Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 20 (16.5.1913)
- Date
- 1913-05-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 20 Dr. Vkochs Wochenschrift. Seite 365 Wochenschrift", Herrn Notar Dr. I. B ermann. Herrn Direktor Hecht, die Rabbiner Herren Dr. Grunwald, Dr. Rosenm-Lnn, Dr. Feuchtwang, Dr. ^.aglicht, Frau Regine Mopste in, in Vertretung des Vereines „Frauenhort", und viele Aerzte. Von allen Seiten wurde das eminent humanitäre Wirken dieses Vereines anerkannt und der bisherige Zentralausschuß -wiedergewählt. Neu cooptiert wurden: die Damen Frau Bergrat Lily Bauer, Frau Vilma von Richetti (Triest), sowie die Herren Dr. Hugo Flesch, Ing. Seligmann, Jacques Carpet es und Leopold L o u r i e. _ Die jieHmie Generalversammlung des Hietzinger FrallEoWätigkeltsverriMs fand am 5. Mai statt und war sehr gut besucht. Die Präsidentin, Frau Laura Krenberger, begrüßte die Anwesenden, darunter Se. Chrwürden Herrn Rabbiner Dr. Mar Grunwald und Gemahlin, den Delegierten der Kultusgemeinde, Herrn Vorsteher Mar Zirner, die Vorsteherin des Döblinger Frauenvereines, Frau Dr. Kahn, die des Elisabeth- Lehrmädchenhorts, Frau k. Rat Dr. Krüger und Frau Bruckner, endlich Delegierte anderer Institutionen, welche aus Anerkennung für das außerordentliche humane Wirken des Vereines erschienen waren. Entschuldigt waren die Damen Kop f st e i n und Benedikt vom 'Frauenhort. Aus dem Rochenschaftsberichts über das Jahr 1912 wurde besonders hervorg-rhoben, daß 190 Kinder, welche, .als von den Eltern verlassene bei Pflegepartelen in Wien untergebracht sind, im Schutze des Vereines stehen und von den Vorstandsdamen wiederholt inspiziert, mit Wäsche, Kleidern und Beschuhung versehen, in Crkrankungsf-ällen verpflegt und oft auch durch Nachhilfeunterricht gefordert werden. Die Präsidentin und ihre. Stellvertreterin, Frau Gisela Z i r n s r. besuchten auch im Herbste 1912 die Kinderkolonien in den mährischen Orten Kanitz und Pohrlitz. Sie überzeugten sich von der guten Unterkunft der Kinder. Zu Chanukka bekleidete der Verein 138 Kinder, darunter 70 vollständig. Der Verein bezahlte auch für 10 Kinder Monatlich die Verpflegungsbeiträge und bekleidet sie auch durch das ganze Jahr. Haben die Schützlinge das 14. Lebensjahr erreicht, so kümMert sich der Verein in rühmlichster Weise um die Besorgung von Lehrstellen und Verdienstorten. Im Schutze des Vereines steht und wird vom Vereine subventioniert das von der Vizepräsidentin des Vereines, Frau Gisela Zirner-Zwieback, gegründete „Ludwig Zwieback-Kinderheim" in Purkersdorf, in dem sich gegenwärtig 15 Mädchen und 3 Knaben befinden. Frau Zirnejr ist dir mütterliche Freundin der Kinder und in Liebe und Treue dem Kinderheim ergeben. Die Präsidentin gedachte auch in ehrenden Worten des vor kurzem verstorbenen Dr. Marimilian Steiner. Der Kassenbericht des Vereines weist Barausgaben :m Betrage von 9658 Kr. für die Schützlinge aus. Dem Vorstand wurde Dank und Anerkennung ausgesprochen und die früheren Damen wurden per Akklamation wieder in die Leitung gewählt. Herr Kultusvorsteher Mar Zirner sprach namens des Kultusvorstandes Dankesworte und versprach wieder seine Hilfe: Herr Rabbinzer Dr. Grunwaild beleuchtete in geistvoller Meise die soziale Fürsorgetätigkett« des Vereines. An die Verhandlungen schloß sich ein Vortrag des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Gustav Scheu, welcher die Stellung des unehelichen Kindes im Rechte der Gegenwart und Zukunft in ungemein lehrreicher und fesselnder Weise darlegte. Zur Aktion der Prager Kautoren. Unparteiische Darstellung von einem Unbeteiligten. Vereheliche Redaktion! Ihre gesch. Leser erfahren seit einiger Zeit von einer Aktion der Prager Kantoren zum Schutze ihrer Standesehre. Wer mit den Prager Verhältnissen nicht vertraut ist, wird es nicht verstehen, wenn die Herren Arrangeure dieser Aktion in ihrem Memorandum sagen, daß jeder beliebige „Tempeldiener, Dienstmann u. a. m. Funktionen bei Trauungen vornehmen". Zur Aufklärung dieser Leser gestatte ich mir eine kurze Darstellung der hiesigen Verhältnisse. Die zentrale Lage Prags als Hauptstadt Böhmens einerseits, die eigenartigen Verhältnisse der kleineren Kultusgemeinden in Böhmen andererseits hatten zur Folge, daß es seit jeher die Landbevölkerung vorzog. ihre Hochzeiten in Prag zu feiern, und die Prager Gemeinde hat diesen eigenartigen Verhältnissen dahin Rechnung getragen, daß sie was in anderen Gemeinden nicht statthaft ist — ohne weiteres die Landtrauungen in Prag gestattete und ihre Rabbiner auch ausnahmslos den Landrabbinern die Ermächtigung zur Vornahme solcher Trauungen erteilen. Diese Verhältnisse hatten aber auch das Aufblühen des jüdischen Hotelwesens in Prag zur Folge, welche Hotels sich direkt auf Landhoch zetten einrichteten. Zur Bequemlichkeit der Hochzeitsgäste unterhält jedes dieser Hotels eine Person, welche die zur Trauung notwendigen Formalitäten besorgt und vorbereitet, bei der Trauung selbst das Arrangement übernimmt und gleichzeitig die kantoralen Funktionen versieht. Diese Kantorenstellen werden aber nicht, wie die Kantoren in ihrer Zuschrift behaupten, jedem Beliebigen von der Gasse übertragen, sondern diese Funktionäre rekrutieren sich aus einer bestimmten Klasse von Kultusbeamten. Die Prager Synagogen unterhalten nämlich drei Beamte, und zwar: einen Oberkantor, einen zweiten Kantor und Administrativbeamten und einen Tempeldiener. Der Administrativbeamte hat den Oberkantor im Verhinderungsfälle in allen kantoralen Funktionen zu vertreten, biv innere Verwaltung der Synagoge zu führen, den Verkehr mit den Parteien, das Inkasso und alles, was zur administrativen Verwaltung der Synagoge notwendig ist. zu besorgen. Für diese umfangreiche und verantwortungsvolle Agenda bezieht er ein sehr bescheidenes Gehalt, von welchem er die Wohnungsmiete bezahlen und gewöhnlich eine größere Familie erhalten muß. Was Wunder, wenn diese Beamten einen Nebenerwerb suchen, der ihrer Befähigung entspricht. Als solcher Nebenerwerb paßt eben die Funktion als Hotelkantor. dessen Tätigkeit, wie schon bemerkt, sich nicht auf die Ausübung der kantoralen Funktionen beschränkt. Gegen diese Kategorie von Beamten, unter denen sich tüchtige und intelligente Leute befinden, richtet sich die Aktion der Kantoren. Aber nicht aller. Es gibt unter ihnen Männer> welche ihre Standesehre in ganz anderer Weise zu wahren wissen, als durch einen Brotkampf gegen minderbemittelte Kollegen. Diese stehen selbst im praktischen Leben, streben nach Vollendung ihrer Kunst und schaffen sich einen Nebenerwerb durch Musik- und Ge^ sangsunterricht. Diese Kantoren stehen geistig viel zu hoch, um ihre Fähigkeiten in einem Kesseltreiben gegen einen Stand zu verzetteln, der ihnen keine Konkurrenz bietet und auch nicht bieten kann. Wenn Mitglieder einer Prager Synagoge im Hotel eine Trauung machen, dann nehmen sie ihren Synagogenfünktionär und der Synagogenkantor wird für seine sonstigen Dienstleistungen honoriert: die Trauungen vom Lande gönnen wir den Hotelkantoren. Den Herren Oberkantoren aber, die