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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-09 · 19 (9.5.1913) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
19 (9.5.1913)
Date
1913-05-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 844 Dr. Bßochs Wochenschrift. Nr. 19 nach die jüdischen Soldaten im russich-japanischen Kriege angeblich in Massen desertiert und zu den Japanern übergegangen seien. Der Verfasser veröffentlicht in seinem Buche zum erstenmale die amtlichen statistischen Ziffern über die Desertionen Während des russisch-japanischen Krieges, und da zeigt es sich, daß die Zahl der jüdischen Deserteure verhältnismäßig! die tleinsto in der Armee War. Das Buch hat wegen seines ernsten Tones, sowie seines unangreifbaren Ziffernmateriales im' ganzen Reiche begreifliches Aufsehen erregt. Em Sieg der reinen Hände. Das finnländische Parlament hat das Gesetz, durch Welches den Russen in 'Finnland weitgehende Rechte eingeräumt werden, mit dem Zusatze angenommen, dah dieses Gesetz sich auch auf die russischen Juden erstrecke. Die Bedeutung dieses Gesetzes Wird offenbar, wenn man sich erinnert, dah die russische Reichsduma. als sie dieses Gesetz schuf, ausschliehlich beschlossen hatte, die Juden von den Vorteilen dieses Gesetzes auszuschliehen. Die Antisemiten in der Duma waren damals bereit, auch die Juden in diese Privilegien einzubeziehen, wenn sie sich bereit erklärt hatten, selbst für den Vrrfassungsraub in Finnland zu stimmen und auch die Kadetten dazu zu bewegen, dah sie sich in die Aufhebung der finnischen Verfassung ohne Protest dreinsinden. Die Juden lehnten jedoch einen solchen Schacher mit Entrüstung ab, indem sie erkl>Lrien, dah sie die Gleichberechtigung der Juden nur dann akzeptieren würden, wenn sie es mit reinen Händen tun könnten. Es wird nun allgemein als ein Sieg dieser loyalen Haltung der Juden angesehen, dah das finnische Parlament das erwähnte Amendement zu dem Gesetze beschlossen hat. Ein Aschkenasi Parnah einer sephardischen Gemeinde. Es dürfte wohl selten der 'Fall sein, daß eine an gesehene spanisch-portugiesische Religionsgemeinde einen' aschkenasischen Juden zum Parnah, das heißt zu ihrem ersten Präsidenten erwählt. Das war jetzt in London der Fall, wo die dortige spanisch-portugiesische Judengemeinde Dr. Lionel D. Barnett zum Parnah erwählt hat. Dr. Barnett gehört zu den angesehensten Orientalisten Großbritanniens und bekleidet im British-Museum die Stelle eines Bibliothekars in der Abteilung für orientalische Druckschriften und Manuskripte. Er ist auch Professor für Sanskrit an der Londoner Universität, wo einer seiner Vorjgänger der gleichfalls berühmte jüdische Orientalist Theodor Goldstücker war. Dr. Barnett war lange Zeit Präsident des Verbandes jüdischer Literaturgesellschaften in England und gehört dem Zentralrate des Londoner Rabbinerseminars als Mitglied a' Eine fchmfe Kritik des Direktors der Kjolonmlbank. Vor einigen Tagen fand in der Zion-Hall in London eine massenhaft besuchte zionistische Versammlung, auf deren Tagesordnung der diesjährige Zionistenkongreh stand, statt. Großes und berechtigtes Aufsehen erweckte das Referat des Direktors der Kolonialbank Josef Cowen, der zu den ältesten und angesehensten Zionisten gehört. Direktor Cowen unterzog die gegenwärüge zionistische Parteileitung einer besonders scharfen Kritik, die in der Ermahnung! ausklang, beim' kommenden Kongreß besonders daruuf bedacht zu sein, daß die zionistischen Finanzinstitute nicht vollends der gegenwärtigen Parteileitung ausgeliefert werden, die unter dem Titel der praktischen Arbeit diese Institute dem' Ruine zuführen würden. Diese Bemerkung rief in der Versammlung großen Tumult hervor und gab pme Probe von den stürmischen Debatten, deren man am künftigen Kongreh gefaßt sein kann. Ein Vortrag in der jüdischen Liga für Frauenstimmrecht. Aus London wird uns berichtet: Vorige Woche fand hier ankähkich der ersten Monatsversammkung der jüdischen Liga für Frauenstimmrecht ein sehr interessanter Vortrag des Rabbiners Dr. Hoffmann statt. Der Vortragende behandelte das Thema „Die Frau und die Synagoge" und wies darauf hin, dah ursprünglich die Männer und die Frauen zusammen ohne jede Scheidewand dem Gottesdienste im Tempel anwohnten. Die Frauenhalle in der Synagoge entstand erst gegen das Ende des sogenannten Herodianischen Tempels. Mit der Errichtung des Frauenhvfes sollte dem korrumpierenden Einflüsse der Griechen gesteuert werden. Dr. Hochmann erklärte ferner, es eristiiere eine jüdische Entsche'- dung, wonach Frauen und Jungen, die noch nicht Bar- Mizwah sind, zur Thora gerufen werden können, vorausgesetzt, dah sie das Wesen der Segenssprüche verstehen. Diese Sitte sei im Laufe des Mittelalters auher Kurs gesetzt worden und in Vergessenheit geraten. Was das heutige Verhältnis der Frau zur Synagoge betrifft, so strebe die jüdische Liga für Frauenstimmrecht eme Aenderung des Gesetzes, welches die Grundlage für das Statut der Vereinigten Synagoge in England bildet, an. Hauptsächlich soll Artikel 42 dieses Gesetzes, welches nur männliche Mitglieder der Synagoge kennt, geändert und auch den Frauen das Stimmrecht in der Synagoge gewährt werden. Zu diesem Zwecke werden im Monate Mai in ganz Großbritannien AgrtationsversaMmlungen der Synagogenmitglieder abgehalten und gleichlautende Resolutionen gefaßt werden. Die Gründer des Londoner Uniorrsity-College. Jetzt, da die University of London abermals auf der Tagesordnung steht, schreibt „Iewish Chronicle", ist es interessant, daran zu erinnern, dah die Unioecsity- College, die ursprünglich die Universität von London war, ihre Eristenz zum allergrößten Teile jüdischem Geiste und jüdischem Opferwillen verdankt. Univecpty- College war ursprünglich ein Protest der Liberalen und Ronconformisten gegen die religiöse EXklusivität der älteren Universitäten. Vor 90 Jahren, als Unioersity- College gegründet wurde, standen die Juden wie ein Mann zur liberalen Partei. Der Führer der damaligen Juden war Jsaac Lyon Goldsmid, der gemeinsam mit dem Dichter Campbell die Idee der Gründung einer solchen Universität kaNzierte und sie sowohl moralisch! als auch Materiell propagierte und bis an sein Lebensende förderte. Jasaac, später Sir Jsaac Lyon Goldsmid, erwarb den Grund, auf' welchem die Universität errichtet wurde, und seine Munifizenz in dieser Bewegung wurde auch damit honoriert, daß er zu den ersten Kuratoren dieses Kulturzentrums wurde, das später so große Bedeutung erlangt hat. Es Muß hiebei besonders hervorgehoben werden, daß die Juden jener Zeit, trotzdem sie weder an Zahl noch an Wohlstand mit den heutigen Juden Englands verglichen werden können, dem Rufe Goldsmids, diese Stätte freier Forschung und sozialer Gleichberechtigung ins Leben zu rufen und materiell zu unterstützen. ohne Widerrede und in ausgiebigem Mah gefolgt find. Vermischtes. Krauzablöfungsfpendeu zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I.. Seitenstettengasie 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sel. Therese Ehrlich: Leopold Baumwald IX Kr. 10.—, Adolf und Sofie Beer 10.—, Therese Beer 10.—, Friederike Kaufmann 10.—, Emilie und Marie Feilendorf 10.—, Hermann Baumwald 10.—, Rosa und Ludwig Deutsch 10.—. Zusammen Kr. 70.—.

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