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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-03-28 · 13 (28.3.1913) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
13 (28.3.1913)
Date
1913-03-28
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Blochs Wochenschrift '«eite 231 Tie Besucher des Hotels sind in der Tat überrascht und entzückt von den prachtvollen Räumlichkeiten dieses neuen Etablissements. Der Speisesaal ist zweifellos der schönste von ganz Meran, und anschließend an diesen Speisesaal kann man eine treffliche, nach allen rituellen Vorschriften eingerichtete Laubhütte (Sukkah) betreten. Ein Hotel mit einer stimmungsvollen Prachthalle voll der schönsten Deckengemälde, mit einer schönen Synagoge für Männer und Frauen, einem rituellen Bad (Mikwah), einer Laubhütte (Sutkah), Lift und Zentralheizung, schönem Treppenhaus und prachtvollem Garten: das bildet eine Neuheit, für welche dir jüdischen Kurgäste in Meran Herrn L. Bermann hohen Dank schulden. Amftetten. Samstag den 5. April 1913, 10 Uhr vormittags, findet im Tempel zu Amstetten die Barmizwah- Feier des Knaben Hans Verlisch, Sohn des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Ch. G. Verlisch und Frau Celine geborene Stricker, statt. Rabbinergehalt aus Kommnnalmitteln. Man schreibt uns aus Zombor: Die Petervürer israelitische Kultusgemeinde systemisierte eine Rabbinerstelle. Für deren Dotierung sorgt die Petervürer Kommune. Es dürfte dies der erste Fall in Ungarn sein, daß das Gehalt eines jüdischen Seelsorgers aus einer Stadtgemeindekasse dotiert wird. Feuilleton. Die beiden Intimes vom Generaldirektor der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft und seinem Sohne. Moses Mendelssohn, der etwa vor 125 Iahren gestorben ist, aber wahrscheinlich noch in 250 Iahren in der Geschichte der Philosophie leben wird, hatte - - neben etlichen anderen Kindern — einen Sohn Abraham. Ter war keineswegs unbedeutend. Denn er wurde der an Erfolgen reiche Begründer des berühmten Bankhauses Mendelssohn u. Komp, und der Vater jenes Felix Mendelssohn-Vartholdy, dessen Genie einem Schubert, einein Weber kaum nachsteht. Dennoch mußte Abraham Mendelssohn als Fünfzigjähriger halb ironisch, halb selbstzufrieden von sich sagen: Einst war ich der Sohn meines Vaters,' nun bin ich der Vater meines Sohnes. Mit einigen kleinen Variationen mag dieser Satz auch von der Dynastie Rathenau gelten: der Geheime Baurat Emil Rathenau darf auf seinen Sohn Walter aufrichtig stolz sein, und der Kaufmann und Philosoph Dr. Walter Rathenau hätte bei seiner Geburt in der Wahl des Vaters nicht weniger vorsichtig sein können, als er es in der Tat 'gewesen ist. Man kann jedoch diesen feinen, geduldigen, liebenswürdigen Menschen nicht böser machen, als wenn man ihn in irgendeinem Detail mit dem Vater verwechselt. Walter Rathenau will nur er selbst sein . . * . . Die Stammkapitalien der Allgemeinen Elektrizitätsgefellschaft und der Berliner Elektrizitätswerke betragen etwa zweihundert Millionen Mark, und Emil Rathenau bezeichnet sich selbst als Generaldirektor dieser beiden Unternehmungen. In Wahrheit hat nämlich Rathenau mit der A, E. G. und den B. E- W. keinerlei Vertrag geschlossen, die Fabriken gehören nicht ihm. von den Aktien besitzt er nur einen ganz winzigen Teil, dennoch schaltet und waltet er in den Betrieben so unumschränkt, als wäre er der alleinige Eigentümer. In den Generalversammlungen hat er sich oft und oft weit stärker gezeigt als der gesamte Aufsichtsrat. Diese machtvolle Stellung des alten Geheimcates beruht nicht auf seinem Vermögen, sondern auf der Kraft seiner Persönlichkeit. Er hat die A. E. G. und ihre Tochtergesellschaften zu den bedeutendsten und kapitalkräftigsten Industriefirmen Europas gemacht, und die Aktionäre haben vor seinem Können und Kenncn einen heillosen Respekt. Emil Rathenau ist Berliner von Geburt, hat vier Iahre das Maschinenbaufach auf der Wilhelmshütte praktisch gelernt und studierte dann auf dem Polytechnikum in Hannover und an der Technischen Hochschule in Zürich. Zu Beginn der sechziger Iahre arbeitete er als leitender Ingenieur bei A. Borsig. der größten deutschen Maschinenfabrik, dann ging er für einige Zeit nach England. Eines Tages erwarb er in Berlin die Maschinenbauanstalt Weber, die nicht recht gehen wollte und unmittelbar nach dem Kriege gegen Frankreich für wenig Geld in den Besitz einer Aktiengesellschaft überging. — Auf der Ausstellung in Philadelphia (1876) lernte der total vermögenslose Mann den amerikanischen Maschinenbau und das Telephon kennen. Als er nach Berlin in der Absicht zurückkehrte, den Fernsprecher und Edisons Glühlampe in Deutschland einzuführen, zählte er fünfundvierzig Iahre und war in weiteren -kreisen völlig unbekannt. In einer Audienz heim Staatssekretär des Reichspostamtes Dr. v. Stephan schlug er die Einführung des Telephons in der Hauptstadt des Deutschen Reiches vor. Herr von Stephan war keineswegs ein kurzsichtiger Bureaukcat, er hat im Gegenteil das gesamte, höchst moderne deutsche Postwesen geschaffen, aber die Geschichte mit dem Telephon, die ihm Rathenau vortrug, erschien ihm doch ein wenig phantastisch zu sein, denn in Berlin würden sich dafür nach seinen Feststellungen nicht zwei Dutzend Menschen finden lassen. Da ging Rathenau mit der Konzession auf Einführung des Telephons in der Tasche selbst auf die Suche nach Abonnenten, und er hat bekanntlich recht viele gesammelt. so viele, daß es heute in Deutschland einige Millionen gibt, die nicht ohne Telephon leben können. Als der Erfolg da war. verlor Rathenau seine Konzession, denn der Generalpostmeister gliederte das Fernsprechwesen der staatlichen Telegraphie an. Nicht weniger hoffnungslos als die Telephonidee wurde die Rathenausche Gründung der E. G. und der B. E. W. von Eingeweihten und wirklichen Sachverständigen beurteilt. Fünf Iahre nach der Errichtung der A. E. G. war darum der Kredit noch so schwach, daß man ihr eine Dampfmaschine ohne bare Bezahlung nicht überlassen wollte. Die Lieferung geschah erst, nachdem der Kommerzienrat Hugo Landau, ein Mitglied des Aufsichtsrates, für die Aktiengesellschaft die persönliche Bürgschaft übernommen hatte. Und als die Berliner Elektrizitätswerke anfingen sie hatten und haben den Zweck, elektrisches Licht und elektrische Kraft in Berlin einzuführen ---, da meinte selbst Werner von Siemens, der Schöpfer von Siemens u. Halske. die B. E. W. wären ein unsinniges Unternehmen, das bald kn Konkurs gehen müsse. — Geheimrat Emil Rathenau hat dreißig Aufsichtsratsstellen und führt den Vorsitz im Aufsichtsrat von acht Instituten, darunter bei der Berliner Handelsgesellschaft, einer der allergrößten deutschen Großbanken «Karl Fürstenberg heißt einer ihrer Geschäftsinhaber). Dr. Walter Rathenau ist unter anderem im Aufsichtsrat der Vereinigten Lausitzer Gaswerke, der Berliner Handelsgesellschaft, der A. E. G.. der Berg- und Metallbank, der Gebrüder Körting, der Schlesischen Llek trizitäts- und Gas-A.-G. Ich glaube, er hat noch mehr Verwallungsratsposten als sein Vater, denn er wird von seinen Freunden der Aufsichtsrathenau genannt.

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