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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-02 · 18 (2.5.1913) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
18 (2.5.1913)
Date
1913-05-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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€ette 318 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 18 Die antisemitischen Ckjesse im niederösterreichischen Landtag. 3n der öffentlichen Vorstandssitzung der israelitischen Kultusgemeinde vom' 30. April 1913 richtete Vorstandsmitglied Hof- und Gerichtsadookat Dr. Jakob Engel an den Präsidenten nachfolgende Interpellation: In der Sitzung des niederösterreichischm Landtags vom 25. April d. I. stellte ein christlichsozialer Abgeordneter an den Statthalter eine Anfrage „g e g e n die weitere Verjudung des Richter- und Offiziersstandes". Der Inhalt dieser Anfrage strotzte von Unrichtigkeiten und mutzte als eine direkte Verzerrung der wirklichen Tatsachen bezeichnet werden, wodurch unschwer eine Erregung in gewissen Bevölkerungsschichten herbeigeführt werden könnte. Er halte sich zu dieser Interpellation umso mehr berechtigt, da er als Jurist insbesondere über die gegenwärtigen Verhältnisse bei den Wiener Gerichten Aufschlüsse zu geben vermag. Infolge der jüngsten Pensionierung ist das k. k. Handelsgericht bis auf zwei Funktionäre und das k. k Landesgericht bis auf einen Vorsitzenden vollkommen judenrein, während beim Oberlandesgericht, dem obersten Gerichts- und Verwaltungsgerich.tshofe, nicht sin emM-er Jude eine Stelle bekleide. Die wenigen jüdischen Richter stehen auf einer so hohen Stufe des Könnens und Pflichtbewutztseins, daß die in der beregten Anfrage enthaltenen Verdächtigungen mit Entrüstung zurückgewiesen werden müssen. Es werde daher an den Präsidenten der gröhten mitteleuropäischen Kultusgemeinde das Ersuchen gerichtet, gegen diese der Wahrheit direkt ins Gesicht schlagenden Behauptungen, welche eine böswillige öffentliche Brunnenvergiftung bilden, Stellung zu nehmen. Kultusvorsteher Dr. Heinrich Schreiber begrützt die Interpellation mit umso höherer Befriedigung, als auch er die Absicht hatte, das Augenmerk des Kultusvorstandes auf diesen hetzerischen Angriff zu lenken. Weit mehr, als im Landtage eine solche frivole Anrempelung der jüdischen Bürger statthaft sein dürfte, ist unsere Gemeindestube der Ort, sie entschiedenst abzuwehren. Wie gehässig sind doch die Anwürfe gegen jüdische Richter und Offiziere aufgebaut! Nichts, aber auch gar nichts liegt vor, was sie rechtfertigen könnte. Wohl aber brauchen unsere Widersacher ihren verleumderischen Mund nicht gar so voll zu nehmen. Sie sollten vor ihrer eigenen Türe kehren: sie sollten sich nur gerade aus der letzten Zeit gegenwärtig hallen, datz eine rein arische Kanomnffrma des Deutschen Reiches dessen überführt wurde, datz sie, uni ihre Kanonen besser abzusetzen, aus blotzer Profitgier sich nicht gescheut hat, in der Publizistik des geschworenen Erbfeindes zum Weltkriege zu hetzen: sie sollten sich gegenwärtig halten, welche dunkle Offiziersaffareu arischer Landerverrälcr in diesen kritischen Zeiten hierzulande aufgedeckt wurden. Es ist also ein wüster Trick, über uns Juden herzufallen. Will man uns unseren Teil an den öffentlichen Aemtern nach! Prozenten zumessen, dann sei man ehrlich und prüfe, nicht wieviel wir zählen, sondern wieviel wir für dieses Land und für diese Stadt zahlen, was wir intellektuell und wirtschaftlich leisten. Allein wir lassen uns überhaupt nicht prozentuell nehmen. Davon steht im Staatsgrundgesetze nichts. Wir Juden sind Vollburger dieses Landes, die jederzeit und unter allen Verhältnissen voll ihre Pflicht tun: mir wollen auch unsere vollen Rechte und sind nicht gewillt, sie uns von dem Erstbesten kränken zu lassen. Präsident Dr. Alfred Stern vertritt in der Beantwortung der Anfrage vor allem den Standpunkt, datz eine Interpellation, wie die erwähnte im Landtage gestellte, sofort noch in derselben Sitzung eine entsprechende Erwiderung hätte erfahren müssen. Dies umso mehr, als ja auch der Interpellant ganz gut weiß, datz in der Landesverwaltung Niederösterreichs und eben wahrscheinlich auch in den Landesverwaltungen der westlichen Kronländer kein einziger Jude auch nur die kleinste Dienerstelle innehat. Er weiß es auch, datz in dem Wiener kommunalen Verwaltungsdienst eine förmliche Iudenaustreibung stattgefunden hat, so datz heute dort unter den Beamten, sowie unter den Dienern kein einziger Jude sich befindet. Die Verläßlichkeit der Behauptungen der aufreizenden Interpellation bezüglich des Richterstandes wurde durch die sehr interessanten Daten des Kollegen Dr. Jak. Engel bereits genügend beleuchtet. Allein abscheulich ist es, den Richterstand in solcher Weise herabzusetzen und gegen die Iustizstellen Mißtrauen zu säen. Mir ist kein Fall bekannt, datz jemals einem jüdischen Richter der Vorwurf gemacht werden konnte oder gar gemacht worden sei, datz er sein Amt mißbraucht habe. Noch schlimmer und noch abscheulicher ist das, was Interpellant hinsichtlich der angeblichen Verjudung des Offiziersstandes zu sagen gewagt hat. Welche Gesinnung gehört dazu, jetzt in diesen ernsten Zeitläuften eine konfessionelle Hetze in die Armee zu tragen! Als ich vor 3 Jahren die Auszeichnung genoß, namens der gesamten österreichischen Judenschaft eine Ansprache an Se. Majestät den Kaiser richten zu dürfen, waren die Worte, die der erhabene Monarch erwiderte, folgende: „Uie israelitische Bevölkerunghat immer eine staats- und gesetzestreue Gesinnung-, Ergebenheit für Mein Haus und Anhänglichkeit an Meine Person bekundet." Diese Worte, welche unser geliebter Kaiser bei einer feierlichen Veranlassung und angesichts der Vertreter der gesamten Judenschast gesprochen hat, prangen hier im Amtshause in goldenen Lettern und ich glaube, datz der Kaiser, wenn er die Worte, die gegen uns im n.-ö. Landtage gesprochen wurden, zu Gesicht bekäme, vom selben Gefühle gegen derartige Kundgebungen erfüllt wäre, wie es heute unsere Versammlung erfüllt. Ich bin auch der Meinung, datz es genügt, diese unsere tiefste Verachtung gegen solches Beginnen in gebührender Weise Ausdruck zu geben. Nach einer Debatte, in welcher die Vorstandsmitglieder kais. Rat Jonas Weil, Dr. Ehrlich, Ober'.ngenieur Stricker, I. Vizepräsident Dr. Gustav K o h n das Wort ergriffen, wird die Antwort des Präsidenten einstimmig zur Kenntnis genommen. vom Aabrnmckl des Lebens. Zwei Rabbmen bei der feierlichen Inthronisation des ErOWiofs von Köln. Köln a. Nh. Die Rabbiner der hiesigen Synagogengemeinde, Dr. Frank und Dr. Rose n 1 h a l, haben auf Einladung des Metropolitankapitels im Chore des Domes, der für die Spitzen der Behörden reserviert blieb, der feierlichen Inthronisation des neuen Oberhirten der Kölner Diözese, des Erzbischofs Dr. Felir von Hartmann beigewohnt. Gin Pistolenduell. Königsberg i. Pr. Am 24. September v. I. tummelten sich mehrere Studenten — unter ihnen auch Juden — hier in der Bar „Marim" herum'. Ein früherer Referendar, jetziger Versicherungsbeamter, Leutnant der Reserve Graetsch, tritt herein: „Ach, es stinkt nach Juden!

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