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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-02 · 18 (2.5.1913) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
18 (2.5.1913)
Date
1913-05-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 18 Sette 319 Dr. Vkochs Wochenschrift. Man kann sich in keinem Lokal mehr sehen lassen, überall trifft man Juden!" Der jüdische Student M. stellt lhn zur Rede: „Meinen Sie mich mit Ihren Beschimpfungen?" Worauf der Leutnant der Reserve antwortete: „Ich kann nur sagen, daß mir die Juden ekelhaft sind. Ich meine Sie nicht persönlich, ich meine die Juden im allgemeinen." Nun mischt sich auch der Student L. in den Streit hinein und ergreift die Partei des jüdischen Studenten. Darauf meint Graetsch zu L.: „Was für ein Orang-Utang-Geficht hat da noch was zu reden?" Als L. fragte, ob das auf ihn gemünzt sei, wiederholt G. seine Bemerkung noch einmal. Daraus schlug L. ihm ins Gesicht und erhielt dafür eine Pistolenforderung von dem Leutnant der Reserve. Es trat ein studentischer Ehrenrat zusammen und die Bedingungen wurden festgesetzt: 12 Sprungschritt und einmaliger Kugelwechsel. Das Duell wurde am 26. September ausgefochten, verlief jedoch unblutig. Graetsch wurde von dem Militärgericht in Breslau zu einer Festungshaft von drei Monaten verurteilt. Strafverschärfend zog das Gericht die Bemerkung Graetschs über die Juden in Betracht. Vor der Königsberger Strafkammer stand nun jetzt der zweite Duellant, der Rechtsanwalt L. Das Gericht verurteilte ihn zu der Mindeststrafe von drei Monaten Festungshaft. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus: Das Verhalten des Angeklagten erscheint in bedeutend milderem Lichte, als dasjenige des Graetsch, der ein ganz unverantwortliches und unangenehmes Benehmen in dem Lokal an den Tag gelegt hat, ein Benehmen, das eines gebildeten Menschen durchaus unwürdiig ist. Er trägt in erster Reihe die Schuld, er ist der Haupturheber des Duells. Man sieht also, es könnte gar nichts schaden, wenn statt solcher Elemente, wie der Leutnant Graetsch, besser erzogene in das Reserveoffizierkorps kämen, und wären sie auch jüdischer Religion. Galveston als offizielle Lmrr anderungsstatisn. Aus Newyork wird berichtet: Die Bedeutung des Staates Teras für die Einwanderung wurde nunmehr auch von der amerikanischen Regierung anerkannt, indem sie in Galveston, den Einbruchhafen für die westlichen Staaten von Amerika eine eigene, selbständige Station des Einwanderungsamtes errichtet hat. Auch für die jüdische Einwanderung hat Galveston durch die Propaganda seitens der jüdisch-territorialiftischen Organisation die Auswanderung der Juden aus Rußland via Galveston zu dirigieren, sowie durch die Bemühungen des Newyorker Removal-Office das überschüssige jüdische Element aus dem Newyorker Ghetto nach den westlichen Staaten Amerikas abzulenken, die Bedeutung eines sehr wichtigen Landungshafens erlangt. In bezug auf die jüdische Einwanderung kommt der Hafen von Galveston gleich nach dem Hafen von Boston zu stehen. Im Jahre 1912 sind nämlich im Bostoner Hafen 2634 und im Hafen von Galveston 1575 jüdische Einwanderer gelandet. Ueber die Boykottierung eines jüdischen Staatsanwalts wird aus Memmingen (Schwaben) unter dem 21. April gemeldet: „Vor wenigen Wochen wurde ein Staatsanwalt hierher versetzt, gegen den weder dienstlich noch privat das geringste einzuwenden war, nur ein Stein des Anstoßes wurde entdeckt, und das war seine — jüdische Konfession. Als sich der Herr nämlich auf verschiedene Aufforderungen hin von einem höheren Landgerichtsbeamten als Mitglied der „Harmonie", eines geselligen Vereins, der sich aus Beamten. Geistlichen, Kaufleuten, Privatiers usw. zusamMensetzt, vorschlagen ließ/ wurde er bei der Wahl von der Mehrheit abgelehnt, damit der Verein „judenrein" bleihe. Merkwürdigerweise gilt als Hauptgegner ein Mann, der trotz seiner antisemitischen Gesinnung Juden gern zu seinen Kunden zählt und der auch jüdische Gastfreundschaft nicht verschmäht. Diejenigen Mitglieder der „Harmonie", die für den Kandidaten warm eingetreten sind, sind zum/ größten Teile Herren, welche höhere staatliche Stellungen bekleiden und vollkommen unabhängig von den Juden leben, während die andere Partei sich zumeist aus jüngeren Leuten zusammensetzt, die sich um die Fahne' eines Herrn geschart haben, der es seit einigen Jahren als eine Hauptaufgabe zu betrachten scheint, den Antisemitismus hierher zu verpflanzen. Es ist tief bedauerlich und nur dem kleinstädtischen Dünkel gewisser Kreise zuzuschreiben, daß derartige Anschauungen heute noch Boden haben können. Dem hinausballotierten Staatsanwalt aber wird es sicher nicht schwer fallen, sich über die in der Abstimmung zum Ausdruck gekommene rückständige Auffassung hinweg zusetzen." Jüdische Opfer bei der amerikanischen Sturmkatastrophe. Wie den soeben eingelangten amerikanischen Blättern zu entnehmen ist, habeil die Juden in den von der jüngsten Sturmkatastrophe heimgesuchten Städten große Verluste an Vermögen und Menschenleben erlitten. Eine große Anzahl von Synagogen und gemeinnützigen Anstalten ist bei der Katastrophe zugrunde gegangen, und die Zahl der Juden, die ums Leben gekommen sind, hat sich bis jetzt noch nicht genau feststellen lassen. In einem Blatte wird das interessante Moment hervorgehoben. daß die Zahl der Menschenopfer untrer den Juden deshalb verhältnismäßig nicht so groß war, weil die Katastrophe am Purimnachmittage zum Ausbruche kam, zu einer Zeit, da nach amerikanischer Sitte die Juden sich sehr wenig zu Hause aufhallen, sondern stets unterwegs sind, um sich gegenseitig die üblichen, stets! sehr kurz bemessenen Purimbesuche abzustatten. Dem sei es nun zuzuschreiben, daß die meisten Juden sich auf der Straße befanden und daher von den zusammenstürzende a Gebäuden nicht in so großer Zahl begraben wurden, wie die Nichtjuden. Jüd isch-ottomanliche Krieg-gefangene in Antivari. Der russische Generalkonsul in Saloniki hat, wie ,,L' Independant" berichtet, aus Cetinje die offizielle Mitteilung erhalten, daß sich in Antivari eine Anzahl jüdisch-ottomanischer Soldaten befindet, die jedoch wegen der Blockade seitens der Großmächte nicht in ihre Heimat zurückfahren können. Der russische Generalkonsul in Saloniki wird ersucht, anzufragen, auf wessen Kosten die Rückbeförderung der jüdischen Soldaten erfolgen werde. Nach Rücksprache des genannten Generalkonsuls mit dem Grand Rabbin von Saloniki war der Generalkonsul in der Lage, nach Cetinje zu melden, daß der Vorstand der Iudengemeinde in Saloniki beschlossen habe, die Kosten der Heimbeförderung der jüdischen Soldaten aus sich zu nehmen. Aus diesem Anlasse sei auch erwähnt, daß in der Garnison von Adriauopel sich gleichfalls eine bedeutende Zahl jüdischer Soldaten befunden hat und daß dieselben auf Intervention des Oberrabbiners von Adrianopel demnächst nach Saloniki zurückbefördert werden sollen. Auszeichnung jüdischer Soldaten in Italien. Aus Venedig wird berichtet: Unter den Offizieren und Soldaten, welche am Markustage zum Andenken an das am 18. und 19. Juni vorigen Jahres erfolgte Eindringen eines italienischen Kriegsschiffes in dis Dardanellen mit Gedenkmedaillen ausgezeichnet werden sollen, befinden sich auch acht Juden, unter ihnen zwei Offiziere, die durch ihr zielbewußtes und mutiges Verhalten bei jener maritimen Aktion allgemeine Verwunderung hervorgerufen haben.

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