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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-04-04 · 14 (4.4.1913) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
14 (4.4.1913)
Date
1913-04-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 242 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 14 ausgedehnt werden. In genossenschaftlichen Hauptquartieren in Europa darf" man sich somit für das bevorstehende Frühjahr auf ziemlich weitgehende Aussragung gefaßt machen. Mlerdings hat man mittlerweile nach verschiedenen Richtungen hin mit vorbereitenden Versuchen begonnen. Tic vortrefflichen Rusultate der von meinem Freunde und Zögling A. Desjardins unter den französischen Kanadiern gegründeten Kreditvereine nach echt Luzzattischem Muster haben auch; über die Grenze hinaus zur Nachahmung angespornt und in New-Hampshire haben sich, auch ohne gesetzlichen Schutz, mehrere gleicht Kreditvereine gebildet, die sich bewähren sollen. In Massachussetts anderseits hat Fiske Marren — welcher sich auch um die Einführung der Kreditgenossenschaft in den Philippinen bemüht hat — eine kleine Raiffeisenkasse gegründet. Der vormalige Bankkommissär dieses Staates hat sodann nach Beratung mit mir die Annahme eines Gesetzes für diesen Staat allein durchgesetzt, welches Gesetz allerdings noch viel zu wünschen übrig läßt. Um es dem Staatsparlament überhaupt mundgerecht zu machen, hat der Kommissar sich; stark an die Gesetzgebung für Baugenossenschaften angelehnt. Allein selbst in all seiner Unvollkommenheit hat dieses Gesetz doch einige Früchte getragen. Nach dem letzten amtlichen Ausweis des BantkommiMrs (pro Neujahr 1912; der neue ist mir noch nicht Zugegangen) hatten sich zu Neujahr.1912 22 Kreditvereine gebildet, wovon 17, mit 1623 Mitgliedern, in Wirkung waren. Recht interessant zu bemerken ist es, daß die italienischen Einwanderer (Handwerker), an die Sache gewöhnt, sich; das Gesetz schnell zunutze zu machen gewußt haben. Sonst hat wohl auch der französisch-katholische Einfluß des Herrn Desjardins französische Eiin'w^nderer vermocht, ihre Notre Dame des Lanadiens, Notre Dame de Lourdes usw. -Vereine zu bilden. (Desjardins wurde eigens zur Organisierung auf einige Wochen nach; Massachusetts requiriert.) Zwei dieser Vereine sind konfessionell hebräisch. Und zwei sind für Beschäftigte in Zwei geschäftlichen Betrieben. Man sieht, die Leute tun sich erst zusammen, je nachdem sie unter sich ^Fühlung haben und empfinden, daß sie sich auf einander verlassen können. Eine weitere Ausbreitung, wie Schulze-Delitzsch sie wollte, wird man der Zukunft überlassen müssen. In ganz anderer Weise ist der heute erwähnte jüdische Ansiedlungsverein vorgegangen. Derselbe besteht — in Amerika, aber durchaus nicht für Amerika allein — um. mit der Unterstützung, welche reiche Gönner wie die Rothschilds, der verstorbene Baron Hirsch und andere ihn zur Verfügung stellten, die Ansiedlung von Israeliten, welche sich der Landwirtschaft widmen wollen, zu fördern. Wohltätige jüdische Vereine betreiben ja derartige Ansiedelung, wo die Umstände das gestatten, seit sehr langer Zeit, allein mit besonderem Eifer, seitdem die zionistische Bewegung eingesetzt hat. Man behauptet, der jüdische Landwirtschaftsbetrieb in Palästina habe überhaupt niemals ausgesetzt, und schreibt seinen Stammes- und Glaubensgenossen recht treffliche Befähigung zum Betriebe der Landwirtschaft zu. Hauptsächlich handelt es sich bei dieser Besiedlung in den Vereinigten Staaten, wie in Palästina, der Türkei üsw., um Unterbringung der Opfer der Pogroms und ähnlicher Verfolgungen in Rußland, Rumänien, Galizien usw. — somit um recht arme und bedürftige Leute. Allein in den Vereinigten Staaten, in welchen über zwei Millionen Juden ansässig sein sollen — also mehr als in irgend einem anderen Lande, mit Ausnahme von Rußland, welches gegen sechs Millionen Juden zählt — gibt es auch eine nicht geringe Anzahl von verhältnismäßig gut situierten jüdischen Landwirten, welche sich schon länger zu Vereinen zusammengetan haben, um wohlfeileren Bezug ihrer Bedürfnisse zu genießen. Und diese Vereine hat denn vor kurzem ein vom tätigen Geschäft zurückgetretener Landwirt, Samuel Berker, veranlaßt, zu einem Verbände zusammenzutreten, der nicht allein den Bezug weiter verbilligt, sondern auch zum Produktenverkauf hat übergehen können — alles allerdings noch in mangelhafter Weise. Zu diesem Behufe veranstaltet der Verband von Zeit zu Zeit öffentliche Ausstellungen, die bereits recht besucht sind. Und jeden Herbst hält er einen Verbandstag ab, wozu Mitglieder sich in Menge einfinden sollen. Denn es sollen heute im ganzen in dien Vereinigten Staaten 18.590 Juden mit 174.906 Hektar Grundbesitz im Werte von 22,194.335 Dollars als Landwirte angesessen sein. Am stärksten von 'Juden bevölkert sind die Staaten Newport, Rew-Iersey und Connecticut. Der bereits erwähnte Hilfsverein bildete sich bereits 1888, trat indessen erst weit später in wirkliche Tätigkeit. Mil Hilfe beigesteuerten Geldes hat er verschiedene rein jüdische Niederlassungen angekauft. Erst im Jahre 1911 (nachdem mein Buch Eooperatioe Banking im Herbst 1907 und die letzte Ausgabe meines People's Danks im Jahre 1910 erschienen waren — der Geschäftsleiter bezieht sich auf diese Bücher) kam dem Vorstande der Gedanke ein, zur Einführung des gewerkschaftlichen Kredits überzugehen. Ein eigenes Gesetz hiefür gab es nicht. Allein man beschloß, auch ohne Gesetz vorzugehen. Das Ziel, welches man sich vorsteckte, war ausgesprochen die Raiffeifensche Darlehenskasse. Indessen, abgesehen davon, daß man für jedes Darlehen den Zweck vorher wissen und prüfen will und überhaupt nur für produktive Zwecke und in Fällen dringender Not Geld vorschießt, hat män sein Ziel augenscheinlich! verfehlt. Eine ausdrückliche Begrgnzung des Gebietes ist nicht vorgeschrieben: auch können Abziehende ihre Geschäftsanteile beibehalten, verlieren.nur das StimMscht — welches in jedem Falle auf eine Stimme beschränkt bleibt, soviele Anteile auch das Mitglied besitzen mag. Ter Geschäftsanteil ist auf 50 Dollars, also aus 248 Kr. festgesetzt und Mitgliederrechte beginnen erst nach voller Einzahlung, welche in wöchentlichen oder monatlichen Teilzahlungen geleistet werden darf. Zum Beginn sollen 500 Dollars zusammenkom'men, worauf der Ansiedlungsverein weitere 500 Dollars zu 2 Prozent vorschießt. Einlagen dürfen nicht angenommen werden, damit man nicht mit beim' Bankgesetze in Konflikt komme. Zum erzielten Eeschäftsge'winn bilden somit — 6 Prozent Zinsleistung für Darlehen, Strafgelder, Eintrittsgelder usw., die einzigen Ertragsquellen. Da man es indessen rlach statutenmäßiger Zurücklegung von alljährlich 25 Prozent des Geschäftsgewinnes, — bis die Reserven die volle Höhe des Anteilskapitals erreicht haben — auf 12V» Prozent Dividende gebracht hat, so genügen solche Quellen offenbar. Sehr demokratisch sind die Verwaltungsbestimmungen. Die Generalversammlung hat in allen Dingen die oberste Gewalt und für die meisten Dinge ist nur Zweidrittel-Majorität notwendig. Verwaltungsbehörde ist der „Rat" (Board), bestehend aus beti 4 Vereinsbeamten (Präsident, Vizepräsident, Schatzmeister und Sekretär) als Vorstand und Kreditausschuß, und drei anderen als Aufsichtsrat. Von den 4 Vorstandsmitgliedern müssen drei mit „Ja" stimmen, wenn ein Darlehen gewährt werden soll. Mitglieder der Verwaltungsbehörde selbst dürfen nur Darlehen entnehmen, sofern die Generalversammlung mit Zweidrittelmehrheit dafür gestimmt hat. Wie inan sieht, sind die Satzungen der Verbesserung noch sehr bedürftig. Zurzeit bestehen zehn solcher Kassen. Zum Schluß des letzten Finanzjahres (30. Sept.) gab es deren nur acht, welche in acht Monaten ihres Bestandes an Geschäftsanteilen 4180 Dollars (836 Anteile) zusammengebracht hatten. Ausgeliehen hatten sie in der

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