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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-04-11 · 15 (11.4.1913) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
15 (11.4.1913)
Date
1913-04-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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9lt. 15 De. Bkochs Wochenschrift. Sette 261 Umgürtung mit dem Schwerte des Osman statt. Ejjub selbst gilt den Mohammedanern als ein Prophet, als' ein Heiliger, der gleich nach, Mohammed rangiert. Die Vorgeschichte dieser Moschee ist nun in der Sage folgendermaßen mit dem jüdischen Gedankenleben verschiwistert. Schon im Jahre 688 märe dieser Ejjub» der LiebUngsschüler des Mohammed, mit dem Sohne des Kalifen Moawija I. namens Iesid ausgezogen, um Konstantinopel zu belagern, dessen Einnahme aber damals nicht gelang. Ejjub fand bei dieser Belagerung den Tod. Bevor er seine Seele aushauchte, prophezeite er jedoch seinen Genossen, es werde einst ein hervorragender 'Fürst, der dem mohammedanischen Glauben angehören werde, die mächtige Stadt den Griechen entreißen und er mache es demselben zur Pflicht, sein Grab, das er hier bei der vergeblichen Belagerung finde, besonders zu ehren. Unter den Belagerern waren schon dazumal viele jüdische Krieger, die ihm einen Tentstein auf dem Grabe errichteten und denselben mit einer hebräischen Inschrift als sein Grab bezeichneten. 'Fast 800 Jahre nachher, als nun tatsächlich Mohammed II. aus dem Hause Osman Konstantinopel erobert hatte, wollte derselbe das Grab Ejjubs ausfindig machen, um1 es besonders auszuzeichnen, da dessen Prophezeiung in 'Erfüllung gegangen war. Er berief nun seinen höchsten Scheich, daß er ihm das Grab Ejjubs zeige. Er konnte es aber nicht,- in der darauffolgenden Nacht hatte der Scheich folgenden Traum: Ejjub erschien vor ihm und sprach,, lasse an der äußersten Spitze des Goldenen Horns nachgraben und du wirst auf einen Wasserquell stoßen und unterhalb desselben wird sich dir ein Denkstein zeigen m(tt einer hebräischen Inschrift, dort ist mein Grab. Am andern Morgen zog nun der Sultan in Begleitung des Scheich und vieler Juden aus: man grub an der bezeichneten Stelle und sieh, es sprudelte.eine Quelle hervor und unterhalb derselben wgr der Stein mit der hebräischen Inschrift, die diese Stelle als das Grab Ejjubs bezeichnete. So wurde dieser Platz dazu bestimmt, auf demselben dije Moschee zu errichten, mitsamt dem Stadtteil, in dem sie sich befindet, den Namen Ejjub führt. Der Zusammenschluß des jüdischen mit dem mohammedanischen Gedankenkreise chatte einen besonders günstigen Boden gefunden, als hie große Flut der Juden aus Spanien sich über die Türkei ergossen hatte. Denn diese waren ja durch acht Jahrhunderte mit den Bekennern des Islam schon in Spanienin inniger Verbmdung, kannten ihre Bräuche, dachten in ihrer Sprache. Die Folge hiervon war. daß die Spaniolen alle Spuren anderssprachiger Juden aus der früheren Zeit in der Türkei gleichsam wegschwemmten und ihnen ihre Signatur aufprägten. Aber auch dem Lande brachten sie großen Nutzen, man könnte sagen eine neue Kultur. Es bewährte sich das Wort des Sultan Bajazed, der den König 'Ferdinand als unklug bezeichnete, sein Land der Verarmung preiszugeben und das Land der Türken zu bereichern. Denn die wirtschaftliche Schädigung, die Spanien durch die Vertreibung einer betriebsamen Bevölkerungsklasse sich zuzog, hat sich auf Jahrhunderte hinaus erstreckt und hat die Großmacht Spanien, in deren Bereiche die Sonne nicht unterging, trotz des Zuwachses des neu entdeckten Weltteiles, zu einer Macht dritten Ranges herabgedrückt. Wer vermag es auszudenken, welche Stufe der Entwicklung Spanien genommen hätte, wenn es nicht die Beute einer mquisitorischen. die Menschenrechte zermalmenden Politik geworden wäre!? Wie groß jedoch war zur. selben Zeit der Aufschwung im Orient, den Handel und Industrie durch die neu Eingewänderten genommen hatten: welch hohe kulturelle Stufe und welch große literarische Entwicklung hat durch dieselben in der Blütezeit des türkischen Reiches platzgegriffen: besonders als durch zwei Jahrhunderte nachher die in Spanien von der Inquisition verfolgten Marannen. mit ihrem Gelbe und ihrem Geiste von dort auswanderten, um in der Türkei ein neues Vaterland zu finden. Die Befruchtung war eine gegenseitige. Die Juden und Marannen fanden eine neue, mit tiefer Dankbarkeit anerkannte Heimat und die in der Kultur zurückstehenden Türken fanden an den neu aufgenommenen Bürgern begeisterte Lehrer und Meister. Es waren unter den Eingewanderten solche, die sehr tüchtig im Handwerke waren, in der Goldschmiedekunst und der Weberei: sie brachten ihnen das wichtigste Element jeder Kultur mit, die Buchdruckerkunst. Sie lehrten die Türken die Schieß- und Kriegswerkzeuge gebrauchen, mit denen sie dann die umliegenden Völker erfolgreich bekämpften. So gelang es einzelnen hervorragenden Talenten der Spaniolen, einen praponderierenden Einfluß bei den Sultanen und am Hofe $u gewinnen, unter denen es besonders die jüdischen Aerzte waren, die sich desselben zum Vorteile ihrer Glaubensgenossen bedienten. Unter dem Sultan Bajazed war es der Arzt Josef Hamon aus Granada, der während dessen ganzer Negierungszeit fein beliebter Leibarzt war. Und gleichwie sich der Thron vererbte, schien sich auch die Leibarztenstelkr in der Familie Hamon zu vererben, auf Sohn und Enkel: unter diesen war es Mose Hamon. der sich als Beschützer seiner Stammesgenossen und Förderer des Judentums auszeichnete. Auch als Sprachkundige und Dolmetscher wurden die spaniolischen Juden bei Hofe gerne gesehen und selbst zu hohen diplomatischen Diensten verwendet, denn sie hatten sich auf ihren Wanderungen viele Sprachen» angeeignet und waren wegen ihrer Kenntnis der arabischen Sprache, die sie von den Mauren in Spanien mitbrachten, den Bekennern des Islam sehr nahestehend. In den Buchdruckereien, die sie erüffneten, verlegten sie Bücher in verschiedenen Sprachen, in der griechischen, lateinischen, italienischen. und spanischen Sprache und vermittelten dadurch den Türken die Kenntnisse von Gelehrten aus der Mitte von Völkern, die ihnen sonst, schon wegen des Glaubensunterschiedes, fremd waren. Selbstverständlich stellten die jüdischen Buchdrucker ihre Erzeugnisse auch wieder in den Dienst b:r jüdischen Religionswissenschaft. Die Ersten, die eine solche Buchdruckerei in Konstantinopel errichteten, waren die Brüder David und Samuel Nachmias: sie wurde von ihnen bereits zwei Jahre nach der Vertreibung aus Spanien, im Jahre 1494, gegründet, und das erste hebräische Buch, das aus dieser Offizin erschien, war der Tur des R. Jakob ben Ascher. Elf Jahre später entstand die zweite Druckerei in Konstantinopel durch R. Salomo bar M a s o l t o w, und dieser glückverheißende Name schien sich auch bewährt zu haben, da aus dieser Druckerei durch eine Reihe von Jahren viele und geschätzte hebräische Werke erschienen sind. Sieben Jahre später entstand schon eine dritte selbstständige Druckerei in Konstantinopel, die von R.Ajtruc di Tolon gegründet wurde. Wieder sieben Jahre nachher entstand schon eine vierte und ein Jahr später schon eine fünfte.

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