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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-04-04 · 14 (4.4.1913) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
14 (4.4.1913)
Date
1913-04-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Bloche Wochenschrift. Seite die Tschechen, wie mächtig sie durch Einigkeit geworden, während wir Juden sich nicht ausrafsen, nicht den uns gebührenden Rang einnehmen können, weil wir uns gegenseitig anfeinden, mißachten, mißgönnen und die wohlverdiente Anerkennung versagen! T e p l i tz. Leo Herzberg-Fränkrl." Von der gMzjschrn Selbsthilfe. Mil Rücksicht aus die lebten traurigen Erfahrungen anläßlich der verheerenden Geldkrise im verflossenen Winter haben die Lemberger jüdischen kaufmännischen Genossenschaften brschlos'en, zur Verhütung von ähnlichen Katastrophen in der Zukunft eine große jüdische Kreditbank zu gründen. Dieses Projekt wurde bekanntlich vor ungefähr zwei Jahren von Samuel von Horowitz der Ica vorgelegt, die sich bereit erklärt hat. einen solchen Plan auch kräftig zu fördern, wenn in Galizien selbst vor der Gründung von Privatleuten zumindest 300.000 Kronen für diesen Zweck ausgebracht werden. Jetzt endlich durch den großen materiellen Schaden aufgerüttelt, haben sich die Lemberger jüdischen kaufmännischen Organisationen entschlossen, diese Bedingung der Ica zu erfüllen, und es kann daher angenommen werden, daß der erste Schritt zur galizifchen Jelbsthilfe- Tätigkeit gemacht werden wird. Tr. Mar Grmiwatd in Prag. Vom Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag wird uns geschrieben: Eingeladen vom jüdischen Zentralvereine in Prag, bei seiner Veranstaltung zugunsten der Handwerkers käon einen Vortrag zu halten, sprach Rabbiner Dr. Ma.r Grunwald aus Wien am 30. v. Mts. im Festsacle des jüd. Rathauses vor einem überaus zahlreichen Publikum aller Gesellschaftskreise, in dem unter anderen fast sämtliche Rabbiner Prags mit Oberrabbiner Dr. Brody an der Spitze und viele Mitglieder der Kultusrepräsentanz bemerkt wurden, über seine ..Reistsnndrücke aus dem neuen Palästina". Unmöglich, in diesem engen Rahmen den lichtvoll exponierten Gedankengang auch nur annähernd wiederzugeben und der vielfachen neuen Gedanken und Anregungen zu erwähnen, sei nur bemerkt, daß es dem Redner gelang, in gedrängter Kürze und übersichtlicher Darstellung ein vollständiges Bild von Land und Leuten int neuen Palästina zu geben, die alten Palästinasreunde für seine überzeugenden Ausführungen zu erwärmen, aber auch die abseits Stehenden für alle einschlägigen Fragen ans das Lebhafteste zu interessieren und einer künftigen Mitarbeit geneigt zu machen. Ausgehend von einer farbenprächtigen Reiseschilderung, die die Zuhörerschaft durch alle aufblühenden Kolonien und Ländereien führte und insbesondere die Bilder von Tel Awir und Rechobot in verlockendster Weise heroorzauberte, gab der Vortragende sodann eine eingehende Schilderung der Hauptsammelpunkte des neujüdischen Elementes in Jaffa. Haifa und nicht zuletzt in Jerusalem selbst. Ohne einige noch best'.chende Mängel zu verschweigen, führte Redner an die blühenden und für die Zukunft lohnenden Ertrag in Aussicht stellenden Stätten der Landwirtschaft und gewerblicher Unternehmen, ließ die Werkstätten der Kunstgewerbeschule Bezalel vor unseren Blicken erstehen und verweilte liebevoll bei den Pflanzstätten der Wissenschaft, unter denen das hebräische Gymnasium in Jaffa, an dem auch der Prager Dr. Kellner in ausgezeichneter Weife wirkt, die erste Stelle einnimmt. Aeußerst interessant und reizvoll waren die rednerischen Aussübrrngen, die sich mit der Charakteri'iernng der Lebensgewohnheiten und Schilderung des Milieus in Reu-Palästina beschäftigten und darlegten, wie dort ein junges, selbstbewußtes und nackensteifes Geschlecht heranwächst, das ln der Pflege der sich verjüngenden und der Eigenart der neugeschaffenen Verhältnisse Rechnung tragenden, hebräischen Umgangssprache Halt und Bodenständigkeit gewinnt. Durch Mitteilung einiger eingeflochtener Episoden zeigt Redner Beispiele von Mut. Geistesgegenwart und überraschender Intelligenz auf, die den aus aller Herren Ländern zusammengeströmten Ansiedlern und deren Kindern zu eigen ist. Auch den Lebensoerhältnissen, die schon in meist zufriedenstellender Weise geregelt sind, widmet Redner einige sympathische Worte, die zum Besuche des alten Landes Israels einladen. Zum Schluffe wird auch noch der eingewanderten, in ihrem Stammlande gerade jetzt argen Bedrückungen ausgesetzten Jemeniten gedacht, die als Menschen von gradliniger Ehrlichkeit. Tüchtigkeit und Arbeitsfreude der weitgehendsten Unterstützung sich würdig erweisen. Der Vortrag Dr. Grunwalds. dem sich interessante, zumeist auf eigenen Aufnahmen beruhende Lichtbilder anschlossen. wirkte nicht nur durch die rasch dahinjagende Fülle der Gedanken, sondern, auch durch die elegante und faszinierende Art des Vortrages auf das verwöhnte und kritische Prager Publikum wie eine Sensation, und der stürmische, sich immer wieder erneuernd-: Beifall am Schlüsse der Ausführungen bewies, daß der Vortragende den ihm von Hamburg und Wien vorangeeilten glänzenden oratorischen Ruf nicht nur bestätigt, sondern weitaus übertroffen hatte. Rach dem Vortrage fand zu Ehren des Gastes ein Gefelligkeitsabend statt, der - trotzdem er zufolge der nicht voraus genau bestimmten Abreise Dr. Grün walds lediglich improvisiert ward von zuhlre'chen Ausschuß- und Vereinsmitgliedern und ihren Damen besucht war und in animiertester Stimmung verlief. In Verhinderung des Vereinsobmannes Liebers. der unmittelbar nach dem Vortrage verreisen mußte, begrüßte der Geschäftsleiter Dr. Weltsch die Erschienenen und dankte dem Vortragenden für seine nicht gewöhnliche Darbietung, dis alle Juden ohne Unterschied der Parteirichtung zu befriedigen geeignet war und besser als die gelungensten Lichtbilder ein Bild der gegenwärtigen Lage Palästinas, des Lebens 'und Treibens seiner Bewohner anschaulichst verkörpert und Licht in willkommener Weife in so manche Palästinafrage gebracht hat. Professor Dr. Kisch nahm die Gelegenheit wahr, in elegant maßvoller Weise seinen immer auf das Gemeinsame im Judentum gerichteten Standpunkt zu präzisieren, worauf Herr Jur. Bu'ch namens des Hochschülervereines Bar Kvchba in formvollendeter Rede das Verhältnis von Zionismus und Palästinafragen entwickelte. Für den nengegründeien jüdischen Turnverein sowie für den Rational-Fond sprachen die Herren Phil. Kand. Kraus und Ing. Hofm a n n dem Vortragsgaste die dankbarste Anerkennung der von ihnen vertretenen Körperschaften aus und eine von dem letzteren Redner angeregte Sammlung für die Jemeniten ergab in kürzester Frist ein beträchtliches Resultat. Besonderen Beifall erntele seine Mitteilung, daß der Rational-Fond 5 Oelbäume auf den Namen Dr. Grunwalds stiften werde. In die Debatte griff ferner noch in seiner bekannt treffsicheren Weise Herr Leben hart ein. sowie der als opferfreudiger jüdischer Mäzen bestbewährte Fabrikant Herr Stransky aus Sadska. worauf zum Schirme Herr kais. Rat Hermann Strach, dessen Wirken für die gemeinsame jüdische Sache wohl auch in Wien noch unvergessen ist, in beredter Weise seiner freudigen Genugtuung über das Prager jüdische Leben, das für ihn am heutigen Abend Gegenstand angenehmster Ueberraschung gewesen. Ausdruck gibt. Auf die meisten dieser Ansprachen folgten Erwiderungen Dr. Grunwalds. die in ihrer schlagfertig-geistvollen und meisterhaft pointierten Art einen erlesenen Genuß für sich zu bieten geeignet waren.

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