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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-04-04 · 14 (4.4.1913) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
14 (4.4.1913)
Date
1913-04-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 246 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 14 Die Lage der Juden in Adrianopel. Aus Konstantinopel Wird berichtet: Ein Armenier, dem es gelang, aus der belagerten Stadt zu entkommen. erzählte sehr interessante Dinge über die Iuden von Adrianopel. Der Oberrabbiner Bidjerano ist füv die Adrianopler Iuden geradezu eine zweite Vorsehung, und es ist gar kein Zweifel, daß der Kommandant und heldenmütige Verteidiger der Stadt, Schukri Pascha, wenn das Schicksal der Stadt einmal entschieden sein wird, auch dieses ehrwürdigen Oberhauptes der Adrianopler Iudengemeinde mit besonderer Bewunderung Erwähnung tun wird. Vom ersten Tage der Belagerung an kümmerte sich Rabbi Bidjerano darum, daß die jüdischen Bewohner der Stadt ihre in der Feueclinist gelegenen Wohnhäuser verlassen und. in entlegenere, geschütztere Stadtteile untergebracht werden. Die Allianzschule beherbergt gegenwärtig nicht weniger als 200 jüdische Familien, die es vorziehen, hier zusammengepfercht zu bleiben, als jeden Augenblick dem Tode ausgesetzt zu sein. Tie Juden, Männer sowohl als Frauen, halten im Iudenviertel Tag und Nacht permanenten Machtdienst. Der Friede und die Eintracht zwischen den Iuden und den übrigen Bewohnern der belagerten Stadt war bisher keinen einzigen Augenblick gestört. Die Judengemem-e von Janina beim König Konstantin. Eine Abordnung der Iudengemeinde von Ianina wurde vom König Konstantin von Griechenland in Audienz empfangen, um die Huldigung und die Ergebenheitserklärung der Iuden von Ianina entgegenzunehmen. Der König (zur Zeit der Audienz noch Kronprinz) empfing die Abordnung sehr freundlich und gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß die Iuden von Ianina so loyale Bürger Griechenlands werden mögen, wie die Iuden des griechischen Mutterlandes es sind. _ Kein Purim m Saloniki. _ Aus Saloniki wird uns geschrieben: Gleich nach Bekanntwerden der Ermordung des Königs Georg von Griechenland wurde der Vorstand der Iudengemeinde zu einer Beratung einberufen, in welcher beschlossen wurde, sowohl an König Konstantin, wie auch an die Königin- Witwe Olga und an den Ministerpräsidenten Venizelos je ein Beileidstelegramm zu richten. Der Großrabbiner Jacob Meir stattete dem Prinzen Nikolaus eine Kondolenzvisite ab, worauf er sich zum griechischen Metropoliten und zum Gouverneur der Stadt Argyropulos begab, um auch ihnen das Beileid der Iudenschaft von Saloniki auszudrücken. Sämtliche jüdische Schulen von Saloniki waren zum Zeichen der Trauer drei Tage geschlossen, lleberdies erließ das Rabbinat ein Verbot, während acht Tage irgend welche öffentliche Vergnügungen zu veranstalten, und hob auch die Pflicht der Purimbelustigungen für dieses Iahr zum Zeichen der Trauer auf. Das englische Kömgspaar im Londoner Ghetto. -- Vorigen Samstag fand die bereits feit einiger Zeit angekündigte Fahrt des englischen Königspaares durch die Londoner Ostseite, welche, wie bekannt, zum größten Teile von Juden bewohnt wird, statt. Die Bewohner dieses Stadtteiles, die hauptsächlich aus eingewanderten Iuden bestehen, haben für den Empfang des Königspaares große Vorbereitungen getroffen. Das ganze Stadtviertel war festlich beflaggt und an mehreren Stellen Triumphbogen aufgestellt. Das Arrangement lag in den Händen der Genossenschaft der Hausierer und Straßenverkäufer, deren Vorstand dem Königspaare seine Aufwartung machte, während die Tochter des Vizepräsidenten dieser Organisation, ein Fräulein Walentin, der Königin Mary einen herrlichen Orchideenstrauß überreichte. Das Kömgspaar dankte für all diese Zeichen der Dankbarkeit und Liebe dieser eingewanderten Juden. Der Großvater zweier Rothschilds. Aus Paris wird uns geschrieben: Der in der Vorwoche verstorbene Jules Beer gehörte zu den angesehensten jüdischen Penöalichkeiten von Paris. Er war der Großvater der Baronin Robert von Rothschild und Lionel de Rothschild in London. Ec war d-r N.ffi des großen Komponisten Meyerbeer. Aber an sich fnst nac Jules Beer ein äußerst wohltätiger Mensch, der die Philanthropie großzügig übte, mehrere Institute gründete und förderte. Zu seinen Lieblings Humanitätsanstalien gehörte die Brschofsheimische Knabenerziehungs-Anstalt, eine Gründung der Famrtie Beer und Biichofsheim. Außerdem verdanken viele jüdiiche Gelehrte und Gewerbetreibende der Mun fizenz, mit welcher Jules Beer ihnen Studienstipendien bewilligte, ihre Existenz und ihr Fortkommen. Die Alliance Jsraelite Universelle und die jüdischest Organisationen. Bekanntlich fand seinerzeit in Brüssel eine Konferenz der großen jüdischen Hilfsorganisationen statt, um die Hilfsaktion .für die durch den Balkankrieg in schwerste Not geratenen Juden einheitlich zu unternehmen. Leider wurde damals eine Einigkeit insofern nicht erzielt, als die „Alliance Jsraelite Universelle" aus bestimmten Gründen sich zu der gemeinsamen Hilfsarbeit nicht entschließen konnte. Auf Veranlassung der Frankfurter Herren in Gemeinschaft mit Herrn Senator Fischer-Hannover hat nunmehr, wie wir erfahren, das Pariser Zentralkomitee der „Ä. I. U." den Beschluß gefaßt, in erneute Verhandlungen über eine gemeinsame Aktion mit den anderen großen Hilfsorganisationen einzutreten. Die Verhandlungen sind jetzt soweit gediehen, daß es ziemlich sicher ist, daß ein Zusammengehen gewährleistet ist. Interessante Entscheidung des deutschen Reichsversicherungsamtes. Eine strenggläubige Jüdin sollte sich auf Anordnung der Landesversicherungsanstalt wegen ihres Lungenleidens einem Heilverfahren in einer Lungenhellstätte unterziehen. Das Mädchen weigerte sich., weil .sie in der Anstalt keine koschere Beköstigung erhalten sollte. Wegen der Weigerung entzog die Versicherungsanstalt der Jüdin die Invalidenrente. Sie klagte vor dem Oberv erficht rungsamte, und dieses hat den Weigerungsgrund für triftig anerkannt und auf Grund des § 1306 der Reichsversicherung so rdnung die Versicherungsanstalt verurteilt, die Rente weiter zu zahlen. Die von her Anstalt eingelegte Revision ist vom Reichsversicherungsamt verworfen worden. Die Klägerin stammte aus einer Familie, in der die jüdischen Speisegesetze aufs strengste gehalten wurden. Diese Gesetze dürfen nur im Falle unmittelbarer Lebensgefahr durchbrochen werden. Dieser Fall hat hier nicht Vorgelegen. Folglich, ist die Klägerin zu ihrer Weigerung berechtigt gewesen. Ableben eines jüdischen Komponisten. In Nervi in Italien starb vorige Woche der jüdische Komponist Feiwel Lwow aus Rußland im Alten von 38 Jahren. Der Verstorbene war der Begründer der Petersburger Gesellschaft für jüdische Volksmusik. Lwow absolvierte das Petersburger Konservatorium mit Auszeichnung und widmete sich dann fast ausschließlich der jüdischen Volksmusik. Er komponierte mehrere jüdische Singspiele und auch die von oben erwähnter Gesellschaft herausgegebene Sammlung jüdischer Volkslieder enthält eine sehr große Zahl gelungener Kompositionen von Lwow. Vor zwei Jahren ereilte ihn eine

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