Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 16 (18.4.1913)
- Date
- 1913-04-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nc. 16 Dr. Vlochs Wochenschrift Seite 279 der für ihn in der großen Persammlung der Gelehrten Salamancas -eintrat, der Colon seine Pläne entwickelte und die ihn dann als Phantasten abwies. Auch später nahm sich Deza seiner an, und er war es denn wohl auch, der ihm in Santa Fö hei Ifabella beistand und diese bewog, trotz des Widerspruches des Königs 'Ferdinand, Columbus mit den Mitteln zur Ausrüstung seiner Flottille zu versehen. Das oben genannte Buch enthält neben den Aktenstücken, die auf d,ie Familien Colon und Fonterosa Bezug haben, noch eine Fülle von Indizienbeweisen dafür, daß die Wiege des Entdeckers Amerikas in Pontevedra gestanden hat, so daß die Richtigkeit dieser Annahme kaum mehr zu bezweifeln ist, und in Spanien wie im spanischen Amerika haben bereits viele angesehene Gelehrte und mehrere Universitäten ihre zustimmende Ansicht offiziell kundgegeben. > Bon diesen Indizienbeweisen seien hier noch ein'ge angeführt: Seine Kenntnis der galizischen und portugiesischen Küste war schon frühzeitig eine so genaue, daß es allgemein von ihm hieß, er könne sich auch nachts überall zurechtfinden. Das setzt eine Lokalkenntnis voraus, wie sie nur der Einheimische erlangen konnte. Er hat niemals ein Wort italienisch geschrieben, sondern immer nur spanisch und lateinisch. Diese letztere Sprache hatte er vom Pfarrer der Parochialkirche von Santa Mariä la Grande in Pontevedra erlernt. Das Spanische sprach und schrieb er zwar vollendet, aber seine Schriften weisen Worte und Ausdrucksweisen auf, die durchaus galizisch sind. Die Schifsahrtskunde hat er praktisch in seiner Heimat erlernt, die höheren nautischen Studien machte er dann in Italien und namentlich in dem von Heinrich dem Seefahrer gegründeten großen wissenschaftlichen Institut von Sagres in Portugal. Sein Flaggschiff hieß „La Gallega", die Galizierin, und stammte aus Pontevedra. Die, Urkunde über die Erwerbung dieses Schiffes durch Iuan de la Cosa, einen Begleiter des Columbus. ist, dank den sorgfältigen Nachforschungen des Dr. de la Riega, aufgefunden und im Wortlaute Seite 44 ff. abgedruckt. Das Schiff wurde dann in Palos vor seiner Abreise in „Sta. Maria" umgetauft und damit der Schutzheiligen der Parochialkirche der Schifferoorstadt Pontevedras geweiht. Den Inseln, die Columbus auf seinen verschiedenen Fahrten nach Amerika entdeckte, gab er nur spanische, und im besonderen Namen, die ihm von Pontevedra her geläufig waren. Nicht ein Name ist italienisch. So nannte er z. B. auch die Westspitze von Santo Domingo: Cap San Miguel, nach einer Brüderschaft der Schiffer Pontevedras,- die Westspitze von Kuba: Cap S. Nicolas, nach einer anderen Brüderschaft der Schiffer seines Heimatortes. Namen von Personen und Familien, die Columbus nahe standen, sind in den Vorgefundenen Akten als in Beziehung stehend zu den elterlichen Familien nachgewiesen. So war es ein im Aktenstück Nr. 18 genannter Oderigo, dem Columbus die Kopien seiner Nobibberungs- Und anderer wichtiger Akten anverlrauie. Erinnert fei auch daran, daß die Entdeckung Amerikas in JtaHen sehr wenig Eindruck machte, was nicht der Fall gewesen wäre, wenn ein Landsmann, vollends ein Genuese, die große Tat vollbracht hätte. Erst 1577 wurde daran gedacht, Columbus in Genua eine Gedenktafel zu errichten. Später waren es dann neben Genua auch Cugurco, Saonr, Vororte von Genua, Coooteo, Oneglia, Boggiaco, Pradella, Timate, Terrarossa. Nervi und Calv.i auf Korsika, die sich um die Ehre stritten, die Gebürtsstätte des Colon zu fein. Als dann aber 1578 das Majorat infolge des Aussterbens der direkten Nachkommen Colons hinfällig zu werden drohte, und seitens der spanischen Regierung die Umfrage in der ganzen Welt nach den nächstberechtigten Erben des Colon erfolgte, da meldete sich kein einziger genuesischer .Vertreter der Familie. Einige Colombos aus Cucura und Cuqureo konnten keinerlei Rechtsansprüche erweisen und bei dem bezüglichen gerichtlichen Verfahren wurde seitens der spanischen Behörden außerdem darauf hingewiesen. daß bei der Feststellung der ursprünglichen Nobilitierungs- und Majoratsakten Columbus selbst die Angabe gemacht hatte, daß sein Name de Col«'>n. latinisiert Columbus, sei und dieser demgemäß in die betreffenden Aktenstücke eingetragen worden war. Mit Bezug auf den jüdischen Ursprung der elterlichen Familien ist darauf hingewiesen worden, daß Columbus mit vielen jüdischen und neuchristlichen Familien Spaniens und Portugals in fortdauernden Beziehungen gestanden hat und daß reiche Israeliten ihn mit beträchtlichen Geldmitteln bei der Ausrüstung seiner verschiedenen Amerikafahrten unterstützt haben, was beides ausgeschlossen gewesen wäre, wenn nicht engere Bande zwischen seiner Familie und den Israeliten und Neuchristen Spaniens und Portugals bestanden hätten. Nach Auffindung der oben erwähnten Aktenstücke ist nun zu erwarten, daß die dadurch eröffneten Forschungslinien sorgfältig weiter verfolgt und daß dann noch andere wichtige Dokumente gefunden werden, die die bisher entdeckten ergänzen und weiteres Licht auf den Ursprung und die Iugendzeit des kühnen Seefahrers werfen werden. Schon jetzt aber scheint es außer Zweifel zu stehen, daß seine Wiege in Pontevedra, und zwar in dem kleinen Vorort Porto Santo, wie die Parochialgemeinde von Sta. Maria la Grande hieß, gestanden hat, wo die Colons und die Fonterosas nebeneinander gelegene Grundstücke besaßen. Keriihmte Irrdengemeirrdrn des osrnamfcherr Reiches. Von Rabbiner W. Reich in Baden bei Wien. (Schluß.) Unter der Regierung Suleiman's wurde einem Manne aus jüdischem Stamme eine Stellung vorbereitet, wie sie vor und nach ihm mehr keinem s'ch offen zum Judentum bekennenden Manne in der Zeit der Diaspora — also durch fast zweitausend Iahre — zuteil geworden ist. Es war dies der Maranne Io an M i q u e s. der später bei den Inden Don I o s e f Nassi hieß, und es bis zu einem regierenden Herzog von N a X o s bringen sollte. Bei der Schilderung dieses Mannes stehen sich zwei Geschichtsschreiber gegenüber: auf der einen Seite Hammer in seiner „Geschichte des. Osmanenreiches", auf der anderen Gr ätz in seiner „Geschichte der Iuden". Wer Hammer genau liest, findet es heraus, wie ungerecht er wird, wenn es sich um die Schilderung eines Iuden handelt. Er kann es dem Iuden nicht verzeihen, wenn es ihm gelingt, eine hohe Stellung zu erreichen und diese einflußreiche Stellung für sein neues: Vaterland die Türkei - und für seine wiedergefundenen Glaubensgenossen auszunützen. Er vergißt, daß der Maranne um fein Leben und sein Vermögen zu kämpfen hat, welches Emmer von neuem bedroht wird und daß er wohl auch das Recht hat. mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln sich und seinen Brüdern zu helfen. Hören wir. wie Hammer von ihm spricht, um zu zeigen, wie selbst die tüchtigsten Historiker ihre Objektivität verlieren, wenn es sich um Iuden handelt.