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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-02 · 18 (2.5.1913) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
18 (2.5.1913)
Date
1913-05-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 386 De. Blochs Wochenschrift Nr. 16 unter wiederholtem Beifall erstattet. Die Mitteilungen des Berichtes befriedigten alle Anwesenden in hohem Grade. Den Kassabericht erstattete der Kassaverwalter Herr Mar Makler, k. k. Hofanstreicher, und der Kassarevisor Stadtsteinmetzmdister N. Sonnenschein. Sodann fand die Wahl des Präsidenten Herrn S. Brod mit Akklamation statt. In den Vorstand wurden gewählt die Herren: Moriz Baum, Kaufmann, Adolf B e ck, k. k. Hoflieferant, Hermann Beck, k. k. Hoflieferant, Hermann Denes, Glasfabrikant, Franz Frankl, Spiekwarenfäbrikant, P. G i e tz k a n n, Stadtbaumeister. Iaques Iaeger, Schriftsteller, Dr. Eugen Kalmus, Rechtskonsulent, Ignaz Klein, Miederfabrikant, Siegmund Mayer, Kammfabrikant, Friedrich Schön, Architekt, I. S i t t i g, Knopfs abrikant, Mar Makler, k. k. Hofanstveicher; als Revisoren die Herren: N. S onnenschein, Stadtsteinmetzmeister, und.Leopold Schwarz, Kaufmann. Zu Schiedsrichtern wurden ernannt die Herren: Edmund Melcher, Gemeinderat, Stadtbaumeister für das Baufach, Dr. Oskar Hein, Gemeinderat, Hof- und Gerichtsadvokat für die Rechtsangeleaenheilen, Jakob Kohn Bau- und Kunstgl.aser, Siegmund Kornmehl, Fleischhauer, M. I. Mandl für die Bekleidungsindustrie, Josef Nossig, Anstreichermeister, Ludwig Podwinetz, Bau- und Kunstschlosser, Gabriel Singer, Spenglermeister, Siegmund Spitz, Dekorateur und Tapezierer, Jonas Strakosch, Glasermeister. Darauf erschien der Präsident, von jedem einzelnen aufs freundlichste begrüßt, im Saale und entwickelte ein Programm für die weitere Tätigkeit des Vereines, woran sich eine lebhafte Debatte schloß. In später Stunde schloß die angeregte Versammlung. Henriette Hertz in Rom. In Rom verschied die deutsche Jüdin Henriette H e r tz, die Eigentümerin des historischen Palastes Zuccari in der Via Gregoriana. Sie war eine bedeutende Frau, und in ihrem Salon verkehrte die geistige Creme. Große Verdienste hat sie sich um Kunst und Wissenschaft erworben, zuletzt durch Schaffung einer Bibliothek für die Renaissanceforschung im Palast Zuccari, die ich Januar eingeweiht wurde und nun mit dem Palast und dem gesamten großen Vermögen an die Kaiser Wilhelm-Stiftung übergeht, zu deren Mitglied sie der deutsche Kaiser ernannt hatte. Henriette Hertz ist, wie ein Frankfurter Blatt berichtet, in Köln im Jahre 1844 geboren. Ihr Vater, Abraham Hertz, hatte ein großes Pferdegeschäft und war ein strenggläubiger Jude. So wurde Henriette religiös erzogen. Ein treuer Freund des gastfreien Hauses war der damalige Rabbiner Dr. Schwarz. Er führte die 15jährige Henrielle in ein tieferes jüdisches Wissen ein und „lernte" mit ihr fleißig „Mischnajoth" und „Gemoroh". Ihre Fragen und Ansichten setzten ihn oft in Erstaunen, und er pflegte zu sägen: „Schade, daß Harry (so wurde sie genannt) nicht ein Junge ist, der hätte einen großen Rabbiner gegeben." Früh schon entwickelte sich ihr feines Kunstverständnis. Ihr liebster Aufenthalt war das Museum. Sie lernte malen und modellieren und leistete darin Vortreffliches. Nebenbei trieb sie das Studium fremder Sprachen, von denen sie im 18. Jahre sechs sprach und schrieb. In ihrem elterlichen Hause verkehrte damals ein junger Student der Chemie, Ludwig Mond aus Kassel. Mond gründete in England chemische Fabriken und wurde durch die Erfindung einer bestimmten Sorte „Soda" sehr berühmt. Er hatte eine Freundin Henriettes geheiratet, und so kam es, daß Henriette zur Familie Mond nach London übersiedelte. Von da ab datiert Henriettes gesellschaftlicher und pekuniärer Aufstieg, da Monds Fabriken zu großen Gesellschaften umgewandelt wurden, wobei Henriette beteiligt war. Henriette Hertz hat viele jüdische Künstler und Künstlerinnen ideell und materiell gefördert, ebenso bei deren Familien helfend eingegriffen. Ueber diese große Kunstmäzenatin schreibt der Korrespondent der „Kreuzzeitung" aus Rom: ,>Viele Deutsche, welche längere Zeit in Rom verweilen, kennen den Trinita de Monti nach der Seite von Via Sistina und Via Gregoriana hin vorgelagerten Palazzo Zuccari, berühmt sowohl durch die gegen 1600 von Frederico Zuccari gemalten Deckenfresken des Erdgeschosses als dadurch, daß in diesem Palast der Altmeister der Archäologie Winckelmann und später der Rat Reifsenstein gewohnt haben, in dessen Werkstatt Goethe die kleinen Künste der Steinschneiderei und dergleichen erlernte. Manche bedeutende Nordländer aller Art haben damals diese Räume betreten, die Zuccari in seinem Testament zu Heim und Arbeitsstätte deutscher und niederländischer Künstler unter der Aegide der Kunstakademie von ' St. Luca bestimmt hatte, woraus indes infolge einer Verkettung widriger Umstände nichts werden sollte. Was aber damals vereitelt ward, das ist nun nach fast genau drei Jahrhunderten dank der Munifizenz einer deutschen Dame, des aus dem Rheinland stammenden Fräulein Henriette Hertz, nachträglich verwirklicht worden, indem nämlich kürzlich in zunächst sechs der freskengeschmückten Räumen des Erdgeschosses die nach der hochherzigen Stifterin benannte Bibliotheca Hertziana eröffnet worden ist. Fräulein Hertz hat im Verlauf der Jahrzehnte ihr bedeutendes Vermögen, zum Teil durch Beteiligung an den großen Unternehmungen der chemischen Industrie des mit ihr verwandten Prof. Ludwig Mond, außerordentlich vermehrt. Während aber Mond später die englische Staatsbürgerschaft erwarb, blieben die Sympathien Henriette Hertzens auch in schwierigen Zeitläuften ungeachtet ihrer großen an England geknüpften wirtschaftlichen Interessen immer auf deutscher Seite. Zahllos sind die Fälle, in denen sie in Rom ihre reichen Mittel in den Dienst deutscher nationaler oder privater Interessen gestellt hat. Wenige wissen, wie viele deutsche Künstler ihr und übrigens auch Ludwig Mond geradezu ihre Eristenz verdanken, denn Henriette Hertz hielt sich persönlich immer im Hintergrund, Vor etwa einem Jahrzehnt erwarb Henriette Hertz den geschichtlich so denkwürdigen Palazzo Zuccari, ließ ihn gründlich restaurieren und brachte in einer Flucht von Räumen des obern Stockwerks ihre reichen Kunstsammlungen unter. Diese sind nun nach ihrem Ableben italienischen Museen zugedachtf während der Palast mitsamt der erwähnten Bibliothek an die Kaiser Wilhelm- Stiftung übergehen solle, indem die Erträgnisse des Palastes zur Bestreitung der Kosten für die Unterhaltung .der Bibliothek bestimmt sind." Das wird die brave „Kreuzzeitung" nicht obhalten, bei der nächsten Gelegenheit wieder über Juden als „'Fremdkörper" im deutschen Volke herzufallen. D>e Banken von Saloniki am Pessachseste. In jüdischen Kreisen von Saloniki hat es, wie uns von dort geschrieben wird, einen günstigen Eindruck gemacht, daß die Banken in Saloniki trotz der großen politischen Umwälzungen sich auch Heuer an den alten Usus hielten und beschlossen, an den vier Hauptfekertagen des Pessachfestes die Banken geschlossen zu halten. Hiezu gehören: Die Bänque de Salonique, Banque d'Athönes, die Handels- und Depositenbank, sowie die kaiserlich ottomanische Bank, welche in Saloniki eine große Filiale besitzt. Persönliches vom verstorbenen Großrabbiner Tagger. Ueber die Persönlichkeit des gewesenen- Großrabbiners von Bulgarien, Rabbi Mosche Tagger, dessen int 81. Lebensjahr im Küstendill erfolgtes Ableben wir bereits gemeldet haben, wird aus Sofia geschrieben: Der Verstorbene war ein Original, wie heutzutage nicht nur auf dem Balkan, sondern unter den sephardischen Juden überhaupt kaum ein zweites zu finden sein wird. Rabbi Mosche Tagger beherrschte außer der hebräischen Sprache auch bulgarisch und türkisch vollkommen. Noch zur Zeit, da Bulgarien eine türkische Provinz war, war Rabbi Mosche viele Jahre hindurch Mitglied des Kreisgerichtes, Kassier der Agrarkassa und des Waisenfonds. Diese seine Stellen verschafften ihm bei/ den hohen Administrativbehörden großen Einfluß. Gar oft hat Rabbi -Mosche in jener Zeit die bulgarischen Interessen gegenüber den türkischen Behörden energisch geschützt und hat anläßlich des großen bulgarischen Ausstandes 1876 mit dem ganzen Einsätze seines eigenen Lebens eine Anzahl bulgarischer Notabeln von Küstendill, die bereits kriegsgerichtlich zum Tode verurteilt waren, gerettet. Die. Bulgaren haben ihm das niemals vergessen und ihm die wichtigsten Ehrenstellen sowohl in der Gerichtsbarkeit, als auch in der Stadtverwaltung anvertraut, trotzdem es nicht unbekannt war, daß er zu den Turkophilen gehörte. Als Ferdinand zum Fürsten von Bulgarien gewählt wurde, gehörte Rabbi Mosche Tagger der Delegation an, welche den Fürsten zu begrüßen hatte. Er erhielt auch gleich den übrigen Mitgliedern der Delegation die erste .Ordens-

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