Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 16 (18.4.1913)
- Date
- 1913-04-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 2tö Nr. 16 Dr. Vlochs Wochenschrift. „2 o se f Nassy, ehemals Don Mi q u e z genannt, ein geborener Portugiese, einer jener durch Gewalt zum Flyern -als Ghrrjren vekehr^en ->uoen, weiche wcacannen hießen, war noch unter Sultan Suleiman's Regierung mir seinem Bruder nach Konstantinopel gekommen, wo er einem ebenso reichen als schönten Judenmädchen zuliebe Zum Glauben der Väter zurückgekehrt, sich teils durch Geschenke von Perlen und Edelsteinen, teils durch Darlehen in Geld, teils durch köstliche Weine bei Sol' m, damals Statthalter von Kulahie, so einschmeichelie, das; er, einer seiner Hauptgünstlinge, unter dem Volke das Gerücht veranlagte, daß Selim nicht Suleiman's, sondern einer Jüdin Sohn sei, dag er, als Windelkind ausge- Lauscht, in den Harem geschwärzt worden sei. Den Liebl'ingshang Selims mit venetianischen Dukaten und cyprischen Weinen befriedigend, stellte er schon damals dem künftigen Sultan vor, wie leicht es sein würde, sich! beides im Ueberflusse zu verschaffen durch die Eroberung von Cypern. 2n einer Aufwallung von Lypecnrausm umarmte Selim seinen Freund, welcher, seitdem er wieder 2ude geworden, sich nicht mehr Johann Miquez, sondern wieder Josef Nassy nannte, mit den Worten: „Fürwahr! werden meine Wünsche erfüllt, sollstdu König von Cypern sein": eine Verheißung, im Rausche getan, welche den reichen Juden mit "so Hochs lieg enden Hoffnungen erfüllte, daß er Lyperns Wappen mit der Unterschrift: Josef, König von Cypern, gemalt in seinem Hause aufbewahrte als Fahne künftiger Eroberung. 2n solchen Hoffnungen bestärkre ihn des Sultans gleich nach seiner Thronbesteigung durch eine glanzende Ver-. leihung von Titel und Land bewiesene Gunst. Als auf der Rückkehr Selims von Belgrad Miquez demselben entgegenkam und zu Füßen fiel, hob ihn Selim als den Herzog von Naros und der 12 vorzüglichsten Cykladen umarmend auf. Nur 14.000 Dukaten entrichtete er davon Tribut, und für den Weinzehent, der ihm allein -15.000 Kronen trug, entrichtete er nur 2000 Dukaten." Wie kleinlich der große Geschichtsschreiber dem 2uden das Geschäft nach rech net, obwohl er vorher selbst betonte, wieviel ihm die Gunst des Sultans an Perlen, Gold und Edelsteinen kostete. Er kann sich auch sonst nicht fassen, indem er hinzufügt: „Die venetianssche Oberherrschaft des Archipels erlosch zugunsten des Hof- und Staatsjuden, Herzogs von Naros, Paros, Andros und der Cykladen." Da sieht man den Pferdefuß: es ist ein Schmeerzensschrei: Ein Jude, regierender Herzog! Es ist ihm noch immer nicht genug und er schreibt an anderer Stelle: „Kaum war die Ruhe in Ungarn unb Jemen wieder hergestellt, als Don Josef alle Segel von Selims Leidenschaft für Gold und Wein aufspannte und alle Winde seiner Ränke in Bewegung setzte, um' das Schiff seiner Hoffnung des Königreiches in Port zu treiben." Woher er das nur so genau weiß!? Es ist nämlich hervorzuheben, während Hammer sonst in seinen dick angelegten Büchern der „Geschichte des Osmanenreiches" einen Wust von gelehrten Fußnoten anzusühren weiß, die sein wissenschaftliches Material ausmachen, ist er bei der Geschichte vom jüdischen Herzog ganz fußfrei und marschiert, nur auf seine persönliche Meinung ge-, stützt, so pfauenhaft stolz und so auf den Juden verächtlich blickend einher. Das wirkliche Bild von 2osef Nassi führt uns Grätz vor, welches sich, aus aktenmäßig begründeten Doku-i nienten zusammensetzt. Wir wollen manches wörtlich, einiges nur sinngemäß, der Kürze halber, anführen:. „Ein Jude, der in den Ländern des Kreuzes ohne Umstünde auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden wäre, nahm eine sehr einflußreiche Stellung im Reiche des Halbmondes ein." — „Der getretene Wurm konnte seinen Peinigern denn doch unangenehm werden. Josef Nassi oder Juan M i q u e s, der geächtete Maranne aus Portugal, machte manchem christlichen Herrscher und Diplomaten unruhige Stunden, und sie mußten in knechtischer Gesinnung dem schmeicheln, den sie, wenn sie seiner habhaft geworden, wie einen räudigen Hund totgeschlagen hätten. Die erlauchte Republik Venedig, das allmächtige Spanien, das aufgeblasene Frankreich und selbst das hochmütige Papsttum sah sich von ihm bedroht." „Sultan Suleiman, der sich auf Menschen verstand, nahm ihn bald in Gunst." Also nicht erst der Weichliche Selim begünstigte diesen Juden. Als ThronstreiLigkeiten zwischen den jüngeren Bajazed und dem alteren Selim ausbrachen, und War noch zu Suleiman's Lebzeiten, hielt Josef Nassi bei Selim, und als diesem von seinem Vater reiche Geschenke geschickt wursten — 50.000 Dukaten in Gold und 30.000 in Wertsachen - wählta der große Sultan den jüdischen Günstling zum lleberbringer nach Selims Residenz. „Der Prinz, hocherfreut über Geschenk und Gunstbezeugung, wurde von der Stunde an dem Botschafter und lleberbringer hold und sicherte ihm lebenslang seine Dankbarkeit zM" Dies klingt ganz anders, als wie von einem Lüstling einem Intriganten gegenüber. Josef Nassi stieg so sehr in der Gunst beim Sultan Suleiman, daß dieser ihm einen Strich Landes um Tiberiassee in Palästina schenkte, um die Stadt Tiberias unter eigener Botmäßigkeit aufzubauen, mit der ausdrücklichen Bewilligung, daß nur Juden darin wohnen sollten." Hiervon erwähnt schon Hammer gar nichts, beim es zeigt von ganz anderen Gelüsten, als von denen, die ihm unterstellt werden. Er will seinen Brüdern im h. Lande helfen, und zwar, erscheint er da als erster Zionist. ,;|; j i „In diplomatischen Kreisen flüsterte man einander zu: Josef Nassi werde König der Juden werden, und der französische Gesandte in Konstantinopel beeilte sich, diese überraschende Neuigkeit seinem Hofe mitzuteilen. — Nun, König ist er zwar nicht geworden, aber doch ein Fürst. Nach Suleiman's Tode, als Selim II. in seine Hauptstadt einzog und die Huldigungen entgegennahm (1566) und auch Josef bei ihm zum Handkusse zugelqssen wurde, ernannte er ihn auf der Stelle zum Herzog von Naros und der cykladischen Inseln Andros, Paros, Antiparos, Mela, im ganzen zwölf, die er ihm nach und nach, schenkte, wovon er nur einen kleinen Tribut zu leisten hatte. Außerdem überließ er ihm die Pacht der Weinsteuer, welche von der Einfuhr von Weinen auf dem Schwarzen Meere erhoben wurde. So durfte ein Jude ebenfalls seine Befehle im pompösen Stile erlassen: „Wir, Herzog des ägäischen Meeres, Herr von Andros." Das ist die wahre Geschichte des jüdischen Herzogs, die aktenmäßig und nicht nach der Phantasie dargestellt wird. Es waren noch andere große jüdische Männer, die sich für ihr türkisches Vaterland auszeichneten, so Salomo n A s ch k e n a s i, er verstand Talmud und wurde von seinen Glaubensgenossen Rabbi genannt. Er war sogar ein Günstling des Großveziers Mohammed Sokolli, der, obwohl selbst ein christlicher Renegat, die diplomatischen Fähigkeiten Salomvn Aschkenasis erkennend, ihn zu hohen Sendungen bei den christlichen Mächten bestimmte, die er glänzend löste und hierdurch sogar den dominierenden Einflüß des Josef Nassi verdrängte.! Auch eine Esther hatte sich am Hofe eine einflußreiche Stellung erworben, jedoch als eine geliebte Günstlingin der Sultanin. Sie führte den Namen K i e r a. Sie hatte aber ein trauriges Ende: sie wurde bei einem Aufstande der Militärpartei erschlagen und ihr großes