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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-04-18 · 16 (18.4.1913) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
16 (18.4.1913)
Date
1913-04-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 284 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 16 Jüdische Offiziere als Kriegsgefangene. Man berichtet aus Sofia: Unter den türkischen Kriegsgefangenen, die hieber gebracht wurden, befinden fich 18 jüdische Offiziere, darunter No6 E f f e n d i, der Adjutant des türkischen Thronfolgers. Münster Lucien L. Klotz. Lucien L. Klotz, der in drei früheren fraNzösi< schen Kabinetten Finanzminister war, hat in dem neuen Ministerium Barthou bekanntlich das Portefeuille des Ministeriums des Innern erhalten. Klotz ist nicht der erste jüdische Minister des Innern in Frankreich. Im. Jahre 1893 war im Kabinett Casimir Periers der Jude David Raynal Minister des Innern, nachdem er in mehreren vorangegangenen Kabinetten Minister für öffentliche Arbeiten gewesen war. : Die Juden in P reust rn int Befreiungskriege des Jahres 1813. In den Landtagsverhandlungen und der Kurien- Sitzung am 19. Mai 1847 sprach der Abgeordnete von Beckerath über Beschränkung der Juden. „Das Unrecht, welches wir an den Juden verüben, wirkt auf uns selbst nachteilig zurück. So lange die Juden nicht frei sind, sind wir selbst noch nicht frei." v. Beckerath erzählte: ..Eine jüdische Mutter in der Mark Brandenburg hatte im Jahre 1613 einen einzigen 19jährigen Sohn: dieser Jüngling wurde von der begeisternden Liebe zum Vaterlande ergriffen und es drängte ihn, an dem Kampfe zu seiner Rettung teilzunehmen. Die Mutter entlieh ihn mit ihrem Segen: sie brachte zugleich einen Teil ihrer Habe, ihr Silbergeschirr, als Gabe dar zur Ausrüstung der unbemittelten frei-/ willigen Vaterlandsverteidiger, und es wurde ihr dafür (die Urkunden liegen mir vor). es wurde ihr für dies Geschenk, das sie, wie es darin heißt, „in frommem Glauben" brachte, die Berechtigung erteilt, „sich zu den Mitgliedern des Frauenvereinss kür jetzt und für die Nachwelt zu zählen". In den ersten Monaten erhielt sie Nachrichten von ihrem Sohne, dann blieben diese aus. Lange harrte sie vergeblich. Endlich wendete sie sich voll banger Ahnung an den Kommandeur des Regimentes, in welchem ihr Sohn diente, und die Antwort, die sie erhielt, war folgende: „Auf Ihr Schreiben an den Herrn Oberst von Alvensleben in betreff Ihres Sohnes übersende ich Innen den beiliegenden Schein des Leutnants Böhm, welcher damals 'Feldwebel in der Kompagnie war. worunter Ihr Sohn gestanden. Sie werden daraus ersehen, dast Ihr Sohn bei Groß-Görschen für die heilige und graste Sache gefallen ist. Trösten und beruhigen Sie sich. Madame. mit der Ueber^euaung. dast Sie Ihren Sohn dem Könige und dem VMerlande geopfert haben." In der Kuriensitzung vom 16. Juni 1847 stellte der durch seine besondere Autorität bekannte Abgeordneter v. Vuttkammer die Frage, ob die Juden Offizier«' werden dürfen, was von General von Reyer (Vertreter des Kriegsministersl verneint wurde, v. Puttkammer sieht hierin einen Rückschritt, nachdem sie es in dm Freiheitskriegen zu werden vermochten. Wenn der Jude Unteroffizier werden könne, so steht er zum gemeinen Soldaten in demselben Disziplinarverhältnisse wie d-'r Offizier zum Unteroffizier, denn der Soldat sei diesem Subordination schuldig. Er begreife, warum hier eme Grenze gezogen werde, so wenig, als den zu machenden Unterschied zwischen Stellungen im Militär- und Zivildienste, falls der Jude Offizier werden könne. In gleicher Weise erbrachte der fortschrittliche Abgeordnete Dr. Müller (Meiningen) in der Debatte über die äußere Politik im deutschen Reichstags in Berlin treffende Ausführung auf die lieblose Antwort des Kriegsministers, wonach kein Jude zum Offiziersdienst zugelassen werden kann. Der bestehende Aerztemangel, der sich im Kriege furchtbar rächen würde, ist leider auch auf konfessionelle Vorurteile zurückzuführen. Hier weise ich die kürzliche, wenig taktvolle Bemerkung des Herrn v. Liebert zurück, der von fremden Elementen sprach, die ins Offizierskorps wollen. Diese fremden Elemente sind wohl gut zum Zahlen. Ganz anders in unserem Vaterlande. Jüdische Adelige. Ritter und Freiherren, jüdische Regierungsräte und Offiziere, selbst Oberste kommen in Oesterreich vor. Mit gleicher Liebe und Treue hängen die Juden an Kaiser und Reich, segnen den glorreichen Herrscher^ unseren liebevollen Vater, Kaiser und König 'Franz Joseph I., welcher mit gleicher Liebe die Untertanen seines Reiches umfaßt. Mlber 1 Löw. Ikorrespondenzen. Gerüchte über Demifsivnsabsichten des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Private Mitteilungen wußten als Tatsache zu melden, daß Herr Dr. Alfred Stern als Präsident der israelitischen Kultusgemeinde seine Demission überreicht habe. Wir nahmen von diesen Meldungen, die uns durchaus unverläßlich schienen, zunächst keine Notiz. Indessen war in einem angesehenen Wiener Tagesjournal ein Bericht zu lesen, welcher eine Bestätigung jener Meldungen enthielt. Wir haben uns daher an das Vorstandsmitglied Herrn Dr. Heinrich Schreiber gewendet, der uns bereitwilligst über die Vorgänge, die zu solchen Gerüchten Anlaß gaben, die folgenden, sehr interessanten Informationen erteilte: „Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde stand in den letzten Tagen vor einer ebenso gewichtigen wie schwierigen Beschlußfassung. Was insbesondere bezeichnend ist, sie greift weniger in das Kultus- und rituelle Leben der Gemeinde ein, sondern sie betrifft eine rein wirtschaftliche Frage und damit allerdings ein Problem, welches unter den heutigen Zeitläuften, die mit so vielfachen Zurücksetzungen für die Juden gerade auch auf wirtschaftlichem Gebiete verbunden sind, von Weittragendster Bedeutung ist. Es handelt sich um den Bau des großen Kinderspitales, dessen Errichtung unsere Gemeinde durch die munifizenten Hinterlassenschaften jüdischer Wohltäter ermöglicht wurde. Das Andenken eines David von GutMann, des gewaltigen Indust riemagnaten, und eines Spitzberger, des bescheidenen Asketen, eine Aufeinanderreihung, welche eines gewissen pikanten Reizes nicht entbehrt, soll durch dieses grandiose Werk verherrlicht und verewigt werden. Dieser Bau, um dessen Verwirklichung Präsident D r. Stern sich das Verdienst der Initiative erworben, und der es sich zur Lebensaufgabe gesetzt hat, ihn gedeihlich zu Ende zu führen, bjldet also die Ursache, wenn auch nicht den Ausgangspunkt dafür, daß der greise und eiserne Präsident sich anschjcken will, vorzeitig von der Durchführung dieses Planes und damit von der Führung der Gemeinde zurückzutreten. Wir sagen die Ursache und nicht den Ausgangspunkt, denn in Wahr-

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