Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 13 (28.3.1913)
- Date
- 1913-03-28
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 13 Seite 239 wenn sie auch nicht oft Gelegenheit haben, dies öffentlich tzu betonen; daß sie vielmehr in der Jsrael.-theol. Lehranstalt ihre Alm:i unter erblicken, an der sie mit stets gleicher Liebe und Verehrung hängen. Lang anhaltender Beifall folgte diesen Worten. Mit großem Applaus wurde die überaus launige Rede des Herrn Prof. Dr. Krausz aufgenommen. Nach dem „Benschen" formierte sich die Gesellschaft zu einer gemütlichen Kneipe, bei welcher insbesondere die geistsprühenden, mit bewundernswerter Geschicklichkeit improvisierten hebräischen Verse des Herrn Prof. Dr. Aptowitzer stets neue Lachsalven und Beifallsstürme hervorriefen. Entzückt war die Gesellschaft von dem „Mischeberach" des Herrn Oberkantors Morgenstern. Erst sehr spät ging die Eese lschaft auseinander. Mittwoch früh reisten die Gäste ab. - Besonderer Dank gebührt der „Mensa academica Judaica", die die Gäste in der entgegenkommendsten Weise bewirtete. Die Sp.isen für das Bankett besorgte Restaurateur Nagel zur vollen Zufriedenheit aller. Wien. (Bethaus-Verein Machsike Haddaß, II., Ob. Augartenstraßc <0.) Am Dienstag abend fand die feierliche Einweihung der neuen Szefer-Thora bei überaus zahlreicher Beteiligung statt. Im Hause des Spenders, Herrn Beruh. Siteinmann, ,'Gr. Schiffgassc) wurden die letzten Buchstaben unter Assistenz des Szofer Herrn Mayer Brunner erzeugt; daselbst richtete Herr Landmann vom Verein „Liviaß Chew" eine erhebende Ansprache, dann bewegte sich ein großer Zug zur Vereins-Synagoge mit der Thora-Rolle unter dem Baldachin unter Fackelbeleuchtung und Absingung der Volkshymne. Herr Jak. März trug aus Gefälligkeit Psalm 24 feierlichst vor und die Festrede hielt Ehrrv. Herr Rabbiner Mayersohn. Beim Maariw-Gebet fungierte der jugendliche Wunderchasen Kaufmann aus Podlutsche bei Krakau, der auch am Sabbat daselbst vorbetete. —n. 3. HaupiversammAng drs Jüdischen Handlungsgehilfen- Verbandis, Zentrale Wien. Während der beiden Osterfeiertage tagte in Wien die 3. ordentliche Hauptversammlung des jüd. Handlungs-Gehilfen-Verbandes. Anwesend waren 30 Delegierte der Ortsgruppen und Zahlstellen Wien, Proßnitz, Mähr.-Ostrau, Ung.-Hradifch, Dombrau, Orlau, Karwin, Odcrberg, Freistadt, Göding und Ung.-Brod; ferner hatte der Verband der jüdischen Handels- und Privatangestellten in Lemberg einen Vertreter zur Begrüßung dieser für die jüdischen Angestellten so wichtigen Beratung entsandt. Dem Jahresberichte, welcher der Versammlung vorlag, ist zu entnehmen, daß sowohl die Zahl der Mitglieder sich verdoppelt hat, als auch die Zahl der Ortsgruppen und Zahlstellen gewachsen ist; die materiellen Mittel des Verbandes wurden durch die prit der Wirtschaftskrise verbundene außerordentliche Stellenlosigkeit sehr stark in Anspruch genommen, doch weist dessen ungeachtet der Stellenlosen-Unterstützungs-Fonds eine erhebliche Steigerung auf. Die Tagung beschäftigte sich u. a. mit zahlreichen organisatorischen, vor allem aber grundlegenden programmatischen Fragen, und sind besonders von den Beschlüssen heroorzuheben jene, die sich mit der Festlegung eines endgültigen Einvernehmens mit dem Verband der jüdischen Handels- und Privatangestellten in Lemberg, mit der Schaffung von Jugendorganisationen befassen. In programmatischer Beziehung wurde festgelegt, daß der Verband auf nationaler Basis stehe, mit Ausschaltung irgendwelcher politischer Betätigung; der I. H.-V. erstrebt die Vereinigung aller jüdischen Kollegen, und soll diese geschaffene nationale Gewerkschaft gemcinsanl mit allen anderen Gewerkschaften durch eine nach dem Proporz zusammengesetzte Reichs - Gewerkschafts - Exekutive ihre Krönung finden. Mit einer scharfen Resolution gegen die Einschränkung jüdischer Reisender in Rußland, sowie dem Aufträge an die Leitung, bei den kompetenten. Behörden diesbezüglich zu intervenieren, schloß die äußerst eindrucksvolle Versammlung. Wien. .'Schauturnen des Ersten Wiener Jüdischen Turnvereins.) Zu den Veranstaltungen, welche aus dem Rahmen einer bloßen Manifestation hervortreten und einen a kgenleinstt Charakter tragen, zählt das Schauturnen des Ersten Wiener Jüdischen Turnvereins, welches am 9. März unter der musterhaften Leitung des Herrn Emil Popper in den ^ofien- Sülen stattgcfunden hat. Es war ein Fest der jüdischen Jugend, welches gezeigt hat, daß ehrliche, eifrige Arbeit die Juden auch in körperlichen Leistungen zur höchsten Vollkommenheit erziehen kann. Präzise ' .10 Uhr abends begann das Schauturnen mit den Geräteübungen der Herren-Abteilung. von welchen die Hebungen der ersten Riege am Hochreck den Gipfelpunkt des Kunstturnens barste Iten. Tosender Beifall lohnte diese Vorführungen, an welche sich die schön ausgeführten Freiübungen der Zöglings- Abteilung anschlossen. Nach diesen fesselten die gemeinsam zur Ausführung gebrachten, ungemein effektvollen Frei- und Stab- Übungen der Damen- und Herren-Abteilung das allgemeine Interesse. Nun folgte das Zöglingsturnen an 3 Barren, welches von der erfreulichen Entwicklung dieser Abteilung unter der bewahrten Führung des Herrn Hororvitz beredtes Zeugnis gab. Ein Bild vollendeter Anmut und Grazie boten hieraus die Hebungen einer Damcnriege am hochgestellten Schwebebaum, welche großen Beifall fanden. Eine Mustervorsührung am Tisch bildete den Abschluß des Schauturnens, dessen Gelingen den unermüdlichen Bestrebungen des allgemein beliebten Turnleiters, Herrn Emil Popper, zu danken ist. Döblinger Fraurn-Verein. Sonntag, den 9. d. M., fand unter dem Vorsitz der Präsidentin Frau Sidonie Kahn die erste ordentliche Generalversammlung des „Jüdischen Frauen-Wohltütigkeitsvereines für den XIX. Bezirk in Wien" statt, welche nicht bloß von den Mitgliedern, sondern auch von den Delegierten der anderen Frauen-Vercine überaus zahlreich besucht war. Der Bericht des Ausschusses hob hervor, daß es sich wider Erwarten herausgeste.lt hat, es gebe viel Not und Elend auch unter Döblinger jüdischen Familien, so daß die Jahreseinnahmen von fast 4000.— Kronen kaum den laufenden Bedürfnissen entsprochen haben. Es wurde daher beschlossen, die rege Anwerbungstätigkeit von Mitgliedern und Förderen eifrig fortzusetzen. Nachdem der gesamte Ausschußwiedergewählt worden war, darunter die Damen Sidonie Kahn, Präsidentin, Sofie Kotünyi, Vizepräsidentin, Annie Kohn, Schriftführerin, und Rosa Sprca, Kassicrin, fand der Vortrag des Döblinger Vereinspredigers Herrn Dr. Frankfurter statt, welcher unter Gegenüberstellung der „jüdischen Frau von einst und jetzt", von dieser die Wiederbelebung des jüdischen Geistes in Familie und Gese l'chaft verlangt und erwartet. Mit Dankesworten der Präsidentin an die Erschienenen und insbesondere an den Prälegenten für den ebenso belehrenden als anfeuernden Vortrag schloß die denkwürdige Versammlung. Austritte ans dem Judentum. Vom 16. bis inkl. 22. März 1913. Alberti Dr. Leo, Kaufmann, geb. 27. August 1884, Neudörfel, IV., Schleifmühlgasse 1 a. Deutsch Martha, Private, geb. 12. Dezember 1885, Stockerau, II., Taborstrasse 24 a. Fischer Isidor, Reisender, geb. 24. Februar 1881, Wien, XIII., Testarellogasse 3. Gefall Olga, geb. 27. September 1883 in Wien, Budapest. Geliert (Grün) Oskar Ferenz, geb. 6. Dezember 1886 in Wien, Budapest. Glasel Adrienne, geb. 6. Dezember 1882, Brünn, VII., Zieglergasse 73. Grossmann Dr. Ernst, geb. 20. Dezember 1877, Prag, IV., Johann Straussgasse 24. Grünholz Robert, geb. 12. Februar 1883, Wien, III., Streichergasse 10. Schlesinger Irma, Privat-Beamtin, geb. 19. März 1868, Wien, I., Elisabethstrasse 5. Ein neues jüdisches Prachthotel! in Meran. Tie „Meraner Zeitung" vom 19. März 1913 meldet unter dem Cchlagwort „Hotel-Neubau Bellaria". „Im Verborgenen nahezu ist ein Neubau entstanden, der dieser Tage seine Eröffnung fand. Herr Leopold Berlnann hat seine Pension Bellaria in der Andreas Hofer-Straße und die von ihm angekaufte Villa Gothensitz in der (Habsburgerstraße durch einen Zwischenbau verbinden lassen und hat sieh dadurch ein Großhotel mit 70 Zimmern geschaffen. Architekt Hans Hoffman n, dessen frühere Schöpfungen bereits Zeugnis seiner Fähigkeiten abgelegt haben, hat die gewiß nicht leichte architektonische Lösung dieses Verbindungsbaues zwischen zwei Häusern mit verschiedener Stockwerkhöhe in glänzender Weise gefunden. Dieser Bau enthält im Souterrain einen israelitischen Betsaal für Männer und Frauen und rituelle Bäder, im Parterre' eine äußerst aparte, stimmungsvolle Halle, deren Deckenbemalung und Wandbekleidung in raffinierter Weise die Schwierigkeiten der Raumverteilung maskieren. Durch einen kurzen, Ton in Ton gehaltenen Verbindungsgang, in welchem sich ein monumentaler Brunnen mit Gold-Mosaik-Verkleidung befindet, gelangt man in den geradezu pompösen Speisesaal, welcher bis ins kleinste Detail die vom Architekten ausgearbeitete einheitliche künstlerische Ausstattung in eindrucksvollster Weise zum Ausdruck bringt. Wir wollen an dieser Stelle nicht der heimischen Gewerbetreibenden vergessen, welche durch ihre hervorragenden Leistungen den Architekten unterstützt haben; es sind dies die Kunsttischlerei Hermann Müller-Algund, welche mit ihrer Täfelung und den Wand-Glaskästen eine prachtvolle Arbeit geliefert hat, Bildhauer Josef Moser, von dem die schönen Kamine in Gasteiner Marmor stammen und die Kunstschlossern Gerstberger, aus dessen Werkstätte die handgetriebenen Kamin-Gitter hervorgegangen sind. Ein großes, lichtes Treppenhaus, Lift, geräumige Zimmer, nach Süden alle mit Balkons, Appartements mit Bädern, geben dem Hause den Charakter eines Hotels 1. Ranges, das den vornehmen orthodoxen Israeliten ein neues Heim in unserem Kurort bietet.“