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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-09 · 19 (9.5.1913) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
19 (9.5.1913)
Date
1913-05-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Hette 3s6 Hk. Blochs Wochenschrift. Str. 19 zu der Botschaft eines Johannes: Gott ist die Liebe, für jeden einzelnen, für die ganze Welt, ist noch ein gut Stück Wegs, und doch soll niemand den Ruhm Hoseas verkleinern, er ist einer der tiefsten Denker Israels, er ist der erste gewesen, der mit euerg ich schem Futz die Babp zu jenem Ziele beschritten hat. Ob der e r I je s a i a sich ganz auf der Höhe -es Hosea gehalten hat, ist mir nicht ganz sicher. Gewiß, er ist der Größten einer in Israel. Schon die Meisterschaft der Sprache sichert ihm seinen Ruhm. In strahlenderem Glanze, in sieghafterer Schöne ist die Sprache Kanaans kaum erklungen als von den Lippen dieses wahrhaftigen Dichters. Er verfügt über eine Wucht und Kraft der Rede, über einen Reichtum von glänzenden und packenden Bildern, die den Leser geradezu überwältigen. Und dann der Inhalt seiner Predigten: wie Ainos betont er, daß der Gottheit mit bloßen Gebeten und Opfergaben nicht gedient ist. Wie Paulus der Apostel, so ist Jesaia der Prophet des Glaubens, er hat als erster einen klaren Begriff der Weltgeschichte aufgestellt: hinter allem, was auf Erden geschieht, steht ein ewiger, heiliger .Wille: der Gott Israels; auch der furchtbare Assyrerlönig, jer's, daß er Israel zertrümmert, seLs, daß ier selbst an den Mauern Jerusalems zerschellt, er ist weiter nichts als ein Werkzeug in Jahwes Hand, er vollzieht seinen Willen. Jesaia ist auch der Vater des messianischen Gedankens im ursprünglichen Sinn: die leuchtende Zukunft des Volkes wird sich verwirklichen in der Person eines idealen Herrschers aus Davids Stamm, aber dieser zukünftige ideale Herrscher wird nicht ein Mann des Krieges sein, wie sein großer Ahnherr, nein, er heißt: Wunder-Rat, Eott-Held, Ewig- Vater, Friedefürst. In seinem Reich wird des Friedens kein Ende sein, und der Thron Davids wird sich auf Gerechtigkeit stützen immerdar. Ich kann es mir nicht versagen, Ihnen eine der schönsten und weitestschauenden Stellen des Dichterpropheten wörtlich mitzuteilen: „Dann wird ein Reis aufgehen aus dem Stumpfe Jsais, und ein Schößling aus seiner Wurzel sprossen, auf dem ruht der Geist Gottes, ein Geist der Weisheit und der Einsicht, ein Geist des Rats und der Stärke, ein Geist der Erkenntnis und der Furcht Gottes, dessen Lebenslust wird Gottesfurcht sein. Er richtet nicht nach dem Augenschein und entscheidet nicht nach Hörensagen, sondern er richtet in Gerechtigkeit die Armen und entscheidet in Billigkeit für die Gedrückten im Lande; aber den Tyrannen wird er schlagen mit dem Szepter seines Mundes und den Frevler mit dem Hauche seiner Lippen töten. Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Hüften und die Wahrheit der Gurt seiner Lenden sein. Dann weilt der Wolf beim Lamm und der Panter lagert bei dem Böckchen, Rind und Leu weiden zusammen, und ein kleiner Knabe leitet sie. Da gesellt sich die Kuh zum Bären, gemeinschaftlich lagern ihre Jungen, und der Löwe frißt Heu wie das Rind. Da wird der Säugling mit der Natter spielen und der Entwöhnte nach der Viper seine Hand ausstrecken; nicht Schaden und nicht Verderben sollen sie anrichten auf meinem ganzen heiligen Berge, denn das Land ist voll von Gotteserkenntnis, wie das Wasser den Meeresgrund bedeckt/' ' Und doch, bei aller Bewunderung, die uns der große Mann abnötigt, wir werden ihm den leisen Vorwurf nicht ersparen können, daß er den Begriff des Glaubens überspannt und dadurch gefährdet hat. So damals, als er seinem vor dem Assyrer bangenden König wagt, im Namen Jahwes überirdische Wunder anzubieten zum Beweise, daß dessen Furcht töricht sei, so, wenn er seine ganze Lebensweisheit aufbaut ^pf den Gedanken: Jahwe werde und müsse sein Volk als Volk, wenn auch nur durch einen heiligen Rest, erretten, und wenn er von hier aus auch zu energischer politischer Tätigkeit gekommen ist. Verehrte Anwesende! Wunder anbieten, ist ein mißliches Ding, und wer die Religion mit Politik verquickt, wer seine Religion von nationalen Errungenschaften abhängig macht, setzt seine Religion schwerer Gefahr aus: Nein, Jesaia ist doch noch einigermaßen entfernt von der Erkenntnis, daß die Leiden der einzelnen Gerechten, ja eines gerechten Volkes Mittel und Ausfluß der edelsten und reinsten, auf das Wohl der Gesamtmenschheit abzielenden Gedanken Gottes sein können. Ein gut Teil näher kommen dieser Erkenntnis I e r e m i a und der sogen, zweite Jesaia. (Schluß solgt.) vom Aabrmarkt des Lebens. Die MMe GveffoWe int k. And, r. Heer. Beim Durchblättern des neuesten Schematismus für das k. und k. Heer (1913) Wlt die eigentümliche Tatsache auf, daß unter sämtlichen in Oesterreich-Ungarn anerkannten Bekenntnissen lediglich das israelitische in der Militärseelsorge durch keinen einzigen Geistlichen vertreten ist. Aeber die Wichtigkeit des geistlichen Zuspruches und Trostes, besonders in Krankheitsfällen, fern von Heim und Familie, aber auch der Moralischreligiösen Belehrung an Feier- und Festtagen, insbesondere anläßlich der Vereidigung der neueinrüchenden Rekruten, Wollen Wir hier nicht viele Worte verlieren. Die Heeresverwaltung steht ja Eigens auf diesem Standpunkte, ausnahmslos in Anbetracht sämtlicher im Staate anerkannter Bekenntnisse. Darum fällt diese Ausnahme zu ungunsten der israelitischen Konfession umso mehr unliebsam auf. Neben den 136 aktiven römisch-katholischen Feldgeistlichen (neben 173 in d!er Reserve) gibt es 15 aktive griechisch-katholische (11 i. d. R.), 13 aktive griechischj-orientalische (20 L d. R.), 6 aktiv e evangelische Augsburger Bek. (26 i. d. R.), 5 aktive evangelische reformierte (17 i. d. R.), sogar für die 600.000 bosnisch-herzegowinischen Mohammedaner sind vier aktive Militärimans in dauernder Amtstätigkeit — einzig und allein die Israeliten gehen hier leer aus. Keinen einzigen aktiven jüdischen Feldgeistlichen erwähnt der Schematismus, nur für beit Kriegsfall Werden dortsekbst für die 2,000.000 israelitischen Bürger fünf 'Feldrabbiner i. d. R. namentlich in Evidenz geführt. Hier muh entschieden Wandel geschaffen werden. Diese Zurücksetzung eines vom Staate anerkannten, von Millionen Betennern vertretenen Bekenntnisses darf! nicht fortdauern. Nicht nur die Rücksicht auf die unnötige Verletzung der Gefühle einer ganzen religiösen Gemeinschaft, sondern auch, Gründe der Zweckmäßigkeit, der Pflege der patriotischen und ethischen Gesinnung in der jüdischen Mannschaft sprechen dringend für eine entsprechende Remedur. Die Sitze der galizischen KorpskomManden, sowie der zu Wien, Budapest und unten in Sarajewo bezw. Zara kämen für die israelitischen aktiven Feldrabbiner zunächst in Betracht. Wir erwarten, daß foie hohe Kriegsverwaltung in Anbetracht der vorgebrachten Tatsachen, sowie der gebieterisch zwingenden Momente der Ersprießlichkeit und der Gerechtigkeit den religiösen Bedürfnissen der jüdischen Mannschaft Rechnung tragen und für deren Geist, Gemüt und Moral in wohlwollender Fürsorge — wie für alle anderen Bekenntnisse — das Nötige ins Leben rufenj rufen Wird. > Prof. Dr. Josef Mies e s, k. u. k. Feldrabbiner i. d. R. Die österreichische Länderbank unterstützt die Boykottierung! jüdischer Arbeiter. Aus Warschau wird gemeldet: Das hiesige Tagblatt „Hazefirah" konstatiert, daß die Administration der Grube „Flora" in Dombrawa, die der Oesterr. Länderbank gehört, den polnischen Boykott gegen die Juden in schärfster Weise unterstützt. Die „Flora" hat ihre jüdischen Arbeiter entlassen und dafür polnische Arbeiter aus Warschau kommen lassen. Sie . zwingt ferner ihre Arbeiter, in dem von ihr eingerichteten Genossenschaftsladen zu kaufen und ihre Kundschaft den lüdischen Kaufleuten zu entziehen. Auch sind sämtliche Verträge mit * den jüdischen Lieferanten gelöst worden. Jüdische Bergarbeiter in österreichischen Bergwerken. Von der Krakauer Ortsgruppe des Hilfsvereines für die notleidenden Juden in Galizien ergeht die folgende Mitteilung: Eine österreichische Kohlen- und Bergbaugesellschaft hat sich bereit erklärt, vorläufig 15 jüdische Arbeiter im Alter von 16 bis 24 Jahren aufzunehmen; denselben wird ein besonderes Haus eingeräumt, wo für die rituelle Küche gesorgt werden soll und auch die nötigen Verfügungen wegen der SaÄbatruhe getroffen werden sollen. Es ist bis nun beabsichtigt, die auszunehmenden jüdischen Arbeiter vorerst obertags bei verschiedenen oberirdischen Arbeiten zu verwenden, sie nach und nach in die weiteren Arbeiten einzuführen, sv daß

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