Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 14 (4.4.1913)
- Date
- 1913-04-04
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Sir. 14 Dr. Vkochs Wochenschrift. Seite 15 t auf die in der vorletzten Nummer enthaltene Auseinandersetzung »Adar I. und Adar II.« zurückkommen: die entscheidende Stelle des jerus. Talmud Megilla I, 7 wird schon von Toßafot (Rosch hasehanah 19 b unten) und später von Pri Chadasch-Orach Chajim 55,10 angeführt. Die Verschiedenheit der Entscheidungen des Rema. zwischen »Jahrzeit« (Adar I.) und Bar Mizwah (Adar II.) liesse sich nur dadurch erklären, daß in Bezug auf die Strafprozedur der Note immer von 12 Monaten und eine von 1 Jahre gesprochen wird. Siehe Ednjoth II. 10, Rosch -hasehanah 14 a, Seder Olam III. Warum sollten auch die Unglücklichen, die im Vorjahre eines Schaltjahres starhen, um einen Monat länger zu leiden haben? Die Responsen des R. Mos. Schreiber habe ich nicht zur Hand. Jedenfalls erkennt man auch daraus, daß mit dem »Schulchan- Aruch« die Halacha nicht abgeschlossen ist. Für die »Grossen« hat es noch immer ein »Wenn und Aber« gegeben. Allerdings quod licet Jovi non licet bovi. Letzterem ist alles abgeschlossen. Prag-Weinberge, 26. März 1913. Prof. Stark. Indische Publikationen in Nutzland 1912. Die jährliche Ausstellung russischer Druckschriften in Petersburg weist statistisch nach, datz im Jahre 1912 in Rußland insgesamt 565 hebräische Bücher in 1,019.558 Eremplaren und 556 jiddisch Bücher mit 1,765.290 Eremplaren gedruckt wurden. Von den 83 verschiedenen Zeitungen für jüdische Interessen waren 20 in jüdischer Sprache, 8 in hebräischer, 9 in russischer und 1 in polnischer Sprache erschienen. Bau eines hebräischen Theaters in Jerusalem. Wie das Jerusalemer Blatt „Hacheruth" meldet, hat das Ehepaar Tietz aus Deutschland anläßlich seiner jüngsten Anwesenheit in Palästina 15.000 Mark mit! der Bestimmung gestiftet, datz der Makkabi-Verein in Jerusalem diese Summe als Fond für den Bau eines hebräischen Theaters in Jerusalem verwende. Der Bauplatz. der anstotzend an die Lämmelschule liegt, soll bereits erworben worden sein. „Arons Grab." In einem Berichte über seine Reisen in Arabien, den Julian Grande am Samstag in London erstattet hatte, teile der Reisende mit, datz es ihm gelungen ist, auf dem Berge Hör das berühmte Grab Arons zu besuchen, das von den Mohammedanern so streng bewacht ist und zu dem niemand zugelassen wird. Er fand im Innern des Gewölbes nicht nur arabische Inschriften, sondern auch hebräische Schriftzeichen, die allem Anschein nach aus sehr alter Zeit stammen. Nach dem Bericht der „Daily Mail" wurde Grande jedoch an dem Versuchs, diese Schriftzeichen photographisch auszunehmen, durch das Dazwischentreten fanatischer Araber verhindert, die von dem Eindringen eines Ungläubigen an die geweihte Stätte erfahren hatten und den Reisenden zwangen, das Gewölbe sofort zu verlassen. Grande ist der Ansicht, datz eine Entzifferung der Schriftlichen wertvolle Ausschlüsse bringen würde und hofft, datz es in späterer Zeit gelingen wird, trotz der Feindseligkeit der Bevölkerung genaueren Einblick in das Wesen der althebrüischen Inschriften zu gewinnen. Das Gewölbe liegt auf dem Gipfel des berühmten Berges Hör und konnte bisher noch nie von Archäologen durchforscht werden. EgypWche Funde. Ein jüngst gefundener Papyrus stellt ein geographisches Lerikon der Hauptortschaften des östlichen Nildeltas dar. Wir finden die im 2. Buch Moses aufgezählten Ortschaften in fast derselben Reihenfolge. Die amtlichen Berichte der Berliner königl. Runstsammlungen veröffentlichen die Aufschrift einer Tonscherbe, die eine Steuerquittung aus dem Jahre 98 unserer Zeitrechnung darstellt. Es wird bestätigt, datz Dosariom, Sohn des Jesus, die Judensteuer mit neun Drachmen zwei Obolen richtig bezahlt habe. Dosariom bezahlte eine Drachme jährlich als Normalsteuer der egyptischen Juden. Acht Drachmen zwei Obolen beträgt die Steuer, die jeder Angehörige des jüdischen Volkes an den Tempel in Jerusalem zahlen mutzte. Diese Steuer bedeutete so lange ein Privilegium, als die Juden noch ein selbständiges Volk waren und ° damit ein Beitrag für den Mittelpunkt ihrer religiösen Gemeinschaft für den Hort und Stolz der Nation geliefert wurde. Nach dem Sturze Jerusalems wurde diese hohe jüdische Volkssteuer von einem römischen Beamten eingehoben und das Geld nicht mehr an den Tempel von Jerusalem, sondern an den Jupiter Capitolinus in Rom abgeführt. Ohariss Dickens, Martin Clmzzlewit. Roman in drei Bänden. Deutsch von Gustav Meyrink. Geheftet 9 Mark, in drei Pappbänden 12 Mark, in drei Halbfranzbänden 18 Mark. Verlag von Albert Langen, München. Die vielgerühmte neue Dickens-Ausgabe von Gustav Meyrink hat mit diesen drei Bänden nun schon drei Viertel ihres Pensums überschritten. Wie die früheren Bände dieser Ausgabe werden auch die drei neuen die Freude aller Dickensleser sein. ..Martin Chuzzlewit" ist eine Familiengeschichte. Diekens zeigt in ihr. wie der Egoismus, der Neid und die Mißgunst gerade dort am schönsten gedeihen, wo man am ersten Entgegenkommen, Vertrauen und Zusammenhalt zu finden erwarten sollte. In der Reihe der menschlichen Schwächen, Torheiten und Scheußlichkeiten, die Dickens in seinen Romanen behandelt, ist der Gegenstand des „Martin Chuzzlewit“ von Natur aus der unerquicklichste, aber doch keineswegs ein ungewöhnlicher; wer wüßte nichts zu erzählen vo* den „lieben Verwandten"? Doch mit großer Klugheit und künstlerischem Takt — bei Dickens freilich unnötig zu erwähnen — hat er ausgeglichen und gemildert oder durch sein köstliches Fniversalmirtel, seinen Humor, das Peinliche, das dem Stoffe anhaftet und ab und zu sich vordrängen will, aufgehoben. Die warme, herzliche Menschlichkeit, die Dickens persönlich auszeichnete, ist auch im „Martin Chuzzlewit“ zu spüren, und von ihr geht auch hier jener gewisse goldige Schimmer aus, der über den Schriften Charles Dickens sich ausbreitet und so wohlig empfunden wird. In dieser vorzüglichen neuen Ausgabe von Gustav Meyrink wird der Roman von neuem ein großes Publikum finden. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden. Berlin C 2, An der Spandauer Brücke 15. Schriftleitung Dr. Bruno Blau, Berlin, 9. Jahrgang. Heft Nr. März 1913. Inhalt: I. Abhandlungen: Ernst Kahn. Frankfurt a. M.: Die Bevölkerungsbewegung der Juden in Frankfurt a. M. — Oberlehrer Dr. Tachauer, Frankfurt a. M.: Die Neigung zu Mischehen. — Dr. med. II. Ellen. Frankfurt a. M.: Feber die Selbstverstümmelung der jüdischen Rekruten Rußlands. — II. »Statistisches Archiv: Eheschließungen in Deutschland im Jahre 1910. — Bildungsanstalten des Judentums im Königreich Preußen. — Verteilungder Konfessionen in Sachsen nach Kreishauptmannschaften im Jahre 1910. — Febertritto von Juden zur evangelischen Kirche im Königreich Württemberg von 1899 bis 1910. — Höhere Knaben- und Mädchenschulen und Volksschulen in Hessen im Jahre 1912. — Die Ergebnisse der dänischen Volkszählung vom 1. Dezember 1911. — Die Ergebnisse der norwegischen Volkszählung vom 1. Dezember 1910. — III. Literatur. KriefKaste«. Markus Kohn in G. Ihre Zuschrift haben wir an das Präsidium des israelitischen Gemeindebundes geleitet. R. F. Wie der Dichter Friedrich Hebbel über die Taufe der Juden dachte, zeigt ein Brief (18. 12. 1856), in welchem er Emil M u h, der sich mit Austrittsabsichten aus dem Judentum trug, von diesem Vorhaben abzubringen suchte: „Zu der Herausgabe Ihrer Gedichte gratuliere ich, dagegen verlangen Sie wohl nicht von mir, datz ich Ihre An sichten über die Juden unterschreibe, da Sie wissen, datz ich mich vor vielen Jahren mit einem christlichen Freunde auf lange entzweite, als er ähnliches aussprach, und da Ihnen früher obendrein mein Wort: Der Jude i st g er ad e so schlecht wie der Mensch! recht wohl gefiel. Und dann denke ich zu groß vom Menschen, obgleich ich ihn wahrlich nicht überschätze, um nicht daran f estzuhalte n, datz er die k l e i n e n Hindernisse, welche die Rasse i y m allenfalls in den W e g legen mag, durch die k l e i n st e sittliche A n st r e n g u n g überwinden kann. Erwägen Sie diese Gedanken in ihrer ganzen Tiefe und söhn e n Sie sich mit Ihrer Station wieder aus; es tut nicht gut, sich von dem Boden l o s z up e i tz e n, dem man angehört, und ich sehe Sie nicht gern auf diesem Wege." Den entrüsteten „Jungen" in Prag. Das Inserat „Der Talmud", welches durch ein Versehen eines Administrativorganes in der „Oesterreichischen Wochenschrift" abgedruckt worden, war übrigens, wie ein geschätzter Leser aus Hamburg uns mitteilt, bereits früher in ' der hochorthodoren ..Homiletische Zeitschrift", p=S p yerausgegeben von Rabbiner Israel R o b e 1. Filenne, 2. Jahrgang Nr. 2 vom 1. Februar 1913 zu lesen, ohne datz sich in Deutschland ein einziges jüdisches Blatt gefunden, welches den Versuch unternommen hätte, aus diesem offenkundigen Versehen Kapital zu schlagen. M. D., Hainburg. Besten Dank und Grus;. Naturarzt M. R. in V. Besten Dank für die Broschüre und die Zuschrift.