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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-04-11 · 15 (11.4.1913) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
15 (11.4.1913)
Date
1913-04-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 15 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 263 ldom Zakrmarki des Lebens. 'LliLude Montefiore als Nachfolger des Herzogs von WeNirgton. Wie aus London berichtet wird, wurde Claude Montefiore als Nachfolger des Herzogs von Wellington zum Präsidenten des Hartley Unrverfity College für die Dauer von fünf Jahren gewählt. Cs ist das ein Ehrenamt, das bisher fast ausschließlich von Mitgliedern der hohen Aristokratie in Anspruch genommen wurde. Claude Montefiore genießt als 'Förderer des Erziehungswesens in England ausgezeichneten Ruf und hat sich auch um die Förderung der oben genannten vornehmen Anstalt, in deren Nachbarschaft Montefiore begütert ist, besondere Verdienste erworben. Montefiore, der auch Präsident der Anglo Iewish Association ist. nimmt auch an allen Arbeiten auf dem Gebiete der Erziehung der jüdischen Jugend in England lebhaften Anteil. Mmisterpmsidmt Pasic über die serbischen Juden. In einem Interview des Vertreters des Independent von Saloniki mit dem serbischen Ministerpräsidenten Pasic äußerte sich dieser über die Juden Serbiens in folgender bezeichnender Weise: ..Für mich gibt es in Serbien nur Serben. Ihr Religionsbekenntnis interessiert mich überhaupt nicht. Der Patriotismus ist individuell verschieden. Es gibt serbische Juden, die patriotischer gesinnt sind, als manche serbischen OrthodoXen, sowie auch umgekehrt. Das ist überhaupt Sache des Temperaments. In jedem Falle aber kann ich nur konstatieren, daß die serbischen Juden unserem Lande sehr nützlich sind und unter uns sich aller Rechte erfreuen, die gesetzlich für alle serbischen Bürger bestehen. Sie werden zu allen, auch zu den hohen Vertrauensposten zugelassen. So ist zum Beispiel der Direktor unseres Staatsrechnungshofes im Finanzministerium Herr Levitch ein Jude. Sein Posten rangiert gleich nach dem des Finanzministers. Ich wiederhole nochmals, die serbischen Inden sind die Söhne Serbiens und genießen gleich ihren orthodoren Brüdern alle Rechte, welche die Konstitution den Bürger Serbiens einräumt, und sind gleich jenen auch allen Pflichten unterworfen." Bedrohliche Lage der Juden auf der Insel' Rhodes. Englischen Blättern zufolge bekunden die Griechen in Rhodes den dortigen Juden gegenüber eine unversöhnlich feindselige Haltung. Erst vor kurzem wurde ein Dynamitanschlag gegen das Iudenviertel entdeckt, durch welchen der ganze jüdische Stadtteil in die Luft hätte gesprengt werden sollen. Die jüdische Bevölkerung hegt ernste Befürchtungen für die Sicherheit ihres Lebens, für den Fall, daß die Italiener, welche gegenwärtig die Infel besetzt halten, von dort abziehen. Die Juden der Insel haben daher beschlossen, an die Mächte die Bitte zu richten, die Insel Rhodes nicht Griechenland zu überantworten. Ein jüdischer Gesandter des Königreichs Italien in KopeuhaMn. (Der König von Italien über jüdische Diplomaten.) Bor einiger Zeit berichteten wir, daß der Jude Giacomo Malvano zum Präsidenten des italienischen Staatsrates ernannt wurde. Nun wird aus Nom gemeldet, daß der jüdische Graf de Earubio zum Gesandten in Kopenhagen ernannt wurde. Nach dieser Meldung soll der König von Italien im Gespräche mit.einer angesehenen jüdischen Persönlichkeit sich dahin geäußert haben, daß er sich sehr freue, daß in Italien die Juden zu den höchsten staatlichen Stellen gelangen. Er habe schon vor sehr langer Zeit die besonderen Fähigkeiten der Juden für den diplomatischen Dienst erkannt und hätte wiederholt den Entschluß gefaßt, jüdische Gesandte an einigen europäischen Höfen zu ernennen, aber zu seinem Bedauern hätten diese Regierungen, unter ihnen selbst eine, die als besonders liberal anerkannt ist, einen jüd. Gesandten zu akzeptieren abgelehnt. Der König von Dänemark ist nun der Erste, der ohne jede Einwendung zur Ernennung eines jüdischen Gesandten Italiens am dänischen Hofe die Zustimmung gegeben habe. Der Undank der ungarischen Regierung. Aus Budapest wird uns geschrieben: Der größte Stolz der ungarischen Sportkreise ist Dr. Eugen Fuchs, der, wie auch im Auslande bekannt ist, zweimal bei den olympischen Spielen für Ungarn die Weltmeisterschaft im 'Fechten errungen hat. Dr. Fuchs, ein tüchtiger Jurist, gilt im Privatleben als sehr konzilianter Mensch, der viele Freunde hat. Diese schritten nun nach dem glänzenden Verlauf der olympischen Spiele im Vorjahre bei der ungarischen Regierung ein, um Dr. Fuchs, der übrigens nicht mit Glücksgütern gesegnet ist. bei den königlich-ungarischen Staatsbahnen einen entsprechenden Posten zu verschaffen. Nun begann der Amtsschimmel seinen bekannten Weg zu machen, der schließlich zu dem unglaublichen Ziele führte, daß Dr. Fuchs für den ii< Aussicht genommenen Posten unbrauchbar sei. weil er - ich bitte nicht zu lachen schwache Augen habe. Diese zwei Augen, die sich bei den schwersten Tournieren so sicher und verläßlich gezeigt haben, daß sie Ungarn den Ruhm der Weltmeisterschaft brachten, sind für die ungarische Regierung zu schwach!. Es muß jedoch der Wahrheit die Ehre gegeben werden, daß dir Budapester Stadtkommune sich des Verhaltens der Regierung geschämt und Dr. Fuchs eine städtische Anstellung zugewiesen hat. Die ganze Geschichte wird allerdiags erklärlich, wenn man daran erinnert, daß Dr. Fuchs Jude ist und entschlossen ist, es zu bleiben. Der Gegensatz von Darrrm und Bergson. In der letzten Hauptversammlung des Keplerbundes in Mannheim hielt Professor Dr. G o l d st e i n von der Technischen Hochschule in Darmstadt einen Vortrag über die moderne Kritik des Darwinismus, indem er, einer der Vorkämpfer für den Philosophen Henri Bergson. die Grundanschauungen Darwins und Bergsous gut kontrastierend einander gegenüberstellte. Bei der mechanistischen Begründung der Evolution im Sinne Darwins sinkt das gesamte seelische Leben auf den Wert eines Nebenprodukts, ja auf den Unwert eines sinnlosen Nebenprodukts herab. Dem tragischen,- dem erschütternden Schlüsse aus Darwins Theorie gegenüber, daß der Mensch nur als eine Schöpfung des blinden, glücklichen oder unglücklichen Zufalls sich erweist, überrascht neuerdings Henri Bergson in seiner „schöpferischen Entwicklung" die wissenschaftliche Welt mit einem.neuen Prinzip zur Erklärung des Lebens und der noch fortgesetzt in. ihm in die Erscheinung tretenden Entwicklung zu immer höheren Formen. Das Aufsehen, welches dieser Gedanke erregt, ist berechtigt.- er wird nach Goldstein für eine heute noch nicht abzusehende Zeit im Brennpunkt der philosophischen Erörterungen stehen. Der el;m \ital — was man mit „Lebensschwungkraft" übersetzen könnte — steht treibend hinter der Summe des Lebensprozesfes: die Entwicklung des Lebensprozesses ist also noch nicht abgeschlossen. In diesen zwei knappen Sätzen könnte die außerordentlich geistreiche und formvollendete, auf ein umfassendes Wissen und Beherrschung aller bahnbrechenden Geistesarbeit sich stützende These Bergsons veranschaulicht werden. Bergson erklärt mit ihr zugleich die ewige Ausnahmestellung des Menschen in der Natur.

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