Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 14 (4.4.1913)
- Date
- 1913-04-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette *A0 Dr. Blvchs Wochenschrift. ^tr. tlsteine nicht aufrecht stehend, sondern liegend aus das Grab auszubreiten, eine Einrichtung, die auch auf dem 'Friedhofe am Fuße des Oelberges in Iecusalrm eingeführt ist zeigt die Abdrücke von zwei Händen. Der Stein führt den Namen „La piedra de los Malacliim-, d. h. „der Stein der Engel". Es geht nämlich non diesem Grabsteine die Sage, daß die Engel, die ihn emporheben, wenn der Rabbi sich in Den Himmel begeben will, und dann, wenn er zu seiner Ruhe zuriickgekchrt, ihn wieder sinken lassen, die Abdrücke ihrer Hände in dem Stein zurücklassen. (Fortsetzung folgt.) Ler IV. §rlegierte«tag des Jüdische« Fraaendnndes in Leipzig. Don Stephanie Forchheimer-Fiaila. In der Zeit vom 18. bis 20. März 1913 tagte in Leipzig die 4. Delegierten- und Mitgliederversammlung des Iüd. Frauenbundes. Der Jüdische Frauenbund bedeutet den organisierten Zusammenschluß aller jüdischen Frauen und Frauenvereine innerhalb der deurschm Frauenbewegung. Der Bund wurde vor acht Jahren von Fräulein Bertha Pappenheim, der' Führerin auf dem Gebiete jüdisch-sozialer Frauenarbeit, gegründet und umfaßt heute 160 Vereine und 35.000 Linzelmitglreder. Diese Zahlen zeigen die Größe der Entwicklung des Bundes, der heute ein wichtiger Faktor in der allgemeinen deutschen Frauenbewegung geworden ist. Das reiche Programm der Tagung erbrachte den Beweis über die geleistete Arbeit und 5ot ein klares Bild der großen Ziele und Aufgaben des Iüd. Frauen bundes. Die 1. Vorsitzende Frl. Bertha P a p v e n h e i m (Frankfurt a. M.) eröffnete die Versammlung und begrüßte die zahlreich Erschienenen. Ein ergreifender Auftakt zu den nun iolgenden Verhandlungen war die Ansprache der Frau Henriette Goldschmidt (Leipzig), der Seniorin der deutschen Frauenbewegung und einzigen noch lebenden Mitbegrün denn des Allgemeinen Deutschen Frauenvereines. Sie führte aus: „Der Lebensinhalt eines Volkes ist die von ihm geschaffene Kultur. In Deutschland gibt es kein Gebiet nicht nur materieller, sondern auch geistiger Art auf dem das Judentum fehlt. So sind auch die jüdischen Frauen eingetreten als Mitarbeiterinnen in die gemeinsame Arbeit der deutschen Frau. Der Genius des deutschen Volkes ist auch der unsrige, aber heilig ist und bleibt unsere Vergangenheit." Rach diesen bedeutungsvollen Ausführungen wurde in die praktische Arbeit eingetreten und die Schriftführerin des Bundes Frau Henriette May (Berlin) erstattete den Geschäftsbericht, dem sich der Kassenbericht der Kasfenführerin Frau Dr. M. Frankl (Berlin) anschloß. Es folgte nun das Referat von Fräulein Pappenheim (Frankfurt a. M.): „Aus unserem Programm." Die Rednerin gedachte der Entwicklung des Iüd. Frauenbundes, der sich anfangs auf einen kleinen Kreis beschränkte. sich aber jetzt als ein wichtiger gleichberechjtigter Faktor in der allgemeinen deutschen Frauenlj.- wegung erweist. - Das lebendig gewordene Bundesprogramm zeigt in der praktischen Arbeit als Hauptaufgabe das Streben, die traditionelle Wohltätigkeit in eine rationelle Wohlfahrtspflege umzuwandeln. Bundesaufgaben. die von Einzeloereinen eines Ortes nicht gelöst werden können, sind die Errichtung und Erhaltung des Heims in Neu-Isenburg für gefährdete Mädchen, die Stellenvermittlung, die Jugendfürsorge und Jugendpflege, sowie die Teilnahme an der Bekämpfung des Mädchenhandels. Am Nachmittage behandelte Frau Anna Neumann (Leipzig) in einem Vortrage „die jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen Leipzigs". Hierauf sprach Fräulein Sidonie Werner (Hamburg) „zur Schächtfrage". Nach den klaren^und sachlichen Ausführungen der Referentin zu dieser Frage, in der die Frauen erst urteilsreis gemacht werden sollen, wurde folgende, einstimmig angenommene Resolution gefaßt. „Die IV. Delegiertenversammlung des Iüd. Frauenbundes in Leipzig am 18. März 1913 erklärt: 1. Das Schächten ist ein jüdisches Reiigionsgefetz. 2. Das Schächten ist nach den Urteilen von Sachverständigen der Physiologie, der Medizin, der Tierheilkunde und von zahlreichen Schlachthofdirektoren eine einwandfreie, durchaus gleichwertige Tütungsmethode. 3. Die jüdische Religion verurteilt jede Tierguälere.l auf das schärfste. Den ersten großen Abendvortrag hielt Frau Paula Ollendorf (Breslau) über „Jüdische soziale Hilfsarberi". Sie sprach von den Bruderpflichten jedes Juden gegen seinen armen Stammesbruder, von der Notwendigkeit sozialer Hilfsarbeit, von der Fürsorge für die Arbeitsuchenden, die Strafgefangenen, die schulpslichtige und schulentlassene Jugend und von der Fürsorge für' die seelisch und körperlich Siechen und Kranken. Die jüdische soziale Hilfsarbeit gab den gemeinsamen Boden, auf dem sich alle zusammenfanden. Gerade in dieser Zeit der Parteiung und Schattierungen schärft sie das jüdische soziale Gewissen auch derer, die heule nur ein lockeres Band mit dem Judentum verbindet; sie kannkein Abschließen von der Gesamtarbeit zur Folge haben, weil die Gesundung des Teiles notwendig ist zur Gesundung des Ganzen. Der zweite Tag der Delegiertenversammlung brachte zunächst die Erledigung verschiedener geschäftlicher Angelegenheiten und Wahlen. Hierauf folgten mehrere Einzelreferate. Frau Isabella Heim (Nürnberg) berichtet über „Bahnhosshilfe" und betonte besonders den Anschluß der jüdischen Bahnhofshilfe an die der anderen Konfessionen. Ter Iüd. Frauenbund hat in verschiedenen deutschen Städten Ortsgruppen zur Bahnhofshilfe eingerichtet. Nur durch einmütiges Zusammengehen aller Faktoren kann Ersprießliches, besonders im Kampfe gegen den Mädchenhandel, geleistet werden. Frau Levi-Elkan (Frankfurt a. M.) sprach „zur Wohnungsfrage" und gab in ihrem Vortrage besonders die Erfahrungen einer in Frankfurt bestehenden Einrichtung zur Wohnungsaufsicht und Wohnungspflege bekannt. die praktisch und theoretisch tätig ist. Am Nachmittage erstattete Frau Stephanie F o r chheimer (Frankfurt a. M.) den Bericht über „das Heim des Iüd. Frauenbundes -in Neu- Isenburg", dessen Gründung einen Markstein in der Geschichte der jüdischen Wohlfahrtspflege bedeutet. Das Heim soll das unreife Kind, das Heranwachsende Mädchen und die werdende Mutter in seinen Schutz nehmen. Es hat während seines fünfjährigen Bestehens über 80 Mädchen Aufnahme gewährt und ihnen Schutz, Hilfe und Ausbildung zuteil werden lassen. Da die Mittel nicht mehr genügen, wurde eine Petition um Unterstützung des Heims an den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund beschlossen. Frau Paula Nassauer (Frankfurt a. M.) referierte über ein geplantes „Iüd. Frauenbuch", welchesden Zweck hat. durch eine Sammlung der besten Arbeiten zu zeigen, 'was die jüdische Frau der Gegenwart in Literatur, Kunst und Wissenschaft leistet.