Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 21 (23.5.1913)
- Date
- 1913-05-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ilr. 21 Dr. Mochs Wochenschrift. Seite 375 Erbitterung und gesundes Bestreben einberufen hatten. Auch dort, mitten unter schamlosen Rowdieszenen, sind Worte gefallen, die es der anständigen und vernünftigen Bevölkerung sehr verlockend erscheinen ließen, sich einmal auch mit Stöcken bewaffnet auf der Universität zu postieren." Die jüdischen Studenten werden für „satisfaktionsunfähig" erklärt, um die lieben arischen Akademiker zu bewahren, gegen den häufig überlegenen „Semiten" den Mut zu bekunden; nur wenn man sich in dreifacher Ueberlegenheit weiß, mißhandelt man die wehrlose Minderheit. Feigheit und Roheit zugleich erweist sich als Merkmal dieser akademischen Buben, deren höchste Leistung sich in „Hepp-Hepp "-Rusen erschöpft. Sind sie in fünffacher Ueberzahh bekunden sie ihren Heldenmut. Das Benehmen gar in der Versammlung der Anti- Duell-Liga offenbarte diese „germanischen Akademiker" als nackte Barbaren, die selbst das Feigenblatt verschmähen, die Schwände zu verhüllen. Mit solcher Jugend wird das Deutschtum in Oesterreich, kaum die wachsende slavische Flut aush alten. Aufruf! Unsere Jeschiwa, die altehrwücdige Gemeinde Preßburg, ist von namenlosem Unglück betroffen worden, ein verheerender Brand hat am letzten vwp rav die Judengasse eingeäschert. Tausende Seelen find obdachlos und ihrer Habe gänzlich beraubt. Der Größe des Unglückes entspricht die allgemeine Teilnahme und es ist begründete Hoffnung, daß die D'Jam D'iam dem großen Elend in reichem Maße steuern werden, so daß unseren unglücklichen Brüdern eine Existenzmöglichkeit geboten werde. Durch diese furchtbare Katastrophe ist auch die Jeschiwa, die der Grundpfeiler von nui'i min, die seit uralten Zeiten viele Tausende Jünger erzogen, dem Judentum eine große Anzahl hervorragender Rabbiner herangebildet hat, in ihrem Bestand bedroht! Unser Lehrhaus, die berühmte Preßburger Schieurstube ist leider zerstört, wjjf? ovv irttnpö Die kleine Habe der größtenteils unbemittelten Hörer wurde vernichtet, sie blieben obdachlos. Unsere Gemeinde und deren Mitglieder find durch das allgemeine Unglück zur Anspannung aller Kräfte gezwungen, so daß fie für diesen speziellen Zweck, die Erhaltung der Jeschiwa, die ein allgemeines Interesse der Judenheit bildet, kaum die nötigen bedeutenden Mittel aufbringen können. An alle n-nn ’aniK besonders an die ehemaligen Jünger der Preßburger Jeschiwa ergeht unsere dringende, heiße Bitte, uns nach möglichen Kräften zu helfen, damit wir diese heilige Institution erhalten können. Wir muffen auch der augenblicklichen Not von 200 isn •mm steuern und müssen Sorge tragen, daß das Beth Ha-Midrasch, in dem seit einem Jahrhundert Tausende von Jüngern min gelernt, aufgebaut werde, damit unsere Jeschiwa in ihrem ganzen Umfange im alten Zustande erhalten bleibe. In dem allgemeinen Unglücke, das unsere Gemeinde betroffen hat, muß sich der gefertigte Vorstand seiner besonderen Pflicht, für die Jeschiwa zu sorgen, bewußt sein und bitten wir um eheste Ueberweisung von Beiträgen, da ein langes Provisorium von bedeutendem Nachteil wäre. Möge an allen unseren Gönnern die nmn in Erfüllung gehen! ivuv rraavn ro n'pnnab u'n crn py Der Bo rstand: Josef G rü n w a l d m. p., Eduard Schien ger m. p. A. Sch ächter m. p., Lajos Kohlmann m. p., I. Duschin szki m. p., Josef Herzog m, p., Jak. Nasch m. p., F. Benedikt m. p. Preßburg—(Pozsony), im Jahre 5673 (Mai 1913) N. S. Sendungen erbitten wir an Se. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Akiba Schreiber, Preßburg, mit Vermerk „Jeschiwa". Von 8eileo der Preßburger orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde werden wir ersucht, gegenüber der Meldung einiger Blätter, daß die jüdische Bevölkerung von Preßburg sich anfänglich an der Löschaktion wegen des Sabbathes nicht beteiligen wollte und sich dazu erst entschlossen hätte, als der Oberrabbiner einen Dispens erließ, richtigzustellen, daß es eines Dispenses des Oberrabbiners überhaupt nicht bedurfte, da es jedem schriftkundigen Juden bekannt ist, daß selbst bei entferntester Lebensgefahr das Sabbathgesetz suspendiert ist. Und der Himmel weiß, daß die Gefahr in Preßburg nur allzu nahe war. Es wird ebenso darauf hingewiesen, daß nach dem jüdischen Gesetze die Pflicht der Lebensrettung ohne Rücksicht auf das Sabbathgesetz nicht nur für den Fall existiert, wenn sich Juden in Gefahr befinden, vielmehr gilt diese Pflicht jedem Menschen gegenüber ohne Rücksicht auf seine religiöse Zugehörigkeit. - Trotzdem der lähmende Schrecken vielen die Denkfähigkeit geraubt hatte, wird von allen Augenzeugen bestätigt, daß die Katastrophe sicherlich eine viel größere Ausdehnung genommen hätte, wenn die Juden sich nicht gleich nach Ausbruch des Brandes mit der größten Selbstaufopferung an der Lösch- und Rettungsaktion beteiligt hätten. General o. Rennenkamps gegen die Wilnaer Juden. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Vor einigen Tagen schon fanden Massenausweisungen von Juden aus verschiedenen Gebieten des Russenreiches statt. Ein soeben erlassener Befehl des kommandierenden des Wilnaer Militärbezirks Generals v. Rennenkampf bietet jeinen erneuten Beweis für die Tatsache, daß die Iudenbedrückung gegenwärtig in Rußland in stärkstem Maße betrieben wird. Der General verbietet den Offizieren, sich auf der Straße sowie in öffentlichen Lokalen in> Gesellschaft jüdischer Bekannter zu zeigen. Ueber die strenge Durchführung dieser Verordnung haben der Stadtkommandant und seine Adjutanten zu wachen. Dieser Befehl hat unter der jüdischen Bevölkerung Wilnas, zu der mehrere angesehene Großkausleute zählen, begreifliche Empörung hervorgerufen. Wichtige Erklärungen eines bulgarischen Diplomaten Wer die Zukunft Albaniens. Der Redakteur des Budapester jüdischen Wochenblattes „Egyenlöseg" hatte dieser Tage eine Unterredung mit dem bulgarischen Generalkonsul, in welcher sich dieser über die Zukunft von Saloniki in sehr interessanter Weise äußerte. Resigniert erklärte der bulgarische Diplomat, daß die Bulgaren gezwungen waren, ihre Truppen aus Saloniki herauszuziehen, da die Bulgaren nicht in dev Lage feien, die Stadt gegen die griechische Uebermacht zu verteidigen. Ueber russisches Drängen wurden auch unsere administrativen Positionen nach einander aufgegeben und die Stadt den Griechen überlassen. Zwischen der bulgarischen und griechischen Regierung herrscht vorläufig em zufriedenstellendes Einvernehmen und der erbitterte Kampf um Saloniki wird jetzt nur noch in der Presse geführt. Saloniki ist übrigens nicht nur für die Bulgaren, sondern auch für die Iuden verloren. Die Griechen haben sich dort bereits häuslich eingerichtet, was so viel heißt, daß die Juden der Stadt bedrückt/ und verfolgt werden. Es ist daher gar kein Wunder, daß diese umsomehr zu Tausenden in ihre spanische Urheimat zurückkehren und dort die spanische Staatsbürgerschaft annehmen. Die spanische Regierung hat letzthin aus diesem Grunde bei der griechischen interveniert, daß die Iuden auch in Saloniki selbst berechtigt sein' mögen, sich zur spanischen Staatsbürgerschaft zu bekennen. was jedoch die Griechen mit der merkwürdigen Motivierung verweigerten, daß zu befürchten wäre, daß