Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 20 (16.5.1913)
- Date
- 1913-05-16
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022056--22141-3047271- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Seite 366 Dk. Blvchs diese Aktion ins Leben riefen, rufen wir zu: Kn-'-n*6! Mögen sie sich mit ihrem Können auf einem anderen Gebiete, das ihnen näher steht, betätigen. Prag, am 12. Mai 1913. G. L. Ein N tualmordmärchen. so schreibt das „Mährische Tagblatt". nt wieder einmal in den dämmerigen Hirnen einiger Jglauer Betschwestern aufgetaucht und sofort mit blutrünstigem Behagen von den klerikalen Volksverhetzern in Olmütz aufgegriffen worden. Wann werden denn endlich diese seltsamen „Christen" von jenem erbärmlichen Wahnsinne geheilt sein, der sie fortwährend dazu antreibt, die niedrigsten Instinke des Pöbels mit diesem heillosen, längst widerlegten Aberglauben aufzuwühlen?! Die Olmützer Staatsanwaltschaft mußte dieser Tage die Wochenausgabe des Olmützer klerikalen Blattes, ferner den „Brünner Volksboten" und das „Znaimer Volksblatt" im Sinne der Paragraphen 302 und 308 konfiszieren, weil sich diese Organe nicht entblödeten, den Fund der mazerierten Leiche einer Jglauer Selbstmörderin sofort mit jenem blöden Aberglauben in Zusammenhang zu bringen, ohne auch nur die ersten Ergebnisse der gerichtlichen Untersuchung des Falles abzuwarten. Mle drei genannten Organe werden in der hiesigen fürsterzbischöflichen Druckerei hergestellt und redigiert. Wandelt es Se. Eminenz, den Herrn Kardinal Dr. Bauer, nicht wie Scham an, wenn unter seinen Augen und in seiner Offizin derartige Giftblüten einer dem christlichen Gedanken brutal zuwiderlausenden Hetzerei gedeihen, gegen die auch schon ernste katholische Theologen Stellung genommen haben? Seitdem der Jude Ehrlich, der Erfinder des menschheitserlösenden Salvarsans, dem Christenblute so viel Heil gebracht hat, sollten doch endlich die Verkünder des Christentums das Unheil des Blutmärchens, dieser dümmsten und unseligsten aUer Lügen, nicht mehr heraufbeschwören! Prag. Der Verband der israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen Böhmens hielt Sonntag am 4. Mai 1913 im Jüdischen Rathause in Prag seine 7. ordentliche Vollversammlung ab. — Nach Genehmigung des Protokolls der vorjährigen Vollversammlung erstattete der Vorsitzende, H. Prof. Dr. G. Weiner, Kgl. Weinberge, den Tätigkeitsbericht, aus dem hervorgeht, daß der Ausschuß in 26 Sitzungen die Angelegenheiten des Verbandes durchberaten und eine großangelegte Aktion zur Hebung der materiellen Wohlfahrt und zur endgiltigen Regelung der Stellung der Mittelschulreligionslehrer durchgeführt hat. — Der Kassabericht wies ein erfreuliches Resultat auf. Bei der Neukonstituierung des Ausschusses wurden gewählt: zum Obmann H. Dr. S. Ar je, Rabbiner in Smichow; zum Öbmanvstellvertreter H. Dr. S. H. Lieben, k. k. Professor in Prag; zum Kaffier H. Dr. M. Klotz, Rabbiner in Prag; zum Schriftführer Rabbiner F. K u ö p f c l m a ch e r, Mittelschulreligionslehrer in Prag. LWer Juden als 'Getaufte. Von einseweihter Seite wird aus Petersburg berichtet: Der 'Fall des jüngst verstorbenen, vor Jahren getauften öffentlichen Notars Dworzezki, der bekanntlich infolge seines letztwilligen Wunsches auf dem jüdischen Friedhöfe zur letzten Ruhe gebracht wurde, hat in den hohen Regierungskreisen begreiflicherweise einen sehr schlechten Eindruck gemacht. Dieser Vorfall war nun die Veranlassung für ein Geheimzirkular, das an alle oberen Behörden versandt wurde und in welchem die Order enthalten ist, Staatsstellen in Hinkunft nicht mehr mit getauften Juden zu besetzen. Wenn kein anderer Ausweg zu finden ist, — so soll es in dem' Zirkular lauten, — soll lieber ein Jude als ein getaufter Jude die vakante Staatsanstellung erhallen. Eine Fälschung der „Nowoje Wremja". Vor einiger Zeit meldete die „Nowoje Wremja". daß im finnländischen Landtage der bekannte progressive Deputierte Wick eine scharfe Rede gegen die Juden gehalten habe. Diese Meldung' hat zur Zeit ihrer Veröffentlichung in Rußland berechtigtes Aufsehen erregt. Nun stellt es sich heraus, daß die Meldung des antisemitischen Blattes eine frei erfundene war. Abgeordneter Wochenschrift Nr. 20 Wick veröffentlicht jetzt die fragliche Rede, die von Anfang bis zum Ende! eine durchaus sreih'ritliche und judenfreundliche Kundgebung ist. Im' Gegenteile weist Wick auf die ungerechte Behandlung hin, welche die Juden bisher auch in 'Finnland erführen haben und prophezeit, daß ein Festhalten an dieser Politik dem Lande den schwersten Schaden zufügen müsse und daß gerade Finnland, das selbst bedrückt werde, ein Verbrechen beginge, wenn es wieder seinerseits die Juden bedrücken wollte. Der Abgeordnete schließt seine Rede mit der Forderung, daß Finnland nicht dieselbe Schuld aus sich laden möge wie Rußland und Rumänien und den Juden gegenüber eine alte Schuld, die sich jetzt an dem finnischen Volke räche, vereinige. Hungersnot unter den Juden von Odessa. Eine sehr traurige Statistik veröffentlicht die größte jüdische Wohltätigkeitsvereinigung „Esrat-Anijim" in Odessa. Laut ihren authentischen Mitteilungen ist es festgestellt, daß ein Drittel der Odessaer jüdischen Bevölkerung, d. h. 60.000 Seelen.' im buchstäblichen Sinne des Wortes Hunger leiden. Die genannte Vereinigung ist der noch immer wachsenden Not unter den Juden von Odessa nicht mehr gewachsen. Auch gegenwärtig liegen im Sekretariate der genannten Gesellschaft mehr als 1000 Bittgesuche unterstützungswürdiger Petenten unerledigt. * ’ : . Zurückgewiesene Loyalität der Juden. In KrÄo h!at sich eine Gruppe reicher Juden an die Regierung mit dem Ersuchen gewendet, aus' eigene Kosten eine monumentale Synagoge errichten zu dürfen, die zum Andenken an die Romanow-Feier den Namen Romanow-Jübiläums-Synagoge tragen sollte. Die Regierung hat diesem Ersuchen die Bewilligung versagt. Eine Emigrantentragödie. Die Petersburger „Rjetsch" meldet den sokgenden schrecklichen Fall einer Emigrantentragödie: Aus Belzi, im bestarabischen Gouvernement, beschloß eine Gruppe von Juden, die in ihrem Heimatstädtchen, in dem sie geboren und erzogen wurden, nicht mehr geduldet wurden, nach Amerika auszuwandern. Man duldete sie wohl nicht in ihrer Heimatstadt, aber man folgte ihnen auch keine Auslandspässe ans, um legal dieses Land jüdischen Jammers verlassen zu können. So vertrauten sie sich denn einen: der bekannten Emigrantenschwärzer an, der sie auf einem Boot über den Grenzfluß hinüber bringen sollte. Sie befanden sich mitten im Flusse, als der Grenzsoldat sie erblickte und ihnen zurief, umzukehren, weil er sonst schießen müsse. Auf dem Boote, das ohnedies mit der Last von 50 Emigranten schwer vorwärts kam, brach infolge der Drohung der Grenzwache furchtbare Panik aus, die schließlich damit endete, daß das Boot umkippte und sämtliche Emigranten, bis auf zwei, die mit schwerer Mühe gerettet werden konnten, ertranken. Charakteristisch ist, daß der Grenzsoldat selbst auf die mit denr Tode ringenden Körper im Wasser schoß, weil er annahm, daß die Insassen des Bootes sich schwimmend ans andere Ilfer retten wollten. Seuchen und Seuchenbr känihfung in Jerusalem. Zur Bekämpfung der Malaria in Jerusalem hat sich ein deutsches Komitch Mit dem Sitz in Berlin gebildet. Den Vorsitz der Frankfurter Sektion hat Geheimrat Ehrlich übernommen. In einer Versammlung im Frankfurter Hof berichtete in längeren interessanten Ausführungen Professor Muhlens über dir Ergebnisse einer vorläufigen Expedition nach Jerusalem, die zum Zwecke der Vorarbeiten und zur Erforschung der sanitären Verhältnisse dieser Stadt und ihrer Umgebung ausgeschickt worden war. Der Redner betonte, daß, wenn irgendwo Vorbeugen besser sei als heilen, dies besonders bei der Malaria der FM ist. Cr 'schilderte die geographischen, ethnographischen, religiösen und sozialen Verhältnisse der heiligen Stadt, die eine Fülle von Schulen. Waisenanstalten, Hospitälern und sonstigen Wohltätig-