Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 13 (28.3.1913)
- Date
- 1913-03-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 13 Dr. Btochs Wochenschrift. Seite 229 Wien. Die Frage des Tempelbaues im III. Bezirk geht allmählich einer gedeihltzhm Lösung entgegen. Der aus den Kauf des für den neuen Tempel ausersehenen Grundstückes bezügliche Vertrag ist bereits notariell unterzeichnet und das Grundstück selbst, Ecke Untere Weihgärberstratze und Blüthengasse, grundbücherlich auf den Namen des Tempelbaukomitees eingetragen. Freilich ist damit bloß der Anfang gemacht, aber ein guter Anfang ist ein halbes Ende, und hoffentlich wird auch die andere Hälfte nicht lange auf sich warten lassen. Das Tempelbaukomitee verkennt durchaus nicht die großen Schwierigkeiten, die sich besonders in der fetzigen, wirtschaftlich so krisenhaften Zeit der Erbauung eines neuen Tempels entgegenstellen. Gleichwohl gibt es sich der zuversichtlichen Hoffnung hin, datz es dem bewährten Eemeinsinn der jüdischen Bevölkerung im III. Bezirk, die 1500 Kultussteuerzahler zählt, im Verein mit der in Aussicht gestellten Unterstützung seitens des verehrlichen Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde gelingen wird, der Schwierigkeiten Herr zu werden. Die Erbauung eines würdigen Gotteshauses im III. Bezirk, in dessen Bereich 12.000 Juden wohnen, ist eine dringende, unaufschiebbare Notwendigkeit. Es ergeht hiernach an die gesamte Judenschaft unserer Residenzstadt die ergebene Bitte, dem Tempelbaukomitee Landstraße mit Rat und Tat beistehen und allsüllige Spenden, die öffentlich gebucht werden, an den Obmann, Herrn Dr. Joses Auerbach, Hof- und Eerichtsadvokat, III., Hauptstraßc 14, senden zu wollen. — Das Tempelbaukomitee Landstraße. Wien. Sonntag, .7. Adar, fand im Beihause Marpe Lanesesch ein Hesped (Trauerfeier) statt. Herr Rabbiner Friedmann schilderte in ergreifenden Worten den großen Verlust, den das Judentum . erlitten durch das in kurzem Zeiträume erfolgte Ableben namhafter Talmude Chachanim. So namentlich Rabbiner Wolf Kohn in Baden, Fried in Martinsberg, Pinkas Benies-Jllok, Reichenberg-Tyrnau, Friedmann Dekubrüt", Klein-Gwa, um den uns Wienern in besonders gutem Andenken stehenden Rabbiner Ri. A. Fürst, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, und, noch so jung, uns entrissen wurde. Redner gedachte auch eines geschützten Vereinsmitgliedes Herrn Horowitz. Die Ausführungen des Redners, welche hohe Bedeutung die Lehrtätigkeit und das Beispiel der Talmudgelehrten im Judentum besitzen und welche Lücke dieser Abgang zurückläßt, machten auf das zahlreiche Publikum tiefe Wirkung, und alles gelobte, für die Heranbildung von wirklichen Talmude Ehachanim jedes Opfer zu bringen. Poake-Zwn, Wien. Samstag, den 29. d. M., um 8 Uhr abends, findet im Cafä Stefanie, II., Stefaniestraße 2, eine Parteiversainmlung statt, bei der unsere nächsten Aufgaben besprochen und die Wahl eines Parteikomitees vorgenommen werden wird. Jüdischer Schulverein für den IX. Bezirk. (IX. Seegasse 16.) Mittwoch den 2. April d. I., präzise halb 8 Uhr abends, .ndet in den Vereinslokalitäten ein Elternabend mit *fiD s k u s s i o n statt. Referent Herr Oberlehrer Jakob Kohn. Gäste willkommen. Wien-Mariahilf. Durch den vorzeitigen unerwarteten Heimgang des Herrn Ignaz Wolf, Mitchef der k. k. priv. Fabriken Friedrich P o l l a k, ist eine der vornehmsten Patrizierfamilien unseres Bezirkes in tiefe Trauer versetzt worden. Mit ihm ist ein vortrefflicher Mensch, der zärtlichste, liebevollste Gatte und Vater, ein treuer Sohn, ein hervorragend tüchtiger und hochangesehener Industrieller dahingegangen und sein Ableben hat unendlich viel Wehmut und Teilnahme ausgelöst. Sein bescheidenes Wesen, seine Freundlichkeit und Güte gewannen ihm die Herzen der Menschen und wenn von jemandem, gilt von ihm das Wort, daß er nur Freunde zurückgelaffen. Die wenige freie Zeit, die ihm seine unermüdliche Tätigkeit in seinem Berufe und die Fürsorge für seine Familie übrig ließ, widmete er Werken der Nächstenliebe und dem öffentlichen Wohle, wobei er stets ängstlich vermied, daß sein Name in den Vordergrund trat. Der Mariahilfer Tempelverein, dessen ausgezeichneter, verdienstvoller Vizepräsident sein Schwiegervater Herr Friedrich P o l l a k ist, und der Frauen-Wohltätigkeitsverein, dessen Vorstande seine edelmütige Gattin angehört, verlieren in ihm einen warmherzigen Freund und Förderer. Die vielseitige Beliebtheit und Verehrung, deren sich der allzufrüh Verblichene zu erfreuen hatte, zeigte sich in der ungewöhnlich starken Beteiligung an seinem Leichenbegängnisse; Tausende gaben ihm vom Trauerhause auf den Zentral-Friedhof das Ehrengeleite und die Zeremonienhalle konnte die Scharen der tiefergriffenen Leidtragenden kaum faffen. Mit gewohnter Meisterschaft entwarf Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. T a g l i ch t ein lichtvolles Charakterbild von dem Entschlafenen, dem er 1i: übereu? zutnsf.-nden B.belworte zug'undelegte: „Er fand Wohlgefallen bei Gort und den Menschrn." Dann sprach ein Angestellter des Hauses, Herr Siegstied K u b i e, rührende Worte des Dankes an den geliebten Chef und Herr Schriftsteller G l ü ck s m a n n nam.'ns des Vereines „Humanitas", worauf, was von Ignaz Wolf sterblich war, in der Familiengruft beigesekt wucde. Er ruhe in Frieden! l’> . . . y. Wien. („B ee 1 h Haam" (Jüdisches Votksheim), XVÜ., Hormayrgasse 7 a.) Samstag den 29. Mürz 1913, halb 8 Uhr abends, Vorlesung: Frau Rahel Edelstein-Friedmann: ,, Jüdische Autoren" IV. — Anmeldungen von Vortrügen oder Mitwirkungen bei Konzerten wolle man gefl. an den Präsidenten, Herrn Dr. Marlin Förster, XVI., Thaliastratze 22, gelangen lassen. Wien. Am 5. April l. I. feiert der 1. Kantor der israel. Kultusgemeinde, Leopold Serebrenik, XVIII., die Barmizwah feines Sohnes Berthold. Die Tempelseier findet Samstag den 5. April um 9 Uhr im Gotteshause XVIII. statt. Gratulationen : Sonntag den 6. April in der Wohnung, XVIII., Schopenhauerstraße 39, 2. Stock, um 3'V Uhr nachmittags. Wien. (H e i m a n n - K i n d e r b a l l.) Montag, den 24. d. M., fand im Hotel Continental die ^-chlußfeier der Jugend- und Kindertanzkurse des Tanzinstitutes I. Heimann statt. Den ersten Teil des Abends bildeten die e.rakt und graziös ausgeführten Ronde- und Konversationstänze. In der zweiten Abteilung gab es eine große Zahl von verschiedenartigen National- und Phantasietänzen, die von den Zöglingen mit allerliebster Grazie und Gewandtheit ausgeführt wurden. Die Kleinen und ihr Lehrmeister Rudolf Heimann ernteten Beifall und belobende Anerkennung. Jüdischer Verein „Einheit". Die diesjährige Generalversammlung findet Montag d n 31. März 1913, 8' Uhr abends, im Turnsaale dcr Talmnd- Thvra, II., Malzgaffe 16. statt. Wien. Sonntag, den 16. März, trafen die Hörer der Landesrabbinerschule von Budapest unter Führung des Prof. Dr. Blan hier ein, um ihren Wiener Kollegen, welche am Lag-Boomer vergangenen Jahres einen Ausflug nach Budapest unternominen hatten, einen Gegenbesuch abzustatten. Sie wurden am Bahnhofe von den Hörern der Wiener Jsrael.-theol. Lehranstalt empfangen und fanden sich noch am selben Abend zu einer gemütlichen Zusammenkunft mit diesen im Hotel Guth ein, bei welcher auch die Herren Professoren Dr. Blau und Dr. Krausz anwesend waren und die einen sehr animierten Verlauf nahm. Montag vormittag wurden die Gäste von den Professoren der Jsrael.-theol. Lehranstalt empfangen, wobei der Rektor Prof. Dr. Schwarz die Herren in einer geistreichen Ansprache begrüßte. Der Montag war der Besichtigung von Sehenswürdigkeiten gewidmet. Montag abend fand zu Ehren der Gäste ein Festbankett statt, an welchem außer den Hörern das Professorenkollegium der Jsrael.-theol. Lehranstalt teilnahm, ferner die Alten Herren der Wiener „Theologia", Rabb. Dr. Mandl, Rabb. Dr. Bauer, Rabb. Tr. Frankfurter, die Doktoren Artur- Schwarz und Winkler und auch Herr Oberkantor Morgenstern. Die Reihe der Toaste erössnete Herr stud. theol. Albert Weiner, der die Gäste namens der Wiener „Theologia" begrüßte. Für seine schlichte, aber geistreiche und eindrucksvolle Rede, die in einen Preis der jüdischen Wissenschaft und ihrer Pflegestätten in Wien und Budapest und der daselbst Lehrenden und Studierenden ausklang, erntete er reichlichen und wohlverdienten Beifall. Hierauf ergriff, durch Händeklatschen begrüßt, Herr Prof. Dr. Blau das Wort, um für den Wiilkommengruß zu danken. Die Freundschaft, sagte er, sei nun festgeknüpft, und die altbewährte jüdische Treue lasse hoffen, daß das Band niemals sich lockern werde. Er trank unter lautem Beifall aus das Wohl der Wiener Jsrael.-theol. Lehranstalt. Hierauf erhob sich Herr Rektor Pros. Dr. Schwarz. Agadah und Halächah, führte er aus, seien die beiden festen Säulen des Lehrgebäudes der jüdischen Wissenschaft. Beide Disziplinen gehören fest zusammen. Heber die elftere hat Direktor Dr. Bacher in Budapest wissenschaftliche Arbeiten von dauerndem Werte veröffentlicht, die letztere sei das Gebiet der Arbeiten des Wiener Rektors. So ergänzten sich die Leiter der beiden Lehranstalten gegenseitig, ebenso wie sie im Leben durch 45 Jahre treue Freunde sind. Er trank auf das Wohl des Direktors Dr. Bacher. (Anhaltender Beifall.) Hierauf sprach der Präsident der Budapester „Theologia". Dr. Guttmann, in deutscher Sprache, und die Herren stud. theol. Sonnenschein (Wien) und Mar Klein (Budapest) in hebräischer Sprache. Alle drei Reden, insbesondere die beiden hebräischen, wurden mit allgemeinem Beifall ausgenommen. Namens der Alten Herren der Wiener „Theologia" sprach Rabb. Dr. Bauer. Er wies darauf hin, daß die in Amt und Würden befindlichen Persönlichkeiten, die aus der Jsrael.-theol. Lehranstalt hervorgegangen sind, ihre Zugehörigkeit zu derselben niemals vergessen haben.