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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-09 · 19 (9.5.1913) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
19 (9.5.1913)
Date
1913-05-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Mochs Wochenschrift. Seite 337 sie später einmal, wenn sie ausgebildet sein werden, auch untertags in den Schächten verwendet werden können. Der Verdienst würde sich auf 100 bis 120 Kronen monatlich bei kreier Wohnung, Beheizung und Begünstigungen beim Einkäufe von Lebensmitteln stellen. Vorherige Kenntnis von Bergarbeit ist erwünscht, aber nicht erforderlich. Es bietet sich daher Gelegenheit, kräftigen und arbeitswilligen jüdischen Arbeitern Beschäftigung und Verdienst zuzuwenden, und die Zahl der dem Bergbaue zuzuführenden Inden könnte mit der Zeit eine immer größere werden. Etwaige Eingaben und Anfragen sind zu richten an die Ortsgruppe Krakau des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien zu Händen des Herrn Dr. Hermann Hirsch in Krakau, Zielona 7. Jacob H. Schliffs große Spenden für Kulturzwecke. Ans Newyork wird uns geschrieben: Der weltberühmte Philanthrop Jacob H. Schiff unternimmt in nächster Zeit abermals eine Europareise. Vor derselben hat er abermals große Sumtnen für Kulturzwecke den amerikanischen Juden gespendet. Sv erklärte er sich bereit, für die bevorstehende Erweiterung der Tätigkeit der Oberstätter Talmudthora-Gesellschaft, welche eine Summe von 50.000 Dollar erfordert, 25.000 Dollar zu geben, wenn die restlichen 25.000 bis zu seiner Rückkehr am 1. Juni dieses Jahres von anderer Seite hereingebracht sein werden. Dieses amerikanische System, größere Beträge zu spenden, hat den Vorteil, nicht nur einzelne Philanthropen, sondern auch andere bemittelte Kreise zu Beiträgen für gemeinnützige Zwecke änzuspocnen. Außer dieser Spende hat Jacob H. Schiff der Jewish Publication Society of Amerika anläßlich ihres Jubiläums eine Spende von 50.000 Dollar als Beitrag zu den Kosten der Vollendung und Herausgabe der neuen Bibelübersetzung, welche die genannte Gesellschaft vor mehreren Jahren in Angriff genommen hat, gewidmet. Der Pessach der Einwanderer. Aus Newyork wird uns der nachfolgende erquickende Bericht über die Sederfeiern eingesendet, welche die so segensreich wirkende „Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society" sowohl in ihrem Heim für Einwanderer, wie auch auf der Einwanderungsinsel Ellis Island veranstaltet hat. Im Heim für jüdische Einwanderer. Der ideale Geist der Brüderlichkeit und der erhabene Gedanke der Humanität, der dem Pessachfeste zugrunde liegt, fand einen packenden Ausdruck in der Pessachfestlichkeit der „Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society". Von Ost und West, Nord und Süd eingewanderte Juden, Juden vom Kaukasus, aus deM Reiche des türkischen Sultans, Juden aus Dahomey. Nord- Afrika (vertreten durch einen kohlschwarzen Juden), aus Johannesburg in .Südafrika iund Perth in Westaustralien, aus dem Zarenreiche und aus den Ländern des Kaisers Franz Joseph, aus dem „Gay Peree" und dem nebeligen London, sowie aus allen Teilen Groß--Newyorks! waren in dem gastlichen Heim für jüdische Einwanderer in East Broadway 229—231 versammelt, um das Ueberschreilungsfest zu feiern. Männer, Frauen und Kinder, tausend an der Zahl, hatten sich am ersten Abend zum Seder gesetzt und 750 aM zweiten Abend. Die Räumlichkeiten des Heimes waren bis auf das letzte Plätzchen besetzt, sv daß auch die Lokalitäten der in nächster Nachbarschaft befindlichen Talmud Thora in Anspruch genommen werden mußten. Die Abteilung für Männer war herrlich mit Blumen und Blattpflanzen geschmückt. Jeder Mann erhielt auch eine weiße Seidenkappe und ein Eremplar der Haggadah. Der füngierende Rabbiner Benjamin Siegel hatte die Sterbegewänder angelegt, und wie er auf dem „Hessebell" saß in seiner ehrwürdigen Gestalt: das bot eine Szene, die den Beteiligten unauslöschlich sich eingeprägt hat. Die Türen standen weit offen und jeder, der kam, war willkommen. An niemanden wurden Fragen gestellt und nichts wurde gesagt oder getan, wodurch in irgend einem das Gefühl empfangener Wohltätigkeit hätte erweckt werden können. Hier herrschte der Geist der Brüderlichkeit. Die Männer, die den Kellnerdienst versahen, taten dies ohne Entgelt. Gerade vor einem Jahre, am Erew Pessach, wurde ungefähr ein halbes Dutzend junger Einwanderer von der Gesellschaft in Ellis Island übernommen; sie wurden damals zu Kellnerdiensten beim Seder herangezogen. Und alle diese sind, ohne Ausnahme, heuer selbst ins Heim gekommen und haben den Wunsch ausgesprochen, den Dienst für die neuen Einwanderer während der Sederabende wiederum übernehmen zu dürfen. Einer dieser „Kellner" stammt aus Bayruth und geht im kommenden September nach Cincinnati, um in das dortige; Rabbinerseminar einzutreten, ein anderer kommt demnächst in die Hochschule für Bodenkultur in Michigan, während ein dritter dieser „Kellner" sich für die wissenschaftlichen Vorträge in der Cooper Union vorbereitet. Einige wenige Vegrüßungsworte und der Seder nimmt seinen Anfang. Sollen wir hier den Gang der Feierlichkeit beschreiben? Jeder Leser vermag sich die Szene auszumalen: Fremde aus fernen, weit von einanderliegenden Ländern, und doch alle Brüder und SchWestern. Von denen, die als Gäste den Sedarim anwohnten. erwähnen wir die Verfasserin des „Gelobten Land" Mary Ä n t i n und ihren Gatten, Professor Grabau von der Columbia-Universität, Herr und Frau Hermann Bernstein, Professor Mark von der Cornell- Universität, Richter Leon Sanders als Präsident der Gesellschaft, sozusagen der Gastgeber, ferner Direktor M e r - r i a m. die Vorsteherin der Nurses Settlement, Miß Lilliam D. Wal d. Miß Waters. Paul M. Marburg, Dr. Walter E. W eyl, Autor der „Neuen Demokratie". Dr, Jacob Tarlau und Frl. Meyl^ Auf viele der Besucher wirkte die Herrlichkeit des Seders wie eine Offenbarung. Einer der Gäste rief entzückt von dem Erlebten aus: „Gott lebt noch!" Von Montag abend bis Mittwoch abend wurden im Heim 4000 Portionen verabreicht, und während aller acht Pessachtägen setzten sich täglich dreimal 300 bis 400 Personen im Heim zu Tisch. Seder inEllis Island. In der Einwianderungsstation in Ellis Island wurde für 350 zurückgehaltene jüdische Einwanderer der Seder veranstaltet, wofür die Gesellschaft alle Vorkehrungen getroffen und die nötigen Anschaffungen für Pest ach besorgt hatte. In Ellis Island waren beim Feste anwesend: der Präsident der Gesellschaft, Richter Leon Sanders und Frau, Vizepräsidentin des Damen-Hilfskomitees, Herr I. Massel samt Familie, der Ehrensekretär der Gesellschaft, Morris A s o f s k y und Morris Malz. Mitglieder der Direktion und Herr I. Irving Lipsitch, Vertreter der Gesellschaft auf Ellis Island. Hier wurde der Seder vom Rev. Eduard Lißmann gegeben. Abgesehen von der Fürsorge für die in Ellis Island zurückgehaltenen Einwanderer, erhielt jeder jüdische Emigrant, der kurz vor Pessach oder am Pessachfeste deportiert wurde, für die ganze Rückreise die vollständige Pessachkost.

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