Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 20 (16.5.1913)
- Date
- 1913-05-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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- Homer 7× ep/1025156
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Nr. 20 Dr. Bkochs Wochenschrift. Sette 361 jetzt zu erfolgenden Besetzung auch wir, wozu wir nach den vorstehenden Darlegungen berechtigt zu fein glauben, in Betracht gezogen wprden. Der löbliche Vorstand möge schließlich die Versicherung entgegennehmen, daß nicht die materiellen Vorteile allein die treibenden Motive unserer Wünsche sind, sondern in erster Reihe unsere Ehre und Würde, die intz letzten Grunde die des Judentums ist. Mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung verbleiben wir ergebenst Dr. A. Abel es, Dr. M. Bauer, Dr. A. L. Mandel, Professor H. L- Reich. Dr. I. Tag licht. Die KrteiUg««g der J«de« am Kerische« MetU/andrl im Altertum. (Fortsetzung aus Nr. 19.) Daß diese Ausführungen den Tatsachen nach jeder Richtung entsprechen, dürfte wohl die erwähnte Schilderung des Hades am besten illustrieren. Es mag wohl eine dunkle Ahnung von der im Norden teilweise herrschenden ewigen Finsternis im Altertume dazu beigetragen haben, das finstere Schattenreich nach dem Norden zu verlegen, die wahre Ursache hiesür dürfte aber in konkreten, naheliegenden Tatsachen zu suchen sein. Die am Schwarzen Meere häufige Erscheinung des Aufsteigens dichter schwarzer Nebel, die den Horizont bei Tag in Nacht hüllen, hat diesem Meere schon im frühen Altertume seinen ursprünglichen Namen „axenos“ (ungastlich), später den des schwarzen eingetragen. Daher galten besonders den kleinasiatischen Völkern am südlichen Gestade dieses Meeres die nördlich und östlich desselben lebenden Kimmerier als in Nebel und Dunst gehüllt. Diese Vorstellungen kamen dann auch in den Bezeichnungen dieser Gegend und deren Einwohner zum Ausdrucke. Homer schildert (Od. XI, 13 ff.) die Kimmerier „„an des Okeanos Ende" als beständig in Nacht und Nebel (r^pi xai vecpsXi) tappend". Dies scheint auch der ihnen in der Bibel beigelegte Namen iei: (aus dem Griechen Kimmerier bildeten) anzudeuten (*n&J, rauchig), wofür die späteren Griechen seit Herodot die gleichbedeutende Bezeichnung Skythen (axuxos, axoxo? dunkel) gebrauchten. Man findet auch bei Jesaias 9, 1 für die im Norden lebenden Hebräer den Ausdruck B'2^111 bj?i 1LM2, „das im Finstern wandelnde Volk" (s. o. II, 4). Auch Jeremias spricht in seiner an die im Exile am oberen Euphrat und Taurus (13, 4 p*pJ2; am unteren Euphrat gibt es keine Gebirge) lebenden Hebräer gerichteten Prophetie, in der er des Nordens (pex) und des Kaukasus, als nn und ^eiy „finstere Berge und neblige Gegend" (V, 16) gedenkt. Uebereinstimmend bezeichnen der Talmud und die Targumin diesen Gebirgsstock mit ftt'i nn und K*?2p was jedenfalls nur eine wörtliche Wiedergabe des ursprünglich aramäischen Namens „Kaukasus" von 81122 „Nebel", „Dunst" sein dürfte. Dies war also das Reich des Hades ('Acörjs tk, Nebel), wie es Homer in Ilias XV, 191 selbst erklärt. ’AiStjs, £o<?6v 7jspoevxa „der neblige Norden" (das nächtliche Dunkel), was fast identisch ist mit Erebos (Od. XI, 564 Epeßos nny Dunkelheit, Nacht (Jl. VXI, 327, IX. 572; Od. XX, 356.) Auch der Namen der von Homer dem Hades zugeteilten Gattin Persephoneia, aram. (vergl. Hiob 26, 9, wo nach Schilderung des Schattenreiches noch hinzugefügt wird ttsns ujy rSy), bedeutet nichts mehr, als in Dunkelheit und Nacht gehüllt, synonym mit Lilith i'^ (Jesaias 34, 14). Diese geheimnisvolle Macht der ewigen Finsternis, der jeder Sterbliche nach Beendigung seiner irdischen Laufbahn anheimfällt, wird bei Homer hier, wie auch sonst stets, personifiziert und das Reich der Dunkelheit, des Aides, wurde der Aufenthaltsort der Toten. Diese Vorstellung dürfte aber auch nicht ausschließlich Erfindung griechischer Phantasie sein, vielmehr eine konkrete Unterlage haben, da die Skythen ihre Begräbnisplätze, besonders die ihrer Könige, seit ältester Zeit in der Gegend am Gerrhus und Tanais am Mäotischen Meere hatten (Herd. IV, 71). Der Name dieses Meeres ist zweifellos dem hiefür ursprünglich in Geltung gewesenen aramäischen Namen N1121 rrv' (Meer des Todes oder der Toten) nachgebildet, wozu sich in der traditionellen Erklärung der talmudischen Literatur zu Ezechiel 47, 8, Anklänge (2*2.1 ikb'ui . . . . iii2ipi nS,{?:n da der südöstliche Landstrich am Schwarzen Meere ':121p hieß, welches mit 12221 xb’ richtiger s*p2Ci d. h. ons o\ wie der Pontus im Jeb. 121 a auch genannt wird, s. w. u.) 121 e> Dy'px n* snp: -p*? (Midr. 7. Exod. C. 15 rc.) finden. Desgleichen liegt nach Homer die Ankunftsstelle zum Hades am Ende des Okeanos (Pontus Euxinus) der nach Ansicht der Alten aus der Maeotis entspringt. Wenn bei Homer das Wort Hades bald ’Aio?]? und bald ’A:; geschrieben erscheint, dürfte dies darauf zurückzuführen sein, dH das Daleth im Altertume im Semitischen namentlich im Aramäischen, als einer lebenden Sprache, nach Art des arabischen Dsal wie cls. oder Sain ausgesprochen wurde. Hiefür können am besten die jüngst aus Assuan veröffentlichten aramäischen Papyri Zeugnis ablegen, in welchen meistens i für das biblische *i und *]? für “p rc. gebraucht wird, ebenso Hiob 17, 1, wo "pr für ">i steht Homer hat das aramäische y\x wie die Orientalen, mit denen er verkehrte, weich wie : gesprochen, was noch öfters bei ähnlichen entlehnten Worten bei ihm wahrzuuehmen ist. Gleich den Aramäern des Nordens gebraucht Homer dieses Wort zur Bezeichnung des N krcpole im Norden und im übertragenen Sinne als des allgemeinen Aufenthaltsortes der Toten, aber auch als Personifikation. In Homers Schilderung des Hades in Odyssee (X und XI) dürsten sich daher nur die Ansichten der im Norden lebenden Völker wiederspiegeln. Dieselben Ansichten, natürlich in einer der hebräischen Auffassung mehr angepaßten Form, finden wir bei Hiob wieder. So personifiziert vielleicht auch Hiob in Kap. 18, 12 den Tod: p2i tkt und auch die anderen für ihn gebrauchten Epitheta (V. 13—14 'HE 122 111^2 ***72 stimmen mit denen Homers (Jl. XV. 188) W'.or^ evspoiai avaaaawv „unterirdischer König" überein. Ebenso schildert Hiob, 10, 21—22, die Gegend des „Aides": „Bevor ich hingehe und nicht wiederkomme, nämlich in das Land der Finsternis und des Totenschattens rc." Deutlich und prägnant fügt Hiob noch hinzu: „Dort neigt die Nordseite zum Chaos" pejc iw 1111 by wie auch HZiod den Erebos poetisch als Tochter des Chaos darstellt. Beide Dichtungen, sowohl die hebräische wie die griechische Homers bezeichnen konform die Toten s'.ZlüX«, axiai aiaaouaiv hebräisch 112 f?3t weiters in den Od. X. 521, 536 ff. vsx’jtov ap,£vrjva und xa|_iaxo; „kraftlose", „matte" Luftgebilde wie im hebräischen 2?Na"!. Auch bezüglich der Lage des Schattenreiches am Mäotischen Meere gibt Hiob daselbst deutliche Winke 1112 i^irr B*«sni d.tmwi e*ei worüber sich bei Homer Od. X!. 513—514 genauere Details finden?) Den Eingang zum Schattenreiche *) Mit den Od. X. 512—15 zur Lokalisierung des Hades am Ende des Okeanos angegebenen, allgemein als mythisch, um nicht zu sagen mystisch, betrachteten Bezeichnungen, hat Homer einfach die damals dort üblichen aramäischen Namen wiedergegeben, da er diele Gegend mit ihren geographischen Namen genau kannte, obgleich er sie anderweitig wiederum, wie dies stets der Fall ist, mythisch personifiziert. Diese aram. geographische Nomenklatur des Homer kann als geschichtliches Denkmal des zwischen den nordöstlichen Gegenden und Griechenland, resp. Kleinafien bestandenen Verkehres und als Beweis, daß dort Aramäer und Hebräer wohnten, gelten. Nach Od. XI, 13—5 beginnt die Hadesgegend am Ende des Okeanos, wo die Cimmerier wohnen. Mit Bezug auf das Mäotische Meer heißt es (ib, X, 512—15)