Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 15 (11.4.1913)
- Date
- 1913-04-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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N.. 15 Dr. Btochs Wochenschrift. «.cm 271 Und Rotz und Reiter, Fürst und Heer, Sie ruh'n entseelt im Schilfe; Mit Schlamm bedeckt die stolze Wehr — Sie bracht' nicht Heil, nicht Hilfe. Die Doppelkrone Pharaos Vom Seegewürm umschlungen! Die Hand läßt nicht das Szepter los, Das sie so rauh geschwungen. Nicht Isis, auch Osiris nicht Vermocht' es abzuwenden, Anubis wehrt nicht dem Gericht Von Schaddai's mächt'gen Händen. Im wirren grasjen Knaul am Strand, Da müssen sie nun rasten. Wie flehend sind emporgewandt Die Augen, die verglasten! Und das erlöste Israel, Der Flut, dem Feind entronnen, Erblickt im Meere froh und hell Der Freiheit klaren Bronnen. Des ernsten Augenblicks bewußt, Wie sie die Häupter neigen! Warum will noch nicht ihrer Brust Triumphgesang entsteigen? Mag sinnen doch das Volk zuvor, Versenkt in heil'gen Träumen; Doch in der Höh' der Engelchor Will nimmer länger säumen. Er stimmet an sein Lobeslied! Schon klingen alle Sphären, Ein Wohllaut durch das Weltall zieht Vom „König aller Ehren". Ihm soll erschallen Lob und Preis, Ihm, der dem Schwachen Recht schafft, Der Uebermut zu ahnden weiß, Die Fesseln bricht der Knechtschaft. Da zuckt von Gottes Thron ein Blitz Mit dumpfem Grollen nieder; „Laßt ab von diesem Merwitz, Verstummt, chr Siegeslieder! Daß die Geschöpfe meiner Hand Ihr trauriges Verhängnis Ereilt hat unten an dem Strand, In gräßlicher Bedrängnis; Daß so der Schöpfung Meisterstück Im Meeresschlamm vermodert, Weil frevelnd sie das Mißgeschick Betört herausgefodert -- Dem Schöpfer, mir wollt ihr darob Triumphgesänge spenden? Muß sich in Lüst'rung nicht das Lob, In Leid das Lied sich wenden?! Nach Theben seht, nach Memphis hin Die Trauerbotschaft dringen! Mit welch' oerzweiflungsvollem Sinn Sie dort die Hände ringen .... Kein Siegeslied! Das Jubeln laßt Entmenschten Erdensöhnen, Wo Brüder selbst ein Bruder haßt Und fauchzt, wenn andre stöhnen. Ob seufzen auch so weh und bang Die Witwen und die Waisen, Hört man den Raub, wenn er gelang, Als „meine Fügung" preisen. Noch öfter wird dem frohen Mut Das bleiche Elend lauschen, Ein rotes Meer, ein Meer von Blut, Zu — Siegesklüngen rauschen. Ihr lichten Scharen, eilt von hier Das Oede macht zum Eden! — Die Menschen werden schon dafür Manch Eden noch veröden. — Versöhnt den Schmerz, der dort so wüst Vergrollt am Nilgestade, Egyptens Volk, das schwer gebüßt, Verkündet meine Gnade. Die Engel schweben übers Meer, In leisem Zug von hinnen - Und Nebel wallt, das Leichenheer Hüllt er in Sterbelinnen. Der Samum heult den Totensang, Der Ibis klagt im Riede, Und Flugsand häuft den Strand entlang Die Grabespyramide. — Literatur. „Nord und Süd". Aprilheft. (Herausgeber und Chefredakteur: Prof. Dr. Ludwig Stein, Berlin W„ Lützowufer 5 a. — Verlag: Schlesische Buchdruckerei, Kunst- und Verlagsanstalt von S. Schottlaender, A.-G., Breslau. — Preis pro Quartal 6 M.) bringt aus der Feder des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten einen wissenschaftlich wie politisch gleich ausgezeichneten Aufsatz: „Alnianach großer Amerikaner“ (übersetzt von Hans "Winand), in dem Woodrow Wilson einen Katechismus des Amerikanertunis entwirft. — Das Bildnis des bisherigen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Taft, ist dem Heft beigegeben. — Auch| von Dr. Graf Albert Apponyi enthält das Heft wieder einen höchst bedeutsamen Beitrag-, über „die ungarische Wahlrefortn“. Ziffernmäßig führt er den Nachweis, daß. der Reformentwurf der Regierung nicht imstande sein konnte, das Verlangen des Volkes nach allgemeinem Wahlrecht zu befriedigen. — Aktuelles Interesse darf ferner der Artikel: „Ein Blick hinter die Kulissen der mexikanischen Revolution“ von Dr. Wilhelm Bauer-Thoma beanspruchen, der bei jahrelangem Aufenthalte in Mexiko sich eine gute Kenntnis der dortigen Verhältnisse erworben hat. — Dem jüngst verstorbenen Fürsten Hermann zu Holienlohe^Lanfge.nburg widmet Exzellenz v. Heutig einen warm empfundenen, die Tätigkeit des Verstorbenen kurz würdigenden Nachruf. — Unter dem Titel »Zar und Volk« gibt Doktor Adrian Polly persönliche Eindrücke von der Romanowfeiet* in St. Petersburg, insbesondere Schilderungen der Galavorstellung im Kaiserlichen Marientheater und des Hulidvgungsballes der russischen Aristokratie im Adelssaale, welchen beiden Festlichkeiten der Kaiser von Rußland mit dem gesamten Hofe beigewohnt hatte. — „Zur Charakteristik! der neueren russischen Literatur“, die einen erneuten Realismus darstellt, schreibt Dr. R. Seligmann; Leonid Andrejew, Sologub, Arzibaschew, Tschirikow, Kuprin, Lew Sehestow und viele andere werden hier in ihrer schriftstellerischen Eigenart und Bedeutung vorgeführt. — Den hohen Wert und die Notwendigkeit eines stärkeren Studiums der russischen Sprache in Deutschland hebt Dr. Anton Palme hervor und befürwortet einen „russischen Unterricht an den höheren Lehranstalten und Universitäten Preußens“. — Die Veröffentlichung „Gedanken und Erinnerungen Sultan Abdul Hamids LI." gelangt in dem vorliegenden Hefte mir einem dritten Teil: „Innere Politik“ zum Abschluß. Es ist bemerkenswert, mit wie klarem und oft vorurteilsfreien« Blick Sultan Abdul Hamid die Fehler und Mängel des türkischen Staatswesens und vielfach selbst die Maßnahmen, die eine Besserung herbeiführen könnten, richtig erkannt hat, ohne daß er die Möglichkeit oder auch die Energie biersessen hätte, jene Maßnahmen wirklich zur Ausführung zu bringen. — Eine Jahrhundertbetrachtung „An der Wiege der deutschen Nationalidee“ hat den Herausgeber der Zeitschrift, Prof. Dr. Ludwig Stein, selbst zum Verfasser. Während Kant noch ein typischer Vertreter der kosmopolitischen und weltbürgerlichen Ideale war, ist der Philosoph Fichte, in seiner Jugend ebenfalls Anhänger des Kosm.opolitidmus, der eigentliche Schöpfer der deutschen Nationalidee geworden; und in seiner weiteren Entwicklung führt der Nationalismus zum bewußten Internationalismus. Familie Mohlmann. Roman eines Konvertiten von Friedrich Streißler. Hermann Costenoble. Jena. IDE». Geh. Mk. 2.75. geh. Alk. 3.75. Dieses Werk zeichnet sich nicht nur durch fesselnde Schilderungen und feinsinnige psychologische Darstellung, sondern auch .durch tiefen ethischen Gehalt aus. Ein junger Mann läßt sich taufen, um besser Karriere zu machen. Als Abtrünniger verliert er aber in beiden Lagern alles Vertrauen und schwankt ohne Stütze hin und her, findet nirgends festen Boden. Nicht die Strafe Gottes, keine religiöse Salbaderei verweist auf die „Moral von der Geschieht’“, sondern die Erfordernisse des Alltags sind es. die von jedem eine feste Weltanschauung'- fordern, die man nicht aus Spekulation ablege n oder Wucher damit treiben darf. Sei was du willst, sei es aber mit Ueberzeugung; diese Ueberzeugung kannst du nicht verkaufen, wenn du kein Schurke sein willst. — Dies predigt der Roman in