Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-02 · 18 (2.5.1913) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
18 (2.5.1913)
Date
1913-05-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3022035-3022054--22094-3047222
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

91 o. 18 Dr. Blochs Wochenschrift Sette 321 osten (s. o. II, 2) die Chalder hingegen von drei anderen Richtungen. was auch der Lage des alten Chaldergebietes genau entspricht. Dann werden die durch den Sturm ("inen -cra) von den südkolchischen Einöden im Westen (s. v. II, 5) angerichteten Verheerungen geschildert. Schließlich bildet auch noch der in den meisten Wortbildungen des Buches Hiob merklich durchschlagende aramäische Dialekt einen genügenden Grund, diese geographischen Angaben richtig als Andeutungen auf dessen Entstehungsort gelten zu lassen. Zur Bekräftigung der Annahme, daß das Buch Hiob im Norden entstanden sei, bedarf es jedoch nicht erst des Umweges eines Beweises der Anwendung des altgriechischen Digamma, da man bei genauer Prüfung des Buches von einem anderen Ausgangspunkte noch sicherer und schneller zu dem gleichen zweifellosen Resultate gelangt. Man findet daun nämlich im Buche Hiob ein Seitenstück zu Homers Odysee und seine Entstehung muß unbedingt wie die der letzteren nach dem Norden Kleinasiens oder in dessen nächste Nähe verlegt werden. Damit meinen wir aber nicht, daß ein Autor den anderen etwa förmlich übersetzt oder kopiert habe, denn bei den grundverschiedenen heterogenen religiösen Systemen und Weltanschauungen der alten Hebräer und Hellenen ist ja diese Möglichkeit fast ausgeschlossen. Während die griechische Dichtung alles Reale in Mythe umwandelte, einer ungebundenen Phantasie freien Lauf gebend, alle Wirklichkeit in eine zwar blumengewobene, aber doch kindlich-naive Märcheuhülle einkleidet, die Naturkräste, ja selbst geographische Länder-, Berg- und Flußnamen zu Göttern mythologisiert und mit ihnen Tal und Höhen bevölkert, befaßt sich die hebräische Dichtung mit ernsten philosophischen Betrachtungen, mit der Lösung des Problemes des Sinnes allen Weltgeschehens, zu dem nur der kühnste Flug des reifsten menschlichen Geistes sich heranwagt, und erkennt bei aller poetischen Lizenz in allem Wirken und Weben in der Natur die Offenbarung der einig einzigen Potenz Gottes. Bei dieser Verschiedenheit der Denkungsart und der Ansichten darf nicht einmal die bei beiden oft angetroffene Uebereinstimmung in manchen religiösen Sitten und Gebräuchen auf Rechnung einer gegenseitigen Entlehnung gesetzt werden, die letzteren sind vielmehr auf Einflüsse aus einer gemeinsamen Quelle zurückzuführen, da beide Dichter sich in ein und derselben Gegend wie in demselben Kulturmilieu bewegten. Die meisten Bestandteile und die ältesten Grundlagen der griechischen Kultur, ebenso die älteren Hauptzüge ihrer Theogonie. rühren ja, wie die Ueberprüfung der Quellen ergibt, fast ausschließlich aus Mesopotamien und dem ebenfalls aramäischen östlichen Gestade des Schwarzen Meeres her. Andererseits konnten sich aber auch die dortigen Hebräer selbst bei der seit jeher bei ihnen herrschenden Exklusivität solchen Einflüssen nicht ganz verschließen. Aus den noch vorhandenen Spuren von hebräischen Worten und gewissen analogen Bezeichnungen in den ältesten griechischen Dichtungen Homers und Hesiods läßt sich aber auch schließen, daß schon in so früher Zeit von den nordischen Völkern bei ihrem Verkehre mit dem Westen und Griechenland gewisse im hebräischen Geiste modernisierte Kulturelemente dahin getragen wurden, gleichwie auch sie wiederum sich in ältester Zeit das Griechische und dessen damalige Lautaussprache aneigneten, letztere mitunter selbst bei urhebräischen Worten gleich den Griechen anwendend. Die Parallelisierung dieser beiden Dichtungen oder gar ihre Bezeichnung als Schwesterschöpfungen kann daher, von einigen gleichlautenden Redewendungen und manchen verwandten Zügen abgesehen, nur auf die Komposition in ihren Grundzügen Anwendung flnden und dennoch beweisen die dem Sujet beider Dichtungen zu Grunde liegenden Momente es bis zur Evidenz, daß der letzte Redaktor eines dieser beiden Werke das ältere von ihnen zweifellos nicht nur gekannt, sondern auch benützt haben mußte. Achnlich, wie im Prolog zum Buche Hiob sich die Engel oder „die Kinder Gottes", unter ihnen auch der pa» vor Gott versammeln, wo der Lebenswandel Hiobs besprochen wird, der trotz aller ihm durch die Ratschläge seines Widersachers widerfahrenen Mißgeschicke, Bitternisse und Plagen sich als ergebener Dulder im Gottvertrauen bewährt, schildert mit geringen Varianten der Eingang zur Odyssee eine Götterversammlung auf dem Olymp um den Vater Zeus (7Iso? r.ctzsp), in welcher die Gottestochter Pallas Athene (cuya-sp Awg. A'o^o’jpy]. oßp'410 tzv~pvj), die auch sonst wackerer Männer sich annimmt, für den weisen, in seinem Leiden standhaften Dulder Odysseus (-.oXi-loq Aioq. -zXrt\xov rr.) eintrittx), um das Erbarmen der Götter für eine Wendung seines Schicksales wachzurufen. Nur beginnt die Odyssee mit der zweiten Szene des Buches Hiob, indem sie die erste Szene, analog der Exposition im Buche Hiob, als bereits bekannt voraussetzt. Die Nolle des übernimmt hier Poseidon (Od. I. 20. V, 282), der auch sonst auf die Macht des Zeus eifersüchtig ist und zum Aufruhre gegen ihm neigt (Jl. XV, 882). Die altgriechische theogoniiche Dichtung stellt ihn als einen auf den Wogen dahinschwebeuden Meergott dar (Jl. XIII, 27 8) und die alte Volksetymologie lehnt sich bei Erklärung des Namens IToaswaiov an die Worte \lovri-o'X'.oq „im Fluge eilender Feind", an 2). Der des Hiob hat auch mit der ihm später in Nachahmung des Parsismus unterlegten Nolle eines Versuchers (Ahriman oder Scheitan) nichts gemein, er erscheint vielmehr als Tadler und Befeindet. In diesem Sinne ist der Momus in der Theogonie Hesiodsnicht nur eine sinngetreue Wiedergabe, sondern geradezu eine wörtliche Uebers tzung des hebräischen Wortes {.tojxcpTj, Tadel, Feindschaft, wie 122?. Der Autor des Buches Hiob nimmt aber dieses Wort in I, 7, noch in einer anderen Bedeutung, nämlich als von schwimmen, schweben, welcher Ausdruck auch mit den dem Poseidon beigelegten beiden Eigenschaften als „schwebender Dämon" und „Widersacher" übereinstimmt. Als noch charakteristischeren Beweis für die Entlehnung kann der für die beiden Werke gewählte Name dienen, da Odysseus von couacrotta', zürnen, anfeinden, abgeleitet ist, dasselbe wie Hiob, von - rr, gebildet wie Tb' von ->b-, bedeutet. Auch hinsichtlich der Lokalität, wo der Dulder zur Zeit der sich abspielenden Prologszene lebte, herrscht völlige Harmonie in beiden Dichtungen. Nach Hiob spielte sich der ganze Vorgang in Uz, einer Gegend des Nordens, unweit des Kaukasus ab und auch in der Odyssee ist es dieselbe Gegend. Auf sie wird schon im Eingänge 22 tf angespielt, wonach Poseidon zu den Aethiopiern im Osten 0 In der späteren rabbinischen Literatur kommt auch eine der „Jungfrau Pollas", in ihrer Eigenschaft der Gerechten sich anzunehmen» ähnliche Gestalt, sogar mit einem ähnlich klingenden Namen vor. Es wird nämlich in dem gegen Anfang des VIII. Jahrhunderts in Kaukasien entstandenen Buch Pirka de R. Elieser Kap. 25 und in den in Nordarmenien (gewiß in Theodosiepolis) zur selben Zeit verfaßten Zusätzen zum Thargum Jernschalmi, genannt Pseudo-Jonathan, zu Genes. 18, 21 eine Jungfrau Palatis rm erwähnt, die sich der Bedrückten in Sodom annahm. Diese Boraitha de R. Elieser Kap. 37 will aber in der Stelle Genes. 14, 13 Km, wegen des bestimmten Artikels, eine Anspielung auf den bekannten Sachwalter der Gerechtigkeit und „Erretter" (2^2, Dan. 12, 1) der Bedrückten, den Erzengel Michael, der diesen Titel als Besieger des Anklägers *?köd führen sollte, finden. La die meisten ältesten, griechischen Götternamen aramäischen Ursprunges sind (s. w. u.), mag ja der Name Pallas auch ursprünglich aram. „Palta" gewesen sein und es wird ihr ja in der älteren griechischen Mythologie die Rolle einer Beschützerin der Mackern zugewiesen. J) Der Klang des Namens Poseidon verrät sich als aramäischer Abkunft und mag solcher aramäisch s'-imL's „Geist oder Dämon des Fehltrittes" gelautet haben. rvs Hiob 35, 15 übersetzen die LXX TrapaTTTWiia und die Vulg. scelus, Fehltritt, Frevel f-iBTS wäre vielleicht noch richtiger mit „Frevler Dämon" zu übersetzen, weil sich dies alsdann der für Satan (Ankläger, Anseinder) gebrauchten Bezeichnung jrcnn ^Köd wörtlich mehr anpaffen würde. Entsprechend der Vorstellung, daß an der linken Seite stand der Ankläger (Tanchuma Per. Schemoth 14, spb c'ssa jrw bx j'^'Karva rron) hieß der Satan als Ankläger baa®, die Syrer und Chaldäer schreiben für ein Sin (im Gegensätze zum Schin Leb.) gewöhnlich o Samech. Ihm wird der Beiname pttnrr der „Frevler" beigelegt, wie in der Zusammensetzung des Namens Poseidon.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.