Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 15 (11.4.1913)
- Date
- 1913-04-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Dr. Wachs Wochenschrift. Sette 266 merkung: „Juden nicht erwünscht!" Das soll unsere Glaubensgenossen bindern, in dieser Sommerfrische als unerwünschte Gäste zu erscheinen. Hochachtungsvoll Dr. S. St. Die jüdische Bevölkerung in Kanada. Die soeben erschienenen statistischen Daten der kanadischen Regierung enthalten auch lehrreiches Material über die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in diesem Lande. Danach wurden im Juni 1911 in Kanada 74.564 jüdische Seelen gezählt. Der größte Teil von ihnen, und zwar 38.000, lebt in Montreal, während Toronto 25.000 Juden zählt. Der allergrößte Teil der kanadischen Juden ist aus Rußland und Rumänien eingewandert. Sie haben sich sehr rasch assimiliert, beherrschen die Landessprachen und sind in allen Berufen vertreten. Die jüdische Landbevölkerung besteht hauptsächlich aus Kolonisten, die unter der Aegide der Jca sich dort angesiedelt haben und ausschließlich von der Landwirtschaft leben. Tin Stammbuckb'att Moses Mendelssohns. Bei einer Autographenversteigerung des Berliner Antiquariates Leo Liebmannssohn war Mendelssohn durch ein Stankmbuchblatt repräsentiert, das aus dem Stammbuche des bekannten Wiener Schauspielers Brockmann herrührt. Mendelssohn schrieb: „Er strebt auf der Bühne sowie im Leben jedwedem, begnügt sich aber dort Wenigen, hier Einem zu gefallen." Berlin, am 7. Jänner 1778. Zum geneigten Andenken Moses Mendelssohn. Korrespondenzen. Eine Brockensammlung für jüdische Arme. Die Brocken, die vom Tische der Begüterten abfallen, werden dankbarst von zahllosen Armen entgegengenommen. die dadurch ihr Leben fristen. Brocken allerhand gibt es. Man wechselt in unseren leichtlebigen Zeiten sehr schnell mit Kleidern, Mobil'ar, schafft in jeder Saison Neues an und weiß oft nicht, wohin mit dem Alten. Gar vieles könnte all denen nützen, die im Kampfe ums Dasein nur zu oft ermatten. aber gedankenlos stellen wir, was unbrauchbar geworden, zur Seite, schaffen es auf den Boden, wo es verstaubt, entwertet wird. Von all dem, was sich in den Häusern der Reichen als .Bodenkram ansaMmelt. könnten sich zahllose Familien, denen das Geld zu Neuanschaffungen nicht reicht, ihr Heim behaglich einrichten. Gerne würde man es ihnen geben, da es ja für den Besitzenden nutzlos ist, aber es fehlt die Organisation. Tie B rockensamMlungen, die bereits aller Orte segensreich wirken, haben den Anfang gemacht, all das zu sammeln, was den Begüterten entbehrlich. Tine Postkarte genügt, die Sachen werden abgeholt, sortiert, an Arme entweder verschenkt oder gegen geringes Entgelt abgegeben. Brockensammlungen für jüdische Arme existieren bereits in allen größeren Städten Deutschlands. In Wien sind wir noch um einen Schritt zurück: aber das gute Wiener Herz betätigt sich überall, wo Hilfe not tut: sollte es in diesem Falle versagen? Wohl kaum. Gerade jetzt vor Ostern, wo jede Hausfrau Neuanschaffungen macht, ihren Haushalt fichteh alles Entbehrliche ausmustert, zeigt es sich, auf wie vieles mau Verzicht leisten könnte, um Armen dadurch hilfreich zu fein. «Eine der im großen Stil arbeitenden Brockensammlungen ist die anno 1907 in Breslau gegründete „Peah". Wohltätige jüdische Frauen bildeten ein Komitee, waren unermüdet tätig. Die Zahl der Käufer, die zu äußerst niedrigen Preisen die von Wohltätern gespendeten Wäsche- und Kleidungsstücke, Meubles etc. erhielten, betrug schon im ersten Jahre nahezu 10.000. Im letzten Jahre liefen mehr als 12.000 Spenden ein. die aber kaum genügten, der großen Nachfrage zu entsprechen. Die Peah-Vevwaltung sendet Kisten, aus braunem Segeltuch gefertigte Säcke ins Haus, läßt die Sachen kostenfrei abholen. Seit den Jahren des Bestehens sind durch Verkauf 43.494 Mk. erzielt worden, woraus sich die Arbeit ermessen läßt, die von den Komiteedamen, die den Verkauf abwechselnd persönlich leiten, geleistet wurde. Hierzu kommt noch, daß an bestimmten Nachmittagen von den Damen des Vorstandes Stoffe. Reste ufw. für die Armen außerordentlich geschickt verarbeitet werden. Den Einnahmen stehen 35.336 Mk. Ausgaben gegenüber für Besoldung eines Inspektors. Tuchlers. Tapezierers, Abholers, von drei weiblichen Angestellten für Kontor und Verkauf, für Hilfsarbeiter. Mieten. Heizung und Beleuchtung etc. Tie „Peah" hat große Lager- und Verkaufsräume, außerdem eine Arbeitsstätte, in der täglich 15 bis 20 Arbeiter (zumeist jüdische Durchwanderer) beschäftigt werden. Im Laufe der Jahre ist diese Arbeitsstätte zum Segen für Tausende geworden, denen Arbeit lieber als Almosen ist. Wir geben Armen zumeist ganz planlos Geldunterstützungen, nützen ihnen nur momentan: viel richtiger ist es. all denen, die arbeiten wollen, dazu behilflich zu fein, Arbeit zu finden. Doch von dieser in Breslau sehr segensreich wirkenden Arbeitsstätte ein anderes Mal: heute wollte ich nur auf die dort seit Jahren mit bestem Erfolge wirkende Brockensammlung Hinweisen. Es hat sich bereits ein Damenkomitee gebildet, das in Wien nach dem Muster der Breslauer „Peah" eine Vrockensammlung für jüdische Arme in's Werk setzen will. Viel des Guten kann da geschafft werden. Damen, die willens sind, an dieser sozialen Hilfstätigkeit mitzuwirken, werden gebeten, ihre Adressen unter „Peah" der Redaktion d. Bl. mitzuteilen. Jda Barber. Wien. Die 40. ordentliche Generalversammlung der Israelitischen Allianz zu Wien findet Mittwoch, den 16. April 1913. abends 6 Uhr. im Saale der israelitischen Kultusgemeinde. Wien. I.. Seitenstettengasse Nr. 4. als Jubil ä umso ersammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit des Vereines im Jahre 1912 (nebst einem Rückblick auf die 40jährige Tätigkeit des Vereines). 2. Bericht über die finanzielle Gebarung im Jahre 1912. 3. Wahl von fünf Vorstandsmitgliedern mit vierjäh riger Funktionsdauer: ferner Genehmigung der Kooptation von zwei Vorstandsmitgliedern. 4. Aenderung des Paragraph 6. al. 2 und 3. sowie Paragraph 8 der Statuten. Der Jahresbericht wird in den nächsten Tagen an die Mitglieder in Wien direkt, an die auswärtigen Mitglieder durch Vermittlung der Leitung der Filialen und Vertrauensmänner übersandt. Die vorgeschlagene Statutenänderung, die schon im vorigen Jahre projektiert war. betrifft die Zusammensetzung und Ernenn nung des Beirates. Es wird vorgeschlagen, daß derselbe in Zukunft aus einer größeren Anzahl von Mitgliedern bestehe, welche ohne Rücksicht auf die von ihnen geleisteten Beiträge aus der Mitte derjenigen Persönlichkeiten ernannt werden soll, die die. Zwecks des Vereines zu fördern geeignet erscheinen.