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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-09 · 19 (9.5.1913) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
19 (9.5.1913)
Date
1913-05-09
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 346 Dr. Blschs Wochenschrift. Nr. 19 Den überaus rührigen und fleißigen Kassierern, Herrn Moritz Rosenblatt, Oberbeamter im Wiener Giro- und Kassenverein, und dem Prokuristen des achtbaren Bankhauses R. Visteghi, Herrn Adolf Knöpflmachec, wurde einmütig bestens Dank erstattet. Eine Anregung des Vereinsmitgliedes Herrn Siegmund Prager, dem Vergnügungskomitee ein Frauenkomitee zur Unterstützung anzugliedern, fand einmütig Beifall und wurde zum Beschlüsse erhoben. Nun kam der Glanzpunkt des Abends: Einer höflichen Bitte des Vereinsvorft.nrdes zufolge har Frau Anitta MüUer-Noseuzwcig, welche in der verflossenen Generalversammlung den gediegenen Vortrag über Palästina hielt, diesesmal niit vielen Lichtbildern „A l t e s u n d Neues aus Egypten" zum Vortrag gebracht. Ein Hochgenuß war es, in einem einhalbsründigen Vortrage das Pharaonenland im Bilde zu durchziehen und die schönen Erläuterungen mit Begeisterung zu hören. Vielfacher Dank wurde dieser Meisterin des Vortrages von allen, welche es wert fanden, diesen schönen Abend zu würdigen. Wien. Der akademische Verein „Jüdische Kultur" veranstaltet zwei Vorträge über die jüdische Sprache. Den ersten Vortrag: „Id di sch vom rassentheoretischen Standpunkte" hält der bekannte Schriftsteller Mathias Mieses (Lemberg), Samstag den 10. d. M. im Lokale der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler, IX., Türkenstraße 9. Den zweiten Vortrag: „Jddisch vom sprach-kriti scheu Standpunkte" hält der ^Schriftsteller 23. Borochow Donnerstag, den 15. d. M. im Lokale der „Jüdischen Kultur", IX., Garnisongasse 24. Beide Vorträge beginnen pünktlich um 3 Uhr. Gäste herzlich willkommen. Wien. (Jüdischer Turnverein Favoriten.) Am 20. April veranstaltete der Jüdische Turnverein Favoriten ein Wetturnen der Zöglinge, das in turnerischer Hinsicht einen vollen Erfolg hatte. Vorgeschrieben war: Hochsprung mit Anlauf, ferner am Pferd (breit), Reck und Barren je eine Pflicht- und eine Kürübung. Geturnt wurde in zwei Abteilungen. Das Schiedsgericht bestand aus den Herren ing. Pollak. ing. Theodor Steinherz und dem Turnleiter med. A. Taglicht. Die Zöglinge, die unter der Leitung ihres Vorturners, des Herrn Heinrich Singer, antraten, bewiesen durch ihre schönen Leistungen aufs neue, daß die Hoffnungen, die der Verein auf seinen Nachwuchs setzt, nicht unberechtigt sind. Das Ergebnis, das der Turnleiter Herr Taglicht verkündete, war folgendes: in der 1. Abteilung siegte Pollak Erwin mit 82'6 Punkten, zweiter wurden Gang Richard und Low Gustav mit je 79'1 Punkten. Dann folgten Feld» schreiber (75 8) und Pollak Rudolf (75'5). In der 2. Abteilung siegte Klein Ludwig mit 67'7 Punkten. Die weitere Reihenfolge war: Kohn (67), Steinhart (63), Hajek (53'5). Den Schluß des Wetturnens bildete die Verteilung der Preisie durch unseren Turnleiter, der — an das Pessachfest anknüpfend — aneifernde Worte an unsere jungen Turner richtete. Und nun einige Worte über den Besuch. Die Jugend war in hellen Scharen erschienen — das wäre ja sehr erfreulich. Aber das fast vollständige Fehlen der Erwachsenen mußte uns leider beweisen, daß die Bevölkerung des X. Bezirkes die Bestrebungen eines jüdischen Turnvereines nicht würdigen kann und will. Von einer Förderung natürlich ganz zu schweigen. Das Eafehaussitzen und die Tarock- oder Buckipartie ist ihnen noch immer wichtiger, als die Anstrengungen eines Vereines, der die Regeneration des jüdischen Volkes anstrebt. Der Jüdische Turnverein Favoriten hat da noch schwere Arbeit zu verrichten. Wien. (JüdifcherHandlungsgehilfe n-V e r b a n d. OrtsgruppeWien. Frauensektion.) Dienstag den 13. d. M, im Verbandslokale, II., Taborstratze 11b, Rezitation jüdischer Dichtungen (L^id und Freud aus einer stillen Welt) von Herrn Dr. Phil. Max Präger. Beginn 8 Uhr abends. Gäste willkommen. „Tomech Ewjonim“, Wien. Der Verein teilt allen Gönnern mit, daß die Generalversammlung am 13. April d. Z. stattfand und wurden die bisherigen Vorsteher wiedergewahlt. Diesen Pessach war es dem Vorstand möglich, 723 Gäste gratis ausruspeisen, und zwar wie bisher in den geräumigen Sälen des Vereines Einheit. Austritte aus dem Judentum. Vom 27. April bis inkl. 3. Mai 1913. Adler Theresia, Lehrerin, geb. 19. Jänner 1888, Wien, IX., Nussdorferstrasse 20 Ehrenfeld Melanie, Beamtin, geb. 3. September 1880, Vag Szered, XVIII.. Gerstboferstrasse 69 Fantl Rndolf, geb. 23. Juni 1880, Kniritz, IX., Rote Löwengasse 5 Fischhof Hilly, geh. 1. November 1894, Wien, VI., Chwallagasse 2 Horowitz Adele, geb. 12. Februar 1889, Wien,} XIII., Trauttmansdorffgasse 48 Kanitz, geb. Müller Ella, geb. 25. Jänner 1878, III., Rennweg 50 Klausner Hermann, Ingenieur, geb. 22. Februar 1867, Wien, Graz Kohn Rudolf, Privatbeamter, geb. 5. Februar 1880, Wien, II. Franzensbrückenstrasse 28 * , Knczera, geb. Barcheies Bella, geb. 22. März 1856, Boskowitz, IH , Keinergasse 11 Mahler Georg, Techniker, geb. 30. April 1893, Wien, II., Nordbahnstrasse 16 Nettl Hugo, Beamter, geb. 1. November 1880, Reichenberg, III., Beatrixgasse 1 Schneier Sabine, geb. Nizan Konice, XVI., Kirchstetterngasse 9 Schwach Julius, Kellner, geb. 18. November 1880, Wien, XII., BischofFgasse 11 Steiner Julie, geb. 7. Dezember 1891, Wien, Dux Ullmann Paula, geb. 11. Mai 1884, Wien, VII., Bandgasse 27 Wachtel Siegmund Maximilian, Apolhekenleiter, Wien, IX., Rote Löwengasse 5 Wilhelm Richard, Theatermeister, geb. 6. November 1876, Wien, IX., Nussdorferstrasse 4 Wolfsohn Julias, Bu hhalter, geb. 3. Oktober 1885, Wien, II., Praterstrasse 41 Graz, am 6. Mai. Der Minister für Kultus und Unterricht hat dem hochverdienten und allgemeiner Wertschätzung fich erfreuenden Oberlehrer der fünsklossigen israelitischen Volksschule Herrn Anton Ungar den Titel eines Direktors verliehen. Olmütz. Auf Anregung und Intervention Sr. Ehrw. des Herrn Rabbiners Dr. Oppenheim wurde von Seiten des Höchstkommandierenden der hiesigen Garnison angeordnet, daß die jüdischen Soldaten an dem ersten Freitage eines jeden Monats dem Gottesdienste in Paradeadjustierung beizuwohnen haben. Dem Rabbiner soll durch seine Predigt Gelegenheit geboten werden, in religiöser und moralischer Weise im Sinne einer ständigen Seelsorge auf die Soldaten einzuwirken. Der erste derartige feierliche Gottesdienst fand letzten Freitag statt und machte besonders durch die gemütvolle, von patriotischem Geiste getragene Ansprache auf die Soldaten, wie auf die zahlreich erschienenen Andächtigen einen mächtigen Eindruck. Laun. Herr Dr. Richard Feder, bis jetzt, Rabbiner in Raudnitz a./E. hat vor dtm Pessachfeste die Rabbinersielle in unserer Gemeinde angetret-n. Purgstall a. d. Erlauf. Unter ungewöhnlich starker Beteiligung seitens der Kultusgemeinde Amstetten und der Chewra Kadischa .wurde am 4. d. M. das älteste Mitglied, Herr I. Weiß, Schwiegervater des Religionslehrers obgenannter Kultusgemeinde, Herrn S. Fried in Purgstall, im hohen Alter von 93 Jahren zu Grabe getragen. Mit diesem Verblichenen, der wegen seiner innigen Frömmigkeit geachtet war und der vom alten jüdischen Schlage abstammt, ist wieder ein guter Bal-Tefilla heimgegangen. Seinen Hauptstolz erblickte er darin, wenn er an den hohen Feiertagen in uneigennütziger Weise seine Gebete den Versammelten im Gotteshause vortrug. Trotz seines hohen Alters ließ er es sich nicht nehmen, noch am letzten Rosch-Hoschana und Jom-Kippur seinen Schacharit im Tempel vorzutragen. In der Zeremonienhalle in Pbbs a. D. entwarf Herr Bezirksrabbiner in Amstetten, Dr. Bertifch, mit beredten Worten ein lichtvolles Charakterbild von dem Entschlafenen. Die Trauergesänge im Trauerhause als auch in der Zeremonienhalle exekutierte in würdiger Weise der Schwiegersohn des Verblichenen. Pilsen. Den zahlreichen Verehrern und Freunden unseres allbeliebten und hochgeschätzten Oberkantors, Herrn Armin Freisinger, düffte die Mitteilung willkommen sein, daß derselbe am 10. Juni d. I., also am myrrr mr, sein 40jähriges Dienstjübiläum begehen wird, aus welchem Anlasse der hiesige Kultusvorstand den einmütigen Beschluß gefaßt hat, eine solenne Feier in der festlich geschmückten Synagoge zu veranstalten. Pilsen. In seltener geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit beging am letzten Tage Pessach Herr Leopold Weisl, eines der angesehensten Mitglieder unserer Gemeinde, seinen 70. Geburtstag. Der ebenso schlichten, als vornehmen Denkungsart des Jubilars entsprechend, der allem äußerlichen, konventionellen Gepränge aus dem Wege geht, sollte auch dieser Tag nur im engsten Familienkreise begangen werden. Ungeachtet dessen fanden sich die Verwandten und zahlreiche Freunde in der Wohnung des Jubilars ein, um dem eleganten und freudestrahlenden Siebziger die innigsten Glückwünsche entgegenzubringen. Bescheiden und still, aus einer höheren Warte des Daseins sich bewegend, erfreut er sich mit feiner hochherzigen Gattin, der verdienstvollen Präsidentin unseres Frauenvereines, Frau Rosa Weisl, eines überaus glücklichen und harmonischen Familienlebens. Durch rastlose Tätigkeit und Arbeitslust, gepaart mit beruflicher Intelligenz und vorbildlicher Ehrenhaftigkeit, hat er sein geschäftliches Unternehmen zu einem der hervorragendsten der Monarchie emporgehoben. Aus allen Gebieten seiner Tätigkeit hat der Jubilar Ersprießliches geleistet, und kraft feines Humanitätssimies dem Judentum stets Ehre gemacht.

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