Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 19 (9.5.1913)
- Date
- 1913-05-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022055--22123-3047252- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 19 t>r. Wachs Wochenschrift. Seite 349 seien. Vor etwa 1000 Jahren brach in der Türkei ein großer Krieg aus, so wurde mir erzählt, welcher die Einwohner der Stadt veranlaßte, die Stadt Feodosia zu verlassen. Die Juden aber haben vor dem Verlassen der Stadt ihre Synagoge eingegraben und ganz mit Grund bedeckt, so daß man nicht mehr erkennen konnte, daß an dieser Stelle eine Synagoge gestanden habe, damit, wenn wieder Juden in die Stadt einwandern, sie erfahren, daß hier eine Synagoge eingegraben sei. Lange Zeit blieb die Stadt unbevölkert. Erst nach vielen Jahren wurde sie wieder besiedelt, und auch Juden ließen sich wieder dort nieder. Die neu Eingewanderten, d. h. die „Krimanjaken" und die Karaeer, wußten durch Ikeberlieferung, daß hier eine Synagoge begraben sei, und bemühten sich, den Schutt zu entfernen, und sie wieder aus ihrem Grabe erstehen zu lassen. Da entbrannte aber ein Streit zwischen den beiden Gemeinden. Jede beanspruchte die Synagoge für sich, und lange bewegte sich der Streit hin und her, bis es endlich zu einem Prozeß kam. Und da die Karaeer in Rußland bei der Regierung eine gewisse Bevorzugung genießen, bekamen sie die Synagoge zugesprochen. — Jahre vergingen. Da wurden wieder Ausgrabungen in der Nähe der Synagoge unternommen, und siehe da, nicht weit von der Synagoge wurde eine „Mikwe" im Boden entdeckt. Auch diese letztere habe ich selbst gesehen; es ist ein kunstvoll, aus einem runden Stein gehauener Brunnen, von etwa 20 bis 25 Meter Tiefe. Nach dieser merkwürdigen Entdeckung strengten die „Krimanjaken" aufs neue einen Prozeß mit den Karaeern an und bewiesen, daß die Synagoge ihnen zugehören müsse, da die Karaeer keine „Mikwe" haben. Diesem Beweis konnte sich auch die Regierung nicht mehr verschließen, sie stieß das früher ergangene Urteil um und sprach jetzt die Synagoge den „Krimanjaken" zu." Literatur. Börnes Werke. Historisch-kritische Ausgabe in zwölf Bänden, herausgegeben von Ludwig Geiger in Verbindung Irait Joseph Dresch, Rudolf 'Fürst, Erwin Kalischer, Alfred Ivlaar, Alfred Stern und Leon Zeitlin. Deutsches Verlagshaus Bang u. C., Berlin W 57, Potsdamerstraße SS. Fortsetzung: Band 6, 7, 9. Jeder Band bröslest'. 2 M„ geb. 3 Mv in Liebhaberhalbfranz 4.50 M. Zu den sonderbarsten Bü dnissen, die jemals bedeutende Männer mit einer Frau eingegangen sind, gehört die freundschaftliche Liebe, die durch anderthalb Jahrzehnte Börne mit Jeanette Wohl verknüpfte. Aus einer zufälligen Begegnung wurde eine bis zum Tode dauernde Verbindung der Geister: von seiten Jeanettes aufopfernde, fast mütterliche Fürsorge für sein leibliches und seelisches Wohl, die lebendigste Anteilnahme an seiner Lebensaufgabe uncl die fruchtbarste Anregung seines Schaffens; von Börnes Seite ein vollkommenes Vertrauen in allen großen und kleinen Angelegenheiten des Lebens, eine bis zur Leidenschaft ansteigende Liebe zu der um einige Jahre älteren geschiedenen Frau, mühsam abgerungener Verzicht und eine über alle Versuchungen hinweg bewährte Treue. Denn Börne mußte erleben, daß die Geliebte, deren Hand ihm eine Zeitlang gewiß zu sein schien, schließlich einen anderen und viel jüngeren heiratete, ohne daß wir genau wüßten, was der Verbindung Börnes mit Jeanette eigentlich im Wege stand. Aber das Ereignis, das sonst mit Naturnotwendigkeit die Freundschaft zwischen Mann und Weib zerstört, blieb in diesem Falle wirkungslos: Jeanette war ihm nach wie vor die treusorgende Hüterin, und er fuhr fort, sie wie bisher als die 'Vertraute seiner menschlichen und literarischen Existenz zu 'behandeln. Der Ausdruck dieses Verhältnisses sind Börnes bis zu seinem Tode an sie gerichtete Briefe. Aus solcher Korrespondenz ist bekanntlich sein Hauptwerk, die „Briefe aus Paris“, hervorgegangen. Dieses wichtige, für die Kulturgeschichte des Vormärz und für Börnes Kampf so bezeichnende Zeitdokument füllt den soeben erschienen 6. und 7. Band der historisch-kritischen Ausgabe von Börnes Werken, die von Ludwig Geiger besorgt, vom Deutschen Verlagshaus Bong u. Co., Berlin W 57 herausgegeben wird und von der die ersten drei Bände bereits im vorigen Jahre erschienen sind. Die Herausgabe der „Briefe aus Paris“ lag in den Händen von Professor Alfred Stern, dem Verfasser der groß angelegten Geschichte Europas. Ihm ist die aufschlußreiche Einleitung zu danken, sowie die kritischen und sachlichen Anmerkungen, mit denen nach den Grundsätzen dieser Ausgabe auch diese Bände versehen sind. Gleichzeitig erscheint als 9. Band der Ausgabe der erste Teil der Briefe an Jeanette Wohl, von Ludwig Geiger selbst gesammelt, eingeleitet und kommentiert. Diese Briefe werden im ganzen vier Bände füllen, in denen zum erstenmal aus dem Nachlaß die gesamte Masse von Börnes an die Freundin gerichteter Korrespondenz dargeboten wird. Daß die Bücher nach Druck, Einband und Papier höchst geschmackvoll ausgestattet sind, dafür bürgt der Name des Verlages. So verspricht diese Ausgabe ein Denkmal nicht nur eines bedeutenden Mannes, sondern auch eines menschlich tiefen und wertvollen Verhältnisses zu werden, und man wird erst jetzt in der Lage sein, eine vielverleumdete, edle Frau richtig zu beurteilen. Eine ungekannte Welt. Zweiter Band: Zwischen Rhein und Wolga. Erzählungen aus dem jüdischen Familienleben von J u d ä u s. 476 Seiten. M. 2.50, geb. M. 3.50. Frankfurt a. M., Sänger u. Friedberg. Interessante Erzählungen aus dem chassidischen Leben, die jeder mit Spannung bis zum Ende lesen wird. Dabei sind die Erzählungen höchst belehrend und von bleibendem Wert: sie gewähren einen tiefen Einblick in die reine, unverfälschte jüdische Denkweise und bilden solcherart. auch ein gutes Stück jüdischer Volkskunde. „Nord und Süd", Maiheft. (Herausgeber und Chefredakteur: Prof. Dr. Ludwig Stein, Berlin W., Lützowufer 5 a. — Verlag: Schlesische Buchdruckerei, Kunst- und Verlagsanstalt von S. Schottlaender, A.-G., Breslau. — Preis pro Quartal 6 M.) , Erster Artikel vom Herausgeber: Wie sich aus dem Kosmopolitismus, der um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts herrschte, im 19. Jahrhundert der Nationalismus entwickelte, so erwächst aus diesem seit den letzten 50 Jahren der Internationalismus. Damit beginnt sich in die geschichtliche Wirklichkeit umzusetzen, was seit Jahrtausenden Propheten, Dichter, Philosophen, geahnt geträumt und wissenschaftlich gefolgert haben; denn jenes „dritte Reich“ ist nicht der Kosmopolitismus, sondern nationale Willensbildung und internationale Verständigung. Die notwendige Entwicklungsstufe ist eben der Nationalismus, Rer Begriff des nationalen Staates. — Der Balkankrieg hat in wenigen Monaten eine ganze Flut von Broschüren hervorgerufen; es ist daher dankenswert, daß Rudolf Rotheit über die wichtigsten dieser „Balkanbroschüren“ eine summarische Uebersieht gibt. — Dem „Zaren Ferdinand I. von Bulgarien“ widmet J. R. de Ia Espriella einen besonderen Artikel. — Gerade der Niedergang der Türkei hat die Aufmerksamkeit wieder mehr auf den Islam, speziell auf die herrschende panislamitisehe Bewegung gelenkt. Mit welchen Mitteln diese „mohammedanische Propaganda der Neuzeit“ arbeitet, bringt Max Roloff zur eingehenderen Darstellung. — Die Rede des „Reichskanzlers zur Wehrvorlage“ im Reichstage wird von Max Graf Bethusy-Hue kritisch und im großen ganzen zustimmend gewürdigt, und im Anschluß daran einige Gedanken aus den Gegenerklärungen der einzelnen Parteien (betr. Duellfrage, Offizierersatz) besprochen. — Viel des interessanten bietet F. L. Graf von Voltolinis Aufsatz: „Der rote Hut“, der die Gebräuche bei der Ernennung und Einsetzung eines neuen Kardinals schildert, namentlich die außerordentlich großen materiellen Verpflichtungen des neugewählten Kardinals. — „Die Philosophie Henri Bergsons'1, eine neuromantische Philosophie, wird von Dr. Siegfried Marek analysiert. Praktischen Wert können die Ausführungen von Prof. Dr. Heinrich Kraft, leitendem Arzt in Dr. Lastmanns Sanatorium „Weißer Hirsch“, über „Gesunde Ernährung“ beanspruchen. Vor übermäßigem Fleischgenuß wird auch hier gewarnt, überhaupt vor einseitiger Ernährung mit Fleisch, Brot und Mehlspeisen, dagegen der Genuß von Obst und Gemüse anempfohlen. — Die Novelle „Elixir de Barbizon“ von Agathe Herrmann führt den Leser in das von Frühlingssonne und Frühlingsluft durchflutete Paris :— eine reizende, launig, flott und poesievoll erzählte Geschichte von Liebessehnsucht und Liebesseligkeit. Jung-Juda. Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. XIV. Jahrgang Nr. 9. Prag, den 2. Mai 1913. Inhalt: Siegmund Werner: Maskir. — Ben Jehuda: III. B. M. K. 19, V. 33, 34. — Heinrich Loewe: Eine Fahrt ins Geisterland, (Fortsetzung.) — Ida Bock: Das Geburtstagsgeschenk. — Ben Jehuda: Von der Eisenstädter Judengemeinde (mit Illustrationen). — Josef Hart: Das Dreigespann (Schluß). — Micha Josef bin Gorion: Der Fuchs und das Wiesel.;— Dr. Hans Gideon: Die jüdischen Familiennamen und ihre Deutung. — Uebersetzungs-Aufgabe. — Rätsel. — Redaktion und Administration: Prag, II., Stefansgasse 629. Dr. Simon Friedmann, Rabbiner der Synagogen-Gemeinde Lublinitz (Ober-Schlesien): Beiträge zur Wissenschaft des Judentums. Breslau 1913. Koebernsche Verlagsbuchhandlung (Barasch u. Riesenfeld). Bericht des Talmud-Thora-Vereines für die westlichen Bezirke Wiens. XVII. Vereinsjahr 1912/1913. Mit einer wissenschaftlichen Beilage von L. Wiesner: Rabbi Samuel ben Schelath, ein Schullehrer der talmudisehen Zeit.