Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 20 (16.5.1913)
- Date
- 1913-05-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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- Homer 7× ep/1025156
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Nr. 20 De. Vlochs Wochenschrift. nennt Homer Jl. IX. 312; V. 397 und oft „’AiSao das „Tor des Todes", gleich Hiob 38, 17, rr.o ny» und Die alten Griechen haben zur Zeit Homers in der Aussprache, wie bei zwei aufeinanderfolgenden Vokalen üblich, zwischen a und i ein Digamma eingeschaltet. Auch bei Homer lautete also daher dieses Wort ursprünglich Awides. So haben auch die in Nord-Kleinasien lebenden, neben der aramäischen Volkssprache und der hebräischen Muttersprache Griechisch sprechenden Hebräer dieses Wort aussprechen müss n. Ihnen lag es daher nahe, dem der Bezeichnung Aides oder Awides, wie es im lebenden Sprachverkehre gesprochen wurde, zugrundeliegenden Begriffe ein neues hebräisches Wort piirr auzupaffen, umsomehr, als diese Wortprägung durch die Aussprache des Wortes „Awides" sich fast von silbst ergeben hatte. Diese Wortbildung umschreibt genau den Sinn des Aides als Totenrerch und „Untergang, von dem es keine Wiederkehr mehr gibt", was Hiob (10, 21) mit :nrs xbi ausdrückt. Im Hebräischen war also die Möglichkeit der Entstehung dieser Wortbildung gegeben, die den dem Worte Hades unterlegten Sinn konzis gefaßt noch mehr als die aramäische Urform, die' nur symbolisch die daran g. knüpfte Anschauung andeutet, zur Geltung bringt. Wenn aber H.mer Jl. XX, 61 rc. dieses Wort in der Form der Uop^X^Lll-tOV ergikße sich in den ’A^epov. Homer nennt gleich den Hebräern das Mäotische Meer Acheron und den Tanais mit einem griechischen Namen Pyripblegethon d. h. „FeuerverbranNt", was beweist, daß der ursprüngliche Name des Flußes Tanais aram. pri (sies ist die aramäische Uebersetzung von ftPtf, wie priK und hebr. Tin) d. b. rauchen, brennen, war. Dieser Name scheint auf der Ansicht zu basieren, daß die im Nordosten lebenden Dunkelfarbigen oder Menschen mit „verbrannten Gesichtern" (Aethiopen, E'EVO) davon ihre dunkle Hrulfarbe bekommen, daß sie in einer dunklen, rauchersüllten Gegend wohnen fStrabo XV, 1, Ber 61 ■'b'BK vis rr-Ti lwö 'UM *xni] Der Norden heißt vielleicht deshalb auch kisk, wie bei Pherecydes kFr gm. 37 ex Schol. Appollon II, 1214) u. A., der Kaukasus Hup-/.««;, gleich Kp'iBK bei den Rabbinen (s. w. u.) das sie auch für -«2 geben. Dann wird Xcoxoros, ein Arm des Styx, „die sich am Fels beide vereinigen" (ibiä.) erwähnt; dort soll Okysftus Halt machen. Der Kokytos ist der vom Kaukasus (Knill) kommende, von den späteren Griechen synonym Hypanis (n-3S mit k p'vs'b. vor zwei V^krlen; d. h. der „Dunkle"; wird «'3B übersetzt; Ehulm 6b b wi,d auch C-3SK geschrieben), zur Zeit Homers gewiß nach der Ursp ungsgegend UE'II genannte Fluß, der in die „M e e r e n g e" — später Bosporus Cimmerius — aramäisch pnv (Spalte) fällt. Alles entspricht, wie auch nicht anders zu denken, genau der tatsächlichen geographischen Lage des Mäotischen Meeres, pnc, Spalte, wird hier für „Meerenge" gebraucht; die Schreibart des Homer Styx und Stygos entspricht auch der des Ezechiel (27, 17), der für <p0ivt£ 33B und der der Rabbinen. die für x p (wie Ei xinus, o'3'ps) und der Griechen, die für v3bs oder aram. rrnpbL IIaXXa£, setzen. Das Mäotische Meer heißt hier Acheron (Ajrepov) im Sinne von das letzte, nördlichste, wie es auch der Prophet Joel 2,s0 nennt, indem er vcn den Einfall eines nordischen Bolkes (Skythen) spricht: „Ich werde drn „Nordländer" von euch entfernen und ihn in das trockene, wüste Land, beginnend am Schwarzen Meere ('3D"ipn n» s. w. u) und mit seinem Ende bis über das Mäot.sche Meer (jnnKn öTi btt is-vi) reichend, zuruckstoß n " Es ist gleichgiltig, ob dieses Meer auch von den Aramäern als Achron bezeichnet wurde; entnehmen läßt sich daraus sicherlich, daß einerseits die geographischen Namen im Nordosten aramäisch waren, und anderseits daß Homer in seinen Epen eine aus seiner aramäisch-hebräischen Umgebung geschöpfte genaue Kenntnis bitfcr Namen verrat. Diese aram. Bezeichnungen, denen wir bei Homer auf Schritt und Tritt begegnen, sind dort zweifellos seit u r ä l t e st e r Zeit im Gebrauche gewes.n und dürften von einer dort ansässigen aramäischen Bevölkerung henühren. Jedenfalls kann es jetzt a l 8 feststehende Tatsache gelten, daß noch lange, lange vor der Homerischen Zeit der Norden und die obere Euphratgegend langst ausschließlich von Aramäern bewohnt war und Homer, wie die älteren Griechen, fast alles aus dieser semitischen Quelle entlehnten. Ferner, daß die irriferweise zwislen den alten Hebräern und Griechen aufgerichtete Scheidewand zusammen st ürzt und hier beide Zusammentreffen. Hier stand die Wiege der menschlichen Kultur und beweisen die aramäischen Monumente E^yptins und Mittelasiens, daß alle Wege hierher zurückführen. von AiSocbvsus oder „Awidone s", wie es ursprünglich mit dem Digamma lautete, hat, so läßt sich hie für aus dem Griechischen kein plan ft 6 lerGruud finden und bleibt zur Erklärung nur der einzige richtige Ausweg offen, daß er diese Wortform im Verkehre mit den in Nord Kleinasie» lebenden Hebräern sich aneignete, die den Digammalaut, wie wir sehen werden, stets etwas härter, als Weth ohne Dagesch aussprachen und auch so schrieben. Ergänzend konstatieren wir noch, daß Homers Bezeichnungen der Verstorbenen als „fliegende Schatten" cmat ataaouaiv Od. X. 495 und öfters (wie Hiob 1, 7, vom Satan (schweben) und Pes. 111 d von den Verstorbenen JVimiö und Berach 18 Lirr») und wiederholt eiSwXov, ovetpog „Schatten- und Luftbild" und andere ähnliche, sich selbst als semitischer Abstammung verraten. Das Wort nn bedeutet nämlich Wind und wird in der Bibel im übertragenen Sinne auch vom Hauch (Odem) atmen, wehen, gebraucht, endlich auch vom unsichtbaren Geiste, und deshalb später auch auf Satan, Dämon I. Reg. 22—21, angewendet. Aehnlich findet sich im Aramäischen Wind, und davon 11L" ps2p, wehen, auch fliegen (Targum von f]iy» ist und von rm ist khb*) auch auf unsichtbare Schattenbilder und Geister "iiy, plnral angewendet. Im Talmud werden daher die Ausdrücke mirn und d'ip als synonyme Bezeichnungen auch für'Verstorbene gebraucht, nur mit dem Unterschiede, daß derselbe die Hingeschiedenen als mit „Bewußtsein" ausgestattet schildert, während die griechische Dichtung sie als ohne Bewußtsein («ppsveg) und Denkkraft (voog) darstellt (Od. X. 493—4 uno öfters; Ekkles IX. 10, das im Norden entstanden ist, nsom nyi j‘K, klingt wie eine Uebersttzung dieser Stelle Homers). Die obigen Bezeichnungen Homers sollen nur den Verstorbenen im Gegensätze zum beseelten Köiper als Schattenbild ohne jedwedes physische oder psychische Leben kennzeichnen, eine Vorstellung, die noch an dem ältesten ursprünglichen Sinne der ursemitischen Worte haftet. Diese Anschauungen konnten sich nur auf Grund der semitischen Etymologie bilden, da sie nur auf dieser basieren und sich einzig und allein aus ihr erklären. Nur aus dem Sim'e ditser Grundbegriffe also läßt sich alles restlos erklären und es können Homer und die Griechen ihre Ansichten lediglich aus altsemitischeu Quellen geschöpft haben. Gleichwohl hat auch ein Teil der im Norden und Nordwesten lebenden Hebräer schon im hohen Altertume manche dieser Anschauungen angenommen. Als sich größere Massen dieser Judm, nämlich die sogenannten Saduzäer, wie wir noch zeigen werden, später wieder in Palästina niederließen und dort im Brennpunkte der sich entwickelnden Traditivnslehre Fuß faßten und zur Macht gelangten, entbrannte der Streit zwischen ihnen und den Palästinensern über ihre divergierenden Ansichten, worunter auch die Frage der von den Saduzäern geleugneten Auferstehung einen Streitgegenstand bildete. (Marcus 12, 18, Synh. 16 d. (minn »2 D'nen rrnn s'x d'iöik Wenn es noch eines Beweises bedürfte, daß das Buch Hiob im Norden oder Nordwesten in einer von Palästina ganz verschiedenen Gegend und Umgebung entstanden ist, so würde hiefür der Beweis von der Auffassung der Unterwelt genügen. In der Thora geschieht einer Unterwelt, eines Totenreiches, mit keinem Worte Erwähnung und es ist dort auch keine Spur einer ähnlichen Vorstellung zu finden. Die im Norden rezipierten fremden Anschauungen des Buches Hiob stehen denen Palästinas wie ein diametral entgegengesetzter Pol gegenüber. Es sind dies eben zwei auseinander laufende Weltanschauungen, die wie die Natur von Nord und Süd ko nt r a st i e r e n und äußerlich und innerlich Gegensätze bilden, die auf eine ältere ganz