Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 19 (9.5.1913)
- Date
- 1913-05-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 338 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 19 Herrlich waren diese Sederabende, bezaubernd die traditionelle Jntonierung der Hag g ad ah, der malten Hymnen und uralten Melodien. Es war eine „Lel Sh'murim" — eine Wahrhaftige Wachnacht. Me — avdus lecherus — von der Knechtschaft in die Freiheit . . der Hüter Israels wacht und schläft nicht. Der Einfluß der Emigration auf die körperliche Entwicklung. Die französische, Zeitschrift „La nature" widmet dieser Frage in ihrer Nummer vom 12. April d. I. einen sehr lehrreichen Aufsatz. Demselben entnehmen wir, daß die EinWanderungs-Kommission der Vereinigten Staaten im Jahre 1908 den Professor Franz Boas beauftragt hatte, die physische Beschaffenheit der Neueingewanderten in Amerika einem besonderen Studium zu unterziehen. Professor Boas hat nun seine antroprometrischen Beobachtungen in einem vor kurzem erschienenen Bande dargelegt und kommt dabei zu recht merkwürdigen Schlüssen. So habe er die Erfahrung gemacht, daß der Kopf bei den Nachkommen der eingewänderten Juden allmählich kürzer und bei denjenigen der eingewanderten Sizilianer allmählich länger werde. Das Gewicht und der Leibesumfang nehmen bei den Juden zu und bei den Italienern ab. Ursprünglich wollte Professor Boas aus dieser Erscheinung auf das Vorhandensein einer amerikanischen Rasse schließen, welcher die einzelnen eingewanderten europäischen Rassen instinktiv zustreben, doch sei er bald von dieser Anschauung. abgekommen. Wie ist nun diese Erscheinung, hauptsächlich aber die Veränderungen der Kopfmaße, zu erklären? Manche wollten dieses Ergebnis überhaupt nur für ein zufälliges halten, andere wieder schrieben es der sogenannten Selektion bei der Auswanderung zu, wieder andere neigen zu der Anschauung, daß es sich, hier bloß um die Folgen der Aenderung des Milieus handle. Dr. Boas ist gleichfalls geneigt, sich dieser letzteren Anschauung anzuschließen. Sie werde durch die ähnlichen wissenschaftlichen Beobachtungen von Ammon im Herzogtum Baden, Levi in Italien und Dr. Maurice Fishberg hinsichtlich der Juden unterstützt. Diese Gelehrten haben auf Grund langjähriger Beobachtungen konstatiert, daß die Kinder von Bauern, die in die Städte übersiedeln, eine auffallende Aenderung in der Schädelbildung aufweisen. Dasselbe hat auch Fishberg von den Juden, die zur Landwirtschaft übergehen, oder umgekehrt, aus kleinen Städten in große Industriezentren emigrieren, festgestellt. Ehrungen Nathan Strauß' in Europa. Der bekannte amerikanische Philanthrop Nathan Straub, der mit seiner Frau eine längere Mittelmeerreise unternommen hatte, war. wie er nach seiner Rückkehr in Newyork mehreren Journalisten gegenüber mitteilte, in Europa Gegenstand mehrfacher Auszeichnungen. So war er in Rom zu einer Audienz zum Papst gebeten, der ihm seine Anerkennung für die großartige Säuglingsfürsorge, die Nathan Strauß auf eigene Kosten in Newyork etablierte und Säuglingen unbemittelter Mütter ohne Rücksicht auf ihre Konfession und Nationalität zugute kommt, aussprechen wollte. Diese Audienz kam jedoch nicht zustande, weil der Papst gerade um diese Zeit plötzlich erkrankte. In Karlsruhe, wo die Großherzogin-Witwe Luise auf Grund der Pläne und Vorschläge von Nathan Strauß eine große Säuglingsmilchanlage erhält, wurde Strauß von der Großherzogin in Audienz empfangen, die ihn für - seine großen Wohltaten den Dank aussprach. Fast in sämtlichen- Staaten Europas dient das System des Nathan Strauß als Muster und Grundlage für hygienischen Säuglingsschuh. Nach demselben Muster hat Nathan Strauß aus eigene Kosten in Jerusalem -ein Pasteur- Instilut errichtet und auch. sonst sehr viel für die Verbesserung der Volkshygiene in Palästina getan. Von den australischen Juden. Vor drei Jahren haben die Bürger von Sidney den Beschluß gefaßt, der Zentralregierung von Großbritannien auf eigene Kosten einen Dreadnought zur Verfügung zu stellen. Da jedoch die Regierung damals dankend ablehnte, sich von den Kolonien eine Flotte schenken zu lassen, beschlossen die Bürger von Sidney, das gesammelte Geld zur Errichtung einer groß en Musters arm zu verwenden, in welcher eingewanderte junge Leute zu australischen Landwirten erzogen werden sollen. Die ersten, die jsich jals Zöglinge für diese „Dreadnoughtsarm" gemeldet und auch. die Farm' bezogen haben, waren 25 jüdische Jünglinge, Kinder eingewanderter Juden in London, die nach einer erfolgten Ausmusterung nach Sidney geschickt wurden. Die Jungen machen, wie die Blätter von Sidney melden, einen sehr guten Eindruck, so daß das Kuratorium der DreadnoughtfärM den Wunsch geäußert hat, noch mehrere Zöglinge derselben Qualität für die Farm zu gewinnen. Der Taring Master beim Obersten Gerichtshöfe in Victoria (Australien), M. M. Phillips, wurde zum Oberpräsidenten der -angesehensten australischen Gesellschaft, der Australian Natives Association, gewählt. Philips ist der erste Jude, dem diese hohe Auszeichnung der australischen Bürger zuteil wird. -Major Isidore Isaacson vom 64. australischen Infanterieregiment. der bereits die kaiserliche Medaille für langjährigen Dienst bei den Kolonialhilf struppen besitzt, wurde jetzt mit dem viktorianischen Orden für langjährige erfolgreiche Dienste ausgezeich.net. Der Ausgezeichnete' bient seit dem Jahre 1887 ununterbrochen in der australischen Armee. Juden in der afrikanischen Oase Figuig. Figuig ist eine große Oase auf marokkanischem Gebiete. Sie ist ungefähr 850 Kilometer von Oran und 260 Kilometer von Fez entfernt gelegen. Sie umfaßt sieben Ksours oder befestigte Städte. Den Zugang zur Oase bilden drei Gebirgspässe, deren westlich gelegener den Namen Teniet-el-Aoudia (Iudengebirge) trägt. In einer der letzten Num'mern der „Auuales africaines“ erzählt ein Tourist, daßer in der Hauptortschaft der Oase, im Ksour el-Oudaghir, Juden angetrofsen habe. Nicht weit von der Moschee, so erzählt der Tourist, befindet sich eine größere Anzahl Judenhäuser, in denen der Fremde stets mit großer Zuvorkommenheit und Gastfreundlichkeit empfangen wird. Die jüdischen Frauen, die einzigen, deren Gesicht nicht mit einem Schleier verdeckt ist, verraten sehr feine Züge und erinnern durch nichts air ihre sie umgebenden Geschlechtsgenossinnen. Viele unter ihnen sind mir wegen ihrer blonden Haare und klaren blauen Augen ausgefallen. Hingegen erinnern sie stark an die Berberinnen, die gleichfalls ähnliche Züge aufweisen. Manche Forscher wollen diese Eigentümlichkeiten der jüdischen Frauen der Oase als Beweis ihrer Abstammung von den Vandalen ansehM. Doch liegt hierfür ein strikter Beweis micht vor. Im allgemeinen muß bemerkt werden, daß die Zahl der Juden in Figuig eine verhältnismäßig geringe ist, daß ihnen bei Todesstrafe die Abschließung von Geldgeschiäften verboten ist und auch der Erwerb von Häusern oder Gärten untersagt ist.