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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-04-18 · 16 (18.4.1913) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
16 (18.4.1913)
Date
1913-04-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 16 Dr. MoKs Wochenschrift. Seite 281 Vermögen — nach den Amgaben der türkischen Geschichtsschreiber betrug es 100.000 Dukaten — wurde» konfisziert: Von $er Türkei gingen, mit dem Eindringen derselben in Ungarn und bis nach Oesterreich, die Aus.'trah«- tungen spaniolischer Gemeinden auch dahin über. So befinden sich noch gegenwärtig eine türkisch-israelitische Gemeinde in Temesvur in Ungarn und eine alte hervorragende in Wien. In der Geschichte dieser Gemeinden bildet der Friedensvertrag, der 1718 zu Passarowitzzwischen Oesterreich und der Pforte geschlossen wurde, einen wichtigen Markstein, da durch! denselben den türkischen Untertanen in Oesterreich und Ungarn freier Aufenthalt und voller Schutz gewährt wurde. Die türkisch-israelitische Gemeinde erhielt Hiedurch wesentliche Vorteile, wie sie den heimischen jüdischen Gemeinden und ihren Angehörigen, im Gegensatz hiezu, erst nach hundertfünszig Jahren zuteil geworden sind. Die heimischen Juden waren rechtlos, die fremden, weil sie unter türkischen Schutz standen, gleich bevorrechteten Edelleuten ihnen gegenüber. Eine schöne Sage, die mit der türkisch-israelitischen Gemeinde in Wien in Verbindung steht, soll hier noch zum Abschlüsse unserer Monographie ihren Platz finden. — Wir befinden uns im Palaste des Großinquisitors zu Madrid. Ruhelos schreitet er zu später Nachtstunde in seinem Gemache auf und ab. Plötzlich hört er an der Palasttür klopfen. Es ist eine Frau, die Einlaß begehrt. Der Pförtner will sie nicht einlassen. Der Frau jedoch gelingt es, mit Geld und guten Worten vorzudringen, sie steht vor dem Gewaltigen und ruft verzweifelt § „Eine Unglückliche steht vor dir: du hast meine Tochter zum Tode verurteilt, gib sie mir zurück!" „Das ist unmöglich", ruft der Inquisitor, „sie war eine Ketzerin!" Er Wendet ihr den Rücken, um zu gehen. „Bleib!" schrie das Weib ihn an. „Du bist mein Sohn, ich bin deine Mutter und die zum Tode Verurteilte ist deine Schwester! Auch ist dein Name nicht Diego, sondern Moses." Da bricht der Inquisitor bleich zusammen. Schließlich rafft er sich aus, bereitet sich zur Flucht, übergibt seiner Mutter einen kleinen Schrein und er selbst birgt einen Handschuh in sein Gewand, den ei? demselben entnommen. Noch in derselben Nacht verläßt er mit seiner Mutier im Geheimen den Palast. Des andern Tages wird die junge Jüdin, die nicht zu retten war, hingerichtet, und als man den Vollzug des Todesurteiles dem Inquisitor melden wollte, war er verschwunden. Er war mit seiner Mutter glücklich entflohen. Der Handschuh, den Diego Moses mit sich genommen, hatte jedoch eine große Bedeutung für ihn, es war ein Geschenk der Kaiserin Maria Theresia, den er von ihr mit dem Bemerken empfangen hatte, daß der Besitzer desselben sich eine Gnade von ihr erbitten dürfe, die ihm dann gewährt werde. Die Kaiserin kam nun in die Lage, ihr Wort einzulösen. Don Diego de Aguilar, der später den Namen Mofö Lopez Pereira annahm, erscheint in Wien, und es wird ihm und seinen Landsleuten freier Aufenthalt und der volle Genuß der bürgerlichen Rechte in der Hauptstadt bewilligt. Was nun immer Legendenhaftes an dieser Erzählung sein mag, immerhin ist es sicher, daß ein Diego de Aguilar tatsächlich als Maranne aus Spanien auswanderte, sich in Wien niederließ, große Reichtümer und großen Einfluß gewann und die spanische Iudengemeinde in Wien gründete. Noch heute wird an den jüdischen Feiertagen für Moses Diego Aguilar Lopez Pereira gebetet.; ^So schlingen sich die äußersten Enden der Welt in Sage und Geschichte um das wandernde Iudenvolk: dort Spanien im äußersten Westen, hier die Türkei im äußersten Osten und in der Mitte zwischen beiden die Hauptstadt -des Reiches, welches das Zentrum Europas bildet. Aber wie immer die SchiafalswUriel fallen, das eine lehrt uns -unsere zweitausendjährige Geschichte des Galuth — es ist nicht der ewige Jude - wie die Religion der Liebe uns so gerne höhnisch bezeichnet der immer bald da, bald dort wiederkehrt, sondern es ist der Jude, der ewig wieder in der Geschichte sich erhebt, nie und nimmer untergeht, sondern ewig lebt! Nachwort. Diese Studie bildet eine kleine Abstattung emer großen Schuld der Dankbarkeit, die die Iudenheit im gegenwärtigen Wendepunkte des Osmanentums. in welchem es aus der europäischen Völkerfamilie scheidet, demselben als Wegzehrung mitgibt. Wir Juden gehören nicht zu den Völkern, die dem verwundeten Löwen noch einen verächtlichen Fußtritt versetzen, wir wollen die uns einst bewiesene Großmut des besiegten, ins Herz getroffenen Löwen nicht vergessen. Die Vorsehung hat ihm auch unser Teuerstes anvertraut, das heilige Land, es jist noch immer in der Obhut der asiatischen Türkei. Wer kennt die Wendungen der Geschicke, die noch in der Zeiten Zukunft schlummern!? Die kurzgefaßte Geschichte der drei großen jüdischen Gemeinden am Balkan ist auf wissenschaftlicher Grundlage aufgebaut, wenn auch mehr Gewicht aus die populäre Darstellung, als auf die gänzliche Ausschöpfung, des historischen Materiales gelegt worden ist. Die Quellen, die wir hierzu herangezogen hasten, sind: ■ . i „Die Geschichte des osmanischen Reiches", von Josef von Hammer. Pest 1884: „Geschichte der Juden", von Grätz: „Scheuet Iehuda", von Aben Verga, deutsch, erschienen von Wiener, Hannover 1856: „Dibre hajamirm lemalke Zarfath umalke berh Ottoman", von Josef Hakohen, Amsterdam 5483; „Dibre jemeh Israel betugarma", von Salomo Rosanes, Rustschuk 5667: „Nach Jerusalem", von L. A. Frankl, Leipzig 1858: „Quellenschriften", von Dr. M. Güdemann, Berlin 1891:! : „Geschichte des Erziehungswesens und der Kultur der Juden in Italien", von Tr. M. Güdemann. Wien 1884:; schließlich die sonstigen bekannten Hilfsbücher und Nachschlagewerke für jüdische Geschichte und Literatur, wie „Schem hagedolim". „Seder hadoroth", „Zemach David". Außerdem Kommentare zu Bibel und Talmud. * * Avis für den Leser! Die Artikelserie: „Berühmte Judengemeinden des osmanischen Reiches" erscheint demnächst als Sonderabdruck der „Oesterreichischen Wochenschrift" im Verlag von I. K a u f f m a n n, Frankfurt a. M. und wird von dort zu beziehen sein. idom Aabrmarkl des Lebens. Dr. Franz Oppenheimer über Nationaljudentum. Die „Hatikwah" in Antwerpen enthält folgenden Bericht: Auf seiner Durchreise nach Palästina, wo er den Stand der Arbeiten in der Siedlungsgenossenschaft inspizieren will, weilte Herr Dr. Oppenheimer drei Tage in Antwerpen. Zum Besten der Siedlungsgenossenschaft veranstaltete das zionistische Landeskomitee am 9. März dieses Jahres im Roten Saale der Harmonie einen Vortragsabend, an dem Herr Dr. Oppenheimer über „Nationalismus" sprach. Er sei zwar, so führte

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