Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 21 (23.5.1913)
- Date
- 1913-05-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 378 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 21 erschütternden Eindrücke der heutigen Zeitungsberichte, die uns ausführliche Nachrichten über die fürchterliche Brandkatastrophe bringen, von der gestern meine Vaterstadt, die altehrwürdige Kehila Preßburg, betroffen wurde. Ich glaube, es ist wohl in diesem Kreise nicht notwendig, die Größe des Unglücks erst ausführlich zu schildern, ebensowenig brauche ich wohl meinen Antrag zu rechtfertigen, daß sich aus dem Schoße der Versammlung ein Hilfskomitee für die Opfer der Brandkatastrophe in Preßburg bilde, welches sich späterhin durch Kooptierung weiterer Mitglieder ergänze und welches alle notwendigen Schritte, die zur Linderung des Unglücks beitragen können, beraten solle. Ich bitte um die Annahme meines Antrages." Vereivsmitglied Dr. Josef S. Bloch befürwortet wärmstens den Antrag des Herrn Hofbauer und bittet den Vorsitzenden Herrn Salo Cohn, sich als Präsident der Chewra Kadischa an die Spitze dieses Komitees stellen zu wollen. Der Vorsitzende unterstützt den Antrag des Herrn Hofbauer auf Einsetzung des Hilfskomitees und erklärt sich im Interesse der guten Sache gerne bereit, den Vorsitz im Komitee zu übernehmen. Gleichzeitig votiert er für die Hilfsaktion einen größeren Betrag, welchem Beispiele aus der Mitte der Versammlung eine Anzahl Herren Folge leisten. Der Antrag des Herrn Bernhard Hofbauer auf Bildung eines Hilfskomitees für die Opfer der Brandkatastrophe in Preßburg .gelangt sohin zur einhelligen Annahme. Der Kassaführer der Chewra Kadischa, Herr Salomon Simon erstattet den Rechenschaftsbericht über die abgelaufeueu 3 Verwaltungsjahre und führt u. a. ans: „Das abgelaufene Triennium kann, was sowohl die Einnahmen betrifft, als auch bezüglich der Leistungen, welche die Ehewra Kadischa auszuweisen hat, als ein günstiges bezeichnet werden. Was die Einnahmen anbelangt, mutz zunächst auf die Post „A u fnahmegebühren" hingewiesen werden, welche von Kr.7680.— im vorigen Triennium auf Kr. 12.489.— in den letzten drei Jahren gestiegen ist. Diese bedeutende Steigerung ist insbesondere darauf zurückzuführen, datz anlätzlich der im Jahre 1911 stattgehabten Chewrasude ein ungewöhnlich starker Zuwachs an Mitgliedern und damit eine Erhöhung der Post „Aufnahmsgebühren" erfolgte. Wenn man allerdings die ganz bedeutenden Summen vergleicht, welche z. B. bei der Budapester Ehewra Kadischa alljährlich durch die Aufnahmsgebühren neu eintretender Mitglieder eingehen, so erscheint der erwähnte Betrag verschwindend klein. Ein Vergleich aber zwischen diesen beiden Instituten ist leider — es mutz dies zum Nachteile der Wiener Chewra Kadischa konstatiert werden — nicht gut möglich. Während die Chewra Kadischa in Budapest das gesamte Beerdigungswesen zu ihren Agenden zählt, ist der Wiener Chewra Kadischa seit dem Jahre 1879, d. i. seit der Eröffnung des neuen Zentralfriedhofes in Wien, von ihrer früheren ausschlietzlichen Domäne nichts geblieben, als die Erinnerung an eine rein repräsentative Mitwirkung im Beerdigungswesen. Die Wiener Chewra Kadischa vermag ihren Mitgliedern nichts zu bieten, als das Bewuhtsein, einem guten Werke zu dienen. Von diesem * Standpunkte aus sind die weitaus kleineren Beiträge der Mitglieder der Wiener Chewra Kadischa, die alles für andere und nichts für sich tun, desto höher zu werten. Die Jahresbeiträge betrugen im abgelaufenen Triennium Kr. 96.401.— gegen Kr. 93.000.— in der Vorperiode. An Spenden sind Kr. 27.356.— eingegangen, um mehr als Kr. 7000.—, mehr als im vorigen Triennium. Diese Erhöhung ist aber nur einem besonderen Zufälle zu danken. Im Jahre 1911 sind nämlich aus dem für wohltätige Zwecke von dem verewigten Herrn Baron Albert Freiherrn v. Rothschild hinterlassenen Betrage von Kr. 200.000.— Kr. 8000.— zur sofortigen Verteilung der Chewra Kadischa zugewiesen worden, und zwar Kr. 4000.— vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde und Kr. 4000.— von der k. k. n.-ö. Statthalterei. Namentlich die letztere Zuwendung war besonders erfreulich, da sich darin das Ansehen dokumentiert, dessen sich die Chewra Kadischa als der älteste Mische Verein Wiens, ja, als der älteste Verein in dieser Stadt überhaupt, auch in nichtjüdischen Kreisen und bei den Behörden erfreut. Bringt man diese Kr. 8000.— von dem Gesamtergebnis in' Abzug, so ergibt sich, daß bei den Spenden nicht bloß keine Erhöhung, sondern eher eine Verminderung eingetreten ist. Die Bethausspenden sind mit Kr. 14.721.— nur um weniges höher als in der früheren Periode. Dagegen sind die Hranzablösungsspenden von Kr. 73.946.— aus Kronen 98.000— in den »ergangenen drei Jahren gestiegen, Dieses fortwährende Ansteigen beweist, datz der Gedanke, in dieser Weise das Andenken von Verstorbenen zu ehren, in der Wiener jüdischen Bevölkerung immer tiefer Wurzel faßt und es wäre der der Chewra Kadischa aus diesem Titel zufallende Betrag noch weit höher, wenn nicht inzwischen andere Vereine und Körperschaften diese von der Chewra Kadischa ins Leben gerufene Institution, die ursprünglich als eine ausschließliche Domäne der Chewra Kadischa gedacht war, übernommen worden wäre. Die Einnahmen aus den Sammelbüchsen bei den Leichenbegängnissen und den Opserstöcken aus dem Friedhose und in den Bethäusern haben eine verhältnismätzig bedeutende Erhöhung effahren. Sie find von Kr. ^6000.— im früheren Triennium auf Kr. 8700.— in den letzten drei Jahren gestiegen. In der Erhöhung dieser Post, die sich aus kleinsten Beiträgen zusammensetzt, zeigt sich vielleicht mehr als in allen anderen Belangen die steigende Sympathie, deren sich die Chewra Kadischa bei der Bevölkerung erfreut. Was die Ausgaben anbelangt, so sind die Unterstützungen von Kr. 88.000.— auf Kr. 103.000.— im letzten Triennium gestiegen; ebenso wurden an Kurbeiträgen rund Kronen 79.000.— gegen 61.000.— in den vorhergegangenen drei Jahren gewährt. Die Tendenz des Vorstandes geht dahin, diese Post noch weiters, wenn es sein müßte,- sogar aus Kosten der Post „Unterstützungen" zu erhöhen, denn der Vorstand erblickt in der Möglichkeit, einem Kranken durch einen ausreichenden Kurbeitrag die Gesundheit und damit auch die Erwerbsfähigkeit wiederzugeben, die grötzte Wohltat, eine weit größere Wohltat, als in der Gewährung kleiner Gaben liegt. In diesem Sinne begrüßt der Vorstand auch mit Sympathie die Bestrebungen der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen, welche sich im Rahmen ihres Tätigkeitsgebietes in jüngster Zeit die Ausgabe gestellt hat, eine Zentralisation der Armenpflege in bezug auf die Gewährung von Kurbeiträgen herbeizusühren, ein Bestreben, das gewiß allseitige Förderung verdient. Für orthopädische Apparate, Bandagen rc. wurden im Triennium 1910—1912 rund Kr. 28.000.— verausgabt, um etwa Kr. 4000.— mehr als im vorangegangenen. Auch die Ausgaben für Subventionen und optische Gegenstände, welche Kr. 9400.— betrugen, sind im letzten Triennium gestiegen.; Insgesamt betrugen die Ausgaben des Vereines im vergangenen Triennium Kr. 348.714.87 gegen Kr. 295.264.21 im vorangegangenen Triennium. Einen sehr erfreulichen Zuwachs weisen die Stiftungen und Widmungen auf. Die Chewra Kadischa verfügt dermalen über solche in einem Gesamtkapitalsbetrage von Kr. 241.800.—, um Kr. 61.800— mehr als zur Zeit der letzten Generalversammlung. Damals betrugen die Stiftungen rund Kr. 180.000.—, während sie im Jahre 1906 Kr. 145.000.— betrugen. Auch in dieser Tatsache zeigt sich das steigende Ansehen, dessen sich die Chewra Kadischa erfreut, und ist weiters ein Beweis dafür, datz Cdie Chewra Kadischa wieder jene Stellung unter den jüdischen Körperschaften Wiens einnimmt, die sie kraft ihres Alters, ihrer Tradition und ihrer Leistungen verdient. Cs ist ein Gebot der Dankbarkeit, an dieser Stelle jener Personen zu gedenken, welche durch die Zuwendung von Stiftungen ihr werktätiges Interesse für die Chewra Kadischa bekundet haben. Es sind dies die nachfolgend genannten Personen, welche folgende Beiträge der Chewra Kadischa gewidmet haben: Im Jahre 1910: Dr. Jaques Adolf Kr. 4000.—, Martin Cohn 500.—, Markus Engel 3000.—, Dr. Michael Freund 550.—, Wilhelm Freyberg 1000.—, Bela Haas 500.—, Maximilian Jellinek 1000.—, Jakob und Marie Kann 1500.—, Karl Kraus 2500.—,' Jakob Netzel 600.—, Moritz Ornstein 500.—, Bernhard Pollak Edler v. Parnau 1000.—, Hermine Schwarz 500.—, Ignaz Sonnenfeld 2000.—, David und Therese Spitz 1600.—, Bernhard Strakosch 600.—, David Weisweiler Kr. 500.—. Im Jahre 1911: Karl von Auspitz Kr. 600.—, Julius Boskowitz 500.—, Emanuel Fischl 1200.—, Gustav Gropper 1000.—, Emma Karpeles 1000.—, Ignaz Klein 500.—, Dr. Josef Kranz 600.—, Ernestine Löwenstein 500.—, Albert Freiherr v. Rothschild 10.000.—, Salomon Simon 500.—, Therese Stiatzny Kr. 1000.—. Im Jahre 1912: Karl v. Auspitz Kr. 600.—, Joel und Rosa Blumenfeld 600.—, Karl und Adelheid Figdor 7200.—, Josesine Gall 2000.—, Samuel und Regine Heit 2100.—, Bernhard Pollack Edler von Parnau 2400.—, und Siegmund und Emilie Wender Kr. 1200.—. In diesen Namen ist aber die Liste jener, welche ihr Wohlwollen für die Chewra Kadischa betätigt haben, noch lange nicht erschöpft. Die Anführung aller dieser Namen würde aber an dieser Stelle zu weit führen, und so mögen sich denn all die Wohltäter mit einer allgemeinen Danksagung begnügen. Das Vermögen der Chewra Kadischa betrug zu Ende des Jahres 1912 inkl. der Stiftungen und Widmungen Kr. 690.900.—. Die vor einigen Jahren gegründeten Fonds zur Unterstützung verarmter Mitglieder und zur würdi gen Bestattung von solchen haben durch Zuweisung aus den jährlichen Eingängen eine Steigerung effahren. Es beträgt das Kq?