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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-09 · 19 (9.5.1913) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
19 (9.5.1913)
Date
1913-05-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 343 nicht weiter nachgeht, denn die Leute, welchen die Schuld an diesem unglaublichen Vorgang beizumessen ist. befinden sich in derart unglücklichen Verhältnissen, daß es geradezu ein Jammer ist. und zu ändern ist ja die Sache nicht mehr: es wäre auch vielleicht am besten, das Geschehene nicht an das Tageslicht zu bringen; allein hiezu ergibt sich eine ernste Notwendigkeit. In den letzten Tagen erschienen nämlich Inserate in großen Zeitungen, in welchen angekündigt wird, daß. das „Hotel Glattaüer" in Karlsbad unter „neuer Leitung" wieder eröffnet wurde. (In jüdischen Fachzeitschriften wurde die Bezeichnung beigefügt.) „Neue Leitung" ist nun ganz richtig: allein im Interesse der jüdischen Besucher Karlsbads erscheint es nötig, darauf aufmerksam zu machen, daß das Hotel Glattaüer einem christlichen Fleischhauer gehört, der es selbst leitet: daß dieser Fleischhauer zwar seit Jahren Fleisch dahin lieferte, ohne aber zum Verkaufe jüdischen Fleisches autorisiert zu sein, und daß das derzeitige Hotel Glattaüer absolut kein jüdisches Hotel ist * und auch keine jüdische Restauration hat. Franzonsbad. Unter außerordentlich reger Beteiligung fanden Sonntag, den 27. April >d. I., die Wahlen des Kultusausschusses statt. Wiedergewählt wurden die Herren: Dr. Julius Hirsch. Salomon Löwy, Dr. Alfred Kraus, Ernst Pick, Theodor Spie gl und Jakob Schneider (Neukirchen): neugewählt: Emil Adl-r und Philipp Reich! er aus Asch. Bei der am 4. d. Mts. stattgefündenen Konstituierung des Vorstandes wurde Herr Theodor Spiegl zum Vorsteher wieder- und Herr Salomon Löwy zu dessen Stellvertreter, sowie Herr Emil Adler zum Kassier neugewählt. Wir begrüßen die Wiederwahl des Herrn Th. Spiegl aufs hDzlichste. weil die Kultusgemeinde Fronzensbad in ihm eine Kraft besitzt, die zur Leitung dieses hier besonders schwierigen Amtes nicht nur eine ausgezeichnete Befähigung, sondern auch ein echt jüdisch fühlendes Herz hat. In welch hohem Ansehen unsere Kultusgemeinde durch diese würdevolle und müstergiltige Führung bei der Bevölkerung unserer Kurstadt steht, geht aus der Tatsache hervor, daß unser Vorsteher, Herr Theodor Spiegl, und unser Vorstandsmitglied und Ordinarius unseres Hospitales, Herr Dr. Julius Hirsch, bei der im März d. I. stattgefündenen Konstituierung des Gemelnderates zu Stadträten gewählt wurden. Aber auch in Herrn Salomon Löwy als Vorsteher-Stellvertreter hat die Kultusgemeinde eine sch ätzenswerte Kraft gewonnen, dessen klarer und offener Charakter die Gewähr bietet, daß. er dem Vorsteher treu und tätig zur Seite stehen wird. Das Ende einer antisemitischen Gründung. In den 90er Jahren, als der Antisemitismus in Sachsen in hoher Blüte stand, wurden in Dresden von antisemitischen Geschäftspolitikern all die kleinen Leute, die vom Antisemitismus alles Heil erwarteten, für eine Spar- und Vorschußbank eingefangen. Man versprach goldene Berge, und die vielen kleinen abgedarbten Einlagen wuchsen zu Millionen. Aber nicht lange dauerte die Herrlichkeit. Vor reichlich einem Jahrzehnt stürzte die Bank krachend zusammen und viele, viele Leidtragende betrauerten ihre geringen Spargroschen, denn nur 30 % kamen aus der Masse. Wer sich diese herauszahlen ließ, war noch nicht am' schlimmsten dran. Es wurde die Gesellschaft der Vereinigten Spareinleger mit beschränkter Haftung gegründet und den um ihr Geld gekommenen kleinen Leuten würbe weisgemacht, die 30 Prozent würden sich in 60 Prozent verwandeln, wenn sie ihr Geld noch ein paar Jahre stehen und einige erleuchtete Köpfe damit arbeiten ließen. Aber die 60 Prozent konnten nie ausgezahlt werden. Jahr für Jahr kamen die Spareinleger in einer Generalversammlung zusammen, um immer wieder zu sehen, daß es mit der Liquidation nicht vorwärts ging, daß der Verkustvortrag von Jahr zu Jahr größer wurde, daß ihre Aktien weiter und weiter fielen und daß die Kosten der Verwaltung ihrer Sache die Zinsen des vorhandenen Geldes wieder -auffraßen. UM. so besser ging es den Grün dern und Machern der Gesellschaft. Der Direktor F. W. Glöß, früherer antisemitischer Stadtverordneter und Herausgeber der unrühmlich bekannten Bilderbogen, erhält, wie die „Leipz. Volksztg." mitteilt, bis auf den heutigen Tag jährlich 10.000 Mark für seine „Direktion", und die fünf Aufsichtsräte, deren Vorsitzender der Rechtsanwalt und konservative Landtagsabgeordnete Böhme ist, eine Tantieme von 6000 Mark. In der diesjährigen Generalversammlung der Spareinleger zeigte sich nun. daß die Karre so gründlich verfahren ist, daß auch der Hoffnungsfroheste den Mut sinken lassen mußte. So beschloß man denn, die Veräußerung des ganzen GeseUschaftsvermögens und die Schließung der Gesellschaft, wenn sich ein Käufer findet. Das ist nun wohl die letzte Phase der traurigen Geschichte einer antisemitischen Bankgründung, die zur Rettung des Mittelstandes unternommen wurde. Die Anerkennung des Brth-Dm von Tripolis. Das offiziöse italienische Blatt „La Tribuna" ineldet, daß im Sinn? der neuen Gesetze von Tripolis und der Cyrenaica es den Juden dieser Gebiete unbenommen bleibt, auch fernerhin ihre zivilrechtlichen Streitfälle vor dem Beth Din auszutragen, dessen Entscheidungen dieselbe gesetzliche Kraft besitzen werden, wie diejenigen der italienischen Gerichtshöfe in den genannten Kolonien. Hierdurch erscheint die Anerkennung des Beth-Din in Tripolis als gesetzlicher Rechtsfaktor im 'Gesetze festgelegt. Der Kampf gegen die jüdischen Publizisten in Rußland. Die Nationalisten haben, wie aus Petersburg berichtet wird, in der Duma einen Gesetzentwurf eingebracht, durch welchen den Juden verboten werden soll, außerhalb des jüdischen Ansiedlung5gebietes an der Redaktion von Zeitungen oder an deren Herausgabe beteiligt zu sein. Dieser Angriff richtet sich hauptsächlich! gegen die jüdischen Journalisten und Publizisten von Moskau und Petersburg, deren angesehensten Ze tungen zum Te'le von Inden redigiert werden. Ein Werk Wer die Juden in der russischen Armr>c. Vor einigen Tagen erschien in Rußland ein neues Werk über die Juden in der russischen. Armee. Der Verfasser des Buches hat sich nicht genannt, doch geht aus dem Inhalte hervor, daß es nur ein mit den Verhältnissen genau vertrauter Osfizier der russischen Armee Tc;u kann. In diesem Buche wird die Frage von einem neuen Gesichtspunkte aus behandelt. Der Verfasser weist daraus hin. daß die Juden, welche in den Städten an der .Westgrenze des Reiches massiert beisammen wohnen. im Falle eine Krieges eine sehr wichtige Rolle zu spielen haben werden. So wie die Kriege im vorigen Jahrhundert nicht zuletzt aus dem Grunde für Rußland gefährlich werden kannten, weil die Polen bei einigem gemeinsamen Vorgehen die Macht besitzen, entweder ihren Willen Rußland gegenüber durchzusetzen oder aber für Rußland eine größere Gefahr zu werden, als der kriegführende Feind. 2n den Jahren 1812, 1830 und 1863 befanden sich die Juden stets treu auf Seite Rußlands. Dies fei wohl, meint der Verfasser, ein gutes Symptom, aber sicherlich keine Bürgschaft für die Zukunft. Der Autor wendet sich nun gegen die von antisemitischer Seite mit Vorliebe verbreiteten Verleumdungen, wo-

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