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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-03-28 · 13 (28.3.1913) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
13 (28.3.1913)
Date
1913-03-28
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 232 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 13 So kontrollieren Vater und Sohn-' eine tüchtige Zahl deutscher Handelshäuser, und ihr Einfluh erstreckt sich aus ungeheure Summen des Nationalvermögens. Walter Rathenau ist Techniker und Physiker, Kaufmann. Bilder- und Musikkenner. Physiologe und Chemiker, Volkswirt und Kolonialforscher, und diese vielfältige Art hat ihn nicht verflacht, sondern vertieft. . . Nachdem er in den Riesenbetrieben des Vaters als Direktor tätig gewesen, bekundete er fünf Iahre als Geschäftsführer der Berliner Handelsgesellschaft hervorragende Organisations- und Sanierungsgaben. Er war als Bankgewaltiger noch akiio, als er unter dem Gesamttitel „Impressionen" einen Band Skizzen und Essais cherausgab. die mutige und kühne Gedanken in einer peinlich sauberen Hülle brachten. (Das „Neue Wiener Journal" konnte im letzten Jahre manche wertvolle Aeußerungen Rathenaus zu wichtigen Tagesereignissen veröffentlichen.) Am interessantesten sind aber ein paar Aphorismen, kurzweilige Kommentare zu seinen eige neu und des Vaters geschäftlichen Taten. Zum Beispiel: „Die Klage über die Schärfe der Konkurrenz ist in Wirklichkeit meist nur eine Klage über Mangel an Einfällen." Oder: „Wer sich beklagt, daß er zu viel zu tun hat, beweist, daß er nicht organisieren kann. Napoleon hätte nie abgelehnt, Spanien zu erobern — rjjit der Motivierung, er sei-überlastet. Wer dagegen zu wenig zu tun hat. beweist, daß er überflüssig ist." Von einem tiefen Geist zeugen die lapidaren Satze: „Bedürfnisse erkennen und schaffen ist die Grundlage aller Geschäfte" und: „Unfähige Menschen erkennst du daran, daß sie ihre Nachfolger zu unterdrücken suchen." Einen wahrhaft königlichen Stolz bekunden die Betrachtungen über den Gelderwerb: „Ich habe noch niemals einen wirklich großen Geschäftsmann und Unternehmer gesehen, dem das Verdienen die Hauptsache seines Berufes war, und ich möchte behaupten, daß, wer am persönlichen Geldgewinn hängt, ein großer Geschäftsmann überhaupt nicht fein kann. Der Händler und der Krämer, der von des Tages Arbeit lebt, will und muß in erster Linie an sein Einkommen Lenken, denn er setzt seine leibliche und geistige Kraft in gleicher Weise in Lebensunterhalt um wie der Fabrikarbeiter und der Beamte, nur mit dem Unterschied, daß er eine gewisse, meistenteils scheinbare Selbständigkeit der Verfügung und Arbeitseinteilung sich erhält. Aber wenn er auch einige Maren gegen Kredit erwirbt und auf Kredit verkauft, so macht er doch im eigentlichen Sinn ebensowenig Geschäfte wie ein Chausseehauswächter, ein Warenhausverkäufer oder ein Telegraphenbeamter. Er arbeitet als Mandatar und im Akkord seiner Gläubiger. Es fehlt ihm die Freiheit der Disposition . . . Nicht jeder Kaufmann ist auch ein Geschäftsmann, so wenig wie jeder Dienstmann ein Kommissionär, wie jeder Kutscher ein Fuhrmann, jeder Bierzapfer ein Restaurateur. Ausreichendes eigenes oder fremdes Kapital im Verhältnis zum Umfang der geplanten Geschäfte und eine naiürliche Begabung, die weder durch Lehrzeit noch durch Akademie oder Praris ersetzt werden kann, machen den Geschäftsmann." * Im Jahre 1907 hat Walter Rathenau Ostafrika. 1908 Südafrika in Gesellschaft seines Freundes Bernhard Dernburg bereist, der damals Kolonialstaatssekretär war. Rathenau reiste auf eigene Kosten, aber mit einem amtlichen Auftrag: Der Reichskanzler 'Fürst Bülow hatte ihn nämlich gebeten, sich des Kolonialministers anzunehmen, da Dernburg in den Formen des Verkehrs mit Europäern sowohl wie mit Afrikanern etwas nachlässig sei. Seit diesen Reisen hat Dr. Rathenau nichts selten Gelegenheit gehabt, seine Erfahrungen und Ansichten über Kolonialfragen Wilhelm II. darzulegen, wie denn der Kaiser überhaupt seit mehr als einem Jahrzehnt mit den beiden Rathenaus in ununterbrochener Beziehung steht. Daß der mehr als zweiundsiebzigjührige Geheimrat für 9 Uhr abends zu einer Unterhaltung unter vier Augen ins Berliner Schloß gebeten wird, ereignet sich gar nicht selten, und andererseits können sich die Rathenaus zu jeder Tageszeit mit dem deutschen Kaiser verbinden lassen — der Monarch ist auch dem Gebrauche des Telephons nicht abgeneigt. Im Hause des Geheimen Baurates (der, genau wie sein Sohn Walter, ungetaufter Jude ist) verkehren alle Staatsminister und Staatssekretäre, aktive urib verabschiedete. Als sich etwa vor zehn Jahren Rathenaus einzige Tochter mit dem Inhaber des hochangesehenLN Berliner Bankhauses Hardy u. Komp., Herrn Andreä, verheiratete, erschienen zum Festdiner die höchsten Würdenträger des Reiches und des Staates. Dr. Waller Rathenau, der 45 Jahre zählt und (nach einer kurzen Ehe) ein Junggesellendasein führt, hat sich vor einem Jahre eine prächtige Villa im Grunewald erbaut und besitzt seit drei Jahren das königliche Schloß 'Freienwalde, das er vom Kaiser nur unter der Bedingung kaufte, daß es auch in Zukunft den Titel „Königliches Schloß Freienwalde" führe. Unter all diesen Umständen ist es nicht unwahrscheinlich, daß Dr. Rathenau, der ein mehrfacher Millionär ist, einmal plötzlich alle Geschäfte an den Nagel hängen muß, um als Botschafter des Deutschen Reiches nach Washington zu gehen. Für die Vereinigten Staaten müßte er seinen Glauben gewiß nicht wechseln. (Er täte es nämlich nicht, teils aus Stolz, teils weil es eine Familienbestimmung verbietet.) Dr. E. F r i e d e g g. Literatur. Warnung vor einer antisemitischen Bücherlotterie. Der Deutsche Schillerbund zur Veranstaltung regelmäßiger nationaler Festspiele für die deutsche Jugend am Weimarischen Hoftheater versendet in den letzten Tagen an sämtliche höheren Schulen Zirkulare, in welchen er zur Beteiligung an einer sogenannten Bücherlotterie aufsordert, deren Einnahme den Grundstock des Vermögens für den „Schillerbund" bilden soll. Vater der Idee ist der bekannte antisemitische Literaturprofessor Adolf Bartels, der, wie aus dem Bücherverzeichnis hrrvorgeht, auf diese Weise den Versuch macht, seine und andere antisemitische Schriften in die deutsche Jugend zu verpflanzen. Es sind nämlich in dem Verzeichnis eine ganze Anzahl antisemitischer Schriften gefährlichsten Inhalts aufgeführt, so Einhärdt: „Deutsche Geschichte", Bartels: „Deutsche Literaturgeschichte", „Einführung in die Weltliteratur", Böckel: ..Die deutsche Volkssage". Diese Bücher sollen in lOO.resp. 500 Eremplaren verlost werden. Es wäre dringend angebracht, daß Schüler und Schülerinnen über den Charakter der Lotterie aufgeklärt und veranlaßt werden, sich nicht daran zu beteiligen. Stola und Tallitli. Die gelehrte Abhandlung des Herrn Dr. Armin Adele« in der letzten Nummer dieser Zeitschrift hat in der gerechten Voraussetzung, daß eine vorzugsweise für Laien bestimmte Volksschrift zu keinen Mißverständnissen Anlaß geben darf, gegen die Behauptung, daß die katlx. Stola sich aus dem jüd. Tallith entwickelt habe, Einspruch erhoben. Gewiß war ursprünglich und auch in frühchristlicher Zeit der Tallith kein Kultgegenstand; das braucht den Fachleuten und in einer Volksschrift den Laien nicht gesagt zu werden. Aber ebenso wenig diente die Stola, welches AVort gleichfalls nur „Kleid“ bedeutet, ausschließlich Kultzwecken. In früheren Jahrhunderten hatte die Stola eine andere Form, als welche heute gebräuchlich ist. In der gallischen Kirche war sie kein einfacher, schmaler Streifen,

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