zu Haben, ihrem Präsidenten auch ein äußeres Zeichen ihrer aufrichtigen Verehrung und Wertschätzung zu geben, und sie widmeten deshalb ein von Künstlerhand angefertigtes Porträt des Gefeierten für den Sitzungssaal der Chewra Kadischa. Der Gefeierte dankte für diese Ehrung durch eine hochherzige Entschließung. Er widmete dem Fonds zur Unterstützung verarmter Mitglieder einen Betrag von Kr. 50.000.—. Wenn es noch eines Beweises bedurfte, welch glückliche Wahl die Chewra Kadischa in ihrem Präsidenten getroffen hat, so beweist dies in eklatantester Weise seine soeben zur Kenntnis gebrachte Entschließung, die in den Annalen unserer Bruderschaft völlig vereinzelt dastehl. Ich bin Ihrer freudigen Zustimmung gewiß, wenn ich diesen Bericht mit dem innigen Wünsche schließe, „daß wir noch lange, lange Jahre das Glück haben mögen, unseren hochverehrten Präsidenten in ungeschwächter Kraft an unserer Spitze wirken zu sehen." (Stürmischer Applaus.) Präsident Salo Cohn spricht seinen Dank aus für die schmeichelhaften Worte, die ihm in dem soeben erstatteten Bericht gewidmet werden. Er gibt die Versicherung, daß er es als besondere Ehre ansehe, einer Vereinigung anzugehören, die zu den ältesten Institutionen der Gemeinde zähle, von der schon in den Wiener Chroniken aus dem Jahre 1330 die Rede sei. Er habe ursprünglich in seinem Testamente verfügt, daß nach seinem dereinstigen Ableben die im Berichte erwähnte Zuwendung des Betrages von Kr. 50.000 der Chewra-Kadischa zukomme; da es jedoch ein gütiges Geschick gefügt habe, daß er bei Vollendung seines 70. Lebensjahres noch als Präsident der Chewra-Kadischa wirken könne, habe er schon derzeit den genannten Betrag dem Fonde zur Unterstützung verarmter Vereinsmitglieder zukommen lassen, einem Fonde, der seinerzeit über seine Anregung gebildet wurde und dessen Zinsenerträgnisse dazu dienen, verarmte Mitglieder der Chewra-Kadischa in diskreter und möglichst ausreichender Weise zu unterstützen. Er wende diesem Fonde speziell.sein besonderes Interesse zu, da er es als ein erstrebenswertes Ziel hält, Jenen, die einst bessere Tage gesehen haben und ins Unglück geraten sind, nach Möglichkeit in ihrem Unglücke hilfebringend zur Seite zu stehen. (Lebhaftester Beifall.) An den Rechenschaftsbericht schloß sich eine anregende Debatte, bei welcher zunächst Herr weä. Dr. Julius Weiß zum Worte kam. Er dankte dem Vorstande namens der Versammlung für seine aufopfernde und mühevolle Tätigkeit und wandte sich hierauf einer sachlichen Kritik des Berichtes zu. Unleugbar sei jetzt eine Besserung zu konstatieren. Noch immer zu hoch erscheine ihm das Medikamentenbudget im Betrage von K 12.000. Diese hohe Ausgabe rühre davon her, weil die Chewra-Kadischa eine Pflicht übernimmt, die zu erfüllen der Kommune obläge. Zweckmäßig wäre die Signierung der Rezepte durch Vertrauensärzte der Chewra- Kadischa in den einzelnen Bezirken. Auch bei den Ausgaben für orthopädische Apparate, die mit K 9000 eingestellt find, könnte mehr gespart werden. Es hat sich nämlich die Gepflogenheit herausgebildet, daß die jüdischen Patienten bei der Entlassung aus dem Spital einfach an die Chewra-Kadischa gewiesen werden, wenn sie eine Bandage, eine Prothese rc. benötigen, während die Kliniken und Spitalsabteilungen verpflichtet wären, aus eigenen Mitteln die für die operierten oder behandelten Patienten nötigen Apparate zu beschaffen. Aehnlich verhalte es sich mit den Brillen, für welche zirka K 800 aufgewendet wurden. Schriftführer S. S i m o n widerlegt in detaillierter und sachlicher Form die Ausführungen des Vorredners. Wenn Herr Dr. BZ e i ß den Weg in die Kanzlei der Chewra nicht scheuen würde, so könnte er sich davon überzeugen, daß diejenigen, die Medikamente bei der Chewra ansprechen, wirklich den ärmsten Kreisen der Bevölterung angehören. Und die Chewra könne nicht so engherzig sein und diese Armen in allen Fällen an die Bezirksarmenstellen weisen. Was die orthopädischen Apparate betrifft, so gibt die Chewra-Kadischa oft nur Zuschüsse zur Anschaffung derselben, während der übrige Betrag von anderer Seite aufgebracht wird. Insbesondere sei nach dieser Richtung der Baronin Hirsch-Stiftung, dem Herrn Baron Springer und anderen Wohltätern besonderer Dank abzustatten. Bei der Bewilligung von Augengläsern handelt es sich zu einem großen Teile um Studenten und Arbeiter, die derselben bedürfen, und wird gewiß Niemand der Chewra-Kadischa einen Vorwurf daraus machen, wenn sie in dieser Beziehung die armen jüdischen Studenten in ihrem Fortkommen möglichst bereitwillig unterstützt. (Lebhafter Beifall.) Herr Moritz Baum plaidiert für eine Vermehrung der Zahl der Vorstandsmitglieder. Weiters wünscht er die Heranziehung der Bezirkskommissionen der Kultusgemeinde bei Beratung und sollten die Mitglieder der Bezirkskommissionen den Beratungen der Kommission III im Kultusvorstande zugezogen werden. Kultusvorsteher kais. Rat K a u d e r s konstatiert, daß ohnehin laut Statut Mitglieder der Bezirkskommissionen des III. und XI. Bezirkes den Beratungen der Friedhofskommission mit beratender und beschließender Stimme beiwohnen. Herr v. L ö b l bedauert die geringe Mitgliederanzahl der „Chewra-Kadischa" im Vergleich mit anderen Städten und verweist darauf, daß man sogar Kultusvorsteher nicht in der Mitgliederliste der „Chewra-Kadischa" findet. (Hört! Hört!) Herr Jak. S. Straßberg glaubt, daß eine starke Erhöhung der Mitgliederzahl dadurch herbeigesührt werden könnte, wenn den Söhnen der Mitglieder der Eintritt in die „Chewra-Kadischa" in dem bevorstehenden Jubiläumsjahr ohne Aufnahmsgebühr ermöglicht würde. Herr Med.- Rat Dr. H a a s e glaubt mit Rücksicht auf die Ausführungen seines Kollegen Dr. Weiß, daß eine Eingabe der „Chewra-Kadischa" an die Verwaltungen der Kranken-Anstalten gewiß Erfolg haben würde, und verweist auf eine ähnliche Aktion der Verbandskrankenkassen. Durch Zuhilfe-

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