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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-09 · 19 (9.5.1913) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
19 (9.5.1913)
Date
1913-05-09
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 348 t)c. Bkochs Wochenschrift. Nr. 19 selben samt ihrer Mutter seit acht Tagen bereits daselbst wohnen. Von der Schönheit und Bildung der ersteren erzählte man sich Wunder. 2n der Witwe Roth weckte diese Nachricht den Kummer, den sie im Herzen getragen und dessen Bedeutung sie nur halb gesuhlt, mit voller Gewalt. Sie fühlt,; sich unglücklich,. Zwischen ihrem Mutterherzen und dem! gebildeten, ihr unbekannten Mädchen wagte sie nicht den dünnsten Verbindungsfaden zu spinnen. Sie sah im Geiste, wie ihr Sohn mit diesem Fräulein vom Kastell zusammenkommt und von ihr wegen seines bäuerlichen Aussehens verspottet wird. In der selbstgemachten Pein ihres getränkten Herzens trat Eeza herein. 2hre Blicke hafteten mit Zärtlichkeit auf ihm und ihr Mutterstolz entflammte wieder: Sieht er nicht wie ein Edelmann aus? sagte sie sich - welches Mädchen kann soeinen kräftigen hübschen Jüngling verachten? Er berichtete der Mutter, daß ihm der Verwalter des neuen Besitzers des Nyarischen Gutes ein Pferd zum Kaufe antragen lieh und er wegen dieses Geschäftes nachmittag in das Kastell hinübergehen werde. Gegen abend kam er schon auf denk neuen Pferde ttctdj Hause geritten. Seit diesem Tage schien mit Eeza eine für jeden anderen unmerkliche, dochfür das Mutierauge allzudeutlich sichtbare Veränderung vorgegangen zu sein. Wenn er sich unbeachtet glaubte, leuchtete in seinen Augen etwas, wie Freude und Schmerz. Einen Augenblick berührte die Mutter der Gedanke fast elektrisch, Gezas Herz sei vom Zauber der Liebe! berührt worden, vielleicht gar durch, das gebildete Fräulein vom Kastell. Allein, dieser Gedanke erschreckte He,, konnte er von solcher Liebe etwas anderes als Herz leid haben? Nach einigen Tagen ging er sogar eines abends in der Dämmerung vom Hause weg und kam erst gegen Mitternacht heim, sodaß die Mutter schon in Angst und Zittern um ihn war. Auf die Fragen, woer gewesen, gab er ausweichende Antworten. Sollte es mit ihm so weit gekommen sein, fragte sich die Mutier in ihrem Kummer, daß er sich, mit Bauerndirnen in Liebeshändel einließ? „Schämst Du Dich! nicht? Du .könntest gekleidet gehen, wie die feinsten jungen Leute in der Hauptstadt, und Du trägst Bauernkleider! Du könntest unter den reichsten und gebildetsten Mädchen eine Frau wählen, aber Du gehst in der Nacht zu Bauerndirnen — das soll eine Mische Mutter erleben!" Geza schwor, daß er bei keiner Vauerndirne war, und fortan wurde darüber nicht mehr gesprochen. Er wurde aber täglichtrauriger und sie bekümmerter. Und was ist wirklich mit dem jungen Manne vorgegangen, seitdem er das Kastell behufs eines Pferdekaufes besuchte? Und wowar er jenen abend darauf? Als Geza etwa noch, zweihundert Schritte vom Kastell entfernt war, kamen ihm eine junge Dache in Begleitung eines städtisch gelleideten, jungen Herrn reitend entgegen. Das Pferd des letzteren fing an, seltsame Sprünge zu machen, und sein Reiter umfaßte zitternd den Hals des Tieres und erhob ein jämmerliches Geschrei. Än seiner größten Not trat Geza hinzu, faßte das Pferd am Zügel und brachte es zuM Stehen. Aber sobald er es losließ, machte es noch gefährlichere Sprünge und warf endlichseinen ungeschickten Reiter doch ab. Zum Glück wurde er nicht erheblichverletzt, aber er getraute sich nicht mchr, das Pferd zu besteigen. Jetzt mußte Geza die Dame, die ihn für einen Bauernburschen hielt, zurückbegleiten, und der städtische Flaus hinkte nach. Dasselbe Pferd kaufte er dann,- aber schon beim Nachhausereiten fühlte er, daß die Dame es ihm' angetan und er an ihr sein Herz verloren hätte. Seine Unruhe bewog, ihn, nach einigen Tagen in der Abenddämmerung das Haus zu verlassen und das Kastell aufzusuchen, wo er vor den offenen Fenstern auf seiner Flöte blies. Das Spiel gefiel der Dame. Sie erkannte in dem Spieler den vermeintlichen Bauernburschen und befahl einem Diener, ihm ein Glas Wein zu geben. Aber kaum hörte er das, soentfernte er sichschnell und verschwand in der Nacht. Sein Mannesstolz war über diese Geringschätzung empört. Und so stritten von dieser Stunde an in ihm Liebe und Haß. Aber auch Fräulein Grünzweig begann nach dem plötzlichen Verschwinden Gez-as an jenem Abende sich für den „Bauernburschen" zu interessieren. Sie erkundigte sich nach, ihm und erfuhr, daß es kein Bauer, sondern ein vom Hause aus reicher Grundbesitzer und Israelit aus dem nächsten Dorfe sei. Nachdem er nicht Mehr erschien, so entschloß sie sich, ihn aufzusuchen, und eines Tages fuhr sie vor dem Hause der Frau Roth vor, die nach den Schilderungen in ihr sofort das Fräulein vom Kastell erkannte, noch ehe sie sich ihr vorstellte. Die Damen wurden bald vertraut mit einander. Als Geza in das Zimmer trat, sagte das Mädchen errötend .- „Da ist er ja, mein ungetreuer Ritter." Der junge Mann schritt zaghaft an sie heran und küßte -ihr die Hand. Nach einigen scherzhaften 'Entschuldigungen, daß sie ihn für einen Bauernburschen gehalten, und seinen stolzen Antworten, daß er hser geboren und nichts -anderes sein kann und will, als eine Frucht dieses Bodens, kam das Gespräch in Fluß, und das Fräulein nahm zu ihrer Bewunderung wahr, daß der schöne junge Mann auch Geist und Bildung besitze. Als sie sich nach, ungefähr einer Stunde von der Familie verabschiedete, war sie in ihn bis über die Ohren verliebt. Ein Vergleich zwischen ihm Unddem städtischen lächerlichen Reiter, der ihr Bräutigam werden sollte, fiel zu ungunsten des letzteren -aus. Zwischen dem Hause der Frau Roth und dem Kastell war von nun an ein freundlicher, nachbarlicher Verkehr. Herr Erünzweig, der öfter von der Hauptstadt aus Frau und Tochter auf dem Kastell besuchte, lernte in Geza einen tüchtigen und in der ganzen Gegend geachteten Landwirt kennen, sodaß er selbst den Heiratsvermittler zwischen ihm und seiner Tochter machte» Die Liebe brachte -ein Kompromiß zwischen ihrem Wunsche nacheleganterer Kleidung und seinem Widerwillen -gegen die städtische Tracht zusammen — er kleidete sich von nun an, wie ein LandedelmaNn, daß Man in ihm bei dem ersten Blick doch den Ungar erkennen mußte. Er war es Mit Leib und Seele, und im Komitate mit all' dem Ansehen ausgestattet, wie die ersten Edelleute, in deren Gesellschaft er ebensofreundliche Aufnahme fand, wie Einfluß in ihrer politischen Sphäre. Die tausendjährige Synagoge ru Feodosia (Krim). Zu der Mitteilung über die tausend Jahre alte Synagoge zu Feodosia (Krim) schreibt ein Abonnent des „Das Jüd. Bl.": „Ich war in Feodosia 3 Jahre Soldat, von 1887 bis 1890. Häufig habe ich die dortige alte Synagoge besucht und vieles über diese erzählen hören. Vielleicht wird es Ihre Leser interessieren, die Einzelheiten zu vernehmen, die ich darüber an Ort und Stelle vernommen habe. In der Stadt Feodosia befinden sich drei jüdische Gemeinden. Die erste Gemeinde umfaßt Juden, wie solche in Europa sind. Die zweite Gemeinde heißt die Gemeinde der „Krimanjaken" und besteht aus sehr frommen Juden. Die Frauen dieser „Krimanjaken" tragen ihr Haupt mit einem wertvollen seidenen Tuche bedeckt. Die dritte Gemeinde ist die Karaeergemeinde. Diese beobachten bekanntlich nur, was ausdrücklich in der Schrift steht. Sie besitzen keine „Mikwe" und genießen Milch- und Fleischspeisen zusammen. Die Unterhaltungssprache der „Krimanjaken" und der Karaeer ist das Mohammedanische (?), hebräisch sprechen sie wenig. Die dritte Gemeinde spricht den in Rußland gewöhnlichen Jargon. Was das Alter der Synagoge betrifft, so habe ich in Feodosia gehört, sie sei die älteste der Welt, denn sie ist über 2200 Jahre alt. Die Leute dort erzählen, sie sei erbaut worden von Esra Hasofer, damals, als er aus Jerusalem auswanderte. So oft ich die alte Synagoge besuchte, mußte ich das alte, heilige Gebäude bewundern. Der Oraun-Hakaudefch hat zwei sehr schöne Türen, deren Bauart, auf ein Alter von vielen hundert Jahren hinweist. Abü: der Vorsteher Lapazinski und ein gewisser H. Eedalja Gin bemerkten mir, daß dies schon die zweiten Türen

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