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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-04-11 · 15 (11.4.1913) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
15 (11.4.1913)
Date
1913-04-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 15 Sette 269 Dr. Bkochs Wochenschrift. Newyork. Viel Teilnahme erweckt der Heimgang der verehrten, hochbetagten Frau Rosalie W i e s e n, einer Dame guten Herzens, edlen Gemütes und frommer Gesinnung, einer echt jüdischen Frau alten Schlages, der besten eine. ■Wohltätigkeit war ihre höchste Freude. Sie erreichte ein Alter von 75 Jahren und hat ihre Pflichten gegen die Religion bis in die letzten Tage ihres Lebens mit peinlichster Gewissenhaftigkeit erfüllt. Eine ihrer Töchter aus erster Ehe mit dem verewigten Herrn Südwärts ist die bekannte Wohltäterin Mrs. Amalie Bloch, die Gattin des Fabrikanten Morris Bloch. Außer dieser hinterließ sie eine zweite Tochter Mrs. Wiesen, zahlreiche Enkel und Urenkel, welche trauernd die Bahre umstanden. Sie Unterläßt nicht bloß in näheren Verwandtenkreisen in Xewyork sondern auch in ihrer galizisclien Heimat, wo sie gern Wohltaten übte, ein gesegnetes Andenken. Der Vater des englischen Großrabbmrrs gestorben. Einige Tage, nachdem der neugewählte Großrabbiner von England Dr. Hertz Newyork verlassen hatte, verschied dessen Vater Simon Hertz im Alter von 66 Jahren. Der Verstorbene wurde im Jahre 1847 in Szatmar als Sohn eines Wohlhabenden und -almudifch gelehrten Vaters geboren. Er hatte die Jefchibah Satorallya-Ujhely besucht, kam dann nach Eisenstadt, wo Dr. Hildesheimer damals einen großen Kreis von Schülern um sich scharte. Er blieb drei Jahre in Eisenstadt, wo zur selben Zeit auch der seither verstorbene Dr. Horowitz (Frankfurt a. MI. Dr. Philipp Klein und der gegenwärtige Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift". Dr. Josef S. Bloch, studierten. Sinion Hertz hat unter dem Titel „Abne Schoham" eine Sammlung hebräischer Gedichte und später eine vielbenützte hebräische Grammatik herausgegeben. Vor ungefähr 30 IDren ging Hertz nach Amerika, wo er als Talmudlehrer ein großes Ansehen genoß. Er hinterläßt eine Witwe und sieben Kinder, von denen das zwoitälteste der vor kurzem erwählte Großrabbiner von England ist. Beerdigung einer christlichen Leiche durch die Chrwra» Kadischa. In Warschau, dem Zentrum des polnischen Boykotts gegen die Juden, ereignete sich dieser Tage, wie uns von dort geschrieben wird, der folgende bezeichnende Zwischenfall. In die Ranzlei der Chewra Radischa kam eine christliche Frau und trug die Bitte vor, die Chewra Radischa möge ihre Tochter, die gestorben ist, zur ewigen Ruhe bringen, da sie sich in ärmlichen Verhältnissen befindet und daher nicht in der Lage sei, die von ihr geforderten hohen Bestattungsgebühren zu bezahlen. Sie habe sich auch an die verschiedensten Rörperschaften vergeblich um Unterstützung gewendet. Die Chewra Radischa wandte sich nun an die kompetente Behörde, die nichts dagegen einzuwenden hatte, daß diese jüdische Brüdergesellschaft die Bestattung der christlichen Leiche vornehme. Und so hat sich denn die Warschauer Chewra Radischa der armen Christin erbarmt und ihre Töchter (natürlich nach katholischem Ritus) auf Rosten der Chewra zur ewigen Ruhe bringen lassen. Feuilleton. RandglossenK alkankriege. VIII. Bis Ende März. Eine Abweichung! von avitifchen Geberden bei Bulgaren. „Nicht aller Mensch ist im Tier, aber alles Tier ist im Menschen." Scheitlin. Eine Bejahung wird allgemein durch ein Nicken mit dem Kopfe nach unten und eine Verneinung durck eine Kopfbewegung nach den Seiten, ausgedrückt. Diese instinktiven Geberden sollen a v i t i sich e sein, d. h. sind auf gleiche, zweckmäßige, natürliche Bewegungen der Tiere zurückzuführen. Reicht man nämlich einem Tiere ihm zusagende Speisen hfn, so senkt es, um sie aufzunehmen. den Kopf nach unten, behagt aber die Speise dem Tiere nicht, so lehnt es dieselbe, mit dem Kopfe seitlich ausweichend. ab. — Der Mensch tut beides mit den Händen. hat jedoch gleichwohl die bequemere tierische Gewohnheit. Bejahung und Verneinung durch ein senkrechtes und wagrechtes Kopfnicken zu markieren, beibehalrsn. Wie kommt es nun, daß eine Völkerschaft in einem Grenzgebiete Bulgariens Zustimmung und Abweisung umgekehrt kundgibt, daß bei ihr Ja eine seitliche und Nein eine senkrechte Kopfbewegung auslöst? Soll man etwa unter dem Ja der bulgarischen Diplomaten, auf deren Worte die Welt mit angehaltenem Atem lauscht, ein Nein und unter dem Nein ein va verstehen? Mit nichten! Was mag die Seltsamkeit denn sonst bedeuten? Man denke nur an die alte Kriegslist, die Hufeisen der Pferde umgekehrt anzuschlagen, um die verfolgenden Feinde durch die Spuren irre zu führen, und die Antwort ergibt sich von selber. Die übermächtigen Türken hatten früher gegen die minderzähligen schwächeren Bulgaren einen unerbittlichen Vernichtungskampf nach der furchtbaren Drohung geführt, mit welcher Bismarck später den französischen Revanche-Chauvinismus niederhielt. Es war das Metzgerwort: saigner au blane. ..gänzlich ausbluten lassen"! und da verfielen die Bulgaren zur Täuschung des Feindes und zur gegenseitigen Verständigung auf die List: Ja für Nein und Nein für Ja einander zuzuwinken. — Vielleicht werden die Bulgaren diese Gewohnheiten auch dann noch beibehalten, wenn sie schon längst zweck- und nutzlos geworden sind. Wir finden ja Aehnliches bei domestizierten Tieren, beispielsweise beim Haushunde, der die vorteilhafte Gewohnheit seines Stammvaters, des Steppenhundes, sich durch öftere Umdrehungen eine Mulde im hohen Grase zur Lagerstätte herzurichten, die schon seit undenklichen Zeiten nicht mehr erforderlich oder irgendwie nützlich geblieben, beibehält. Bismarck, der „Ferntreffende", würde auch jetzt nicht anders sprechen, als vor Dezennien zum Fürsten, von Battenberg, als dieser ihn um Rat fragte, ob er Fürst von Bulgarien werden solle: ..Eine angenehme Erinnerung für das Alter!" Er würde jetzt mit noch, größerem Applomb wiederholen: ..Wir haben keine Fenster hinaus nach dem Orient. Wir opfern nicht dem dortigen Einflüsse die Knochen eines pommerschen Soldaten!" Ob auch Abdul Hamid, der despotische Schlaumeier. ihm diese Anschauung sehr übel nahm und einen argen politischen Fehler nannte. Bismarck, der sich nicht aus einem wohl- und festgefügten Staatswesen und aus der gesicherten Ordnung gesetzlicher Wirtschaftsverhältnine hinausdenken konnte, wollte von der Türkei nichts wissen. Der tiefe Widerwille gegen jeden Schlendrian und gegen die Schwankungen der Willkür kam aus dem innersten Kern seines Wesens, das er prägnanter als seine Biographen mit den launigen Worten Sidney Whitman gegenüber charakterisierte: „Wenn ich die Gestalt wählen könnte, in der ich noch einmal leben möchte, so weiß ich nicht, ob ich nicht ganz gern eine Ameise sein würde. Sehen Sie. dieses kleine Insekt lebt in einem vollständig organisierten Staate. Jede Ameise muß arbeiten. ein nützliches Leben führen, jede Ameise ist fleißig. Da gibt es vollkommene Subordination. Disziplin und Ordnung. Sie find glücklich, denn sie arbeiten." Klingt das nicht wie ein bekannter salomonischer Spruch von der Ameise? Uebrigens sollen, nebenbei deinerkt. Bismarck und Moltke für die Lehre der Seelenwanderung sich sehr interessiert haben. Aussprüche von Potentaten. Drei gekrönte Pessimisten haben ihr Erleben in einigen bedeutungsschweren Worten Wiedergegeben, welche angeführt zu werden verdienen, um das düstere un-

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