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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-23 · 21 (23.5.1913) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
21 (23.5.1913)
Date
1913-05-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 376 Dr. Blochs Wochenschrift Spanien, welches sich jetzt her Tripelentente angeschlossen hat, mit Rücksicht darauf, daß die Iuden die Majorität der Bevölkerung Ln Saloniki bilden, Saloniki, das dann in der Mehrzahl spanisch wäre, für ssich, reklamieren könnte. Die Kombination, daß Saloniki und Umgebung unter dem Namen Mazedonien ein selbständiges Land bilden werde, entbehrt jeder Grundlage. Dies wäre übrigens auch den Interessen Bulgariens widersprechend. Bezeichnenderweise sind heute die Serben die begeistertesten Wortführer dieser Lösungsform. Das Motiv ist ja bald gefunden. Serbien möchte auf diese Weise zu einem Hasen gelangen, den es infolge des Widerstandes seitens Oesterreich-Ungarns nicht erlangen kann. Wie verlautet, soll die Frage betreffend Saloniki auf der Londoner Konferenz überhaupt nicht zur Sprache kommen, und zwar über ausdrückliches Verlangen Rußlands, das das Prinzip ausgestellt hat, bei der Grenzregulierung zwischen den Verbündeten der einige Schiedsrichter zu sein. Rußlands Beziehungen zu Griechenland sind in letzterer Zeit viel inniger geworden, wahrscheinlich' will Griechenland die Erklärungen des Berges Atnos zu einer selbständigen Republik unterstützt, haben. Tatsächlich ist diese Mönchsrepublik heute schon voll mit russischen Soldaten. * Sehr bezeichnend ist die Bemerkung des bulgarischen Diplomaten, daß Bulgarien der Meinung war, daß es Rußland und auch den übrigen Mächten ein besonderes Entgegenkommen zeigen wollte, indem es Silistria an Rumänien abtrat, in der sicheren Anhoffung, dafür Saloniki zugestellt zu bekommen. Nun sei Bulgarien arg, enttäuscht, da es wohl Silistria abgetreten, Saloniki aber nicht erhalten habe. Der Generalkonsul erklärte schließlich, daß laut seinen Informationen die Juden von Saloniki das griechische Regtme als ein unerträgliches Joch empfinden und sicherlich alles ausbieten möchten, um es in der einen ober anderen 'Form abzuschütteln. Bulgarien hege selbstredend den Wunsch, daß auch diese Frage auf friedlichem Wege gelöst werde, sicher ist jedochbaß, wenn abermals bas Schwert zu entscheiden haben werde, die Bulgaren neuerlich! den Beweis liefern würden, daß sie den ihnen beigelegten Namen: „die Japaner des Balkans" wohl verdienen. Der Führer der bulgarischen Zionisten über die Lage der Juden in Bulgarien. Der Wiener Korrespondent des Lemberger „Jüdischen Tagblattes" hatte eine Unterredung mit dem Präsidenten der bulgarischen Zionistenorganisation, der sich gegenwärtig in Wien aufhält. Laut den Schilderungen dieses über die Verhältnisse in Bulgarien sicher-« lich gut informierten Gewährsmannes stellt sich die Lage der Juden in diesem Lande wissentlich anders dar, als sie in den letzten Monaten in den verschiedenen Zeitungen geschildert wurde. Der bulgarische Zionistenführer sagte im wesentlichen folgendes: „Vor dem Kriege gab es in Bulgarien 40.000 Juden, darunter ungefähr 4000 Aschkenasin und die übrigen Spaniolen. Die Lage der bulgarischen Juden' war im allgemeinen keine schlechte, aber eine volle Gleichberechtigung, die nicht nur auf dem Papiere stand, haben sie nie genossen. In den Staats,älmtern -fanden ficht fast gar keine Juden, in die Kadetten- und Offiziersschulen werden sie nicht ausgenommen und in den Staatsbanken — es gibt deren zwei, mit mehreren Filialen — werden sie nicht angesfellt. Biei jedem geringsten An? lasse tobt in der bulgarischen Presse die wildeste antisemitische Hetze. Als vor einigen Jahren die Juden in Philippopel anläßlich einer Gemeinderatswahl mit Rücksicht aus das in Bulgarien eingeführte Proportionalwahlsystem eine eigene Kandidatenliste aufgestellt hätten. Nr. 31 haben alle Blätter eine so drohende und verhetzende Haltung gegen die Juden eingenommen, daß' diese nicht wagten, für ihre eigene Liste zu stimmen. Weder in der Sobranje, noch in den übrigen autonomen Körperschaften sind die Juden vertreten. Die gesetzliche Bestimmung, welche Fremden den Ankauf von Grunde und Boden verbietet, richtet sich, hauptsächlich gegen die eingewanderten rumänischen und russischen Juden. Ebenso ist ein anderes Gesetz, aus Grund dessen Fremden der Eintritt in das Land verboten werden kann, nur gegen Juden in Anwendung gebracht. Jüdische Offiziere gibt es in der bulgarischen Armee nicht. Es hat wohl einige gegeben, da sie jedoch bei Beförderung konsequent übergangen wurden, haben sie aufgehört, sich um Offiziersstellen zu bewerben. Hingegen gibt es jüdische Militärärzte und besonders in der Reserve. Es gibt im ganzen Lande keinen einzigen jüdischen Richter. In Bulgarien herrscht die Sitte daß, jeder Advokat, bevor er seine Praxis ausübt, eine zeitlang als Richter fungiert. Von den jüdischen Advokaten ist bisher noch kein einziger zum Richter ernannt worden. Infolge des Krieges ist die Zahl der bulgarischen Juden um 50.000 angewachsen. Von diesen wohnen 20.000 in Adrianopel, der Rest in den übrigen eroberten Städten. Auf diese Weise zählt Bulgarien jetzt 90.000 Juden. Es ist gar keiss Zweifel, daß die Lage dieser letzteren 50.000 Juden jetzt eine schlechtere sein wird, als früher, da sie in der Türke: viel freier gelebt haben. Die bulgarisch-jüdische Jugend gehört fast durchwegs der zionistischen Organisation an. Saloniki wird wahrscheinlich' den Griechen verbleiben. Aber selbst, wenn es an Bulgarien kommen würde, so würde sich die Lage der Salonikier Juden verschlechtern. Der größte Teil wird auswandern müssen. Aber ich-glaube, daß sie nicht, wie die Zeitungen meldeten!,, nach Spanien, sondern eher nach, Kleinasien ziehen werden. Meiner Meinung! nach müßte das zionistische Palästinaamt diese Frage speziell studieren, denn es wäre gut und auch Möglich einen Teil der aus Saloniki auswandernden Juden in Palästina anzusiedeln. Eme Rede Lord Milners. Be: einem Festessen, das die Anglo-Jewish Association dieser Tage veranstaltete und wobei 8000 Pfd. St. für die Zwecke der Association gesammelt wurden, hielt Lord Milner, der als langjähriger Vertreter Englands in Egypten und Südafrika sich als einer der bedeutendsten englischen Staatsmänner der Gegenwart bewährt hat, eine interessante Ansprache. Er führte u. a. aus, daß er die Wichtigkeit der Schulen, die von dem Verein in verschiedenen Gegenden der Welt unterhalten werden, keineswegs unterschätze. Was ihn aber am meisten interessiere, was die Tätigkeit der Anglo-Jewish Association besonders auszeichne, sei iht Streben, für die Juden in allen zivilisierten Ländern Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und staatsbürgerliche Freiheit zu erlangen. „Ich muß sagen," fuhr Lord Milner fort, „daß dies meine tiefste Sympathie hervorruft. Ich. fühle, daß ich, wenn ich selbst ein englischer Jude wäre, von meiner Sicherheit, Unabhängigkeit und Würde als britischer Bürger dazu gedrängt wäre, alle meine Kräfte daran zu setzen, um diejenigen Angehörigen meiner Rasse und Religion, die unter Bedrückungen und Herabsetzung leiden, zu befreien. Ich kann nicht umhin, meine große Sympathie für meine britischen Mitbürger, die als Juden für die soziale und politische Besserstellung der Juden in anderen Ländern einstehen, auszudrücken. Ich glaube auch, daß ihre britischen Mitbürger, die keine Juden sindin diesem Streben ihnen beizustehen verpflichtet sind."

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