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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-04-04 · 14 (4.4.1913) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
14 (4.4.1913)
Date
1913-04-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nc. 14 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 243 Zeit beinahe 18.000 Dollars, die anscheinend fruchtbringend verwendet worden waren. 'Für die Entwicklung der Kreditgenossenschaften in Amerika erscheint sich dieser Anfang als minder nutzbringend zu erweifen. als die Beteiligten selber annehmen. Allein eine große Anregung zur Schaffung genossenschaftlichen Kredites — der notwendigerweise wird weiter ausgebaut werden müssen — dürfte er in den zahlreichen jüdischen Niederlassungen in Palästina, Rußland, Argentinien, Canada usw. geben und vermittelst dieses in den verschiedenen Ländern im allgemeinen Notwendigen wird man dann zu Besserem gedrängt werden. Und hierin liegt wohl der wesentliche Wert dieses hebräischen Pionierversuches, welcher Wert sicher nicht zu unterschätzen ist. Henry W. Wolfs (London). Vom Jahrmarkt des Lebens. Juden und Tuberkulose. Der bekannte Moskauer Bakteriologe Dr. Blumenthal hielt dieser Tage in Petersburg einen sehr belehrenden Vortrag über die Tuberkulose bei Juden. Dr. Blumenthal weist darauf hin, daß auch die jüngste Statistik wohl noch immer bei den Juden den geringsten Prozentsatz von Tuberkulose nachweist, immerhin in der absoluten Ziffer eine bedenkliche Steigerung zu bemerken ist. Dies könne nur damit erklärt werden, daß die bisherige Lebensweise der Juden, welche sie trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage und trotz des politischen Druckes, unter denen sie zu leiden hatten, gegen die Tuberkulose gewissermaßen immunisiert hat, in der letzten Zeit eine Aenderung zum Schlechten erfahren haben müsse. Dr. Blumenthal empfiehlt daher, beizeiten soziale und hygienische Maßnahmen zu ergreifen, um die Juden Rußlands vor dieser drohenden Katastrophe zu' schützen. Eine wissenschaftliche Gesellschaft jüdischer Aerzte zur Erforschung Palästinas. Mit der Kolonisierung Palästinas, dessen Besiedelung mit jüdischen Bauern osteuropäischer Herkunft in stetem Zunehmen begriffen ist, haben die auf die sanitäre Erforschung des Landes hinzielenden Bestrebungen bisher nicht Schritt gehalten. Daß es sich aber hier um eine für die ganze Zukunft Palästinas wichtige Angelegenheit handelt, ist von allen Seilen, die derartigen Fragen näher getreten sind, anerkannt worden. Einige Anfänge nach dieser Richtung sind bereits getan. Erwähnenswert sind da Health-Office (eine Stiftung des bekannten Philanthropen Strauß-Newyork), sowie die Unternehmungen des in Deutschland angeregten internationalen Komitees. Vor kurzem ist eine „Gesellschaft jüdischer Aerzte und Naturwissenschaftler für sanitäre Interessen in Palästina" begründet worden, die bereits mehrere hundert Mitglieder zählt (Jahresbeitrag ö M.; derzeitiger Vorsitzender Dr. A. Sandler, Charlottenburg, Droysenstraße 6). Die Gesellschaft, für die ein Komitee unterzeichnet, dem von Aerzten: Ehrlich (Frankfurt), James Israel (Berlin), Leop. Landau (Berlin), Goldzieher (Budapest). Ellinger (Königsberg). Jaques Loeb (Newyork), Hugo Salus (Prag), von Nichtärzten: Rosin (Freibürg), James Simon (Berlin). Paul Nathan (Berlin), Fritz Engel (Berlin), Aronsohn (Vromberg), Werner (München), Bacher (Budapest). Albert Masse (Berlin) und andere angehören, gibt in einem Aufruf ein Programm für ihre Tätigkeit. Sie beabsichtigt. ein Institut für bakteriologische, serologische und mikroskopische Diagnostik in nächster Zeit zu eröffnen. Sie will bei der Bekämpfung der Seuchen (Malaria. Trachose) Mitwirken und Zentralstellen für Erziehung ärztlichen Hilfspersonals für Säuglingspflege und Schulhygiene schaffen. Es ist zweifellos, daß die Gesellschaft eine große soziale und philanthropische Ausgabe erfüllen wird. Eine jüdische Frau, Universitätsprofessor in Petersburg. Aus Petersburg wird uns berichtet: An der hiesigen Universität besteht ein eigener Stiftungskurs, in welchem solche vorzügliche Absolventen ausgenommen werden, die zur akademischen Laufbahn herangezogen Werder: sollen. Die Frequentanten dieses Kurses werden in der Regel zu Professuren für die russischen Hochschulen ausersehen. In diesen Kurs wurde nun vor einigen Tagen eine jüdische absolvierte Iucistin Frau Dora Fleischitz ausgenommen. Frau Rechtsanwalt Fleischitz genießt wegen ihrer hervorragenden juristischen Kenntnisse in ganz Rußland einen ausgezeichneten Ruf. Gerechtes Urteil über Jaden. In dem ..Meinungsaustausch über Deutschtum und Judentum” kommt in der ,,Tägl. Run<lschanu in Berlin vom 17. Oktober 1912 auch Herr Dr. seient. pol. Erhard Schmidt in Halle zum "Wort. Kr führt über die „Generalisierung" aus: ..Mit Recht verbittet sieh der Adel die Verallgemeinerung der Hülle Eulenburg und Metternich. Mit Recht verbittet der Ofi'izierstand es sich, daß ihm die Verfehlungen Einzelner, wie Niemelas, aufs Konto geschrieben werden. Mit Recht verbittet es sich die Geistlichkeit, daß man die Aeußerungen des Stahnsdorfer Pfarrers Luther gegen sie ausschlachtet. End jeder, der nicht den sonderlichen Ehrgeiz hat, Thersitcs sein zu wollen, gibt ehrlich zu, daß kein Stand, keine Klasse frei ist von brüchigen Existenzen und daß wir nicht 99 verdammen dürfen, weil der 100. ein elender Kerl ist. Aber viele von denselben Leuten wenden ein ganz anderes Maß an, wenn es sich darum handelt, daß ein Jude wegen Betrugs verurteilt ist. Das ist etwas ganz anderes, das darf man getrost dem Judentum als solchem ankreiden! Man begegnet — und nicht bloß in den Kreisen der Hepp-Hepp-Eufer — dem Juden von vornherein mit einem Mißtrauen, während man den Nichtjuden gleichen Berufs, gleicher Bildung doch so lange für einen anständigen Menschen hält, bis er das Gegenteil beweist. Man sage nicht, das sei eine allerdings unangenehme, aber doch vorübergehende Prüfung. Nein. Wo Mißtrauen sich zeigt, ist Antipathie verborgen. Das Urteil steht schon fest, man sucht nur noch die Gründe und kommt sich wer weiß wie objektiv vor, wenn man schließlich „Tatsachen" aufführen kann und eine Aeußerung ausgegraben hat, die irgendwie unpassend war. Wer sucht, findet. Wenn einer gehenkt werden soll, den Strick hat man noch immer beschaffen können. Und kann man an ihm nichts aussetzen, so heißt es: ,,Gewiß, Jude ist er ja, aber ein sehr anständiger Charakter.“ 'Fühlt ihr denn nicht, wie bitter wehe das jedem tun muß, auf Kosten seiner Blutsgenossen und Freunde gelobt zu werden? Ist es vielleicht eine Anerkennung, wenn man sagt, er ist Berliner, aber ein bescheidener Mensch? Ich denke doch nicht. Damit komme ich zu einer Kernfrage, wen trifft der Antisemitismus, d. h. also die bewußte Abneigung oder Feindschaft gegen den Juden schlechthin, als den Vertreter einer bestimmten Art? Doch vor allem die edlen, vornehmen Charaktere, die den “Wunsch haben, mit ihren Mitbürgern anderer Abstammung in ehrlichem Frieden zu leben und die die Menschheit nicht in Langschädel und Kurzschädel einteilen, sondern den einzelnen Menschen als solchen werten. Weniger getroffen werden die durch die Behandlung, die. wir ihnen haben zuteil werden lassen. Abgestumpften, die auf derlei Anrempelungen in der gleichen Weise reagieren, und erst recht nicht die sittlich minderwertigen Elemente. Daß es auch unter den Juden solche gibt; ja hat denn das jemals ein zurechnungsfähiger Mensch bestritten? Das müßte ja ein wundersam Volk sein, das nur aus Edelleuten besteht, in dem nur das Gute, nicht auch das Böse wohnt, in dem neben der Liebe nicht auch der Haß, neben der Treue nicht auch der Verrat, neben der selbstlosen Hingabe nicht auch der kalte Eigennutz vorkäme. j . . . Um von den vielen Fragen, aut die ich hier leider nicht eingehen kann, nur eine herauszugreifen: den Materialismus der Juden, ihren Mangel an idealer Hingabe an eine Sache, der immer wieder behauptet wird. Fragt doch einmal einen Menschen, der mitgearbeitet hat bei einer

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