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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-04-04 · 14 (4.4.1913) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
14 (4.4.1913)
Date
1913-04-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14 £>r. Vkochs Wochenschrift. Sette 24l Das nächste Referat, von Frau Helene Meyer (Stargard) erstattet, handelte „lieber Arbeitsnachweis und Stellenvermittlung". Ein Drittel aller jüdischen Frauen führen arbeitend den Kampf ums Dasein, darum empfiehlt es sich für alle Ortsgruppen, in Verbindung mit der jüdischen Gemeinde, am Orte unentgeltliche Stellennachweise zu errichten. Die Ortsgruppen des Iüd. Frauenbundes haben in 50 Städten kostenlose Stellenvermittlungen eingerichtet. Das Wichtigste ist die geplante Schaffung eines Kartelles der weiblich-jüdischen Stellennachweise auf sozialer Grundlage. Den Schluß des zweiten Tages bildete die Beratung der gedruckt vorliegenden Anträge, unter denen von besonderer Wichtigkeit der Antrag war, eine Petition wegen Anstellung jüdisch erLehrerinnen an öffentlichen Schulen an die zuständigen Behörden zu richten und die organisierten deutschen Frauen zu veranlassen, diese Petition zu unterschreiben. Ferner gelangten zur Annahme Anträge zur Gründung von Haushaltungsschulen. zur Verbreitung der Literatur zur Sittlichkeilsfrage, zur Errichtung von Jugendgruppen und Erweiterung der Vertrauensliste der ausländischen Schutzadressen. Am nächsten Tage fanden die Sitzungen der Kommissionen für Stellenvermittlung, in der das erwähnte Kartell gegründet wurde, und der Jugendkommission, sowie eine geschlossene Vorstandsitzung statt. Die Tagung wurde durch einen „Jugendabend" beendet, an welchem in Einzelreferaten die Aufgaben der Jugendgruppen und Mädchenklubs beprvchen wurden und die weibliche Jugend aufgefordert wurde, sich zu wirklichen Helferinnen in der jüdischen sozialen Arbeit heranzubilden. Mit diesem Ausblick in das künftige Wirken der neuen Generation, die weiterführen soll, was die heutige geschaffen hat, schloß die 4. Delegiertenversammlung des Iüd. Frauenbundes. Das ernste Streben und der feste Wille einet Auzahl Frauen, der Not unserer Glaubensgenossen zu steuern und die jüdischen Frauen zu vereinen in sozialer Hilfstätigkeit und allgemeiner Kulturarbeit, haben diesen Bund geschaffen und zu seiner Entfaltung gebracht. Sein höchstes Ziel und seine schönste Aufgabe sind in den Worten ausgedrückt, mit denen die Begründerin und Vorsitzende Fräulein Bertha Pappenheim das ideale Programm des Bundes zusammenfaßte: „Die latenten Kräfte der jüdischen Frau lebendig zu machen, ihr den Wunsch und den Mut zur Erhaltung der jüdischen Eigenarr zu geben, sie der modernen sozialen Entwicklung und dem geistigen Leben zugänglich zu machen, damit sie auf dem Boden angestammter jüdischer Ethik Milträgerin deutscher Kulturaufgaben werde." Jüdische Genoffenschaftspionierr in Amerika. *) Daß Juden vortreffliche Genossenschafter - auch Genossenschaftspioniere - abgeben können, wissen wir aus dem fruchtbringenden italienischen Wirken von Luzzatti und Wollemborg, denen die Genossenschaftswelt die Namen „Schulze-Delitzsch" und „Raiffeisen" beigelegt hat. Dieser beiden Männer Wirken hat indessen nichts spezifisch Indisches oder Konfessionelles an sich. Wollemborg verbündete sich gleich bei Einrichtung seiner ersten Darlehenskasse mit seinem Ortspfarrer: und weitaus die überwiegende Zahl von Luzzattis Anhängern sind ja Christen. *) „Die Genossenschaft". Redigiert von Karl Wrabetz. -12 Jcch'- ga.ig, Nr. 12, vom 22. März 1913. Spezifisch jüdische Genossenschaften zu bilden, zu welchen nur Juden annehmbar sind und die zu gleicher Zeit für ein großes Reich als Pioniere und Muster zu dienen bestimmt sind, ist einem jüdischen Ansiedlungsverein in den Vereinigten Staaten Vorbehalten geblieben. In den Vereinigten Staaten herrscht gegenwärtig ein gewaltiges Verlangen nach Einführung der Kreditgenossenschaft. Landwirtschaftliche „Genossenschaften" zählen die Vereinigten Staaten bereits verschiedene Tausende. Allein, daß das auch wirkliche Genossenschaften im europäischen Sinne sind, wagen nur sehr wenige zu behaupten. Es find, soweit sie sich wirklich in Wirksamkeit befinden was nach einem neueren Bjerichta des Statistischen Amtes durchaus nicht alle tun Gegenringe gegen die die Landwirte überoorteilenden Händlerringe. Allein der Schuh drückt. Wie Präsident Tafl erst neuerdings den Gouverneuren sämtlicher 46 Staaten in eigenem Handschreiben mitgeteilt hat, fehlt der amerikanischen Landwirtschaft vor allen Dingen Betriebskapital. Langer Raubbau hat den Boden ausgesogen. Tie gewonnenen Erträge stellen sich auf etwa ein Drittel oder ein Viertel dessen, was z. B. in England geerntet wird. Dabei sind andere Dinge im Werte gestiegen. Wie der Statistiker B. I. Jokum kürzlich ausgerechnet hat, erborgen sich die amerikanischen Landwirte alljährlich von ihren Händlern geigen 6.000,000.000 Dollars zu dem ganz mäßigen Zinsfüße von 8—12 Prozent, welcher Satz sich durch die Preise von verkauften Waren, wie sie die in Botmäßigkeit gebrachten Borger ja entnehmen müssen, auf das Doppelte oder Dreifache erhöht. Allein selbst bei solchem großartigen Borgen mangelt es noch an Betriebskapital für das große Gewerbe, welches für die Vereinigten Staaten doch immer noch die Hauptguelle nationalen Reichtums bilden soll. Darin soll nun Wandel geschaffen werden. Alle Welt ist darüber einig. Sowohl der abgehende wie auch der antretende Präsident haben die Dringlichkeit der Sache öffentlich mit Nachdruck betont. Botschafter Herrick hat einen gut repräsentativen Aktions-, ausschuß gebildet, wovon einige Mitglieder demnächst Europa zur Anstellung von Erhebungen besuchen sollen. Die Handelsvereinigung der 16 südlichen Staaten hat ein weitreichendes Aktionsprogramm entworfen, welches Senat und Repräsentationshaus gutgeheißen haben. Es ist ein Ausschuß von etwa hundert Mitgliedern gewählt werden, von denen eine Abordnung ebenfalls im April bis Juni Europa zu gleichem Zwecke besuchen soll. Der Kongreß hat ihr dazu diplomatische Empfehlungen und Fürsprache zugesagt. Und auch die verschiedenen Staatsgouverneure haben sich einstimmig für die Sache erklärt und einen Neunerausschuß eingesetzt. Bei den Gouverneuren handelt es sich namentlich um notwendige neue Gesetzgebung, welche Sache nicht des Bundes, sondern der einzelnen Staaten ist. Vorläufig ist die Gesetzgebung noch sehr ungünstig. Der Kreditgenossenschaft steht die Bankgefetzgebung im Wege, welche die Annahmen von Einlagen verbietet oder doch erheblich erschwert. Im übrigen besitzen nur sechzehn Staaten (unter sechsundvierzig) Gesetzgebung, welche die Genossenschaft überhaupt nur ermöglicht. Und diese Gesetzgebung ist im höchsten Grade schwerfällig, weshalb denn auch neben dem Schwarm von landwirtschaftlichen „Genossenschaften" die sich meist auf das Handelsrecht verlaßen — nur ganz wenige Konsumvereine, mit sehr stark kapitalistischem Anstrich, bestehen. Hier soll nun. zum mindesten für die Landwirtschaft, wie gesagt Besserung geschaffen werden. Und auf Vorstellung meines Freundes Sir Horace Plunkett, der vor kurzem die Vereinigten Staaten besuchte, soll die bevorstehende Untersuchung auf landwirtschaftliche Genossenschaften im allgemeinen

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